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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-05 · 10 (5.10.1860) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
10 (5.10.1860)
Date
1860-10-05
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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Löw Schwab. ®io<jrap(jifdjc Sfüüe von D. 5. Vornetzung.) ') Tas friedliche und freundliche Berbältniß, unter welchem, Sckwab ren Rabbinaksposten in Proßnitz augetreten, war kein vorübergehendes, sondern ein festes und andauerndes: und blieb ungetrübt und ungestört während der ganzen Zeit seines tcnigen Wirkens, r. i. bis;um Jahre 1836. — Wem unter unseren verebrlicken Lesern manche im ,trüberen erzählten Züge und Thalsachen noch in Erinnerung, der dürste leicht erkennen, daß diese Gemeinte in ihrem Grundcbaracler bedeutend verschieden war von derjenigen, welche Scknvab eben verlassen hatte. — Tic schlichte naturwüchsige Anhang׳ lichkeil^unt rer naive Enthusiasmus war liier nicht zu erwarten. ׳ Es war ein "Publikum nur großstädtischem Anstrich, das heterogene Elemente umfasne, unter welchem uiaunigsacheS, inebr-seiciges Wissen verdreiter war, das eben ran,m auch zu heberen Ansrrüchen sich berechtigt dachte, zu strenger strilik geneigt unr überdies neck mit einem Ansatz vcn Sponlust bebastet war. — Und auch dort wußte Schwab alle Herzen zu gewinnen unr in den Gemüthcrn unvergestliche Erikinerungen;urnckznlassen. Auch dcrt war er der geliebte und verebne treue Lehrer nur Freund, Rathgeber und Bermitiler rer Gesalnintgemeiltde unr ihrer ('1'liefet■ in allen Lagen unr Verhältnissen. Seinem versöhnenden Tazwischentreken gelang cS den steint jedes Zioistes, wo solcher durch irgendwelche Veranlassung immer auSzubrecken drohte,;u ersticke». So als durch die Erweiterung der Snnagoge und die Permel,׳ rung der Betplätze die trüberen Bentzverkälcniffe eine Störung erlitten und verschiedenartige Au'vriiche auszualeichen waren, und in ähnlichen Fällen mebr. — Unter seiner tbärizeu ״?Ritwirkung wurde eine armselige ,,Tbalmur- Tvora," in welcher einige wenige arme stnaben bei einem unbedeutenden Lehrer spärlichen Bibclunterricht genossen bauen, in eine treuliche, woblorganisirte, seitdem in fortwährender Blülhe stehende hebräische Sckule rmigewandelt, c!e bald von rem größieu Thcile rer männlichen Schuljugend bej sucht wurde, und an welcher i'uiiuicr, wie 1'. Vö>v, gegenw. Sberrabb. in Szegedin, der bekannte verstorbene bebr. Viterat Baruch Schönseld, rer jetzige T berrabb. in W. ׳?Lustadt, Joseph Weine, nach einander als Lehrer wirk- . ren. — Aus seine -Anregung bildete sich ein IlnterstützunzSverein während der lcirensvcllen -?eil rer Ebolera-Eviremie, und unter seiner Leitung wurden; die menschensrenncltchcn Gaben verabreicht und die Berlbeilungen vollzogen, j Vertrauensvoll wandte sich die Gemeinde an ihn in ihren wichtigsten Verwickelungen. — Galt es einen Nachlaß des Untertbanen - Tributes von! rer grnndberrlichen Obrigkeit zu erivirken: galt es um Abhilfe derWchnnngs-! nctb unr um ras Wohnrecht außerhalb res Ghetto bei der Regierung nach-;״suchen: galt es bei den rieserwegcn angecrdneten commissionellen Erkebuugen, die argem Schmähungen nur gehässigen Angriffe, welche die gegnerische,! rem verlangen sich wirersetzcnde, stärt. Eommune gegen die Proßnitzer Jsraeülen und gegen ras Judenlbnm überhaupt schleuderten, sogleich im Protoeollswege auf's wärniste und kräftigste zurückzuwenen; galt es bei der An- Wesenheit des staii'crs Franz die (Gemeinde zu repräseniiren und ihre Gesäble der Treue und Anhänglichkeit in würdiger unk angemessener Weise zu rolmelschen: — stets war es Sckwab's Ratb, rer Richtung und Ausschlag gab und sein Wort in Sck'risr unr Rede, wodurch die Gemeinde ihren Bitten und Beschwerden, .stlagen. Vertbeidigungen und Huldigungen Ausdruck verlieb.— Es leb Ile in Proßnitz, sowohl unter den Gliedern als unter den Häuptern rer Ge!11.'il!de, nick׳! an Männern, die des mündlichen unr schriftlichen Ausdruckes ganz mächtig waren, ja es zäblre die Gemeinre damals schon mebr derselben, als manche größere noch heutigen Tages: doch übertrug sie j Sck'wab am liebsten die Aufgabe sie in ren mannigfackwn Fällen in bezcichneker Weste zu vertreten. Freilich war dort und damals noch nicht jene kleinliche Eiien'üchrelei zu bemerken, die nicht gerne den Rabbiner zu sekr in den ׳ Vordergrund treten läßt und stets fürchtet, der Mann der Jnlelligeu; könnte den tei- Geldes an Geltung unr Ansehen ״ausstecken"; und auch die Furcht vor hierarchischem Einflüsse war in gebildeten Gemeinden gebildeten Rabbinen gegenüber noch nicht am Platze. Tarnm ward es nickt blos ohne ( Scheelsucht, sondern vielmehr 'mit Stolz unr Freude gesehen, wenn es rem besseren Rabbinen gelang, sich unr seiner Gemeinte Actming und Anerken-! 1 ci.bi ־.'ir. i. ׳.־, t, 5, u. •י. j l nung ßu erringen; zumal wenn dies in solcher Weise und mit solcher Haltunz wie von Schwab erstrebt wurde, so anspruchslos und so frei von aller selbstischen Rücksicht, so ferne von Allem was auf Reclame und Zeituugslob losgeht, und so einzig und allein nur im Hinblick auf die Sache und die Gemeinde. ״Sein Name wuchs unr verbreitete sich im Lande;" um ihn gruppine sich so zu sagen Alles, was in der Provinz auf Bildung Anspruch machte unr Besseres und Höheres dachte und erstrebte. Allgemein aber galt er als der stlüzste, Berständigste und Einsichtigste unter allen mähr. Rabbineu; darum ward sein Rath von seriieren Kreisen gerne gesucht und die Angehörigen fremder Gemeinden kamen nach Proßnitz um ihre, zuweilen die bedeutendsten Beträge und die verwickeltsten Interessen betreffenden Streitigkeiten durch Sckwab's schiedsrichterlichen^ Ansspruch austragen zu lassen. Tic Haltung Sckwab's gegenüber dem Landesrabbincr war die der gegenseitigen Stellung und der Coitvenien; gemäße, weder freundlicher noch feindlicher; außer den durch das Gesetz veranlagten Fällen fand nur wenig Berührung zwischen beiden statt; dieser geringe Berkehr war höflich genug, wie renn schon die Natur rer hebräischen Correspondcnz und die hcrkknimlicke rabbiniscke Schreibweise manchen überschwänglichen Ausdruck in der Titulakur mit unterlaufen läßt. Bon Prcvccirnngen jeder Art hielt sich Schwab zurück, wenn cs ihm gleich wohl bekannt war, daß Trebinck in seinen häusigen Ausfällen gegen das ,,Teutschc," das er — wie ihm später nacherzählt wurde — ״mit der Wurzel ausrotten wollte," auch mit Schwab'ü :Kamen nicht zn:n glimpflickstcn verfuhr. — Ein ernstlicher Eonslict drohte zwischen beiden auSzubrecken, über eine Frage, welche in Mähren, heute wohl schon als eine abgethane zu betrachten ist, hier in unserem ungarischen Barerlande aber neck immer einer der großen Tiffereuzpunkte der starren Orthodoren und ihrer Gegner ist, — die Boll- Ziehung des Traunngsactes in der Snnagoge. Als Schwab, der erste in Mähren, diesen Schritt tbat, geschah cS nichts weniger als aus bloßer -Neuerungslnst; die Maßregel war vielmehr durch die localen Berbältnisse, durch Lage und Umgebung der Synagoge derart geboten, daß die ältesten und srömmsten Leute nickt nur Beifall zollten, sondern aus Anstandsirnd Schicktickkeitsgesühl beinahe dazu drängten. Daß die ohne vorherige Anfrage vorgencmmene Neuernng vom Landesrabbiner Trebiksch sehr unwillig angesehen wurde, kann der Leser leicht denken. Was aber Tr. noch mehr als die Sacke selber besonders verletzte, war die Art nur Weise, wie der Borstand von Proßnitz ihn dann dock davon in stcnntniß setzte. — stur; vorher war nämlich — wie dies periodisch zu geschehen pflegte — ein Circular res Landesrabbiners an sämmtliche Gemeinten und Rabbinen ergangen, worin dieselben ermahnt wurden, alle möglichen Mittel anzuwenden, um die ״heimlichen Eben" hintan;,,halten »nd der Ausbreitung dieses ״Unsuzes" zn steuern. Ungültig erklären, wie kies in-Ungaru noch jüngst von niaucheni Rabbinen geschehen sein soll, konnte Trebilsck, als Rabbiner und Talnindist, solche Ehen nach jüdischein Gesetze natürlicher Weise nimmer: aber als ReligionSvcrletzung bezeicknete sein Rundschreiben die ״mit Ucbertretung der Lanrcszesetze eingegangenen Ekebünrnisse," weil der Jsraelite verpflichtet, ״jede seiner ״Religionspflick,ten der Weisheit und Milde der Landesverorknuiigen beizu- ״ordnen." Zugleich wurden die Gemeinden angewiesen, über ihre zufolge dieses Rundschreibens getroffenen Maßregeln Berichte abzustatten, welche er — Trebilsck — der Landesregierung vorlegen werde. — In seinem diessälligen Berichte nun führte der Proßnitzcr Vorstand unter Anderem die neue EinrickluNz als vollendete Tbatsacke an, unk muthete so Trebiksch zu, die Neuerung rer Behörde vorzulegen, ja sie sogar zu befürworten. Tarauf kam vcn Tr. eine geharnischte Epistel, woraus wir einige Stellen anführen: ״Ich ״habe in Euerem Berichte etwas Neues gefunden, wovon unsere Väter und ״großen Weisen nichts geahnt. Ick wundere mick, daß ein so kluger Rab- ״biner nur auf eigene Einsicht sich stützend es gewagt, einen Brauch abzuän- ״rern."... ״Wäre ich vorher befragt worden, ich hätte mich nickt beeilt, so ״was zu unternehmen, ohne die Zustimmung der Weisen und Großen unse- ״rer Zeit einzuholen."... ״Ick habe schon einmal vor der Behörde als un- ״verbiriichliches Gesetz ausgesprochen, daß die Chupah nirgend anderswo ״als im Synagozenhofe ausgestellt werden dürfe."... Nach Erörterung der Helligkeit rer Minhagim und nach Hinweisung auf die bekannte Stelle deS

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