Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 8 (21.9.1860)
- Date
- 1860-09-21
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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n 58 *י■— Löw Schwab. ן Liographikche S&iüt 0011 D. 8. (Fortsetzung.) >- Tas i'ffentlicbe i'eben und die Stimmung der mährischen Iudenschaft während rer;weiten Hälfte des dritten Jahrzehnts kennte ganz treffend ein Stillleben genannt werten. Bei der provinziellen Abgeschlossenheit von rem ^eben und streben außerhalb der t^renzen wußte der mährische Jude beinahe mebr davon, wie man nck dar»als weit hinten in der Türkei schlug, als von rem was draußen im Reicke die jüdischen Kreise hcwegte. Ter Bestand res Tempels in der Residenzstadt war natürlich wohl gekannt, würde aber sc sehr als ein völlig erotisckes Element, gleicksam als Lurusansralt der reicken Wiener betrachtet, daß es den AusgekläNesten und Borgeschritteiiste» in Mähren gewiß nickt in den Sinn kam, es könnte Aebnlickes i» den beimiscken Gemeinden Nachahmung tuideii. Mannheimer, der geleierte Redner, deß Raine heute jedem Kinde gelänffg ist und der im Jahre I *47 bei ^lnstalliriing des Laudcsrabbiuers, J>r. 3. R. Hirsch, mitwirkle, wurde damals nur neck als eine sremtartige Erscheinung anzcstaunt und als gän;Iick außer rem Kreise der jüdisch theologischen Welt stehend angesehen. Man verwunderte sick in Gewissch nickt' wenig darüber, daß der schüchterne Sckiväb bei einer ück rarbietenren l^elegcnkeit ein schreiben an ihn gericktet, uur Älkannbeiiner selber konnte seine angenehme Ileberraschung nicht un- Zerdrücken, von rem Rabbiner eines kleinen mährischen ProvinzfalstättckenS einen deutsch geiwriebenen ׳Brief;n erhallen. Tic t^ebilreieren »nr Unterrichteten in allen Gemeinden, an Zahl s<t׳en reckt bedeutend, gefielen nck gewiffermaßen in ihrer vereinzelten Stellung, in witzigen- Spöttereien über die Unwissenheit und in Klagen über den Fa- ״alismiis der meisten Rabbinen. <^an; ferne lag ihnen aber der Gedanke, ibren Ansichten und Anschauungen auch Geltung i>n Gemeintelebcn, etwa bei Rabbbiner- und Borskandswahlen, zu venckaffen. Wie bescheiden in dieser Beziebung die lauten Ansprüche und Forderungeii gewesen, zeigte ras an Bildung und Intelligenz wirklich hervorragcnde Proßnitz in der Rabbinatssrage. Während des langen Schwankens und Hcrnnisuchens und Fragens wurden dock zumeist nur die Namen erclusivcr Pilpulisren anss Tapet gebracht und endlich 1826 'Nekemias Trebitsck gewäblr, krot-rem er den Ansorderungen, welche die Mehrzahl dortiger Gemeinregtierer schon damals zu stellen berechtigt war, nickt enffprecken konnte. So ragte Sckwab allein aus allen Rabbinen Mährens hervor, bis svärer cksl neben ikm Joachim Pollak in Trebitsck als Mann von Wiffen und Bildung rübnM'sr genannt wurde, und gegen das Ende des Jahrzehnts anck iiock A. Laniberg in Piniiv und I. Schmirl in Lomnitz durch etwas besseren Geschmack in ihren Borträgen vor den gewöhnlichen Rabbinen sich auszeichneteu. Tie herrschende-Apathie zeigte sich auch nach dem am 12. Juli 1821' e> folgten Tore Bene riet's. Anck nickt die leiseste Andeutung war zu vernehmen, als könnte bei rep Neubesetzung res ersten RabbinatSposlcns nun eine der bisherigen entgegengesetzte Ricktung zu Ansehen gelangen. Hie und ra be! einigen Sanguinikern niocktswohl raS Berlangcn darnach auch die Hoff- »iing darauf erzeugen: im Allgemeinen war man überhaupt gewohnt das Vautrabbinal als ein in ras jüdische Leben, mir seltenen Äusnahmen wie bei Sckwab, nur wenig eingreifendes Insiilut zu -betrachte», und als den natihluK’u Träger desselben irgend eine ausschließlich talmudiscke 'Notabiliiär zu erblicken. T ein zufolge balle es leickt geschehen können, daß die Nikolsburger Gemeinde den che neu in aller Stille mit brieslich eingebotter Zustimmung . fas! sämmilicher «Gemeinden, mir Ausnahme von chroßnitz, durch Eleasgr Van! an Enkel des berühmten Ezechiel Landau besetzt hätte, wäre nickt der zn Berufende inzwischen von rer in Galizien eben graft!renden Ekolera hin- 'gerant werden. — Etwas mebr Tbeilnabmc und Regsamkeit mackte sich im Winter 1 "-'I‘> 1 bemerkbar, als plötzlich von Teile der Hofkanzlei eine neue Wahlordnung, zur Besetzung des Landrabbinakes crlanen und die Bornahme der Wahl auf reu Monat Jänner anberauml wurde. Terselbe Winter, brachte zugleich eine entscheidende Beränderung in Sckwab's Geschick hervor, zu welchem wir jetzt wieder;urückkekren wollen. ' T:e!׳e Ar. I, ־. ,1 ,<-׳> u. ׳'•. Dank dem Rufe, den er bereits erlangt hatte, waren kurz vorher öftere private und officiöse Anfragen aus Leipuik, Weiskirchen und .anderen Gemeinden an ihn ergangen, ob er geneigt wäre, die betreffenden vacanten Rabbinatsstellen einzunchmen, als ihm von Seiten mehrerer Proßnitzer Freunde, angesehener Gemeindeglieder, gleichzeitige Schreiben zukamen. deS Inhaltes: daß einem Gerüchte zufolge NehemiaS Trebitsck als Localrabbiner nach Nikolsburg berufen sei, daß die bald vorzuuehmende Wahl seines NachfolgerS in Proßnitz unstreitig auf ihn —- Schwab — fallen werde, und daß er daher keiner inzwischen an ihn gelangenden anderweitigen Benifung Folge leiste. Nickt lange währte es, da kündigte Trebitsch wirklich seine Absicht Proßnitz;11 verlaffen an; und während er in seiner Wohnung der herkkmmlicken Schritte, als Bitten und Vorstellungen, um ihn zum Bleiben zu bewegen, gewärtig war, fand unten im Gemeintesaale schon die Versammlung statt, welche mit eclatanter Mehrheit Schwab zum Rabbiner wählte. — Das Ergebnis der Wahl, welches in den rabbinischen Kreisen der mährische» Zeloten und Fanatiker beträchtlichen Aerger und Verdruß erregte, wurde sofort in den ehrenvollsten unk schmeickelhaftesten Ausdrücken Sckwab mitgctheilt, welcher den Ruf annahm. Zahlreiche Beglückwünschungen liefen aus Proßnitz ein, woselbst die Zufriedenheit mit dem Ausgange des Wahlactes eine so allgemeine war, daß sie selbst durch den bald darauf folgenden Incideuzsall nickt im Mintesten berührt wurde. R. Mose Sopher schrieb nämlick aus Preßburg: AuS alter Vorliebe und Theilnahme für die Proßnitzer Gemeinde, in welcher er einen Theil seiner jüngeren Jahre verlebte, erlaube er sich bezüglich der bevorstekendeu Neuwahl eines Rabbiners die Häupter der Gemeinde daraus aiifinerksam zu machen, wie bedauerlich es wäre, wenn der altcrhrwürdige RabbinatSsitz, den so viele große und heilige Männer geziert haben, nun etwa von cinenr der Neuerer eingenommen würde, die den ״Zaun einreißcu und das Gesetz zertrümmern möchten; er schlage ihnen daher einen der besten und frömmste» ungarischen Talmudisten in der Person.vor. Tankend für die Theilnahme und den guten Rath, replicirte der Proßnitzer Vorstand: daß der Rarh schon zu spät gekommen, indem die Wahl bereits vorgenommen worden, und zwar in bester Ordnung, nach Brauch und Herkommen, in Gegenwart und mit Zustimmung des heimischen Rabbinats EollegiumS; daß die Mehrheit der Stimmen, Mehrheit an Zahl und an Gewicht, einem Manne zugefallen, der trotz vieler Anschwärzungen und Aufeinrungcn von Benedict approbirt und als Gelehrter hochgeschätzt worden, der durch sein vormaliges Leben in dortiger Gemeinde sich einen guten Namen gemacht, und während seiner sechsjährigen Amtirung in Gcwitsck' die Liebe und die Verehrung dieser frommen und gottesfürcktigen Gemeinde genossen. Tie Ge meinte lebe nicht nur des Glaubens, für die Würde des Rabbiuatsstuhles gehörig bedacht gewesen zu sein, sondern erblicke in der großen Stimmen Mehrheit, welche den Wahlact entschieden, die bel-uhigcnde Gewähr für den Frieden und die brüderliche Eintracht in der Zukunft. Solche zu trüben haben gewiß nickt in seiner — Sophers — Absicht gelegen, wiewohl dessen Schreiben, falck gedeutet, bei einigen wenigen schwachen und schwankenden Gemütkern leickt einen bedauerlichen Eindruck macken könnte. — Ter kluge Sopbcr verwahrte sich sogleich .in einem zweiten Schreiben dagegen, als hätte er in einer ikm so werthen Gemeinde Zwietracht säen wollen; er habe nickt vorausgesetzt, daß Proßnitz sich so beeilen werte, Trebitsck einen Nachsclger zu geben. Wäre ikm dies: bekannt gewesen, würde es ihm gewiß nicht in reu Sinn gekommen sein, jetzt mit seinem Ratke hervor zu treten, um so weniger als auch er von der gewählten Persönlichkeit die beste Meinung hege und allen himmlischen Segen für reu Erfolg der Wahl erflehe. So war kiese Intervention Sophers, worüber wir das Urtheil dem Leser anheim stellen, und die ihrer Natur nack nickt dazu ängckhan war, für Sckwab günstig zu wirken, in Proßnitz völlig spurlos vornbergcgangen; und die Gemeinde rüstete sich den neuen Rabbiner zu begrüßen, dessen liebersiedlung auf den Monat Mär; vereinbar worden. Tic dazwischen fallende Landrabbinats-Wahlangelegenheit berührte Schwab in so ferne, als er nickt umhin konnte in der Zehnzahl von Bewerbern mit zu erscheinen, und als ikm die Stelle eines Ersatzmannes für den Wahlact von Seile res Olmützer Kreises übertragen war. Tie vorhin erwähnte Wahlordnung batte — bezeichnend genug für die Zeit — vom künftigen Landesraböiuer keinen andern Nachweis über