Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 7 (14.9.1860)
- Date
- 1860-09-14
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427071--082-4884219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
—••יי 55 ««**■־ Bibelübersetzung, die bekanntlich Alle nicht fehlerfrei sind, und fr würden wir auch eine Philippson'sche Habens und die Israel. Freiheit in der Erklärung der Bchel, die ja bekanntlich eine neunundddreißigfache sein darf, blicb^ ge׳ wahrt. Durch das Verlangen unserer Eifrer, denen sich sonderbarer Weise der Hauptreformer Stein in Frankfurt anschließt, eine Commission von Rabbinern zur Feststellung der Uebersetzung niederzusetzen, würde ja gerade dieses große Gut beeinträchtigt, und wir erhielten, wie die Katholiken eine Bnlgata, die Protestanten eine lutherische Uebersetzung, die allein niaßgebend und zugelasien sind, etwa eine ausschließlich Würzburg-Bamberger'sche Weißkops'sche re. Bibelübersetzung, wenn es überhaupt zu etwas käme, denn unsere Hvper- Orthodoxen haben es von jeher verstanden, Lärm zu machen, Feuer zu ru fen, wo keine Gefahr war solche zu schaffen; BesiereS in'S Leben zu rufen, selbst nach ihren Grundsätzen, vermochten sie nicht, »och wollten sie'S. Uebrigens befinden sich unter den Protest-Rabbinern in Bayern keine zwei von irgend einem Gewicht und der Protest eines jünger«, Dr. Wcinmann aus Welbhausen, den man den Refornifrenndlichen bisher zuzählic, hat allgcmeine Indignation erregt. Eine andere hochwichtige Frage hat kürzlich uiisere Rabbincrwelt stark in Bewegung gesetzt. Ein bekannter. Rabbiner Unterfrankens hatte die Frage ventilirt, ob ein Israelit die Cochin- Chinahühner speisen dürfe und es entstand darob große Bewegung in Israel. Da gab es ein Hin- und Herreden, ein Hin- und Herschreiben an die großen und kleinen Autoritäten, der Eine pr<>, der Andere contra; der schlug den Oke», jener den Jo^?Lea nach, und es fehlte nicht viel, sie wären zu einem Coneilium, selbst mit Zuziehung der Reformer, die gar gern gekommen wären, znsaninlengctreten, und sie hätten sicherlich beschlossen, daß man sie — nicht speisen dürfe. Aber zu sothanem gemeinsamen Schritt sind sie noch zu uneinig, und es blieb bei einem kleinen Federkrieg, in dem viel Tinte vergoffen, viel Gelehrsamkeit bewiesen und viel Depeschen durch die Post befördert worden .sind. Mittlerweile nält es die jüdische Welt mit jenem Kinde, daS die Diskussionen über das P am Jomlow gelegte Ei, dem gordischen Knoten gleich, mit dem Rath durchyieb, man esse das Ei und sage Bethillel nichts davon! K. Literarisches. v Zahrbuch für die israel. Kultusgemeinden in Ungarn und seinen ehemaligen Nebenländern für das Jahr 5621 (1860/61). Herausgegeben von Leopold Rosenberg, Secretär der iSrael. Knltusgemeinde in Arad. t'->-. Angesichts der beklagenswerthen Wirren, die sich neuester Zeit in einigen ungar. jüdischen Gemeinden zwischen dem Gemcindevorstande und dem Rabbiner betreffs verschiedener Eompetenzfcagen, von anscheinend gedingen! Belange — ergeben haben, müssen uns fest-normirtc, wohlberathene Gemeindestatutrn zweckentsprechender zur Erhaltung des Friedens in der Gemeinte erscheinen, als alle von der einen oder andern Seite anhängig gemacklen Klagen und Prozeffe, die rabbinifche Gutachten und gerichtliche Entschcitungen zur Folge haben. Ein gut präcisirter Paragraph, ein richtig gewählter Ausdruck, der den Fall klar angibt, wirkt hier besser und nachhaltiger, als Stöße von Akten, die sich zum Nachtheil des Gemeindewohl« anhäufen, und auch nicht zur Ehre de« Iudenthums gereichen können. Demnach ist die Sammlung und Verbreitung von Mustrrdocumenren ähnlicher Art, welche an großen, in ihrer ersprießlichen Thätigkeit für da« Gesammtwohl zur entschicdcne» Anelkennnng gelangten Genieinden seit vielen Jahren mit Erfolg zur Anwendung gekommen, gewiß eine sehr wünschenSwerthe Sache, indem fix zur Anregung für kleinere und größere, minder wohlberathene Communrn dienen können und sollen. Diesem allgemeinen Bedürfnisse suckn das vorliegende Jahrbuch abzuhelfen, indem eS die Statuten der ersten und vornehmsten Genieinden in aller Ausführlichkeit zur Mittheilung bringt. Unter den Mustergemeindrn ragen diesmal Arad. Wien und Pest hervor. Besondere Beachtung ver-! dient der Statuten - Entwurf des Aradcr israel. Unterstützungsvereins für! Gewerbe und Ackerbau, weil er eine dringende Zeitfrage zur praktischen Lö-! > ’) Diese besitzen wir scheu: 'aber die Verbreitung in HundeNtauseuden von i ftereelypirten Exemplaren aus Kesten de« Bibel - Institute« würde gerade ihr jene» überwiegend« Ansehen und jene maßgebende lSeliung verschaffen, die der gesch. Herr Cerrespendem al« nicht «ünschenbwenb erklärt. D. Red. sung bringt. Eben so selten und der Nachahmung würdig finden wir die Statuten des israel. Frauenvereins in Wien und des PensionS-JustitutS für Beanite und Diener der KultuSgemcinde in Pest. Eine weitere recht praktische, das so nützliche Feld der Geschichte unk Statistik ungar. jüdischer Gemeinten anbauende Abtheilung bieten die mit׳ unter reckt dctaillirten Gemcindebilder (wie Neutra, Agram, Arad, Kula u. a. ni.). Andere gewähren iniiidesteiiS statistisck befriedigende Aufschlüsse (wie Miskolz, Simaiid, Döva!!. s. w.). Uns war eS erfreulich, auch 2 Gemeinte-Boi-steher als Einsender in dieser Rubrik zu finden. Außer diesen gemeinnützigen, mit ancrkeniieiiSwerlhcn! Fleiß gesammelten und mit vieler Umsicht redigirte» Artikeln, denen noch eine sunimarisch statisti׳ scke Darstellung des jüdischen VereinSwesens als Ergänzung dient, ist auch die Schilderung des landwirthschaftlichen Institutes für Inden in Stadtoldendorf als eine dankenSwerthe Beigabe zu betrachten. Der wissenschaftlich belehrende Thcil ist vertreten von Dr. Abr. Geiget i (Emmanuel, der Freund Dante'S), Obcrrab. Leop. Lkw ,Erinnerung au Josua, Sohn Gamaliels), Rabbiner Guttmaiin Klempercr (Rabbi Josua, Sohn Ehanania's), Bez. Rabb. D. L. Straffer (ReligionS - philosophische Gespräche zwischen de» talin. Weisen und Heiden), Leo JeitcleS ,die Zeitrech nnng mit besonderer Beziehung auf den jüdischen Kalender). Interessante historische Docuniente bringen G. Wols aus Wien und I. Reich aus Pest. Belletristische Beiträge lieferte Dr. Max LetteriS (Aden Esra und der griechische Weise) Leo JeiteleS und Heinrich Reis (Gedickte). Ferner ist einer Biographie des David Bernhard Frankl v. W. und einespädagogischen Aufsatzes von Dr. Emaunel Heckt sowie einig׳ Ehren׳ und TodtenhaÜe vom Herausgeber zu erwähnen. Der Leser begegnet — wie aus dieser Anzeige ersicktlick, — manchem Namen, der seit lange vollen und guten Klang in der jüdischen Literatur har; wir dürfen aber auch die von Minderbekannteii und Ungenannten hcrrührende!: Aufsätze als reckt angcincsscn und lesenswerth bezeichnen. Wir rufen dem strebsamen Herausgeber') unser herzliches ״Glückauf" entgegen; und wünschen, daß diese jüngste doch nicht geringste Erscheinung in der Dreizahl der österr. jüd. Jahrbuchliteratur, die äußere Stütze und Anerkennung finde, welche eS dem Unternehmer ermögliche, das Begonnene auch in den folgenden Jahren fortzuseyen! -- Vermischte Nachrichten und Notizen. * lieber die am 6. September stattgefundcne Einweihung der neuen Synagoge in Enns wird dem ״Fortschritt" aus G. berichtet: Ich erlaube mir. Sie von der gestern hier stattgefnndenen Einweihung de« von Herrn Philipp Schey von Koromla ans eigenen Mitteln erbauten Gotteshauses zu benachrichtige». Dieselbe begann um 10 Uhr Vormittags und fand in Folge der Mitwirkung teS gefeierten Redners Herrn Dr. Jellinek und de« ausgezeichneten Kantors Herrn Professor Sulzer, der von seinem würdigen Sohne und einem Theile des Wiener Tempel-Chores begleitet war, in glänzender Weise statt, und machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. DaS rührende Gebet, mit welchem Dr. Jellinek seine begeisternde Predigt schloß (dieselbe wird im Drucke erscheinen), erflehte den Segen des Allmächtigen für Se. Majestät, für das gesammte Vaterland und Ungam insbesondere, für den hochherzigen Begründer des Tempel« und die Glieder seiner Faniilie, namentlich aber für die au daS Siechenbett gefesselte 1111׳ glückliche Gemalin und den NamenSerben und 'Neffen, den in den weitesten Kreisen bekannten und geachteten Herrn Fnctrich Schey, großherzogl. Hess! scheu Generalkonsul. Ueber .‘500 Personen wohnten der Feier bei,' unter ihnen sämmtliche Civil- und Militär - Autoritäten, sowie die Vertreter der katholischen und evangelischen Geistlichkeit der Stadt Güus. Schließlich gebührt dem Eifer, den die Vertreter der hiesigen KultuS- Gemeinte, namentlich Herr Alexander Schey, der würdige Bruder deS Herrn Philipp Schey, an den Tag legten, die rühmlichste Anerkennung. ') Wie wir au» sicherer Quellcrfabien, gedenkt der Herautgeber beim »ächsicu Jahrgang scheu den Drei» seine« Buche» ans die Halste zu ermäßigen.