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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-09-07 · 6 (7.9.1860) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
6 (7.9.1860)
Date
1860-09-07
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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—יי 43 n<— Und Rahel steht anf ihrem Grabe, Und weint um ihrer Kinder LooS, Die, tiefgebeugt, am Pilgerstabe Jn'S Elend ziehen, heimathloS. Der Kinder ganzen Riesenscbnier; Fühlt hundertfach daS Mntterherz. Als unrein a»S der Welt verstoße». In stnst'rcr Ghetti Kreis gebannt/ Durch Zwang in eines chrenlosen Gewerbes drückend Joch gespannt. Darf eS nicht geh'n der Ehre Bahn, Die nirgends ihm ist aufgclhan. Doch ihnen folgt, von Gott gesendet. Der Sckmcrz in alle Lande nach; Wohin ihr slücht'ger Fuß sich wendet. Sie finden dort der Knechtschaft Schmach; Und ack! von Glied zu Glied vererbt . Der Fluch sich, der ihr Glück verderbt. Berfolgt, verhöhnt, gehaßt, verachtet, DeS.rohen Dünkels Zeitvertreib, Muß, gleich dem Biehe, daS man schlachtet, Es gar verzollen seinen Leib; Ein Zeichen seiner Sklaverei Muß auf der Brust eS tragen frei. — Dem tiefsten Elend stets zum Raube, Zieht Israel von Land zu Land, Wie eine aufgescheuchte Taube, Die nirgends sich're Ruhe fand; Denn baut sich'S hoffend wo den Herd, Ein Weilchen nur — er liegt zerstört. So ziehet sich, ein rother Faden, Durch manch' Jahrhundert seine Schmach. Doch Hoffnung stärtt es! — schmackbeladtn, Harrt es auf den ErlksungStag; Und steigt Geschlecht auch um Geschleckt Als Knecht in'S Grab, — es hofft der Knecht. Aus Albion, das, meerumfangen, Stolz auf des Meeres Sckutz verttaut; Aus Gallien, deß Reize prangen, Wie einer jugendlichen Braut; Und aus Jberien, das hold Lacht in des Südens Sonnengold: Aus jedem Land, das ihm gewesen Ein heißgeliebtes Vaterland, Muß Israel, zur Qual erlesen» Als Flüchtling zieh'» nach fremdem Sein Sclavenjcch trägt fort und fort Es durch die Welt, von Ort zu Ort. R rand; Auch durch Germanieus Gefilde Braust mächtig der Verfolgung Fluth; Der Glaubenshaß, der heilig-wilde. Er flammt auch hier in ries'ger Gluth; Ten Blick gehoben himmelwärts. Taucht er den Stahl in Bruders Herz. Welch' Bild stellt an des Rhein's Gestaden Sich dem enffetzten Auge dar!!! Im Strom de» MenschetchluteS baden I Die Krieger sich der glLub'gen Schaar: Der Liebe Zeiche».Off der Brust, Ist Haß und Mord »WtHre Lust. — Auf schwarze» Ritter, Zieht durch Europa hin die Pest; Ter schwarze Tod, der ems'ge Schnitter, Hält gar ein lustig Erndtefest: Ihm folgt auf seiner grausen Bahn Als Helfer würgend nach — der Wahn. — Durch Deutschland zieh'» in Hellen Haufen Die Geißler; — ihrer Sünden Zahl Gedenken Gott sie abzukaufen Mit selbstgeschaff'ner Leibesqual: Doch löschen sie der Sünden Gluth Mit den! vergoff'neu Brüderblut. — Co raft durch Deutschland'» weite Gauen, Stets wild und wilder, Sturn! auf Sturm: Und Israel mit bangem Grauen, Krümmt sich, wie ein getret'ner Wurm: Auch wo es nicht der Sturm ersaßt, Beugt nieder eS der Ketten Last. Du starker Stab deS Lebcnsmattcn, Oase in der Wüste Sand, Lustgucll des Dnrstgeguälten, Schatten Im gluthensprüh'nden Sonnnenbrand, O Hoffnung! mild erhellt dein Lickt DeS Dulders Nacht — und täuscht ihn nicht. ז Ein Geist, der cw'gc Geist deS Guten, Der ob den Waffern webt der Zeit Beschwichtigt die chaot'schen Fluthen, Und Sturm und Wolken sind zerstreut. Die Sonne gebt am Himmel anf, Und nichts hemmt ihren Silleslauf. — S o schauet, wenn die Saat der Thränen Zur Freudenerndte einst gereift. Wen» schweigt das bange, lange Sehnen, Die alte Mett’ ist abgestrcift. Und Israel ist, wie erwacht Vom bösen Traum der langen Nacht: ■— So sckaut eS dann, das tranmcrwackte, Nock einmal auf den Traum zurück. Und läßt die Bilder, die er brachte, Vorüberzieh'n vor seinem Blick. Und jubelnd steigt ein Psalm mit Macht Empor zum Hüter in der Nackt. — •S. •SlfiiiQarö. Der ״Manlchkimrr Anzeiger" über die Verhandlnngen -er badische« zweite« Kammer. ״Unsere zweite Kammer hat in der Eoncordatsfrage und in den darauffolgenden Regierungsvorlagen, den nun von derselben gutgehei^enen Gesetzentwürfen, dem Geiste unseres Jahrhunderts, der Freimachung des Staates von der Herrschaft der Kirche, auf die gehoffte Weise die Ehre gegeben und sich den ungetheistestcn Tank und die wärmste Anerkennung von weitaus dem größten Tbcile unserer Bevölkerung erworben. Da trat noch, so zn sagen zu guter Letzt, eine Frage an sic heran, die von Vielen als der Prüfstein angesehen wurde, woran man den Grad der politischen Bildung uiiserer Bevölkerung überhaupt als auch die Hoheit und Würde ächtcr Hu-! manirät, der duldsame» religiösen Gesinnung und Menschenliebe unserer Ge-! neration erkennen wollte. ״Es war diese Frage die Aushebung des §. 58 unseres.Bürger-! rccktsgesetze«, oder die bürgerliche Gleichstellung der Juden mit de» christlichen S taatsangehörigcn. ״Die hohe Kammer hat darüber, wie bekannt, gesprochen und abermalS der Zukunft die Lösung einer Aufgabe übcrlaffen, die schon so lange * - Irrem. NI, IS.

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