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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-17 · 3 (17.8.1860) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
3 (17.8.1860)
Date
1860-08-17
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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—•»» 23 *»•— auf ihre» vermeintlichen Lorbeeren aus, theilS haben sie im Auslaute einen großer» Wirkungskreis genommen, und die jünger» Kräfte lasien ans Liebe zu ciucm faulen Frieden überall Alles gewähren. Die ankere Richtung aber, die auf die Orthodoxie ein Privilegium zu haben vermeinten, nachtcm sie Blanche« in den Reformen stillschweigend aeceptirt, weil es in ihren Kram paßt, ist unausgesetzt bemühet, die erledigten Rabbiuatsstellen mit ihren Kandidaten;u besetzen und daS leicht zu fanatisirende Landvolk für fick;u gewinnen. Tie Indifferenten oder Neuorthodoxcn, die gern Leute haben, die für sie fromm sind, unterstützen sie darin theilS tbatsäcklick, thcils durch ihre (Gleichgiltigkeit gegen alles Jütische und Religiöse. Ter Mangel an strebsamen Jünglingen, die sich den» Rabbiner- und Lehrerfacke widmen mögen, daS weder in pekuniärer noch socialer Hinsicht etwas Verlockendes bat, kommt noch dazu, und so haben wir zwar eine» Zustand äußerer Ruhe, in der jeder Rabbiner, als Selbstherrscher, von Niemanden beaufsichtigt und in rem losesten Verband mit seinen Gemeinden stehend, so wenig als möglick von sich reden r!mcht, in dem aber nichts Gemeinsames geschickt, »icktS ReucS, Bessere« gelassen und gefördert wird. Somit steht cS um unsre religiösen Interessen Inni nichts bcsier, als um unsre bürgerliche». Nickt minder bedenklich sind unsre Schulverhältniffe. Tie Lehrer-, m der Regel mit einem kümmerlichen Gehalt angestellt, deni die, zu großem Wohlstand gckom menen Gemeinden nicht Rechnung tragen wollen, verlieren allmälig Lebensniuth und Berufsfrcutigkcit. Sie widmen weder ihre Söhne ihrem müh׳ seligen Stande, nock suchen sic andre geeignete Jünglinge dazu zu crmnii kern. Anssorterungen zu größeren Lehrerversanimlungen finden keinen Anklang, unk bald wird cs in der jütischcu Welt nnscres Baterlaud's heißen: das Wort Gottes war selten in jenen Tagen! daS Wort Gottes wirk selten mehr gelehrt werden, und wenn ja, von berabgckonlinenen Handelsleuten und von nnwiffendcn Handwcrksburschen. Ter Anfang dazu ist vielfach schon gemacht! K. Wik», 12. August. Während die Regierung von wohlwollenden Gesinnungen für die israel. Bevölkerung Oesterreichs beseelt ist und ihnen in legislatorischen Acten zum Besten der Juden und zum Wohlc des Staates Ausdruck gegeben hat, werden einige hiesige Journale nickt müde, die Juden zu bekämpfen, und unter jenen nimmt die ״Kirchcnzcitiing" hierin wieder die erste Stellung ein. Nickt zufrieden mit ihren letzten Enahrungen, eröffnet sie wieder ihr Feuer aus ungezogenen Kanonen, um den xolitische» Charakter Kuranda's zu verdächtigen. Jeder Unbesaugcue aber wirk leicht entscheiden, ob die ״Ostdeutsche Post" oder die. ״Kirchcnzcitung" dem österreichischen Staate mehr sronimt oder schadet. Gegen eine Behauptung des Rcdactenrs des letzten Blattes müffen wir ferner entschieden prorestiren: gegen dir Jdcntisicirung seiner Person mit der Kirche! Wir Juden haben eine erhabenere Ansicht vom wahren Christenthnnie, als daß wir testen Ver treiung durch und dessen Pcrsonificirung in I>r. Brunner gelte» lassen könnten, und hierin werden eine große Anzahl .Katholiken mit unS übereinstinunen. In unserenl neue» Tempel werden die Kanzel unk die Sitze aus den GaUcrieil erhöht. Auch sollen eine bedeutende Anzahl Plätze billiger abgegeben werden, »m den Wünschen vieler Gemeindeglieder cntgcgenzukomnien. Bei der am 17. Abends stattsintenden Feier zum Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers werden die Sänger des Zion-VercinS im neuen Tempel Mitwirken. Bon Ludwig August Frankl erscheint ein größeres Gedicht, das ein Thema auS einer jüdische» Chronik behandelt und als sehr gelungen bezcickner wird. -—K«־-— vermischte Nachrichte« and Notizen. O Ter aus Koste» de»׳ Herrn Philipp Scheu Cdl. von V0־ romla erbaute Tempel in Güns wird am 2*. t. M. durch die Herren Prediger Ilr. Jellinck und Ober-Cantor Snlzer eingeweihct werde». m. .(ittskemöt, im August. Bei seiner Anwesenheit in Kecskcmöt be׳ stickte Se. Creellenz, Herr Feldzcngineister, Ritter von Bcncdck, nebst anderen öffentlichen Jnststuten auch daS jüdische Spital, an dessen Eingänge er von dem Rabbiner, den Borstänten und viele» Genicindcinilglicdcrn ehrsurchlsvoll empfangen wurde. Nack einer längeren sehr leutseligen Eonvcr sation mit niehreren der Anwesenden fragte Se. Excclleu; ituch, ob die hiesige Jöraelitengcmeinde viele ihrer Kinder in der Armee zähle, — und sprach sich in hockst belobenden Ansdrücten über die jüdischen Soldaten aus, welche in dem Regimentc, dessen Oberster er vormals gewesen, im Tienftö gestanden. A ^rag. Tie seit dein Jahre schwebend gewesene Frage deS Anschlusses der Joscphstädter (Jnden-I Gemeinde an die Stadtgemeindc geht nun ihrer Erledigung entgegen. — DaS diesfalls niedcrgcsetzte Comitä hat seine Arbeiten beendet, n»d als Ansgleicksbetrag, welchen die Joscphstädter Gemeinde für die Thcilnahnie und den Mitgcnnß an dem Bermögen und den öffentliche» Cinrichlniigen und Anstalten der Stadtgemeindc zu zahlen hätte, die 211,»1,1c von 1 .'>«>,(XX > Gulden festgesetzt. Ter Comitö-Vorschlag -ist gegenwärtig der bökniischen Stattkalterci zur Genehmiguiig unterbreitet. Q str. Z. M. Zost, der gefeierte jüdische Historiker, hat zu seinem fünflllldzwlmzigjährigeil AmtsjubilÜIIIN vom Sckulrathe der Real- und Volks, schule der iSrael. Gemciude zu Frauksnrt am Main folgende Tankadresse erhalten: Wenn es auch znr Würdigung Ihrer Verdienste um die Sckulc keiner äußeren Veranlassung bedarf, so fühlen wir «nS doch an einem Tage wie der heutige ganz besonders ausgefordert, aus Ihr nun sünsundzwanzigjäkriges Wirken an derselben zurückzublickeu und Ihne» unscru wännsten Tank dafür anszusprechcii. Es erneut sich an diesem Tage in »ns die Freude, daß es dem Scknlratke im Jahre 18:5r> gelungen ist, einen Mann für unsere Anstalt zu gewinnen, der schon damals einen weit über die Genzen unseres Vaterlande» hinausreichciiden Rns als Pädagog und Gelehrter genossen und der in dem nun verflossenen Vierteljahrhnndert nicht wenig dafür gethan hat» »in diesen ehrenvollen Ruf zu rechtfertigen und zu befestige». Wnr fühlen cs lcbkast und sprechen cs mit voller Ucberzengnng ans. daß es unserer Schule zur Ehre gereicht bat und stets gereiche» ,wird, eine» Manu unter die Zahl ihrer Lehrer rechnen zu dürfen, dessen Name aller Oile» geehrt wird und der zugleich imnitten unserer Gemeinde, »eben seiner amtlichen Wirkjiss^eit, den Zwecken einer edlen Hnmanität i» so tliatkräsiiger und er» i solgreicker Weise zu dienen sich bemühte. i Wir freuen uns aber nickt ininter, es laut aussprecken zu können, daß Sie mit Ihrer rastlose» literarischen Thätigkcit, mit Ihren mühevollen Forschungen im Gebiete der Wissenschaft jederzeit auck den Willen nnd die Kraft bewährt habe», Ihre Stellung an der Schule in der würdigsten Weise anszufüUen nnd in gewissenhafter Pflichterfüllung und in ausdaiicrndem Eifer für die Anstalt, wie in' liebevoller Hingebung für da? Beste der Scküler fick den verdiente» Ruf eines mnsterhasten Vorbildes zu erweichen. Möge cs Ihne», hockgeclirter Herr, vergönnt sein, Ihre segensreiche Wirksamkeit noch viele Jahre,sortzlisetzcn nnd mögen Sic in nngeschwächtcr ] Körpcikraft nnd geistiger Frische am Abend Ihres Lebens die Früchte einer ן so schönen und chrenwcrthen Laufbahn ungetrübt genießen, j Genehmigen Sie die Versicherung unser Hochachtung und Verehrung, j Frankfurt a. M., den l. Juli 18<>0.! Ter Sckulrath der Volksnnd Rcalichnlc der israel. Gemeinde. Ter eben so bescheidenc als gelehrte Jubilar drückte sein Bedauern aus, hinter dem Ziele geblieben zu sein, welches cr sich gesteckt. Sichtlich gerührt aber waren die Auwcscntcn, als derselbe die Worte sprach: ״Bei solcher Feier pflegt man vom Kreise der Familie nmgeben z» sein: mir hat leider der Himmel dieses versagt. ES freut mich daher diese Feier vor- »ehmlich deshalb, weil ich durch die Kundgebungen so vieler und ächtcr Freundschaftsbeweise die Ilcberzciigung mit mir nchme, daß ick dessennngcachtct in der Welt nickt allein stehe." ' *Tie zweite Snbscriptionsliste in Paris zum Besten der syrischen Christen zeigt den Prinzen Napoleon mit 2<אא> Fr., die Prinzessin Clothilde mit 1 (H H» Fr. und die sieben Minister mit dem Präsideittc» des Staatsrathsje mit 1<Mיא Fr. Ter Betrag der beiden Listen beläuft sich aus 10'.7י!י),י» Fr. Tie von de» Israeliten gcsaniinclten Beiträge belaufen sich ans *!1-י!,י.'» Fr. Tas israelitische Consistorinm in Paris hat allein 4>>,>>'.2י Fr. (darunter 1T*,«hm» Fr. von Rothschild) gesammelt.

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