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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-10 · 2 (10.8.1860) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
2 (10.8.1860)
Date
1860-08-10
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Stnhlwkißenburg, 1. August. Die Zerwürfnisse zwischen unserm Rabbiner und deni Geineindevorstande, der die Majorität derselben vertritt, nehmen einen traurigen (Charakter an. Die Anordnung des Vorstehers Herzog, daß am 9. Ab, wie es hier seit Jahren üblich war, ein schwarzer Vorhang als Zeichen der Trauer im Gotteshanse angebracht werde, veranlaßte den Rabbiner abzurcisen, um an einem andern Orte diesen Tag zu feiern. Dies erweitert nur die Kluft in unserer Gemeinde, und cs ist dahin gekommen, daß die Kinder in der Schule mit einander tisputirc», ob die Anti - Vorhang - Männer Juden seien oder nicht! Man spricht auch davon, die wenigen Vertreter des starren Minhag'S und des veralteten Ritus hatten um die Protection einer nichtjüdischcn Autorität sich beworben — und das wären die Frommen in Israel! Wien, 2. August. Zn den vielen Bittstellern, die hier sich cinfinden, um ihre Angelegenheiten in den verschiedenen Ministerien zu befürwotten, gehören auch Rabbiner und Vorsteher aus Ungarn und Galizien, die in der Antickanibre Sr. Exccllcnz des Herr» l5ultus»1inisterS erscheinen. Palk ist die alte (Gemeinde gegen den modernen Rabbiner und bald der alte Rabbiner gegen die moderne Gemeinde; unk es ist wahrhaft traurig/ wie die innerftc» Angelegenheiten dcö jüdischen Cnltus und der jütischen Schulen zu einem Gegenstand von Processen und Klagen werden. Uns thut eine bcstimnitc Organisation der österreichischen Gemeinden sehr »oth, damit dein Zank und Streit ein Ziel gesetzt werde und nickt jeder Jude sich als ein personificn'ter ״Schnlchan Arnch" betrachte. In früher» Zeiten haben die unwissenden Genieindeglicter geschwiegen; jetzt hat jeder sein llrtheil in Bereitschaft über alle Fragen des Ritus. — Die Waiscnstistung der hiesige» israelitischen Cultusgemeinde hat bereits die Snmine von;)0,000 fl. zur Verfügung. Hoffen wir, daß dieses Werk der Barmherzigkeit einen guten Fortgang »eh men werde. Allerdings werden solche Stiftungen in der Regel mehr durch Legate als durch einmalige Sainmlungen gefördert. — Unsere Rcligionsschule, die bis jetzt in dein Gemeindehause sich befindet, soll nach einem ander» passenden Gebäude tranSferirt werden. Es dürfte aber »ickt so leicht sein, die nöthigen Ränmlichkeitc» in einer׳ der Bestimminnng entsprechenden Weise ausfindig zu mache». — Von unserm Rcligionslchrer 1)!׳. Wolf wird nächstens eine Geschickte der Wiener isracl. CnltuSgcmeindc erscheinen. Literarisches. Gtbctc des Hauses Zacob's. Gebetbuch für israelitische Frauen und Mädchen, für die öffentliche n»d hänslicke Andacht in allen Verhält׳ nissc» des Gebens von I)r. Sniil Zslmc Kämpf, Prediger und Rabbiner, k. k. Professor an der Universität in Prag. 8. Von allen Sesten Klagen über GlanbenSlosigkeit und Gleichgültig- , feit in religiösen Dingen, und dock täglich wiederholte Auflagen älterer, »nt Ankündignnge» »euer Gebetbnchsübersetzungen »nd Andachtsbücker. Sollte man da. nickt zn dem Schluffe berechtigt sein, daß denn doch noch mehr religiöses Bedürfniß in den Gemüthern lebe, als die Verketzerer der Neuzeit »nt die stete» Lobrcdner vergangener Zeiten;»geben möchten? Wir glan bei! ja; und das um so mehr, wenn wir diese Ucbersctzungc» »nt Bearbeitnngen von Männern nnternomnien sehen, denen alle äußere Beweggründe ferne liege», die durch Berufswirken und durch sonstige literarische Tbätigkcit bereits einen anerkannten Namen sich cnvorbe», unk die daher gewiß nur . einem klar wahrgeiionimencn Bedürfniß Rechnung tragen, wenn sie ihre Kräfte ähnlichen Arbeiten znwenden. — Solches trifft unstreitig bei Männerii wie Dr. Mannheimer, J)r. Mick. Sacks zu, so wie auck.bei dem als Prediger und Gelehrten' rühmlichst bekannten Verfasser dcö eben unter obgenanntcm Titel elfchiencnen Gebetbuches. Des eng bemessenen Raumes halber müssen wir unS beinahe blos ans eine Jnhaltsanzeige des Buches beschränken. Dasselbe zerfällt in vier Abtkeilugcn nebst einem Anhang. — Die erste Abtheilnng enthält jene ״Pflicktgebete in sinngetreuer Ucbersetzung, die das weiblicke Geschlecht selten im Gotteö- Hause verrichtet; sie eröffnen hier die Reihe der Gebete, um an ihre Uncrläßlickkeit zn mahnen, namentlich gilt dies vom Schema und von der Sckemone (?«re."־— Tic zweite Abtbeilung enthält die Gebete für die festlichen Zeiten der Freude, Trauer und Buße des sinagogalen Jahres, insbesondere bei hervorragenden Momenten des öffentlichen Gottesdienstes. — Gebete bei häuslichen Ereignissen und in den mannigfaltigen Verhältnissen des Privatlebens bilden die dritte Abtheilung, während die vierte an die Gräber der dahingegangcnen sieben führt. Die Sprache ist nicht nur, dort wo ältere vorgeschriebene Gebete zum Grunde liegen, sinngetreu, sondern überall eben so einfach »nd kräftig als wann und gemütherhcbeiid. Eine überaus schätzenSwerthc Zugabe sind. der Festkalender im Anhange »nd die auch sonst eingestreuten metrischen Bearbeitungen dcS versgewandte» Verfassers. — Wir heben von diesen mir heraus: die bekannte Legende ״Der fromme Mann" »ich daS herzliche ״Wie konntest Du das übersehen", Letzteres des Verfassers Bucke ״Nichtandalnsische Poesie andalnsiscker Dichter" entnommen. ״So möge denn — stimmen wir dem Verfasser bei — auch dieses zur Ehre Gottes und zum Nutzen »nd Fromme» unserer Glaubensgenossen der effeittlichkeik übergebene, wenn auch nicht umfangreiche Werk dem vom Verfasser angestrcbten Zwecke entsprechen." * Von H. Zirndorf, dem Verfasser des dramatischen Gedichtes, ״Kassandra" ist bei Arnold in Leipzig erschienen: ein Band ״Gedickte," -die sich sowohl in Form als Inhalt vortlieilliask anszcichnen. Außer einem reichen Stoffe allgemeiner Natur, den dieses Buch bietet, findet sich auck das jüdische Element in mehreren elegischen, ,geschichtlichen Erinnerungen würdig vertrete». Konektc Form, Eleganz der Sprache, »eben Tiefe der Empsindnng und Ursprünglichkeit der Anschanung geben in den meisten Partien vom Berufe des Dichters Zeugnis;. Es dürften sonach diese Gedickte in allen gebildeten Kreisen als eine sehr willkoninicne Erscheinung begrüßt werden. Diesen Gedichten voran geht eine Widmung an die allgcmein geachtete Familie Go in per; in Pest. «י * Die deutsche morgeiiländische Gesellschaft in Leipzig und Halle zählte im Jahre 1859, 1;! Ehrenmitglieder, .‘>1 corrcspondircnte Mitglieder und '344 ordentliche Mitglieder. Unter de» ordentlichen Mitgliedern sind: 3 fürstliche Personen, 20 Höf- und höhere Staatsbeamte, 4 Eonsulen, 7 bei Gesandtschaften, 5 Missionäre und BibclgcsellschaftSagenten, 18 Studirende und Kandidaten der Theologie, 5,5 Privatgelehrte und Littcraten, 149 Professoren, Toceiitcn an der Universität »nd Bibliothekare, 16 andere Lehrer, Dircctore» 11. dgl., 26 Geistliche, 24 Rabbiner und jüdische Lehrer, 2 Mönche, 3 Aerzte, <> Kauflente und Buchhändler, 2 Dolmctscker, 1 Arvocat, 1 Militär׳, I Gutsherr »nd 2 moralische Personen. -— Die Gesannntzahl der veröffentlichten wissenschaftlichen Abhandlungen beträgt 379. Davon kommen ans die biblische Wissenschaft 22, auf Hebräisches und Rabbinischcs 1l, auf die Koranknnde 2, Dichtkunst 35, Grammatik und LepikalisckeS 17, Sprachkundc 25, Geographie und Völkerkunde 41, Geschickte uiit .Einschluß der Sagengeschichtc, Chronologie und Biographie 39, ReligionSgeschickte 40, Philosophie 1, Medici» und Chemie 6, In schriftcnknnde 43, Münzkunde 31, Handsckristenknndc 14, Literaturgeschichte 31, Handelspolitik 2, »nd ans Allgemeines 29 Nummern.^— Unter den Verfassern dieser Artikel finden sich Namen von hohem »nd höchstem Ruf, als: Aner, Benfe»), Bernstein, Brugsch, BrockhauS, Bodenstedt, De Wette, Ewald, Flügel, Freytag, Fleischer, Graul, Geiger, Gabclcntz, Grotefend, Gützlaff, Hitzig, Haninier-Pnrgstall, Holtzmann, Hupfelk, Hoffmann, Jost, Kosegarten, Lassen, Lcpsins, Laue, Mordtinann, Milller, Mommsen, Neu mann, Olshansen, Pott, Petermann, Pruner-Bey, Rosen, Rödiger, Rückert, Robinson, Spiegel, Stickel, Schlechta-Wssckrd, Sprenger, Hchiniper, Seyfsank, Schultz, Smith, Tobler, Tuck, Thenins. -י - vermischte Nachrichten und Notizen. f. ״Vasärnapi Ujsüg" meldet von bedauerlichen Exceffen, die in Dunaföldvär von Seiten einiger christlichen Tumultuanten gegen die dortigen jüdischen Bewohner stattgefunden haben. Der Referent gibt den dortigen israel. Einwohnern das rühmliche Zeugniß, daß sie sich in Sprache, Tracht und Gesinnung als echte »nd rechte Kinder des Vaterlandes bewähren. — Trotzdem oder vielmehr gerade deshalb wurde der Groll bei einigen finstern unduldsamen Individuen gegen sie rege, der sich durch Absingen von Spott-

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