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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-10 · 2 (10.8.1860) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
2 (10.8.1860)
Date
1860-08-10
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Allgemeine Mkitstnrte Juhenzeitung. Eigentümer, verantwortlicher Redacteur und Herausgeber,: AoSkf Ziinnrmn. erschtiat jede» Freitag. Man xränummrt im Pertags-Lemrtoir Zriilyi- Gaffk im Hotel (kuropa, io allen »ullihandluogen de, Sn- und Auslände« und bei allen Postämtern. M 9. Pest, am 10. August 1860. PrSaiarratiaarpreii: +׳■ Pierteljährig st. Cf ft. Wahrung Halbjährig .a fl. Otanzjahrig ..... n ft. ״ ו Löw Schwab. Jliofl rapfjifcf)c Skizze uo» D. S. (Forncyiinq.) R. Mose Sopher und seine Ieschiwa liaben eine europäische Berühmtheit erlangt; es sind /sdcr Mann nnd die Schule wohl oft genug .im guten und schlimmen Sinne' genannt, aber noch ininier nicht vollständig und gebührend, nach ihrer Bedeutsamkeit und ihrem Einflitfse auf religiöse Ricktung und äiulkurslant in den jüdischen Gemeinten, vorzüglich Ungarn's, ge׳ würdigt worden. — Ter Geschichtsschreiber der ungarischen Judenheit in diesem Jahrhundert wird seiner Aufgabe nickt genügen können, okne vorher diesen Mann nnd das eigenthümlicke Verhäftntß seiner Jeschiwa gekennzeichnet zu haben. Es haben größere Heroen des rabbinischen Judenthumes gelebt und gelehrt, und zahlreicher besuchte Schulen einen gepricsencren Namen getragen. Diese waren wirtlich Kantpscsarenen der Jünger׳ des Pilpul; )!rast nnd Gewandtheit auf diesem Gebiete gaben Ansebcn und Geltung unter den Genofsen, erwarben die Gunst und das Wohlwollen des Meisters, korrekter Lebenswandel war selbstverständliches Erforderniß, darnm ward wenig davon gesprochen und kein Aufhebens damit gemacht. Als natürliches Band schlaugen sich allenthalben um hie Schaar der Schüler die Berehrnng und die Pietät gegen den gefeierten Lehrer; aber anck an ihn wagte sich der kritische Geist und die selbstständige Prüfung, oft sogar vom Lehrer hervorgerufcn und gefördert. ' ■'■b ' Auf dein Ban »er der Schule zu Preßburg lnugegen waren ״,m»t migkeit und stille Hingebung an den Lehrer" als Losungsworte geschrieben. Mehr als Scharfsinn und dialektische Gewandtbcit galten die GeisteSdemuth und der Eifer im Gebet nnd in der Ucbung sonstiger religiösen Branche. Nirgends mckr als hier ward auf's Wort des Meisters geschworen; was Er gesagt, das war heilig und nnvel-rückbar, was er nicht gesagt, gewiß tadelnswertst und verdanimlich; nnd nickt blos was er vorgc tragen und gelehrt, war Gegenstand der Beachtung »nd Beherzigung, auch was er absichtslos geäußert und hingcworfen, wurde bewundert, gläubig ausgelegt nnd erklärt. — Es mußte ein Berein der seltensten Eigenschaften sein, wodurch R. Mose Sophcr solche Herrschaft über die Gemüther üben konnte. Neben ausgebreiteter, talmudischer Gelehrsanikeit, wahrer Frömmigkeit und Reinheit des Charakters waren es Wohlthun und Leutseligkeit, vorzüglick-aber Klugheit und Menschenkcnntniß, wodurch er feine Schüler an sich fesselte, die er allesammt stets im Auge behielt, und deren jeder Einzelne sich einen Gegenstand seiner besonderen Ansmerksamkeit wußte. Tie so von einheitlichem Geiste beseelte Jüngersckaar wurde gleichsam mit den Ideen und Ansichten, die׳ er als die allein heilsamen und jüdischen erachtete, ge- /tränkt; machte sich noch nach Jahren i» den verschiedenen Gcnieinden, wo ein Theil — häufig auf seine angelegentliche Empfehlung — die Rabbi» natsposten bekleidete, der andere als Gemeindeangchörige lebte, zur Trägerin dieser Ideen und zur Mitarbeiterin an demselben Ziele, das er als das allein erstrebenswerthe hingestcllt. Das aber war kein anderes — als: Niederhaltung, um jeden Preis, jedes neologiscken Elementes, Unterdrückung der durck Mendelssohn und seine Schule äugebahnten Ricktung, wie und wo imnier — sci'S in Schule oder Gottes- Haus, im Gemeinde- oder häuslichen Leben — dieselbe einzudringen Miene machte. — Während es manchen anderen rabbinischen Koryphäen, die im Grunde dieselben Anschauungen rücksichtlich jüdischer Rcchtgläubigkeit theilten, geschehen konnte, daß die milde Präzis des einen, die pilpulistische Birtuosität deS anderen in Einzelsällcn Entscheidungen hervorrief, die mit den Anforderungen einer principiell entgegengesetzten GesinnnngSweise zusammentrafen, war R. M. Sopher stets ans der Hut und lugte mit scharfen Augen anS, ob nicht der böse Feind sich bärge und ob nickt irgend ein noch so kleines Psörtchen ihn, geöffnet würde. — Es ist ihm sein mit stannenswerthcr Consegucnz fortgesetztes Bemühen znm großen Theil gar sehr gelungcn; ja c« kann der in vielen Gemeinden Ungarn's heute geführte )tampf ganz kurz bezeichnet werden: Sophcr contra Mendelssohn. Wir haben nickt nöthig dem einsichtigen Leser erst zu sagen, daß die Bedeutsamkeit und die Präponderan; Sopher's und seiner Jesckiwah, wie sie hier annähend zu zeichnen versucht worden, nur erst im Laufe der Jabre und nach längerer Wirksamkeit sich in dieser Weise heransstcllte, nnd daß sogar manche äußere Factoren hiuzutrcten mußten, um seinen Bestrcbnngen znm zeitweiligen Siege zu verhelfen. — Im Jahre 1807, zn der Zeit als L. Sckwab dahin kam, machte» sich noch, sowohl in der Gemeinte alS in der׳ Jesckiwa, manche antagonistische Elemente bemerkbar. Es hatte fick für Sckwab glücklich gefügt, daß er schon wenige Tage nack seiner Ankunft einen Cbiluk über ei» Sujet, womit er gnt ver» tränt war, anhören, denselben bei seiner ersten Vorstellung, dem Rabbi fast ganz recapituliren, und sich dadurch gleich in ein günstiges Licht sehen konnte. — Freundlich nahm R. M. Sopher den vielversprechenden l 3jährigen Novizen nntcr seine Hörer aus, bedachte ihn mit kleiner Unterstübung nnd gab ihm, nach seiner Gewobnheit jüngeren Schülern gegenüber, einen älteren Backur zur Ueberwacknug und Leitung seines Studiums an die Seite, wählte aber hiezu, was als Zeichen seiner besonderen Gunst anzt, sehen war, einen seiner getreuesten und anhänglichsten Jünger. Jndcß wußte Schwab leider diese Gunst nickt gehörig zu würdigen. Ter eignen Kraft sich bewußt, sie vielleicht auch überschätzend, dachte er ans eigenen Füßen stehen zu kknncn, um so mehr als er keine besondere Uebcrlegenheit an dem Eorrcpetenten wahrznnehmcn vermochte, und ilun bei seiner Mittellosigkeit auch das kleinste Honorar zu schwer fiel. — S bue Mnth von diesem octroyirten Corrcpctitor sich zu emancipircn, entstand hiedurch das erste Mißbehagen nnd die Unlust zn ferncreni Verweilen, ward aber noch gesteigert durch die nun schon mächtig erwachte Sehnsucht ziack anderweitiger Bildung, welcher zu genügen in Preßburg gar zu wenig Aussicht war. — Wohl gab es unter den Bachnrim dainals einige räudige Schafe, welche trov Acht und Bann die verpönten deutschen Bückcr lasen; doch wagte Sckwab nickt diesen sich anzuschlicßcn, sowohl anS Pietät gegen den Rabbi, von dem er »nr wohlwollende Behandlung erfuhr, als aus Scheu vor der Anrüchigkeit, womit der gcsammte Wandel jener ״Leichten" in den Augen der Ucbrigcn behaftet war. — TaS Gebaren und Treiben der Masie unter den'Treuen, ihr Haschen nnd Jagen nach Aenßcrlichkcitcn, ihr kopfhängerisches Brüten, il>r Anflancrn und Abgncken ״wie sich der Rabbi räusperte nnd spuckte," statt auf seine wahrhaft sittlichen und geistigen Vorzüge zu merken, »tackte anderseits ans den seinen Jahren vorgceiltcn Verstand und Geschmack Schwab'S einen höchst peinlichen Eindruck. Allee znsamntcngcuominen brachte in ihm nach einjährigem, zum ausschließlichen Talinndstutiuut bcnuytcm Aufenthalte in Preßburg den Entschluß zur- Reife, in sein Heimathland zurückzukehren. Vier Jahre verlebt^ nun Schwab auf den Schulen zu Nikolsburg und Trcbitsch, anfänglich noch unter Entbehrungen und Druck der- Noth,

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