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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-08-03 · 1 (3.8.1860) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
1 (3.8.1860)
Date
1860-08-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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- •h 2 1 An unsere Ieser! Die Probenummer unseres Wockeublattes hat nach inündlichen und schriftlichen Berichten, die, uns zugekommen sind, der Theilnahme Mit des Beifalls sich erfreut, und wir wollen heute, wo wir,unsere Zeitmig beginnen, die Tendenz, welche sic befolgt, und die Grundsätze, von denen sie geleitet wird, mit kurzen Worten angeben. Das Judentbnm und seine Bekenner in der Gegenwart müssen nach zwei Richtungen bin ihren Eifer und ihre Thatkraft entfalte«-: nach Außen und nach Linien. Die Regierungen, die Völker, die Eoiiscssicncn, die inaunigfacken Bestandthcile der Gesellschaft kommen nur zu oft in die Lage, sich über jüdisches Wesen und jüdisches Ltreben ein Urtbeil zw bilden, um darnach folgenschwere Entschlüsse zu fassen oder Einflüsse zu gewinnen. Dieses Urtbeil bedarf neck» iinmer, trotz allen Fortschritts der ״Zeit und des sscgcndcn Huinauismus, der Leitung^ Berichtigung und Klärung — und daran soll unser Blatt arbeite׳,.: Es wird Veranlassung nehmen, das Indentbnin und die Zuteil in ihrer wahren (Gestalt zu zeigen: das crstcrc als eine ^.Religion, die den aus Oceckr und (Gerechtigkeit ruhenden Ltaat stützt, Treue gegen Monarch und Vaterland lehrt, und gegen alle Eonfcssioncn friedlich und freundlich ist: die letzteren als tbätige, fleißige, auf den Gebieten des Handels, der Industrie, des Ackerbaue-, der Wissenschaft Und der Kunst sick bewegende Glieder der Gesellschaft, die keinem Staatsbürger an Hingebung für da- Wohl des Vaterlandes und an Förderung des allgemeinen Nutzens nacksstehen. ' Damit zusammenhängend ist die Richtung nach Junen. Wir treten nicht als Ankläger gegen das,jüdische Faun- ,lienleben und gegen die sittlichen Zustände in jüdischen .Kreisen ans: wir wollen ryisercn Lesern bloS zum Bewußtsein bringen, daß große und wichtige Ausgaben in den Lnnagogen, den Lchulen und Häusern, in den Beziehungen zn nnsern Umgcbungcn zu lösen sind: daß die Verhältnisse der Rabbinen und Gemeinden, der Lehrer und Lehrbücher geregelt und geordnet werden müssen: daß wir die neue Zeit mit ihren neuen Anforderungen richtig,verstehen und begreifen lernen. Unterstützt von tüchtigen Kräften, und hoffend auf die Mitwirkung aller Derer, denen cs Ernst ist, unfern GlanbenSgcnossen in Destcrrcicb, und naincntlick, in Ungarn, den Rang zu verschaffen, der ibnen vermöge ihrer Zahl, ihrer geistigen und materiellen Kräfte gebührt, geben wir an unser Werk. . Es gebricht -uns nicht an Muth; möge cs nnsern Lesern nicht an Ausdauer fehlen! pek, im Znli 1860. 8 1*rr cfjprausflfftrr. £öw Schwab. Kiograpbiscbe Tkizz« ron T. T. -?as Anrenken des Mannes, dessen Bild unser heutiges Blatt bringt, ist unk bleibt nickt nur kiesigen Gemeinde, in der er 21 Jahre gelebt und gewirkt.^unvergeßlick, sondern lebt weit über die Grenzen derselben binaus in den Herzen zahlreicher Tcküler, die uninittelbare Belehrung bei ikm geschöpft oder i»1 Hinblick aus ikn sick keranzebildet und zu ihrem lehren und Ttrebcn Mutk gefaßt haben: in der Erinnerung Tausender, die an seinem Werte sick vergnügt und erbaut, oder Gelegenheit gesunken haben im personlicken Umgänge seine Geistes- und Gcmntbseigensckasten keimen zu lernen. Allen diesen glauben wir keine unwillkommene Gabe mit folgendem, etwas auSsübrlickerem Lebensabriß zu bieten, wozu dem Bersaffxr die mündlickeu Erzählungen des Berewigtcn selber, der Einblick in reffen kinkerlaffene Pa- Piere und Briefschaften unk die Mittbeilungen glaubwürdiger Personen, die deffen Jugend- und Mannesalter gekannt, das Material geliefert haben. Ersckcinungen wse Tckwab, der bekanntlick einer der Ersten in Eetterreich und der Erste unter Rabbinern in Ungarn das reine Won an heiliger Tratte gesprocken, der mit rer kaustiscken Tckärfe des Pilpuls die milde Klarheit nur Liebenswürdigkeit der Mcndelssokn'scken Tckule unk die Tiefe und Gründlickkeil der kritisck-philosophischen Epocke verbunden, werden von Tag zu Tage seltener, und die Zeit, in welcker solcke Enckeinuugcn unter Müden nur Anstrengungen,^unier Kämpfen und Widerwärtigkeiten zn Tage getreten sind, wirk bald völlig hinter uns liegen. Tas kulturhistcrisckc Intrreffe, welckes die DaNtellung sclcken Lebens- und Eutwickelungsganzes bietet, wird daher die Aussübrlick.keit in niancken minder wicktig sckeinenden Einzelnbeiten entsckuldigen. Taß der Bersaffer bei seiner Erzählung von strenger Wahrheitsliebe geleitet worden, bedürfte eigenrlick keiner Erwähnung und wird nur darum bemerkt, weil er anderseits kein Hehl daraus mackl, daß auch Liebe unk Belehrung ihm die Hand, zefükn haben. . Bsrbemerlnng der Redaktion. t I. Lkw׳ Tckwab ivnrde am 7. Adar — 7. Februar 170-1 zu M. Kroinan, einem kleinen, im Znaimer Kreise gelegene» mähriscken Ttädtcken, von armen recktsckaffenen Eltern geboren. Tein Bater, Markus Tckwab, ernährte sick gleick den meisten seiner dortigen Glaubensgenosse!^ jener Zeit vom Hausirhandcl: und obwohl selber blos ein scklickter ununterrickteter Mann, dielt er es dock, wie der Israelite zn allen Zeiten, für heilige Pflickt dem Knaben frühzeitig sckon Uuterrickt und Lehre zu Tbeil werden zu laffen. Freilick waren in der kleinen, von der alten mähriscken Familienordnung nur mit -10 Familien bedäckten, überdies noch sehr armen Gemeinde Gelegenbeit und Mittel dazu nur spärlick vorhanden. In der sogenannten ״Trivialschule," ganz von dem Tcklage, wie solcke seit der Iosepbiniscken Zeit bis zum Jahre J848 in den meisten mähriscken (Gemeinden vegetirten, lernte der .Knabe kümmerlick teutsck lesen unk sckreiben: im Ederer, worin Menj delssokn nock eine unbekannte Größe war, Ehumcsck mit im Jargon vcrdeutsckter Rascki-Erklärung. Bald kackten die Eltern auck an den höchsten und wicktigslen Unterricht, den ein jüdisckes Kind nack damaliger Ansickt genießen konnte unk sollte, an den Talmudunterrickt: und in einem zarten Alter, wo sick beute.Kinder in den Gärten der Bewahranstalten und Tpielscknlen nock lustig und beiter tummeln, ward der kleine Löw Tckwab .sckon von eineni Backur in die labftrinthiscken Gänge'talmutiscker Dialektik einzefükrt. Tie ungewkhnlicke Lernbegierde und die seltenen Anlagen des .Knaben macklen sick hier in staunenerregendcr Weise geltend: und nicht blos die zärilicken Elternherren knüpften die freudigsten Hoffnungen an die wunterbaren FoMckrittc ihres Kindes, sondern auck »rtdcilssäbige .Kenner er׳ blickten in idm, der kaum siebenjährig einen großen Tkcil der heiligen Tckrift nahezu auswendig wußte, und so viel Geist unk Witz in Auffaffung res Talmudunkerricktes bekundete, eine außerordentlicke Erscheinung, der sic ein glänzendes Prognostiken zn stellen sick berecktigt fühlten. Dieser Tcknle bald entwachsen, war Löw Tckwab, wegen Mangel eines geeigneten Meisters, sckon im Frühling 1x02 in der Fremde, in Lomnitz, wo er unter Lbhut von Perwandten den Unterricht eines als

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