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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-01-01 · Programm und Probenummer · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
Programm und Probenummer
Date
1860-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Als David'- E»de herannahtr, schickte ihm Gott der Erhabene.ein Blatt zu, auf dem zehn weise Sprüche ausgezeichnet standen von den Geheimnissen des Jenseits. Daraus liesß David die Gelehrten seiner Zeit zu sich bescheiden, vor allen aber rief er seine» Sohn Salomo zu sich. Dann sprach er zu Salomo: „Wenn du die Frage dieses Blattes beantworten kannst, so gehört dir daS Siegel der Herrschaft!" Salomo sprach: „O Vater, frage mich nur, damit ich dir antworten kann!" Die erste Frage war: „Was ist das kleinste geringste Ding, die Sache, die am wenigsten vorkommt?" Die Antwort war: „Die Gewißheit unter den Mänuerw der Wissenschaft." Zweite Frage: „WaS kommt am häufigsten vor?" Antwort: „Der Zweifel unter den Menschenkindern." Dritte Frage: „Welche SachL ist die bitterste?" Antwort: „Die Armuth nach dem Reich» thum!" Vierte Frage: „Welche Sache ist die süßeste?" Antwort: „Der Glaube nach dem Unglauben!" Fünfte Frage: „Welche Sache ist diejenige, welche den Menschen am angenehmsten berührt?" Antwort: „Eine schöne Seele im Körper!" Sechste Frage: „Und welche Sache ist am abschreckensten?" Antwort: „Ein Körper obnc Seele!" Siebente Frage: „Und welche Sache ist die härteste?" Antwort: „Ein schlunimer Freund!" Als David diese Antworten hörte, stieg die Stimme seines LolbeS bis zum Himmel. Darauf sprach er: „Den Ring der Herrschaft will ick dir geben, waS rathet ihr. Gelehrte, mir dabei?" Nun war unter den um David versammelten Gelehrten rin Greis von dreitausend Jahren. Dieser sprack: „Ick l*in nicht eher damit zufrieden, als bis er mir auf zwei Fragen geantwortet bat. Er sprach: Frage! Er fragte: „WaS ist die reinste Sache und wrlckc die unreinste?" „Die reinste Sache ist", antwortete er, „daS Herz, das von Natur auS dem Menschen ass ganz rein gegeben ist, und zugleick die unreinste, dar der Mensch durch die Verunreinigung desselben zu Grunde geht!" Jetzt waren alle darin einverstanden, daß er der Nachfolge würdig sei. Darauf übergab ikm David daS Siegel der Herrschaft und ging in da« HauS des Bestandes binübcr. «« - Lande die Verheißung erfüllen, die Du Deinem au«erwählken Volke gegeben: 2Zl2*7 '.1 IN'NtNt — „Gott wird Dich auSzeichnen mit allem, WaS gut ist." Herr des Weltalls, viele Tage und Wochen find verstrichen, seit Deine Diener, unsere Repräsentanten im Congresse versammelt sind, und noch waren sie nicht im Stande, daS HauS zu organisiren. O Gott, der Du Frieden machst in Deinen hohen Himmeln, leite sie heute, daß sie einmüthig einen Mann erwählen möchten, der ohne Furcht und ohne Begünstiguiig den Vorsitz in dieser Versannnlung führen möge. Zn diesem Zwecke, allgütiger Vater, erleuchte sie mit Deinem Geiste, dem Geiste der Weisheit und Verständigung, dem Geiste deS RatheS und der Verträglichkeit; dem Geiste der Erkenntniß und der Furcht des Herrn. Gib, o Vater, daß inmitten der sich durchkreuzenden Interessen und Meinungen, Deine Gnade sie so leite, daß Alle und ein Jeglicher von ihnen den rechten Weg einschlage, den Weg der Billigkeit und Mäßigung; daß sie sprechen, handeln und Gesetze geben mögen zu Deiner Ehre und zum Glücke unsere« Landes, so daß im Norden und Süden, Westen und Osten das Gefühl der Zufriedenheit ihre Arbeiten kröne, und daS ganze Volk des Landes freudig in die Worte Deines Psalmisten rinstimme: „Wie schön und wie herrlich ist eS, wenn Brüder in Eintracht zusammen wohnen." Herr, Gott AbrahamS, JsakS und Jakob«, ich, Dein Diener, flehe zu Dir, segne diese Repräsentanten mit den Worten, mit welchen Du Deinen Priestern befohlen Dein Volk zu segnen: -Z212' rc. Amen." Unseren auswärtigen Lesern diene zur Bemerkung, daß der Congreß, treu dem eonstitutionellen Prinzipe der unbeschränkten Religionsfreiheit, die Geistlichen aller Religionen und Setten der Reihe nach einladet, das Gebet, mit dem die täglichen Sitzungen eröffnet werden, zu sprechen. (Deborah.) AuSAicknungen unä versclnräene Arrrknrlrtcn. I>. Knxlintt's Gebet im Gongress zu Ukachmglo». W.r geben hier die Uebersctzung deS Gebetes, mit welchem Rabbiner Or. Rapball, von Neu-'ffork, die Sitzung des Unterhauses im Congresse zu Washington eröffncte. Dr. Rap hall erschien — waS man an den Geifllicken. die sonst GebetL^die SiNluuieu^deS. LwareLeS.^eröüneL. nickt gcwobnl »t — M-semem-gristlichon-Ornatr, und er ist der erstes welcher der bcbräiscken «praH, hx; dem Segen und anderen einzelnen Stellen sich bediente. Das Gebet, daS von der Presse einstimmig gelobt wird, und da« die Mitglicter des Hanseg mit gespannter Aufmerksamkeit anhörten, lautet in der Uebersetzunz wie folgt; - „Allmächtiger uttd allgnädiger Gott, wir treten heute vor Dich hin, um Dir für frühere Wobllbatrrt zu danken, und ehrfurchtsvoll Dich zu bitten, Deine Gnade auck ferner Deinen Dienern, den im Congreß versammelten Repräsentanten der vereinigten Staaten angedeihen zu lassen. Herr, groß und mannigfaltig waren die Gaben, mit denen Du diese« glücklicke Land gesegnet bast. Innig und aufrichtig ist auch unser Dank. Während die länderreickcn Despotien Asiens in Staub zerfaflen, und die morschen Monarckien der allen Wett sich nur dadurch noch halten könoen, daß sie dem Drange deS Zeitgeistes nackgeben, war es Dein gnädiger Wille, daß in dieser westlichen Hemisphäre rin Gemeinwesen nach jenem Urbilde aufgerichtet werde, welches Du selbst in der Mitte der Stämme Israels, in ihren besten und glücklicksten Tagen, aufzuricktcn brfabls«. Die Constitution und die Institutionen dieser Republik bebewcisen aller Well, daß die Menschen, geschaffen in Deinem Bilde und gehorsam Deinen Gesetzen, nickt nur der Selbstregierung fähig sind, sondern daß die eS auch am besten verstehen, bürgerliche Freiheit mit schuldigem Gehorsam gegen daS Gesetz, absolute Glcickheit mit einer aufricktigen Achtung individueller Rechte zu versöhnen. Daß wir im Besitze solcher weisen Institutionen sind, daß wir nach ihren Vorfckriften leben, ist, o Herr, ein neuer Beweis Deines göttlichen Schutzes. Deine rechte Hand bcsckützte die Gründer unserer Republik während deS langen und gefahrvollen Kampfes, den daS Recht gegen die Gewalt führte. Deine Weisheit begeisterte sie, als sie diesen Congreß gründeten, damit er werde, was Dein Heiligtkum mit den „Urim" und „Thumim" — Recht und Billigkeit — für die Stämme Israels lein sollte, nämlich daS Her; de« ganzen Volkes! die Stelle, an der die Bedürfnisse, die Gefüllte und Wünsche Aller erkannt werden sollten, daß Alle dieselbe achten und brackten lernen, durch Einigkeit dies Ganze erstarke, und Friede gleichen Schritt mit der allgemeinen Blüte deS Landes halte. Herr, kaum ein Menschenaller ist vergangen, seitdem diese Constitution in Wirksamkeit getreten, und unter ihrem Schutze ist unser Land, daS schwach und arm gewesen, so reich und mächtig geworden, daß e« sich den mächtigsten Ländern cher Erde ebenbürtig zur Seite stellt. O Herr und Gott, möchtest Du au diesem -f- Pest. Am 6. Mai d. I.' fand im hiesigen Gemeindesaal dir Decorirung de- Herrn Predigervr. Josef Bach mit dem ihm von Sr. k. k. Apost. Majestät verliehenen goldenen Berdicnstkreuze statt. — Der Herr k. k. Statthaltereirath v. Tandler, der hochwürdige Herr k. k. Schulrath v. Barton, der ehrwürdige Herr Ober-Rabbiner Or. Meisel und der Gemeindevertreter Herr Jacob Kern richteten an den Decorirten ehrende, sein verdienstliches Wirken in Synagoge und Schule rühmend hervorhebende Ansprachen, welche so wie brachten. -s- Prag. Da« Ober-Rabbinat der Prager Israelitengemeinde war eigentlich seit dem Tode dehochberühmten Rabbiners Ezechiel Landau erledigt, da die auf ihn gefolgten geistlichen Oberhäupter nur unter dem Namen Appellanten, Rosch Brth-Din fungirten. AuS Anlaß seines 70. Geburtstages ist nun dem gefeinten Salomon 4. Rappoport der Titel „Ober-Rabbiner" ertheilt worden. — In der „Preßburger Zeitung" lesen wir die interessante Nachricht, daß der Wiener Gesangverein „Zion," Sonntag den 10. Juni einen Ausflug nach Preßburg macht. Derselbe wird mittelst Separatdämpfer um 6'/, Uhr Früh von Wien abreisen und um 9'/, Uhr am Zuckermantel landen. Von dort begibt sich der Verein auf da« dritte Batzenhäusel und um 2 Uhr zurück in den Pälffygarten, wo da- Diner, an welchem bei 300 Personen theilnchmen, stattfinden -wird. Die Speisen werden durch Herrn Markstein und die Getränke durch den Pachter deS PLlffygartenS Herrn Ertl bcigestellt. Zur grkßern Bequemlichkeit sind Karten zum Diner um 1 fl. 50 Nkr. für die Person bei Herrn Merkstein an der Kapuzinerstiege zu bekommen. Um 7 Uhr AbendS wird die Rückfahrt nach Wien angetreten. Wie verlautet, wird die Preßburger, so wie die Hainburger Liedertafel an diesem Sängerfeste theilnehmen. Die Macht des Gesanges wird gewiß nicht wenig beitragen, die letzten Spuren finsterer Gehässigkeit in der freundlichen, historisch merkwürdigen Krönungsstadt zu vertilgen. , — In Krakau zog, wie man der „Pr. Ztg." schreibt, kürzlich ein armer jüdischer Handwerker au« dem überfüllten Ghetto, wo er keine Wohnung und wenig Kunden finden konnte in eine bisher von Christen allein bewohnte Vorstadt. Da befahl die Gemeindebehörde dessen allsogleiche Entfernung. Als der GewerbSmann sich zwei Tage Frist zur Räumung der gemielheten Lokalität erbat, wurde ihm dies« Bitte abgeschlagen. In einem zweiten Falle wollte ein jüdischer Kaufmann Wohnung und Handlung in die „Stadl" verlegen; um dazu, waS kein österreichisches Gesetz verbietet, die Erlaubniß zu erhalten, beweist er, daß er acht Gymnasialclaffen zurückgelegt habe. Der Magistrat bescheidet ihn, „er dürfe zwar in der Stadt ein HauS kaufen, dazu habe er die gesetzliche Qualifikation, abernicht darin wohnen, noch darin eine Handlung errichten."

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