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Der jüdische Handwerker · 1936-11-01 · 11 (11.1936) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
11 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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die Kollegen, nicht stillzustehen, denn Stillstand bedeutet Rückgang. Nichts darf unsere Willenskraft lahmen. Zum Programm dir \\ interarbeit übergehend schlug Kollege ( roldmänn interessante Kurzreferate der Mitglieder vor. Audi mit jüdischen Dingen wird sich der Verein intensiv beschäftigen und.Verträge halten lassen. Wie im vergangenen Jahr, so soll auch dieses Mal wieder eine Chanukahfeier mit Bescherimg der Lehrlinge abgehalten werden. Kollege (icldmamt wies darauf hin. dal? der Verein mit dein Beginn des neuen Geschäftsjahres sein 25jähriges Bestehen erreichen wird. Nach eitler Spendcnsammlung für die Jüdische Winterhilfe dankte der Vorsitzende für das Erscheinen der Kollege und schloß die sehr angeregt verlaufene Versammlung. Die vom Kollegen Sommerfeld gezeigte Tischglocke ist dem'Verein mit dem Wunsche überreicht worden, daß dieselbe noch oft zu friedlicher Arbeit zusammenrufen möge. Kollege (iotdfRann dankte dem Spender für die wunderschöne Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, dali es dem Verein zusammen mit dein Spender vergönnt sein möge, sich an dem Ton dieser (docke /u erfreuen. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand die alljährliche jeachtlichen Vor¬ Einzelhandel, in Köln In der letzten stark besuchten Mitglieder-Versammlung gedachte der Vorsitzende Kollege Isi L e v i. mit warmen Wörter, des verstorbenen Schriftführers R u d o 1 f S t e i n e r. Sein Tod hat in den Reihen des Handwerker-Vereins, in denen er dank seines liebenswürdigen Viesens und seiner menschlichen Qualitäten nur Freunde hatte, eine außerordentlich schmerzliche und empfindlchei Lücke gerissen. Herausgabe des Vereins-Kalenders. Einen trag hielt Herr Dr. Perl vom Jüdischen dem er die Beziehungen des Handwerkerstandes zum Einzel Handel darlegte und ein Hand-in-Hand-arbciten befürwortete Mit besonders herzlichen Worten dankte der Vorsitzende dem Kollegen Sally Jonas für sein großes Interesse und die rege Mitarbeit und überreichte ihm vor seiner Ausreise nach Johannisburg zum Zeichen des Gedenkens ein Geschenk. Mit dem allseitigen Wunsche, recht bald wieder zusammenzukommen, schloß die Versammlung. Die Ortsgruppe Köln berichtet des weiteren, daß die Vereinstätigkeit außerordentlich rege sei,J auch wenn die Versammlungen nicht allmonatlich stattfinden. Durch Rundschreiben werden die Mitglieder von wicht gen und wissenswerten Vorgängen in Kenntnis gesetzt. Das inzwischen verteilte Mitgliederverzeichnis hat seinen Zw „ck erfüllt. Eine Reihe bisher abseits stehender Handwerker nahm Gelegenheit, sich dem Verein anzuschließen. In Köln besteht seit einiger Zeit je eine Lehrwerkstatt für Schlosser und Schreiner, die von der Gerieinde subventioniert werden. — Um unsere Zeitschrift „Der Jüdische Handwerker" zu 'dauernder Benutzung aufbewahren zu können, wurde angeregt,, eine Sammelmappe herauszugeben. Nicht unerwähnt bleibe die Einsetzung eines Schliclitungsausschusses, der segensreich wirkt. Zusammenfassend darf gesagt werden, der Ortsgruppe Köln dank ihrer zielbewußt aus anerkennende und segensreiche Arbeit Handwerkerstand auch im vergangenen daß die Tätigkeit;n Führung durchfür den jüdischen geleistet hat. Jahre Ein jüdifcher Handwerker fchreibt aus Süd-Afrika Ein treues Mitglied [des ..Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubcss e. V." in Köln, das vor einiger Zeit nach Sudafrika ausgewandert ist. schrieb aus seiner neuen Heimat Seinen Kölner Kollegen einen Brief, der manche auch fiir weitere Kreise interessante Mitteilungen enthält. Wir geben aus diesem Brief nachstehend die wichtigsten Teile wieder: ..Liebe Mitglieder und Zunftgenossen! Nachdem ich schon einige Wochen in dem sonnigen Afrika, meiner neuen Heimat, meinen Wohnsitz habe,-soll es mein Erstes sein. Euer zu gedenken und Euch, soweit es mir möglich ist, im anschauliches Bild von dem Leben in Südafrika zu geiien. fch wohnein Johannisburg, wo ich auch eine mir zusagende Arbeit in meinem Fach, und zwar schon nach wenigen Tagen meines Hierseins gefunden habe. Es wird hl diesem Fach hierzulande sehr viel verlangt, und es herrscht hier ein echt amt rikanisetoes Tempo. Allerdings whd entsprechend verdient. Die Löhne guter Fachleute bewegen sich zwischen £ S und 10 die Woche bei achtstündiger" Arbeitszeit. Doch haben nur wirkliche Fachleute Ausm In, Arbeit zu erhalten. Die Aussicht, sich 'selbständig zu machen, ist recht gut. vorausgesetzt, daß man die Sprache beherrs ht. Man kann hier eine enorme Bautätigkeit beobachten vdn einem Umfange, wie man sie sich nach deutschen Begriffen nicht vorstellen wird. Hochhäuser werden zu Dutzenden auf einmal hergestellt, und zwanzig Stockwerk hohe Häuser sind keine Seltenheit. Johannisburg ist eine Stadt von 500 000 Einwohnern, je zur Hälfte schwarze und weiße. Jeder weiße Arbeiter hat einen Negerboy für die schmutzige Arbeit und für Handreichungen zur Verfügung. Die Herren Facharbeiter sind hier vornehme Leute. Die einheimischen unter ihnen Miimen mit ihren Autos zur Arbeit gefahren. Ich hoffe; lir auch bald einen motor-car zulegen zu können. Es herrscht hier ein Aiitobetrieb, wie ich ihn noch nie gesehicn habe.. Die Stadt vergrößert sich jeden Tag zusehends. Die Bauten sind nach amerikanischem Muster entworfen. Dif Einrichtwfcgefl der Wohnungen sind das Modernste, was man sich vorstellen kann. In jedem Hause ist ein Lift für die Einwohner vorhanden, für die Schwarzen Extraaufinge, die über Eisentreppen .bis unters Dach führen, denn den Schwarzen ist es verboten, den Lift zu benutzen. Die Mieten sind auch im Verhältnis zum Einkommen teuer. I ine Zwei-Zimmer-Wohnung, allerdings mit vollständig eingerichteter Küche — Frigidaire, elektrischem Kochofen, Bad mit Kalt- und Warm-Wasser, eingebauten Wandschränken, elektrischer Beheizung — kosten einschl. Bedienung durch einen schwarzen Boy £ 12—14 monatlich. Dieser Boy besorgt sämtliche groben Hausarbeiten. ■ Ich selbst wohne in einem solchem Hause bei einer Kölner Familie in der fünften Etage, denn je höher, desto schöner. Ich habe einen herrlichen Ausblick über ganz Johannisburg und die Umgegend mit den Goldminen. Gearbeitet wird ohne Mittagspause von morgends 8 bis abends 5 Uhr mit einer halbstündigen Unterbrechung mittags. Samstag ist um 12 Uhr Schluß, und alle Arbeit ruht bis Montag früh. Abends nach 7 Uhr ist die Stadt wie ausgestorben, da der -Einheimische nur seiner Familie lebt. Es gibt weder Tleater, noch große mit einer großen st sehr gut, da Konzertcafes, dafür aber tausend Teeshops Anzahl erstklassiger Kinos. Das Klima Johannisburg hoch liegt. Hier ist' alles z|u haben wie in i Europa, wenn man nur genug Geld hat. I Sollte der eine oder andere Kollege Fragen an mich zu richten haben, so bin ich gern bereit, jede gewünschte Auskunft nach Möglichkeit zu geben''. Handwerker-Kurse im Lehrhaus An jedem Montag von 201'., bis 22 Uhr finden im Jüdischen Lehrhaus Marburger Str." 5 III Kurse in Buchführung und Geschäftskunde für Handwerker statt, die, wie in der vorigen Ausgabe bereits mitgeteilt, unter der bewährten Leitung der Diplom-Handelslehrerin, Fräulein Luise Bamberger. stehen. 10 Doppelstunden RM. 8.—. An jedem Mittwoch, beginnend am 25. Novemberr 1936, wird im Zeichensaal der Jüdischen Mittelschule, Gr. Hamburger Straße 27, von 20'/ä bis 22 Uhr Technisches Zeichnen für Handwerker (Maurer Schlosser Klempner/Elektriker, Tischler) durch Herrn Otto Geismar gelehrt. Beitrag monatlich RM 2.—. Es liegt im Interesse eines jeden Handwerkers, sich fehlende Kenntnisse durch Beteiligung an den obigen Kursen anzueignen. Meldungen sind zu richten an das Sekretariat des Judischen Lehrhauses, Berlin W 50, III B4 Bavaria 5587. Marburger Str. 5 „Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, gibt bekannt, daß er durch die Häufung der Geschäfte gezwungen ist, eine allgemeine Sprechstunde und zwar sowohl für auswärtige als auch für Berliner Besucher einzurichten. Diese findet täglich Montag bis Freitag in der Zeit von Mr/j—13 Uhr statt. Soweit Besucher aus zwingenden Gründen diese Zeit nicht einhalten können, ist es notwendig, für die gewünschte Besprechung rechtzeitig vorher eine schriftlidhe oder telefonische Verabredung zu treffen. Unangemeldete Besucher können nicht darauf rechnen, außerhalb der genannten Sprechstunde empfangen zu werden". Der Werberat hat beftimmt: Wirtschaftswerbung durch Zettelaushang in Aushangkästen, in den Schaufenstern der Einzelhandelsgeschäfte oder an sonstigen Wandflächen außer an der Stelle, an der die Ware, für die geworben werden soll, hergestellt oder verkauft wird, ist verboten. * Die Bezeichnung „Autofriedhof" ist als geschmacklos zu verwerfen. Der Hinweis einer werbenden Firma auf ihren Sitz in einem Notstandsgebiet ist unzulässig. * Einzelanfragen, die den Inhalt der Werbung betreffen sind nicht mehr an den Werberat der Deutschen Wirtschaft zu richten, sondern an den Reichsverband der Werbungstreibenden, Berlin-Lichterfelde-West, Fontanestr. 4. 10

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