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Der jüdische Handwerker · 1936-11-01 · 11 (11.1936) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
11 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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I hergestellten Waren auf g e n o m m e n w erden. Um dieses Ziel zu erreichen, muß der Handel eingeschaltet werden, der kraft seiner Mittlerstellung zwischen Erzeugung und V erbrauch seine Kunden über den Gebrauchswert der neuen Waren, über die Art ihrer richtigen Verwendung sowie über die pflichtmäßige Umstellung auf diese Waren aufklären muß. Hierbei ist der branchen- und warenkundige Kaufmann — und ebenso natürlich auch der Handwerker — ganz unentbehrlich. Zu seinen Pflichten wird es künftig gehören] nicht nur geschickt und unaufdringlich für die neuen NX erkstoffe und Fertigwaren zu werben, sondern auch seine warenkundlichen Kenntnisse nber die Eigenschaften und die richtige Verwendung dieser W aren an seine Abnehmer, die Verbraucher weiterzuvermitteln. Das wird er natürlich nur dann leisten können, wenn er sich zunächst einmal selbst mit diesen Fragen .beschäftigt und sich eine ein gell en de!getta n e Kenntnis der neuen W er k - s t o f f e u n d ihrer zweckmäßigen Verwendung erwirbt. Gelingt ihm das, so wird er dann auch nach der anderen Seite hin durch Weitergabe der Erfahrungen und Meinungen der Verbraucher an tlie Produzenten viel zur V ermeidung oder Wiedergutmachung von Fehlgriffen sowie auch zur künftigen Verbesserung der Verarbeitungsmethoden der neuen Rohstoffe beitragen können. Das ist eine Leistung, die namentlich dort, wo ganz neue Gebiete der Güterbedarfsdeckung beschritten w erden müssen, nicht h> >; ii genttg eingeschätzt werden kann. Um diese ihr zugewiesenen neuen und wichtigen' Aufgaben voll erfüllen zu können, muß sich die mittelständisene Wirtschaft zunächst mit den neuen Rohstoffen, fcowie mit den Fragen, die ihre Einführung in den Vferbrauch betreffen, ferner aber auch mit den ['fliehten rationeller Bewirtschaftung der alten wie der neuen Rohstoffe vertraut machen. IVeue Werkstoffe, nicht Ersatzstoffe. I m die richtige Einstellung zu den neuen Rohstoffen! zu gewinnen, muß man sich zunächst einmal von dem falschen Schlagwort „Ersatzstoffe" freimachen. Es kommt nicht darauf an, die alten Rohstoffe, dis wir nicht in genügenden Mengen einführen können, durch andere, nicht gleichwertige W erkstoffe /u ersetzen;1 sondern vielmehr darauf, neue 'Werkstoffe im Inland zu erzeugen, aus denen Güter hergestellt werden können, die den alten, aus ausländischen Rohstoffen gefertigten im (iebrauch gleichwertig , ja häufig! sogar überlegen sind. Zwei Beispiele sollen klarmachen, wie das gemeint ist: Das A I u m i n i u m galt ursprünglich vielen, nur als ein Ersatzmetall, das an die Stelle des Kupfers und anderer Schwermetalle treten sollte. Heute weiß man längst, daß das Aluminium ein völlig neuer Werkstoff von hohem Eigenwert ist. Für den Bau von Flugzeugen, Luftschiffen, Kraftwagen und anderen ' Verkehrsmitteln sind die aus Aluminium hergestellten Leichtmetalle ganz unentbehrlich geworden, weil nur ihre Verwendung die wirtschaftlich wichtige Verminderung des toten Gewichts dieser Fahrzeuge ermöglicht. Daneben werden freilich auch viele Waren aus Aluminium oder Leichtmetallen hergestellt, um Schwermetalle, deren Einfuhr die Devisenbilanz belastet, zu I ersparen. Aber hierdurch kann die Tatsache nicht \ erdunkelt werden, daß das Aluminium und seine Legierungen besondere Werkstoffe von hohem volkswirtschaftlichem Wert und ganz gewiß keine „Ersatzstoffe" >ind. Praktisch bedeutet freilich heute jede Erweiterung der Verwendung von Leichtmetallen eine Entlastung der Devisenlage. Hierauf werden Industrie und Handwerk auch künftig ihr Augenmerk richten müssen. Ganz ähnlich vollzog sich die Entwicklung der Kunstseide. Auch sie galt früher einmal als ein Ersatzstoff für die teure, aus dem Ausland bezogene Naturseide Heute hat sie sich längst einen wichtigen und selbständigen Platz in der Textilwirtschaft der ganzen Welt erobert. Nicht anders wird aller Voraussicht nach auch der Werdegang der neuesten Werkstoffe verlaufen, von denen nun die Rede sein soll. Zellwolle. Die beiden wichtigsten, bisher für unentbehrlich gehaltenen Textilrohstoffe Baumwolle und Wolle werden bekanntlich in Deutschland entweder garnicht oder in unzureichenden Mengen gewonnen. Die deutsche Wollerzeugung deckt nur etwa 30 Prozent des Inlandbedarfs. Auch wenn sie wesentlich gesteigert wird, kann dadurch an der Abhängigkeit der Versorgung mit Textilrohstoffen, namentlich mit Baumwolle, vorn Auslande nichts wesentliches geändert werden. An die Stelle der Baumwolle, die in Deutschland überhaupt nicht gewonnen werden kann, soll deshalb die Zellwolle treten. Ihr Erscheinen auf dem Markt hat nicht nur in Deutschland, sondern in der Textilwirtschaft der ganzen Welt eine völlig neue Lage geschaffen. Schon die Tatsache, daß Zellwolle auch in vielen Ländern hergestellt wird, die reichlich mit Baumwolle versorgt, sind, also keinen Ersatz für sie brauchen, beweist, daß es sich hier um einen neuen, eigen wer; tigen T e x t i 1 ro h s t o f f handelt, mit dem die Weltwirtschaft in Zukunft wird rechnen müssen. In Deutschland werden gegenwärtig in vier Zellwollfabriken in Sachsen, Schlesien, Bayern und Thüringen schon jähr* lichJOOOO Tonnen Zellwolle hergestellt. Bei Voller Ausnutzung der Leistungsfähigkeit dieser Fabriken kann die Erzeugung ohne weiteres auf 120 000 Tonnen gesteigert werden. Das ist schon ein Drittel der bisherigen deutschen Baumw olleinfuhr, die auf 360 000 Tonnen jährlich beziffert wird. Neue Zellwollfabriken werden in nächster Zeit gebaut werden, um die Produktion von Zellwolle weiter zu steigern. Der Grundstoff für diese Erzeugung ist das Holz. Selbst wenn zur Zellwollerzeugung Holz eingeführt werden muß, beträgt die Devisenbelastung der daraus hergestellten Zellwolle nur 10 bis 12' Prozent derjenigen, die durch die Baumwolleinfuhr verursacht wird, da alle übrigen Produktionskosten der Zellwolle auf inländische Roh- und Hilfsstoffe sowie auf Löhne entfallen. Festgestellt ist, daß die Zerreißfestigkeit der aus Zellwolle hergestellten Garne größer als die von Baumwollgarnen ist. Auf bestimmten Gebieten des Bekleidungswesens und der Textilwirtschaft wird daher die Zellwolle sehr bald ebenso bevorzugt werden, wie die Kunstseide in bestimmten Bezirkea der Bekleidungswirtschaft die Baumwolle verdrängt hat. Was die Preisfrage anbetrifft, so besteht zwar zur Zeit noch eine Spanne zwischen dem Preise der Baumwolle und dem der Zellwolle. Aber auch sie wird, wie sich heute schon übersehen läßt, bald beseitigt werden können, denn mit der Steigerung der Produktionsmengen pflegen die Herstellungskosten zu sinken. j Synthetischer Kautschuk. Die Versuche, an die Stelle des Naturgummis einen anderen Rohstoff zu setzen, sind schon ziemlich alt. Sie wurden auch deshalb unternommen, weil der natürliche Kautschuk auf manchen wichtigen Verwendungsgebieten (so insbesondere bei der Verwendung für Kraftfahrzeugreifen) Mängel und Unvollkommenheiten aufweist. Die Versuche wurden daher auch in Ländern gemacht, die sich ohne Schwierigkeiten mit Naturkautschuk versorgen können. Erst in neuester Zeit aber haben sie zu voll befriedigenden Erfolgen geführt. Der deutsche synthetische Kautschuk, der als Werkstoff künftig eine sehr wichtige Stellung in der Wirtschaft einnehmen wird, trägt den Namen Buna. Er stellt nach dem Urteil der Sachverständigen eine wesentliche Verbesserung des Naturgummis dar. Seine Grundstoffe sind Kalk und Kohle. Er kann also in Deutschland in unbeschränkten Mengen gewohnen werden. Bei der praktischen Verwendung des synthe- \

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