Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 28 (1936)
- Issue
- 10 (10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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«lern sie ihre Erzeugnisse und in der Rege) zugleich auch einschlägige Fabrikwaren verkaufen. Auch aus diesem (»runde i»t es notwendig. daß der Handwerksmeister eine gute kauf männische \ orl>ildung besitjt. Da» pieiehe gilt aber umgekehrt für' < 1«-■ i Kaufmann: Kr hrauc-ht in heutiger Zeit weit mehr als froher i . ( h m i « c Ii e u n <l h a n d w e rk Ii <• Ii e Kenntnisse und Fertigkeiten in der Branche, in der e-r tätig ist. Wenn die früher oft allzu «'inseitige kaufmännische mikI geistige Betätigung der deutschen Juden von manchen <.esichtspunkteu aus hcdenklieh und gefahrbringend war. so vor allem deswegen, weil man auch hei iler vusühimg der kaufmännischen uml geistigen Berufe wiederum häufig einseitige Wege einschlug, indem man bestimmte rein händlerisdic Betätigungsformell sowie gewisse Zweige des Handels stärk bevorzugte, andere ilier vernachlässigte-. Das mußte dann zu einer doppelt sehnmmeti l h e r f ü I I u n g der sogen a u u t e n .j iid i s ch cb" Branchen führen und nach dem politischen 1 mschwiinp »He Erhaltung einer genügend _rol.ii n \n/ahl jüdischer Existenzgrundlagen besonders i-r-ehwereii. \lier dableiche l liel erwies sich aneli hei der \ ii s w a nder n ng als ein sdrweres Handicap, da miimiehr \iele Pausende jüdischer Kanfleiite in fremden Landern l imnein Existenz suchten, die teilweise nichts Inder. -, gelernt liätten. als z.B. Textirwäreii oder anrli Waren verschiedenster \rt in offenen Läden zu verkaufen. Für diese und andere Gruppen von Kanfleiiten -A.ii rii und sind allerdings in fremden Ländern meist nieiif genügend Existenzmoglichkeiten vorhanden, denn!m i i-i der Bedarf in der Regel schon reichlich und überreichlich gedeckt. Liiie l mstelluug auf andere kaufmännische Zweige-aller i-t ungenügend ausgebildeten, nicht iilier ausreichende Fachkenntnisse verfügenden kaiifleuten in vielen Fällen nicht möglich. Niehl die \\ ahl des Berufs, sondern die Ausbildung-- fraar muß heute in den Vordergrund gestellt werden. F a e h I i e h g <• n ii g e n d a u sgebiJ d <■ t e Kaufleute wertBen im Auslände sicherlich ebenso put und ebenso' leicnti ihr Brot finden wie sorgfältig ausgebildete, ihr f.ieh!ln herrs(-hemle Handwerker. Ine Sicherung einer mogliehst guten Herufsvorhildung i»t daher für die jüdische Jugend viel wichtiger als die müßige Streitfrage, oh es hesser und aussichtsreicher ist.-einen handwerklichen oder einen kaufmännischen Beruf zu ergreifen. Mag ein junger Mensch über gute handwerksmäßige oder iibejr gute kaufmännische Kenntnisse und Fähigkeiten Verfügen oder noch besser über beide, in jedem Falle wird er mit ihnen -ein Fortkommen finden können, wenn r I I e i I.'. ig. sparsani und leistungsfähig ist. Die Krage der Berufswahl-ist überhaupt nicht generell und gleichmäßig.für alle jungen Menschen oder auch nur lür die meisten von ihnen zu losen; Im Gegenteil: Solange es Modeberufe gehen wird, solange zahlreiche Hinge Leute gleichzeitig in bestimmte bevorzugte. Hernie hineindrängen.' so lange, wird eine Über- - e t; ii ii ii dieser Berufe mit allen ihren schwerwiegenden Folgen das unvermeidliche Ergebnis sein. Bei der Berufswahl muß zunächst einmal die besondere Begabung und Neigung des Berufsanwärters in Ib-traiht gezogen werden. Glücklicherweise sind diese bei den einzelnen Menschen und auch hei Indischen Jungen -ehr verschieden. Das wird sich deutlicher zeigen, wenn man si«4i dazu entschließen wird, alle unsachlichen Erwägungen hei der Berufsauswahl für die jüdische Jugend auszuschalten uml Regelmäßig in erster Linie die Beriifseigiiung des einzelnen in die Waagschale fallen zu lassen. Es i-l immer, bedenklich, wenn ein großer Teil der schulentlassenen Jugendlichen plötzlich ohne Rücksicht auf individuelle Anlagen einen bestimmten Beruf (zurzeit z. B. den des Elektromonteurs oder den des Autoschlossers) einzuschlagen v erlangt. Denn eine solche E inseitigkeil wird naturgemäß zu einer Oberfüllung dieser Berufe mit ungeeigneten oder nur durchschnittlich befähigten Menschen führen - ein Obel, das natürlich noch verschlimmert wird, wenn diese jungen Menschen in dem Modeberuf, den sie sich gewä llt haben, dann auch noch unzureichend ausgebildet werden. Um «lie besondere Eignung des einzelnen, über de sidi oft der Jugendliche seihst nicht klaf ist. zuVerl issig festzustellen, gibt es gute, wissenschaftlieh hegrü idetc uml praktisch ausgeprobte Methoden. Daneben gehört es freilich amh zu der Aufgabe des Berufsberatern, die Betätigungsmögliehkeitcii und Erfolgsaussichten i i den einzelnen Berufen zu prüfen. Dabei ist gegenwärtig, wenn es sich um die Berufsberatung der jüdischen Jugend handelt, nicht in letzter Linie eine genaue Kenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse uml Kntw icklungs cuclciizcn i m A u 8 1 a ii cl erforderlich. Denn für einen gl ollen Teil der jüdischen Jugend in Deutschland wird Ulm einmal die künftige berufliche Betätigung im Auslaut das Ziel der Berufswahl und Berufsausbildung sein müssen. \us diesen Krwägungen geht klar hervor, daß die Krage, oh es für einen jüdischen jungen Meiisden besser ist. einen handwerklichen oder einen kaufmännischen Beruf zu erlernen, von vornherein ganz falsch g-stellt ist. Handwerk und Handel sind für den jüdischen Vlensdien grundsätzlich gleidi geeignete ßetätigiingsgeb ete, und die Auswahl des Berufs kann immer nur auf Grund und nach sorgfältiger Prüfung der individuelle! Anlagen •und Neigungen des Berufsanwärters erfolgen. Liamlwerk und Handel sind im praktischen Lehen keine einander ausschließenden oder im Gegensatj zueinander .teilenden Berufsgruppen. sondern berühren sich v e I f a e h und wirken häufig in der beruflichen Betätigung zusammen. Gerade die Schnittpunkte zwischen Handwerk und Handel sind gegenwärtig angesichts iler immer größer werdenden üherfüllung cter alten, überkommenen Berufe besonders beachtenswert. Der Handwerker, der zugleidi ein tüchtiger Kaufmann ist. uml der Kaufmann, der über fachliche, technische und nicht zulegt auch über sprachliche Kenntnisse verfügt, werden beide gute Berufsaussichten haben. Wenn bereits darauf hingewiesen wurde, daß namentlich der jüdische Kaufmann aus seiner allzu einseitige^ Betätigung als ..reiner Händler" in bestimmten herkömmlichen Branchen hejrausgelangen muß, so ist dieser /Gesiditspuukt für den jungen Kaufmann, der in fremde Läiider auswandern will, geradezu von entscheidender Bedeutung. Der Kaufmann ist in der Welt heute längst nicht mehr auf den Handel im engeren Sinne beschränkt. Industrie und Handel bieten ihm erweiterte Berufs, ussiditen, wenn er entsprechend befähigt und ausgebildet ist. So ist insbesondere für den I n cl u s t r i e k a u f in a n n und den technischen Kauf m a n n im Auslam le — vorausgesetzt daß sie über die nötige fachlich-technische Vorbildung verfügen und die Landessprache gut biherrsdien angesichts der allgemeinen Industrialisierung die Aus sieht auf Krriiigung einer dauernden Lebensgrumllagc günstiger als in vielen anderen Berufen. Je vielseitiger und d i f f e r e n z Berufsauswahl der jüdischen Jugend künftig wird, desto eher werden die Schwierigkeiten mutigen, die auf die früheren Einseitigkeit!' zuführen sind, überwunden werden können gewiß aher nicht dadurch, daß man von ei seitigkeit in die c n t g e g e n g e s e tj t e verlällt. Die zahlreichen Fragen, die auf dem Gebiete der Berufs Schulung der jüdisdien Jugend nodi zu lösen sintl, werden in unserem Blatte laufend behandelt werde sollte nur zu der grundsätzliche n Frage der Grc bei ehr jüdischen Berufswahl uml Berufsausbildung Stellung genommen werden. Das Handwerk hat niemals den Wunsch gehabt, das einzige oder das zugte Betätigungsfeld der Jugend zu werden allein Wert darauf, sidi einen ausreichenden, aber einen liamlwerk lieh wie kaufmännisch sorgfältig ausgebildeten Nachwuchs zu sidiern Dr. Hugo Nathansohn r t e r ilie gestaltet ind Hemzurück- - ganz n e r Ein- Hcute ozziehunx bevor- Es legt vor allem möglichst /