Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1936-06-01 · 6/7 (6.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
6/7 (6.1936)
Date
1936-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492337-5771096-5771210--270-4883849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

vergeben werden - überall -iIit in.in die'winsjr-haftlteite Bedeutung der (Jemeindefätigkeit. überall kann man feststellen, elnl* der llandw erker. i'i i Künstler. de* kleinere und miniere Kaufmann dadurch in Arbeil und /.ii Brot kommen. Diese Bedeutung der (iemeindetäligkeil i-i »is H'i/i im In genügend beat'btet worden, viel- Feielti dc--li.ilI). weil iniin im Vordergrnnd die Erfüllung der religiösen I lüfspflirlvf gesehen liai. Die Bedeutung der Gentemde als Wirtschaft»- faktnr in den heutigen Verhältnissen des Wjrt- «ehaftsleben« der Juden in Dentsehland darf Riehl »erkannt werden. Der d iesi als < Vlöeli mittelbare Kinfluli der (ieraeinde kann in Richtung ikk Ii viel gröRere Krfolge haben r iinÄiillelbare K'inkauf. Ks gibt unzählige •hkeiten. wo di< w irken könnte. Mim le a usgn I .ndes (lemeinde regulierend genügt' zu erwähnen, dal? die die von den (irofigemeinden für Personalien /in Verfügung gestellt werden, letzten im Ii cler Belebung des jüdischen \\ irtscbaftslebeas dienen müssen, w.is nur zum Teil geschieht. Man muH sieh über um diese Dinge KÜmineVii und der läligkeil <ler Gemeinde als \Virtseltaft<dakt«»r eine gewisse Planung, geben. Diese Aufgabe isi fet/t .111 der Zeit. I. (i. An unsere Handwerkslehrlinge Anläßlich der Einführung der Lehrlinge in Hie Ortsgruppe flannomr richtete deren lorsitzender, Kollege /'uul Goldmann. eine Anspracht an die Jugend, dir mir finstren l edern nachfolgend bringen, du sie über den Rahmen der ()rtsarup/x> Hunnoner hinaus enukeuhtensrverlr Wuhnuns an die hundmerkheiw Jugend darstellt. '/>/. Sdirifileituns.i Zinn r»i'pn Mal I1.1t die Ortsgruppe h in Ii. «Ii«- neu ein- /-.f nh 11 -liefen Lehrlinge, /n sich schulen, um Kucli in «I •■ 11 Kreisciil/lif iihren. dei während I n 1 er lehr/eil üIht Kih Ii ii'.l Eure I eistungen wachi-n. helfen und Kueh zur Seite -i -Jjen *>ll. -ulnild llir glaubt, «lies« Hilfe in Anspruch ti« hm«-n /n nr 11 —«• n. Ihr habt \<m den lagen eurer Kindheit Abschied gc- "'> 111 in'' 11 und damit die glücklichste und sorgloseste Zeit I ni« > I.ein 11hinter I n« Ii gebracht. Ihr habt fiir diese, glückliche Zeit zwar heute nix-h nicht das richtige Vor-. *--.ni«lniitml Empfinden, aber wir. die an Jahren bereifter -uul. können imhienilx'r ein Erteil erlauben. Mit dem 'heutigen lägebetrinni Für Knch die Vorstufe des Ernstes uiid der Arbeit. Bi-- jetzt seid Ihr \«m lieben Ehern bctieut lid erzeige* worden, jetzt wagt Ihr den >k Ii ritt ins Leben 'ml uenlii Vor einen neuen Auf gabe-nkreis gestellt. In Früheren'Jahren u.ir diese* Hineinstelten in diesen neuen Lebensabschnitt schon ein Markstein, in der heutig«-n Zeit, in die Ihr hineMnge-si« llt -cid. tragt dieser Lebensabschnitt «eine besondere Note, und zwar «-ine jüdische Note. \n Euch Werden besondere Ansprüche und Forderungen gestellt: darum müßt Ihr. meine liehen jungen Freunde, immer daran denken, dafi "das Hineinstellen in diesen I ebe-n-ab-« hnitt nicht mehr itml nicht weniger von Luch \.t rlangt;il-: als aufrichtige und ehrliche Juden Euer Leben zu gestalte*. -> . . Ihr Ii ilit Euch den Beruf de- Handwerkererwählt, ein Beruf, der «'inst in Israel in hohem Ansehen stand. Die trotten Gelehrteh waren Handwerker oder sind aus dem IIa nd werk erstände hervorgegangen. Wie kam ewohl, daß *ieh ehemalso m-le Gelehrte dem Handwerk widmeten? Witl sie genüg-airte Mensehen waren und nur so viel verdienen wollten, um ihre Familie vor Not zu schützen, in ihrer fr« ieu Zeit sieh aber mit dem Studium der Thora befaßten, um ihren C »eist /u schärfen. Sie wußten aber auch, «laß nur der ein tüchtiger Handwerker -ein kann, der Hand und Werk so zu »ereinigen versteht, daß es dem Verfertiger zur Ehre gereicht, darum waren sie auch in ihrem Beruf B «' r II I e II e. J a h r.lz e|» nt el a n g hüben sic h die jüdischen Handweiksineister um einen tüchtigen und befähigten Lehrjingsnachwuchbemüht, aber -eilen hat man fiir dieses Bemühen das nötige Verständnis aufgebracht. Es hat aller keinen /weck, hierüber nachträglich Anklage /u erheben, sondern wir wollei Euch den Wieg frei machen und aufweisen, wehr heil Ihr gehen sollt, wenn Ihr wirklieh Lernende' -«in wollt, wenn Euch die Lehrjahre die Vorstufe tut Euer spätere- Leben -«-in sollen. Merkt Euch immer, daß Lehrji hrt keine Herrenjahre sind, habt Augen und Ohren offen. Seid nicht beleidigt, wenn Euer Lehrmeister otter Geselle /u Euch einmal ein hartes Wort spricht, denn viel lastet heute auf jedem verantwortlichen Menschen. \chinl Bei hrungen an von wem. wann und wo sie Euch geboten werden, glaubt Ihr aber einmal (.rund zur Beschwerde ziu haben, dann werdet Ihr immer bei uns ein "Hein - Ohr linden, vorausgesetzt, ilafi diese Beschwerde zu Riecht best« In. Seid pünktlich und willig und glaubt nicht, wenn auirgend einem Grunde einmal länger gearbeitet werden muß, dal* dies ein (.rund zur Besehwerde sei. Seid freundlich iml zuvorkommend zu jedermann, dann werdet Ihr Euch die Achtung und da- Vertrauen Eure- Meisters und dessen Kundschaft erwerben. Wenn Ihr. meine lieben jungen Freunde, so bemüht seid, Eudi veitcr zu bilden, dann dürft Ihr aber nicht ver-;.•< ssen, daß bei allem Euren Handeln und Tun Euch der iten muß, daß ein jeder von Euch für die Geiler Juden einzustehen hat. Dieser Gedanke gleiten, wie es im Schmahgebet heißt: „Wenn derlegst. oder wenn Du aufstehst", ob Ihr in t ilt oder draußen beschäftigt seid. (iedanke le sa mthei -oll Euch b Du Dich de r W.-rk nie \\ ,1kan sein? Es ist denkt, -teht B i be I. das haltene 1. e Wdllen wi müssen wir Was von im wird von tragen und So s<dlt Ihr der mens Euch an Pflicht a n Euch bei diesen Vorhaben Stab und Stütze die Hilfe Gottes. Damit Ihr aber immer daran jetzt auf! Sehet dieses Buch: es ist die heilige Buch, welches uns gegeben, um die darin ent- 1 r c unter die Menschheit zu tragen. aber Träger dieser Idee sein, dann -einen Inhalt ke nnen, dann müssen wir wissen. . verlangt wird. Als oberster Grundsalz u(is verlangt, daß wir als gute Juden uns bein den Wegen Gottes wandeln sollen, es tun: werdet auch Ihr nützlicheGlieder c h 1 i c h e n Gesellschaft!-So fordere ich ges ehts dieses heiligen Buches auf: Tuet Eure - brave, gute Juden! Am 1. Juni verschied nach kurzer schwerer Krankheit der.langjährige Schriftführer der Ortsgruppe Köln. Kollege Hildulf Steiner, im Alter von 6t Jahren. Viel zu früh wurde er auunserer Mittegerissen. Wer ihn gekannt hat. wird ermes-en können, was die Ortsgruppe Köln an ihm \erloren hat. Ein Mensch, der den Platz, auf den er gestellt war, mit -einer ganzen Persönlichkeit, mit vollem Einsatz seiner Kräfte ausfüllte. An vielen Stellen stand er. und überall erfüllt«- er -eine Pflicht. In- -einem Beruf als Btichdl-uckcr kannte man ihn nicht nur alzuverlässigen Handwe ksmeister, sondern auch als einen Menschen, cler seinen B -ruf Uber alles liebte und in ihm ajifging. Von seinem Vate^ hatte er ihn ererbt, und an seine-drei Sö|u)t. ga|, eT jnn weiter. Welch großer Wertschätzung er sieh aueh bei seinen Berufskollegen erfreute, ging aus einem herzlichen Schreiben des Obermeisters seiner Innung anläßlich seines Hinsetfeidens deutlich hervor. Aber über seinen Beruf hinaus war sein Wirkungskreis außerordentlich ausgedehnt. Immer fand er Zeit, im Intere-se des Gemeinwohls, besonders aber des jüdischen Handwerkerstandes und unserer Organisation tätig zu sein. Fast zwei Jahrzehnte lag die Hauptlast der Ortsgruppe Köln auf seinen ScWultern. f ür ihn war das alles selbstverständliche Pflicht, ihm war Pflichterfüllung — Lohn und Genugtuung. Sein«- vorbehaltlose Hilfe, seine Bescheidenheit machten ihn allen zum Freund. Die große Zahl derer, die ihm das letzte Geleit gaben, legte hiervon beredtes Zeugnis ab. So wird uns Rudolf Steiner an allen Stellen fehlen, nicht nur in seinem eigenen Wirkungskreis, sondern alle Kollegen jm Reich, die ihn seit langen Jahren auf den Verbandstagujngen, bei denen er niemals fehlte, kennen und sehätzen lernten, werden in Zukunft diesen treuen Mitarbeiter sichmerzlich vermissen. Möge seine aufopfernde Tätigkeit allen ein Vorbild sein. 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.