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Der jüdische Handwerker · 1936-04-01 · 4 (4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
28 (1936)
Issue
4 (4.1936)
Date
1936-04-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Wert des Handwerks von Glasermeister HUGO SPANIER, Breslau Vulälflich des 2*? jähr igen BeslchciBi der Ortsgruppe Brcslail veröffentlichte (Iiis Bresluuer jüdische Gcmciudcldntt i-im-nl Artikel iles Vorsitzenden Glaser mcistcr II uro Kpahier. Vorstandsmitglied der Breslaiier S\ungogciigciuciiulc. den wir unseren I «—<• 111 nachfolgend zur Kenntnis bringen: Ifbeil isl tles Bürger» Zierde Segen ist der Mühe l*rei* Ehrl (teil konm. seihe " iirilc. , Klirei uns der If finde ilcilf! f üuf und/wunzig Jahre jiidisclicr Ilundwcrker-Wrein in Breslau! Kjii Fürwahr ehrenvolles /eichen ehr lieben (.«■incin sclmf tswillc us unserer Standc^genosscii schon in jener ein Vicrtcljn Ii rh linder l /ui•ückliegendcii Zeil war die Begründung des jüdischen lland\v<'rkervereins viir fünfundzwanzig Jalireu: Die Würdigung, der Bestrebungen jener tatkräftigen Begründer des Vereins, von denen wir die Krende Indien, mim Ii einige /h den I us'rigcii zaltk'U zu können. sowie der Luiwick- IiitijL> des Vereins erfolgt an. anderer Stelle. It h Ii,die mir für die heurige willkommene Gclcgeuhcil eine andere Vllfgalte gestellt. Ii Ii halle es .nämlieh liiehl nur Im mein gutes'Recht, sondern geradezu für meine Pflicht. n,u Ii zwei Seiten hin eindringliche offene Worte zu richten, Wenn ich eingangs den Gcmcinschuftsw illeii der Beunder des hiesigen jüdischen I lamlw ei kei v creins Streifte. mi dürfte diesen Männern der Arbeit mit gleicher Berechtigung damals auch muflgclH'nd gewesen sein der W ille, sieh und ihrer Arbeit bei der I in*eil Geltung zu/verschaffen, im Laufe iler hundert Jahre nach der Lmnii/ipnlioii war die Wertschätzung der haudun kln In n Arbeit und der sie Ausübenden in unserer (icincinschuli leider verloren gegangen. Nur engste kreise, abgesehen voll unseren I Imralehrel u'. und -(.eleh rlen. nullten, da II, angefangen von den Arbeiten Iii r das Stiftszejt, über den Tcinpclbaü Sulomons Iiis ins Mittelalter hinein'und .im Ii später nix Ii. Handwerk und Juden tu In eu^ miteinander verbunden waren. Wer wußte uullcrjialh des engsten Kreises, dull die bedeutendsten I liorujebrer neben ihrer geistigen \rJieit sjeh auch Iian<lwei;kMelier Betätigung w idnieteni .Namen w ie Itabhi J n c Ii a u a u ha S a n d e I a r (Salidaleiiluaeheii. Rabbi J i / <■ Ii a k Ii a N a |i p C Ii a (Schmied). Habbi J <i s n q beu ( hnliuujn. welcher kühler. Babbi J u d a bar. Ilaj. welcher Böttcher war, und viele andere können hierfür als Beispiele angeführt werden. Wie diese Bezeichnungen noclt heule den Namen der grollen Lehrer, die wir als die I nsrigen für uns ju Anspruch liehiiii'ii. als Khrentitel mit der höchsten Achtung beigefügt werden, so sollte auch heute noch die Bezeichnung'als Handwerker ehrenvoll gegeben und ge-\ tragen weitlen! \ ../war haben in der Jetztzeit viele Familien sieh da/u 'entschlossen, ihre Söhne und Töchter dflii I lautlwei ksbei nie zuzuführen. Von der Wahrung einer in den letzten Jahrzehnten eiitstundeueu. gewissen Distanz gegenüber den Angehörigen des Handwerkerstandes haben sich aber viele Glieder unserer Gemeinschaft leider bis auf den heutigen lag nicht frei machen können. Ich bin ollen genug, es hier auszusprechen, dal! mit dieser Distanz nicht nur diejenige gesellschaftlicher und persönlicher An gemeint ist. sondern auch ilie zwischen xuftruggelier um] I ntcniclimer. I ine Distanz, welche ieidei noch viel zu oft und unberechtigt festgestellt werden muß. Vielfach fehlt es auf seilen der; Auftrüggel>er an tler nötigen \chtuug und dem erfonlei Iii In n /.iilrailen unseren Handwerkern gegenüber. Meistens wird in jenen kreisen übersehen, dar! gerade diese bi'iden Zugeständnisse deiH,gewisscri halten I lamlw erkei und nur diesen kann ich iti ih n Bereich meiner Befruchtung ziehen Ansporn sind zu grüßtet Gewissenhaftigkeit und angespanntester Lei!Uuug:v Zugegeben mag sein, dar) auch schon mancher Auftraggeber in seinem Vertrauen zn der Leistungsfähigkeit und den sonstigen (Qualitäten des von ihm gewühlten 1 iiteruehraers sich enttäuscht sah. \bi i : empfinden wir als Gemeinschaft es nichl einig, für tlie fehler I in/eluer verantwortlich rtfenr Vnch in unserem falle darf nicht werden! schmerzlich gemacht /u wi verallgemeinert Hiergegen und nun komme ich /u der ..anderen Seite" sollen wir I aiidwerkei uns wehren. .Aber nicjil kleinlich durch Zank uuyl iiirii titlet ungerechtfertigte Kmpfiiidlichkeil eliüber begrii uilelein Tadel oder vermeintlicher I ii/iifriedeuheit. somit i n durch Selbstdisziplin und Sclbjtschulung. Wir Handwerker haben die selbst v erstund bt he l'llicht rtlltei den scharf kritisierenden Augen unserer ' ihwell zumal . Unablässig au uns /u arbeiten, unsere I eistUHgcil zu immc.l höherer Vollkomrtieilheil zu führen uutl keinen Aiilal! zu gelM'ii. /ii unterschiedlicher Beurteilung unserer Arlieit gegenüber derjenigen unserer Berufskollegen in der grollen Well. Angemessene Preisgestaltung, tlie weder den Kiiulruck von allen Seilen verurteiltet Schleuderet, noch tler bewußt veisuchten otler mibe wußten LeluTtpiRTiiug hervor'z n rufen -> eignet ist. peinlichste Genauigkeit und Sachlichkeit bei der Vtisfiilirting iilwrnoinmener Auftrage und grollte Cicwissen,- haftigkeii in der KrfUlluiig der gvtroffenen Vereinbarungen hiiisichtlicli Anlertigungszeit. Vblicferiing und Dauerhaftigkeit der ausgeführten Arbeiten! Solcher Art müssen du- Richtlinien sein, auch tler noch alliier halb unserer Organisation stehenden Handwerker. Werden Grundsätze wie diese nneiitwcgi verfolgt, so müßte es mit wunderlichen Dingen zugehen, wenn nicht tler Auftruggclier auf die Dauer das e»nstc Bt'strebeti seines Handwerkers erkennen würde, ihn jn allen seinen Bedangen zufrjeilensteilen zu wollen. Auch auf ständnisses die folge zu führen. lieser Linie tler Verständigung und des Ver- Arbeit fortzusetzen lind'zum endgültigen I isoll eine dankbare Aufgabe, der' hiesigen Ortsgruppe des ■ /.entralverbawdi's jüdischer llaiiilwerker Deutschlands sein, auf dal! auf beiden Seilen /ur vollen Anerkennung gelangt tler alte, leider viel zn «ejiig Ix'kanntc Satz tles Talmud-: Hoch sithl dti* Uunmtterk, denn es citri diejenigen, tlie sich mit ihni;be»cliüfügen...... ITnu l.it ncil.irini.J' LOUIS LEWINSOHN Infolge schwerer Krankheit isl der frühere Färbermeister, Kollege Louis Lewinsohn tun 13. April im Alter von 73 Jahren verstorben. Einen besonders schmerzlichen Verlust hat der jüdische Handwerker-Verein zu Berlin durch den Heimgang seines letzten überlebenden Mitbegründers erlitten. In seltener Treue hat der Verstorbene von der Gründung des Vereins an an allen Geschehnissen regsten Anteil genommen. Er gehörte zu der kleinen Zahl von Handwerkern, die die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der jüdischen Handwerker früh erkannten und im Jahre 1895 die Anregung zur Gründung des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens zu Berlin gaben. Von den Anfängen, an hat Kollege Lewinsohn jede Phase der Entwicklung und des Aufstiegs unseres Vereins miterlebt und mit wärmsten Interesse verfolgt. Wohl keine unserer bis zum Jahre 1933 regelmäßig stattgefundenen Mitglieder-Versammlungen hat er versäumt. Seine wohlüberlegten Anregungen, die von tiefem Verständnis für das Wohl des Vereins und seiner Mitglieder zeugten, -fanden stets die allgemeine Zustimmung. Jeder der Anwesenden hatte das richtige Empfinden, dal) hier ein Mann aus tiefer Liebe zur gemeinsamen Sache sprach. Dank seiner hohen menschlichen Qualitäten und liebenswürdigen Persönlichkeil hatte der Verstorbene nur Freunde; es war einlach unmöglich, sich gegen ihn zu stellen. Er war der Typ des Handwerkers, der bescheiden., und zurückhaltend, aber doch erfüllt war von einem Handwerkerstolz, der beste fachliche Leitsungen voraussetzt. Nicht nur für sich selbst stellte er diese Forderung, sondern seinem Idealismus entsprach es, in diesem Sinne auf seine Berufskollegen einzuwirken. Als der Verein im vergangenen Jahre sein 40jähriges Bestehen beging, wurde ihm, der bereits 1920 zum Ehrenmitglied ernannt worden war, in Anerkennung seiner Verdienste die goldene Vereinsnadel öffentlich überreicht. So bedeutet sein Ableben für alle, die ihn gekannt haben — und das sind sämtliche älteren Vereinskollegen — besonders aber lür unseren Verein einen .außerordentlich schmerzlichen Verlust. In seinem Sinne unser Werk fortzusetzen, ist das bleibende Andenken, das wir diesem freuen Menschen und Kollegen jederzeit bewahren werden. V 3

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