Mannheim
Compact Memory

Handwerk und Gewerbe · 1920-11-01 · November-Heft · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
12 (1920)
Issue
November-Heft
Date
1920-11-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4883069-5771148-5771150--224-4883685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

156 HANDWERK UND GEWERBE November-Heft verringern, erforderlich sein, und ganz allgemein muß die Forderung erhoben werden, daß auf Lehrlinge und Gesellen, die in der Hausgemeinschaft des Meisters leben,- der Achtstundentag nicht ausgedehnt werden darf. Es handelt sich bei diesen Fragen für das Handwerk um Lebensnotwendigkeiten, an denen niemand, dem die Zukunft des Handwerks am Herzen liegt, vorübergehen kann. Das ostjüdische Antlitz. I)cr große Krieg bedeutete zugleich eine ungeheure Völkerwanderung. Menschen aller Nationen standenauf und verließen im schlichten-, gleichmachenden Kleide des Sddaten auf Befahl ihre friedlichen Wohnstätten imtfzogen hinaus in die Welt. So wurde GalizTW nnd Polen von deutschen Kämpfern überfUtt«: von Menschen, qie tiefinnerstdie Überzeugung in sich trugen, einein in der Kultur zbrückgebtiebendti Volke Gesittung und Bildung zu bringen. Einsichtsvollen, Tiefcrblickeuden erschloß sich hier eine neue Welt, und sie. die glaubten, die Überlegenen, die Höherstehenden zu sein, erkannten in Demut, daß sie anstaunen und bewundern mußten. Sie fanden hier das große, über alle Länder der Welt verstreute Judenvojk,... in seiner eigenen Kultur, in seinen Bräuchen, in seiner Religion so rein'und abgeschlossen, w ie wohl. kaum ein zweites Mal auf unserer bunten Lide. Vielen ward dies heiliges Erlebnis, einem, verdichtete es sich zu einer Offenbarung, dem Künstler Hermann Struck. 50 Zeichnungen entstanden von seiner Hand. Gestalten von Ostjuden darstellend: von einer Druckerei deis ehemaligen ()ber-()st-( lebtet es wurden sie 1918 unter Aufsicht Jus Künstlers afe den Stein ubertraget!, der Wclt- V erlag in Berlin stellte sie jetzt zu einem Bande zusammen, zu dem Arnold Zweig einen ivon rci hster Liebe und reichem Verständnis für die Seele des Ostjuden zeugenden Text schrieb. „Das osltjüdische Ant- Vnz" heißt des Buches Titel. Wir W estjuden hatten beinahe unsere Brüder im Osten vergessen: wohl . flammte tiefes Mitgefühl auf, wenn w iri von Schrecknissen horten, die über sie hereinbrachen, beim Durchblättern dieser w undervollen Bilder ergreift uns fiemeinsamkeitsgefühl, wir sehen Gesichter, die uns vertraut scheinen, w eseusverw andte Züge uns Bekannter finden Wir in ihnen. Die große Bruderkettc ist geschlossen: „Dehn wir sind doch1 Juden,'* heißt das «ft im Osten gehörte Wort. Sch| ere Anklagen erhebt das Buch gegen die Polen, die beute mehr als je w ider die .luden wüten, unter dem Yorw andc, daß sie Träger bolschewistischer Gedanken seien, oder selbst auch ohne diesen, aus Haß und Mordlust. Denn Blutrausch ist über» Europa gekommen wie eine Seuche, das Tier im Menschen im Kriege aufgew eckt aus seinem Schlaf, in dem es unter! einer dünnen Kulturdecke lag, kann nicht durch Friedensverkündung wieder zur Ruhe geben.et werden, es rast weiter, ein Amokläufer.' alles niedertretend, was seinen Pfad kreuzt. Vergessen wir" denn unsere Brüder; im Osten nicht, gedenken i kvir, daß uns. w enige Generationen zurück, gemeinsame Vorväter mit ihnen einen. Mögen wir uns äußerlich gewandelt, angepaßt haben an unser deutsches Vaterland,bleiben wird uns der Glaube an die Sendung des Volkes Israel. Und wie ein Seher schreibt Zweig: „Israel, aus den Brauen Deiner Augen wird man eines Tages den Wein des Lebens schöpfen, in den salomonischen Spiegeln Deiner Augen wird das Antlitz des Messias sich abbilden, welcher der Erde und den Menschen gewiß versprochen ist, den Frieden zu bringen und die Güte des Menschen zu offenbaren!" Noch ein Wort über die Zeichnungen. Der Künstler hat keine einzelnen Gesichter gezeichnet, in ihrer Gesamtheit zeigen diese Bilder das Antlitz des Ostjuden. schmerzdurchströmt, schon von Ernst selbst diese Gesichter der Jugend, die niemals jung gewesen ist, und in denen sich die Leidensgeschichte eines durch Jahrhunderte gepeinigten Volkes widerspiegelt. Jüdischer Meister- und Gesellen-Verein für den Oberscb lesischen Industriebezirk Sitz Beuthen O.-S. Geschäftsstelle: H. Seidemann, Beuthen O.-S., Hindenburgstr. 12. Die satzungsmäßige f / \ ■ f Generalversammlung findet am Sonntag, den 12. Dezember, Nachmittags 4 Uhr, im kleinen Saal des Konzerthauses statt. Anträge hierzu müssen sofort dem Ii Vorsitzenden H. Seidemann, Beuthen Q--S., Hindenburgstr. 12, eingereicht werden. ] Bericht der Monatsversammlung vom 24. Okiober. Der 1. Vorsitzende eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen. . Der 1. Schriftführer verlas das Protokoll der letzten Sitzung, welches debattelos genehmigt wurde. Alsdann wurden vier neue Mitglieder aufgenommen und soweit dieselben anwesend waren, vom 1. Vorsitzenden begrüßt. Es folgte der Bericht über das abgehaltene Vergnügen, welches sehr angenehm verlaufen ist. Die Gesamteinnahmen betrugen 2476,35 M., die Ausgaben 664,10 M., so daß ein Ueberschuß von 1832,25 M. der Vereinskasse überwiesen werden konnte. Der 1. Vorsitzende dankte dem Festkomitee für seine Mühewaltung, ebenso denen, die durch Spenden zur Verschönerung des Festes beigetragen haben. Auf die Beschwerde eines Mitgliedes, daß die letzten Anzüge bei keinem Glaubensgenossen gekauftworden sind, erwiderte der Einkäufer, daß er I dies im Interesse der Vereinskasse getan habe, da er dort um fast 200 M. billiger gekauft habe. Es wird beschlossen, in Zukunft nur in jüdischen Geschäften zu kaufen. Ein Antrag des Kollegen Neumannj, ein Chanükkafest im großen Stile zu veranstalten, wird mit dem Hinweis, daß unser Verein kein Vergnügungsverein sein jsoll und daß 2 Vergnügen im Jahre vollständig genügen, abgelehnt. Nächste Monatsversammlung am 14. November im Vereinslokal ' Im Anschluß an die Generalversammlung soll am 5. Dezember eine Chanukkafeier mit Teeabend für die Lehrlinge nnd gemütliches Beisammensein stattfinden. Schluß der Sitzung 6 V» Uhr. Krebs 1. Schriftführer Dem L Vorsitzenden des Jüdischen Meister- und Gesellen-Vereins für den Oberschlesischen Industriebezirk (Sitz Beuthen O.-S.) Herrn Herrmann Seidemann, Hindenburgstr. 12, wurde in Anbetracht seiner Verdienste das Eiserne Kreuz I. Klasse sowie der Schlesische Adler II. Klasse verliehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.