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Handwerk und Gewerbe · 1916-08-01 · 1. u. 2. August-Heft · p. [Seite]

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
9 (1916)
Issue
1. u. 2. August-Heft
Date
1916-08-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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278 HANDWERK UND GEWERBE i 1. u. 2. August-Heft Alle Abteilungen sind mit den neuesten Anlagen und Maschinen ausgerüstet. ,' Wien. Schneider Karl Frank ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Ein echter Handwerker, der trotz seines großen V ermögens, seinem Berufe treu blieb und ungeheure Mittel für Wohltätigkeitsinstitute hinterließ. Zu seinem Kundenkreise zahlten, die allerhöchsten Personen. . Vom Kriegsernährungsamt. Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Waren- und Kaufhäuser, Herr Oskar Tietz, Berlin, Inhaber der Firma Hermann Tietz, ist von dem Reichskanzler zumMitglied des Beirates des Kriegsernährungsamtes ernannt worden. <. Aus Pommern wird über die Lage des Handwerks berichtet: „Das Handwerk hat an den Heereslieferungen emen stetig wachsenden Anteil erhalten. Umwelche bedeutenden Summen es sich dabei handelt, ergibt sich aus der Tatsache, daß das genossenschaftlich organisierte Handwerk Pommerns bisher allein für 6 Millionen Mark Heeresheferuogen geleistet hät. In der Schneidergenossenschaft wurden von über 1000 pommerschen Schneidermeistern mehr als 1 400 000 Mark, von der Schuhmachergenossenschaft mehr als 300 000 Mark an Löhnen für Kriegsarbeiten ausgezahlt" Jeldrabbiner Dr. A. Tänzer erhielt am 11. Juni a. c. das Fiserne Kreuz-2. Klasse. Die jüdischen Arbeiter der oberschlesischen Grubencerwaltnng bekommen den Sonnabend als Ruhetag. Für die rituelle Verpflegung sorgt die Agudas Jisroel, die auch die Kosten trägt. Neuer Offiziersattel. Der Sattlermeister Heinrich Latz, Posen hat ein neues Verfahren zur Herstellung eines Offiziersattels erfunden. Für die Erfindung ist bereits das Patent Nr. 647931 erteilt worden. Major Raynal, der Verteidiger der Feste Vaux ist ein Jude Bei seintr Vorführung begrüßte er den Kommandeur der siegreichen deutschen Division mit den Worten: „Ich hätte mich nie ergeben, wenn ich Wasser gehabt hätte." Der deutsche Kronprinz beließ dem tapferen Soldaten den Degen und sprach ihm wegen des heldenmütigen Verhaltens seine Anerkennung aus. Seltene Ehrung. *tfn Beisein des kommandierenden Generats, Freiherrn von Gebsattel, wurde dem Offizierstellvertreter Freudenthal, im Vereinslazarett Martha-Maria-Haus zu Nürnberg, die bayerische Goldene Tapferkeitsmedaille durch den Oberst Kullmann überreicht glj&C^iSi^Ä'CiO'C.-C'ii"'^^ g Unterhaltungsteil. i V<'2'<Z<''2i'>~*>'2>>~'>'ä>iZ><^'i^ jlus vergangener Zeit 1870-71. Aus Tagebuchblättern von J. L (Berlin). (2. Fortsetzung und Schluß.) Selbstverständlich war an jenem Tage an ein Weiterarbeiten nicht mehr zu denken. Alles strömte nach dem Marktplatz. Dort stand auf dem Sockel des patinüberzogenen Reiterdenkmals des Kurfürsten Jan Wilm, ein ehrwürdiger, weißhaariger inaktiver Major und verlas die inzwischen eingetroffenen neuesten Telegramme. Darauf hielt er eine begeisternde Ansprache. Nach dem Hoch auf König Wilhelm sang die Menge „Heil dir im Siegerkranz" und „Ich bin ein Preuße", die Häupter entblößten sich und aus der Menge heraus wurden immer wieder Hochrufe auf den König.laut .... Das Pflichtgefühl trieb mich wieder zur Arbeitsstätte. Ganz in Gedanken versunken ging ich durch die Flingerstraße. Beim Einbiegen in die Kasernenstraße rannte, ein im Laufschritt daherkommender Husaren Wachtmeister mich mit solcher Wucht an, daß mir der Kalabreser vom Kopf flog. Bevor ich ihn zur Rede stellen konnte, rief er lachend: „Jessesmaryajusepp! Nu attackiere ich schon meine eigenen Leute! Wat soll dat erst in Frankreich werden. Nix für ungut, Julius!" Verständnislos blickte ich den Wachtmeister an. Doch der faßte mich um die Schultern, drückte mich an sein breite Brust und sagte: „Nun erkennt mein Kunstjünger seinen eigenen Meister nicht mehr. Der Krieg fängt gut an." Ich war sprachlos. Was hatten die paar Stunden seit der Bekanntmachung der Mobilmachungsorder aus meinem Meister gemacht! Den Vierzigjährigen hatten sie in einen Dreißigjährigen verwandelt! Der rotblonde Vollbart war abrasiert bis auf den Schnurrbart, die idealen rotblonden Künstlerlocken waren militärisch kurz geschnitten. Die „Sechser" vorschriftsmäßig über den Ohren nach vorn gebürstet und mit Wangenpomade fest an die Schläfen geklebt. Die ganze Figur war schmiegsam, biegsam geworden wie eine Weidengerte. „Kommen Siejulius, jetzt gehen wir erst ein Spezialcheu Rheinwein trinken," sagte Meister Herzog. Wir schlössen uns dem Menschenstrome an, der langsam durch den Hofgarten zum „Malkasten" flutete. Unterwegs erklärte mir der Meister, daß er sich freiwillig gemeldet und das Glück gehabt hätte, sofort eingestellt zu werden. „Vorläufig werde ich wohl noch hier bleiben, um Remonten zuzureiten und Rekruten zu drillen," meinte er, „aber nach ein paar Wochen" geht's an die Front Und dann werde ich den Rothosen soviel Gelb und Blau spendieren, daß ihnen zeitlebens grün vor Augen bleiben soll. Im Vertrauen gesagt, möcht' ich das mit manchem Diplomaten auch so machen. Wenn sie schlechte Schachspieler sind, lassen sie andere das „Matt" bezahlen." Dabei knirschte er mit den Zähnen und ballte die Hände .... - Der größte Saal Düsseldorfs, der Festsaal des Düsseldorfer Künstlerheims „Malkasten" war schon überfüllt,- als wir hinkamen. Viele gediente Leute der Reserve und der Landwehr hatten ihre alten Uniformen angezogen. Andere hatten sich in ihre Schützen- oder Feuerwehrkleidung geworfen. Und die kein buntes Tuch besaßen, trugen schwarzweiße Schleifen an der Brust Auf manche hatte der Krieg direkt verjüngend eingewirkt; da waren Greise zu Männern, Männer zu Jünglingen geworden. Wir saßen mit mehreren Bekannten, zu denen auch der alte Postillion Schmitz gehörte, an einem Tisch. Ich hörte auf die Reden, suchte in den Gesichtern der Menge zu lesen und beobachtete das Ganze. Mit zwanzig Jahren besitzt man ja noch nicht viel Menschenkenntnis und Welterfahrung. Es wurden feurige Reden gehalten, patriotische Lieder gesungen und Hochrufe ausgebracht. Ich erblickte in allem ein wütendes, rasendes Volk. Zornig, wütend, rasend darüber, daß seine friedliche Daseinsruhe gestört, die Sicherheit seiner materiellen Existenz in Frage gestellt worden war. Die meisten der anwesenden Frauen weinten. Sie sahen Blut, Tränen, Wittwen, Waisen, Krüppel, hilflose alte Eltern. Und den Männern klopfte bei allem Mute, bei aller Vaterlandsliebe doch das Herz. Denn für den Mann, der an tausend Dinge des wirtschaftlichen Lebens, des Berufs-gekettet ist, ist der Krieg mit seiner Stockung und Hemmung des wirtschaftlichen Kreislaufes, mit seiner Unterbrechung blühenden wirtschaftlichen Lebens keine leichte Sache. Aber wie der an Zahnschmerzen Leidende zunächst nach einem Betäubungsmittel greift, wie die Wissenschaft mit schmerzstillenden Mitteln operiert, so greift auch die Menge beim Ausbrechen eines solch elementaren Ereignisses, wie es der Krieg ist, zu Betäubungsmitteln in Form von Alkohol, Schlagworten, kampfesfröhlichen Liedern. Und seufzt dazwischen unwillkürlich tief auf ....<. Ein gemeinsamer Gedanke beherrschte alle Anwesenden, nämlich: mit vereinter Kraft, mit der stärksten Anspannung aller körperlichen, geistigen und finanziellen Kräfte auf die schnellste Beendigung des Krieges hinzuwirken. Und

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