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Handwerk und Gewerbe · 1916-03-01 · 1. u. 2. März-Heft · p. Seite 238

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Journal
Handwerk und Gewerbe
Volume
9 (1916)
Issue
1. u. 2. März-Heft
Date
1916-03-01
Page
Seite 238 (sequence 8)
Language
German
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/238 HANDWERK UND GEWERBE gut zu nennen, gesorgt, für den bfieben," sind unsere Kassenverhaltnisse Meine Kollegen im Vorstan 1e haben dafür Ausfall, welcher uns durch die (Mitglieder, die unter den Fahnen stehen, entstanden ist, einen Ausgleich zu schaffen. Es wurde ein Unterstützungsfonds ins Lesben gerufen,, der es ermöglichte, unseren aus dem Felde heimkehrenden Kameraden nach Friedensschluß unter die Arme zu greifen. Allen Vorstandsmitgliedern spreche ich ifür ihr reges Interesse und für die tätige Mitarbeit zur Weiterentwickeluug unseres Vereins den herzlichsten Dank ausj,"*ganz besonders aber dem Kollegen Spiegel; der völler Eifer und Hingebung für den Verein so segensreich gewirkt hat. Ich schließe den Jahresbericht mit d«nj Wunsche, daß! der Allmächtige uns den so heiß ersehnten Frieden bald senden möge, damit wir alle dann unseren beruflichen " Arbeiten nachgehen können, Hierauf ergriff Se. Elirw. Herr Rabbiner Dr. Freund das Wort zu nachfolgendem Vortrag (nach einer Niederschrift der Frau des Kollegen Rosenbaum): In jedem Jahre, wenn der Jag herannaht, den wir als Geburtstag unseres Kaisers begehen, j schlagen unsere -Herzen höher. Die Liebe, die wir unserem Kaiser entgegenbringen, ist der Ausdruck cjes Bewußtseins der Zusammengehörigkeit als.Volk. Nicjht die Persönlichkeit des Herrschers allein ist es, die Wir würdigen und feiern, nein! schon als Staatsoberhaupt ist er uns ein Gegenstand der Verehrung und Liebe. Das Wort unseres alten Lehrers: „Bin ich nur für mich, was bin ich!'- ist der Ausdruck unseres Empfindens als Staatsbürger. Es geht uns mit dem Getühle dieser Zusammengehörigkeit so,j wie mit vielen Gütern des Lebens, die wir hinnehmen, ohne nach dem Ursprung zuforschen; die wir genießen ohne uns zu fragen: was leisten wir dafür? Nur wenn wir diese Güter, wie z. B. die Gesundheit bedroht fühlen, dann erst merken wir welcher Segen in ihrer Erhaltung liegt. Ganz so ist es auch mit dem Gute, ein'em mächtigen Staatsgtbilde anange ören. Erst jetzt, wo das Vateiland in Gefahr ist, erkennen wir voll den Segen der staatlichen Zusammengehöiigkeit, und dieses; Gefühl für das Vaterland findet seinen Ausdruck in der Liebe zu seinem Oberhaupt. Soll ich Ihnen hier ein, Loblied auf unseren Monarchen singen? Die Ehrfurcht verbietet es ebenso, dem Lob lauten Ausdruck zu verleihen, wie dem Tadel. Uns ist der Kaiser als Oberhaupt de-, Staates heilig, als die Verkörperung unseres vaterländischen Empfindens. Was Kaiser und Volk zusammenschweißt, zeigte sich mir in einem Worte Arthur Schnitzlers, welches ich heute morgen im „Hannoverschen Kurier" als „Beitrag fiir dje Kriegsmappe der deutschen Schriftsteller gelesen l abe: „Gemeinsamkeit der Gesinnungen knüpft uns mit Bindfäden, Gemeii-samkeit der Schicksale bindetuns mit Stricken, Gemeinsamkeit der Verantwortung schmiedet uns mit Keiten aneinander." Dieser Gedanke, wie die Gemein.-amkeit der Gesinnungen uns verbindet, ist uns wohl niemals klarer gtworden, als damals, wiei das ganze Volk ohi.e Unterschied der Paiteien sich erhob, in heiliger Empörung gegen alle, die dieser Gesinnung, dem „deutschen Geiste", Kampf bis zur Vernichtung ansagten. Was ist denn so schlimmes an diesem deutschem Geiste? Es ist doch nur der Geist der Ordnung und Unterordnung, daß jeder einzelne, den Platz im Ganzen ausfüllt, auf den er gestellt ist Lnd welche Gemeinsamkeit der Schicksale war seitdem dem Kaiser und Volke beschieden! Das deutsche Volk bat da= Los erfahren müssen, das früher uns Juden so vertraut war:' Alle Schändlichkeiten wurden ihm angedichtet, als 'Barbaren, Brunnenvergifter, Kindermörder wurde es verlästert. Und besonders wurde von den Feinden die Flut der Verleumdung auf das Haupt des Kaisers gegossen: Die Schamröte steigt uns ins Gesicht, wenn wir aus neutralen Berichten lesen, was die feindlichen Schriftsteller und „Witz"blätter an Verleumdungen und Schmähungen sich leisten. Und gemeinsam ist unser Geschick auch im Ertragen der Strapazen in dieser schweren Zeit. Anders, als die feindlichen Herrscher, sitzt er nicht ruhig in seinem Schlösse: als 'des Staates'erster Diener teilt er getreulich mit seinen Soldaten die Beschwerden des Feldzugs. Und der tiefe Grund hierfür1 liegt in dem ernsten Verantwortur gsgefühl, das seineScele erfüllt, ins ihn wie mit Ketten an sein Volk schmiedet. Dieses Verantwortungsgefühl unseres Kaisers, ist immer die Triebkraft seines Handelns gewesen! vWenn er in den ersten Jahren seiner Regierungsich auch oft hat von .seinem Temperament hinreißen lassen, s i. u. 2. März-Heft' ) hat der Kaiser doch, äTs das Volk daran scharfe Kritik ilbe, sich selbst Zwang angelegt.. Auf ihn paßt das Wort unserer alten Weisen: Wer ist ein Held? „Wer sich selbst bezwingt." Das Gottesgnadt ntmn, von dem er so oft sprach, sollte nicht eine Uefoerhebuiig sein; es war der Ausdruck des Bewußtseins, daß er sici als ein Diener des Höchsten fühle, über all sein Tun und Lassen vor ihm einsten> Rechenschatt abzulegen habe. . Auch wir haben dieses Ve antwortungsgefühl von unserem Kaiser gelernt. Diese Zeit hat an jedem vön uns bewirkt, d,iß \vir uns als ein Glied des Staates fühlen. Sie hat uns t«rl<ei neu lassen, welche Aufgabe jedem übertragen ist, die er /u erfüllen hat. Das soll auch diese Feier des Geburtstages uns mitgeben, daß jeder für die Größe und Unantäsi barkeil unseres Vaterlandes mitzuwirken hat. Audi für den' Handwerkerstand, der ja stets als vorbildlich Stütze für Thron und Vaterland hingestellt worden ist, muß dieses Gefühl der Verantwortung die Richtschnur d :s Empfindens und Handelns sein; ja, für ihn in besonderem Maße. Wenn der Handwerker sich heute im Zeita ter des Dampfes und der Elcktn rät behaupten will, solcänn dies nur durch Qualitätsarbeit geschehen, die nie durch Massenartikel verdrängt werden kann. Jeder müsse benüht sein, für alles, was seine wjerkstatt verläßt, die Verantwortung zu tragen, es muß ein (jian/es, ein „iVieister"stüok sein. Nur wenn er von diesem G< tühi bei seiner' eigei en Arbeit durchdrungen ist, kann, er dem großen Ganzen etwas nützen. Der Geburtstag unseres Kaisers soll un i nicht nur zusammenscharen, um unserer Verehrung Ausdruck zu verleihen, sondern unsere* I iedanken dahin richten,, so zu handeln, wie de- Ka rs leuchtendes Beispiel uns weist. Aber unsere Hiiiyebu-ig wollen wir in die Worte kleiden: Se. Maj. Kaiser wifiTclinlü. Hoch! Hoch! dfe Sodann spratM ^Vorsitzende. Herrn Dr. Freun herzlichsten Dauk^R^^ wunderbaren Vortrag gab dein Wunsche Ausutuick, daß die Anregung, du Dr. Freund Kir die Handwerker gegeben hafte, auf i baren Boden fallen möge, zum Wohle des Jude-tum Ehre unseres Standes und zum Heile unseres . el Vaterlandes. Es wurde noch die eingegangene Feldpost vt und konnten die Anwesenden aus. den verschiedenst! u richten ersehen, daß trotz aller Gefahren und Luthe im ng-n draußen, ein goldener Humor die Zeilen unserer Kii ger durchweht. Ein gemütliches Zusammensein tie-c i oß den Abend. , den ittid I terr e .1- /ur euten esen >ie- Monatsversammlung am 22. März a. c. Abends S1 U ir in Hoffinaims Hotel. Tagesordnu ng: 1. Vorstandsberichf. 2. Bericht üb.r Kriegsunterstützung. 3. Neuwahl (Ersatz) des II. Schriftführers. 4. Verschiedenes. Es wird dringend gebeten, zahlreich und pünktlich z erscheinen. Der Vorstand I. A.: Paul Goldman:) I. Vorsitzender. 1

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