Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 8 (1915)
- Issue
- 1. u. 2. Oktober-Heft
- Date
- 1915-10-01
- Page
- Seite 194 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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194 IIIANDWERK UND GEWERBE 1. u. 2. Oktober-Heft Gründe, die man seit Jahrtausenden uns Julien als die angeblichen Gründe unserer eigenen Unbeliebtheit-hinstellen will. Den einen sind wir wirtschaftlich zu tüchtig, überall überflügeln, verdrängen wir den anderen, den anderen gefällt unser Betragen' nicht. Die einen behaupten, wir seien zu servil, hätten zu wenig eigenen Charakter, suchen unsere jüdische Eigenart zu sehr auszulöschen «und paßten uns überall zu krampfhaft schnell an, wo wir ai cji hink'oihinen, den anderen wieder sind wir zu setbstbewu und .herrschsüchtig. Und in der Tat! die Aehnlichkeit die in den Vorwürfen, dre man uns Juden - lt. anspruchsvoll sicii hier ergibt it Jahrtausenden feindlicher und macht und die heute laut und offen von ,,neutraler" Seite gegen das Deutschtum ethobe» werden, und eben.-" die Aehnlichkeit der allgemeinen Abneigung, unter der das.Judentum seit Jahrtausenden leidet, und der Abneigung', die sich jetzt allgemein gegen alles deutsche richtet diese Aehnlichkeit ist keine zufällige!" Weltkrieg und Judentum. solautet der Titel dieser Aufsätze,, und er ist aus wohlerwogenen Gründen gewählt. Gehen wir nämlich den wahren Ursachen der Abneigung j i i gegen Judentum und Deutschtum nach. :k> werden sich Erkenntnismöglichkeiten ergeben, die ' zugleich auch helles Licht in das Dunkel der ursächlichen Verkettungen weifen werden, die zu dem gegenwärtigen Weltkrieg führten. Dies ist die Aufgabe des nächsten Aufsätze». Handwerk und Hansa-Bund. Auf Veranlassung des Hansabundes hatten sich am 25. September a. c. zahlreiche Vertreter des. deutschen Handwerks im Gebäude des Vereins deutscher Ingenieure zu Berlin zur Beratung wichtiger Kriegsfragen zusainmen- , gefunden. Nach einer Ansprache des Präsidenten des Hansabundes Geheimrat Dr. Riesser übernahm Obermeister. Markus, Berlin die Leitung der Verhandlungen. Der Reichstagsabgeordnete Obermeister Bartschatj Königsberg sprach zueF?t über die! iirsorge für die kriegsbe-- schädigten Handwerksmeister und Handw erksgesellen.Grundlegend hierfür sei, dali jeder, selbst der Schwerverstümmelte, . imstande sein solle, w ieder einen Beruf zu ergreifen, der ihn ernähre und dali nach Möglichkeit dafür Sorge getragen werden müsse, möglichst jeden Handwerker seinem einstigen Berufe wieder zuzuführen. Dank der Erfolge unseres Sanitätswesens sei nur ein geringer Prozentsatz vollkommen Erwerbsunfähiger vorhanden. Um zu dem vom Redner angestrebten Ziele zu gelangen, sei es unbedingt notwendig, in jedem Ort eine Berufsberatungsstelle einzurichten.; An der Diskussion über diesen Punkt beteiligten sich die Herren Professor Dr. Leidig, Berlin, Malermeister Kruse, Berlin und der Präsident der Berliner Handwerkskammer Obermeister Rahardt, der besonders darauf hinwies, daß es 'eine Ehrenpflicht des Handwerks wäre, den verstümmelten Handwerksgenossen auch nach dem Kriege ihre vollen Lohnsätze zu gewähren. : Herr Professor Dr. Leidig, Berlin beschäftigte' sich in dem zweiten Vortrag mit der Fürsorge der aus dem Felde zurückkehrenden unbeschädigten Handwerksmeister. Die 'grüßte Gefahr, die der Krieg für den Mittelstand bilde, sei die Vernichtung zahlreicher Handwerksbetriebe. Um diese Existenzen nicht der völligen Vernichtung preiszugeben, müssen aus öffentlichen Mitteln Kapitalien zur Verfügung gestellt werden, die in Gestalt langfristiger Darlehen den Betroffenen gering verzinslich oder zinslos zugeführt werden sollen. Die Fürsorge dürfe jedoch nicht an eine Wohltätigkeitsaktion erinnern. Nach einem Vortrag des Justizrats Alberti, Berlin, über Geflossenschafts- und Kreditfragen, berichtete Obermeister Kniest, Kassel fiber die „Lieferungsgenossenschaften", durch deren Gründung dem Handwerk große Aufträge von Staat und Gemeinde überwiesen werden könnten. Die Innungen selbst umfassen einen zu großen Kreis, können auch aus gesetzlichen Gründen nicht die Aufgabe einer Lieferungsgenossenschaft erfüllen, die kaufmännisch geleitet, die Garantien für die Lieferungsfristen übernehmen und für die Leistungsfähigkeit der einzelnen Betriebe einstehen müsse. In der Diskussion betonte Obermeister Rahardt, Berlin, dalj das Handwerk nur dann einen Erfolg aus dieser Sache für sich herausholen könne, wenn es sich die Industrie zum Vorbild nehme und all das nachzuahmen verstehe was diese bereits praktisch durchgeführt habe. Die Versammlung nahm daraufhin eine Resolution an, üi der die Errichtung von Lieferungsvereinigungen, in Form von Genossenschaften, für die wirtschaftliche Gesundung des Handwerks als dringend nötig bezeichnet wird. Von den Behörden wird erwartet, daß bei Vergebung von Aufträgen die Hand Werksgenossenschaften mehr als bisher berücksichtigt werden und dal! hierbei nicht so sehr die Niedrigkeit, als vielmehr die Angemessenheit der Preise eine Rolle spielen sollen. Bei Besprechung der Note des Realkredits forderte Professor Dr. Leidig die Provinz; und Kommunal verbände auch für das Hand werk, zur tätigen Mithilfe auf, da viele Handwerksmeister auch zugleich Hausbesitzer seien und bei Beschaffung nachstelliger Hypotheken meistens wucherischen Machenschaften in die Hände fielen. Ueber die Mißstände beim Submissionswesen wurde iebhaff; Klage geführt und dfe Forderung ein Reichssubmissionsgesetz baldigst einzuführen, von neuem erhoben. Auch über die Kriegsrohstoffgesellschaften fielen herbe Worte des Tadels. _. Geheimrat Riesser, Berlin, schloß die hoffentlich erfolgreiche Tagung mit Worten des Dankes für die' Erschienenen und gedachte in ehrenden Worten unserer kampfesfrohen Armee und Marine, die beide vereint auch die Beschirmerin des deutschen Handwerks wären. eii-iCÄiC'Ci'1^^ | EU Aus den Vereinen. M 8 £C^iCl'ufiCl|i&0 Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens zu Berlin. Unser Mitglied, Herr Simon, Inhaber des Hotels „Goldene Gans" hat uns in freundlicher Weise seine Säle in der Heiligegeiststräße 51, für Montag, den 11. Oktober d. Js. zur Verfügung gestellt. Wir veranstalten an diesem Tage, abends 9 Uhr einen ■ - Bunten Abend, ....... zu dem wir alle unsere Mitglieder mit ihren Angehörigen und Bekannten einladen. Es kommen deklamatorische und musikalische Vorträge zur Darbietung und können _wir schon heute einen abwechslungsreichen Abend in Aussicht stellen. Eintritt frei, Garderobe 20 Pf. In Anbetracht der ersten engeren Zusammenkunft nach dreimonatiger Pause erwarten wir recht zahlreichen Besuch. Die zwanglosen Zusammenkünfte an jedem Sonnabendabend in J. Dobrin's Konditorei, Spandauer Brücke 7 finden von jetzt ab wieder statt und bitten wir unsere Mitglieder mit "ihren Damen sich recht oft einzufinden. Das gemeinsame Band, das uns alle umschlingt, wird dadurch gefestigt und die Harmonie gehoben. Der Vorstand i. V.: Max Silberberg, II. Vors , Spandauer Brücke 6. i