Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 8 (1915)
- Issue
- 1. u. 2. Juni-Heft
- Date
- 1915-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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i. u. 2. Juni-Heft 1915 8. Jahrgang Jahresabonnement für Nichtmitgliedßr 4,80 Mark. %i Erscheint am Mittwoch nach dem 1. und 15. jeden Monat; Inhaltsverzeichnis: und judeikum; - Das de Umschau. '- Unterhaltungstell. — N ) tsche Handwerk im Streiflicht der Geschichte Aus den Vereinen Bi\cherschau. < Weltkrieg und Judentum. Der hohe I. intellektuelle Grad des jüdischen Handwerkerstandes berechtigt wohl zu der Annahme, daß eine tiefgehende weltgeschichtliche Betrachtung des gewaltigen Ereignisses, das wir in dieser großen ernsten Zeit miterleben, in dem offiziellen Organ des Zentralverbändes selbständiger jüdischer Handwerker in Deutschland allgemeinem Interesse und Verständnis begegnen wird. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit zunächst auf die Ursache des großen Völkerringens lenken und uns fragen, wer denn eigentlich die Hauptschuld an diesem Zerstörungs- und Vernichtungswerk trage, so können wir gewiß sein, daß schon bei diesem Punkte die Meinungen außerordentlich auseinandergehen. In Zeitungen und Broschüren haben die einen nachzuweisen gesucht, daß als der Hauptverant- . wortliche England anzusehen ist, das aus Konkurrenzneid gegen das in Industrie und Handel immer mächtiger werdende Deutschland die anderen Staaten zur Vernichtung des unliebsamen Konkurrenten aufgestachelt habe. Andere wieder betrachten Rußland mit seinem Panslawismus und seinem stetigen Ausdehnungsdrang als den eigentlichen Friedensstörer,' ja in nicht geringen Aeußerungen konnte man sogar Ansichten vertreten hören, in denen "nicht ganze Staaten und Völker, sondern nur einzelne Personen und Cliquen als die wahren Verschwörer gegen den Weltfrieden hingestellt werden. So hörten wir, daß das edle Dreigestirn Grey, Iswolski und Delcasse, als die rechteigenttichen Väter der gegenwärtigen Katastrophe bezeichnet werden müßten, dann wiederum, daß nur die Clique um den Großfürsten Nikolajewhsch und, djie ihn Poincare schuld, wären. »\: Es ist selbstverständlich, daß ,in allen diesen Auffassunger ein Körnchen Wahrheit steckt. Aber eben nur ein Körnchen Es ist richtig, daß England sich auch wirtschaftlich in sein« bisherigen Vorrhachtstellung auf dem Weltmarkte durch Deutschland bedroht fühlte und deshalb j die Staaten des Festlandes gegen Deutschland aufhetete; und ebenso stimmt es, daß ein derartiger Monstre-Staat wie Rußland, der jeder •inneren Festigkeit entbehrt und lediglich von einer all mächtigen imd korrupten Bürokratie regiert wird, nach immer größerer Ausdehnung streben muß, schon um dem korrupten regierenden Bürokratismus sein Ansehen zu erhalten. Ebensowenig läßt" es sich bestreiten, daß sowohl in Rußland, wie in England und Frankreich in jüngster Zeit auch in Italien es ganz, bestimmte Persönlichkeiten gewesen sind, die ganz besonders herausfordernd zum Kriege getrieben haben.' Wer würde auch den Einfluß der Nikolajewitsch-Iswolski mit ihrem pansltwistischen Anhang, " der Delcasse-Poincare und Oenosseq, der Edward Grey-Churchill und Kumpanen und ebenso der Salandra-Sonnino-Gabriel d'Anuncio und Tuttiqnanti ableugnen wollen? Und 'doch treffen alle diese Auffassungen nicht den Kern der ,Sache. Es ist verkehrt, von den Engländern zu glauben, daß lediglich die wirtschaftliche Konkurrenz sie in den Gegensatz, zu uns getrieben hat dewiß machte sich dieses Moment im englischen Wirtschaftsleben aufs unangenehmste bemerkbar. Doch auch in England wußte man ebensogut wie bei uns, daß wir trotz der Konkurrenz, auch Englands bester Kunde waren und umgekehrt. Man wußte auch, daß England als der Zwischenhändler der Welt und als das Welt-Clearinghouse auch bei immer, noch größerem Aufblühen Deutsch-