Handwerk und Gewerbe
- Journal
- Handwerk und Gewerbe
- Volume
- 8 (1915)
- Issue
- 1. u. 2. Mai-Heft
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 154 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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154 HANDWERK UND GEWERBE 1. u. 2. Mai-Heft Durchhaften. I Von Louis Wolff, z. Zt. inj Felde. Nac,h (achtmonatigem schweren Ringen ist \die Ent Scheidung über die Zukunft unseres Vaterlandes noch nicht gefallen, aber härter als je werden unsere zahl-' reichen Feinde von unseren tapferen und todesmutigen Truppen bedrängt, und wir alle leben der festen Zw-. versieht, daß die Zeit nicht mehr zu fern ist, jn der e^ unserer geschickten. Heeresleitung gelingen vyird, den Feind entscheidend niederzuwerfen und damit unserem IVaterlande einen ehrenvollen und dauernden F ieden ztl (sichern. Mit Bewunderung und freißen Segenswünschen!(verfolgen wir die Härten und Leiden ach so blutiger Kämpfe unserer tapferen Truppen gegen eine Welt voll Feinden; in dem Bewußtsein unserer gerechten Sache setzen sie ihr Leben "ein für Freiheit und Kultur, die in unserem Vaterlande stets eines vorbildliche Schule für andere 'Staaten bildete. Aus Haß, Neid undjMißgunst heraus ist dieser Krieg geborerj worden, aber der Anschlag unserer Feinde wird scheitern an der Einheit unseres Volkes, die sich während dieser schweren Prüfungsakt so herrlich offenbart hat. In dieser Einheit liegt die starke Wurzel unserer Kraft, die entschlossen ist, die schwersten Opfer zu bringen, um unserer Sache zum Siege zu verhelfen. Diese Einheit wird triumphieren über Söldnerheere und Völker, zusammengesetzt aus unfreien Elementen. Die Fragen über die politischen und wirtschaftlichen folgen dieses. Krieges innerhalb unseres Vaterlandes muß "man notgedrungen heut noch ausschalten, aber vergessen dürfen wir nicht die Gründe, die in den .ersten Augusttagen die ungeheure Begeisterung hervorgerufen haben; sie wurzeln tief in unserem Volkstum und' bedeuten das höchste Ideal der Menschheit, deren Erfüllung die stolzeste Aufgabe unseres Volkes war. /Recht und Gerechtigkeit : haben bei uns stets eine Heimstätte gefunden. Dieses Recht ist mit uns geboren, und wir werden es verteidigen bis zum letzten Atemzuge Dieses Gefühl für Recht wurde uns gelelvt in unserem Elternhause, in Schulen und späterhin im Staatsleben.;Es bat sich in uns so befestigt, daß wir in unseren Mannesjahren selbst im •Privat- und Berufsleben dafür eintreten. Dieses Recht wurde gehegt und gepflegt unter Gleichgesinnten, undes wurde verteidigt gegen wirtschaftlich* stärkere. Es war uns so .in Fleisch und-. Blut übergegangen, daß unser Gefühl in lodernde Begeisterung aufflammte, als unser Kaiser uns zur Verteidigung dieses Rechts aufrief. In allen Volksschichten löste dieser Aufruf nur den einen Gedanken aus, Genugtuung zu verlangen für die schamlose Zumutung, uns in unserem Wirtschaftsleben -einschnüren zu lassen; denn das waren doch die Gründe, die von unseren Feinden zwar verschwiegen, aber doch deutlich genug uns zu Gemüte geführt wurden. Man wollte uns das Recht der Ausdehnung unserer wirtschaftlichen Kraft nehmen, aber dieser unerhörte Anschlag wird von unserem Volk in Waffen abgeschlagen werden. Ein Teil der sittlichen Aufgabe wurde dem Staate durth die Pflege des Rechtsbewußtsei.ns in politischen und wirtschaftlichen Verbänden abgenommen, und dieses Bewußtsein hat auch Veranlassung zur Gründung unserer Berufsvereine gegeben. Alles was Menschenantlitz trägt, ist berechtigt, ein menschenwürdiges Dasein zu führen, und dies war auch der Kern zur Gründung unserer' Handwerkervereine. Mit Stolz konnten wir immer aufs neue feststellen, daß die Verbreitung dieses Gedankens werbende Kraft besaß, und darin liegt das ganze Geheimnis unseres Erfolges, die Aufrtittelung der wirtschaftlich Schwachen und der Ab-, seitsstehenden. Da kam wie aus heiterem. Himmel der Krieg. Er nahm uns nicht nur seelisch, sondern auch wirtschaftlich stark mit. Eins wurde "uns klar, wenn wir diesmal nicht durchhalten, dann laden wir die schweren Vorwürfe der späteren Geschlechter auf uns; und ein jeder tat seine Pflicht, ruhig und gefaßt, wie es unserem Wesen eigen war und der Situation entsprach. Aber auch unsere Vereine sind vor eine ungeheure Belastungsprobe gestellt.^ Ein erheblicher Teil der Mitglieder hat freudig die Waffen zur Verteidigung-des heimatlichen Herdes ergriffen und in dieser schweren Stunde haben unsere Vereine ihre Aufgabe glänzend durchgeführt. Sie haben .unter Anspannung ihrer äußersten Kräfte bisher "zur •Linderung der wirtschaftlichen Not der durch den Krieg besonders schwer Betroffenen beigetragen, und sie haben es als größte Ehrenpflicht betrachtet, sich der Familienangehörigen der zu den Fahnen ejnberufenen Mitglieder anzunehmen. Gewaltige Opfer wurden, von diesen Vereinen gebracht, und herzlichen Dank wissen wir allen dfenen, die sich an diesem Liebeswerk beteiligten. Noch n e während ihres langjährigen Bestehens haben unsere Vereine ihre Daseinsberechtigung besser nachgewiesen, als im gegenwärtigen Augenblick. Allen noch Fernstjehenden sollte dieser Augenblick ein Menetekel sein, daß wir uns in den Stunden der Gefahr und Not eng verbunden fühlen und in dieser schweren Zeit helfend die Hand reichen müssen. Wir haben während der Friedenszeit oft genug auf unsere Ziele und Zwecke hingewiesen, aber nicht restlos. sind unseren Berufsgenossen unsere Worte an ihr Ohr geklungen. Wir sind fest überzeugt, daß viele unserer Standesbrüder gern; Veranlassung nehmen würden, sich einer Körperschaft, wie die unserer Handwerkervereine, anzuschließen, ihnen fehlt aber die Gelegenheit und, vielleicht auch die- Anregung. Und darum richten wir an alle Berufskollegen die Bitte, werbend einzutreten und unsere Reihen 'befestigen zu helfen. Viele Einzelne bilden die Kraftj der Gemeinschaft und diese macht die Kraft des Einzelnen aus. ' Ungeheure Aufgaben stehen uns nach Beendigung des Kriege bevor. Wollen wir [diese zur^Durchführung bringen, muß uns alle das einigende Band der Zusammengehörigkeit umschlingen. Vorläufig führen? unsere .Vereine einen schweren Existenzkampf. Die'großen^Anforderungen, die an ihre Leistungen gestellt werden, bedingen das feste Zusammenhalten aller Kollegen. Wer.! uns in den Stunden der Gefahr verläßt, handelt nicht nur nicht in seinem, sondern auch nicht im vaterländischen Sinne.