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Der jüdische Handwerker · 1938-10-01 · 10 (10.1938) · p. Seite 2

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
10 (10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Der Unterricht findet in der Tagesschule taglich von 8 bis 14 Uhr, in der Abendschule taglich von 18 bis 22 Uhr statt Neben den Vorträgen und den technischen Uebungen Im Laboratorium wird besonderer Wert auf die Anfertigung technischer Zeichnungen gelegt, um die Schüler auch zur Ausübung des Berufs eines technischen Zeichners instandzusetzen. Der Unterricht in sämtlichen Stufen der Tages- und Abendschule beginnt Mitte April und Mitte Oktober jeden Jahres. Zur Aufnahme in die Unterstufe genügt der erfolgreiche Besuch einer guten Volksschule. Soweit eine mindestens %Jährige praktische Tätigkeit noch nicht absolviert ist, muß sie spätestens in einem Jahre nachgeholt werden. Der Besuch anderer gleichwertiger technischer Anstalten wird angerechnet. Der Eintritt in ein höheres Unterrichtshalbjahr setzt stets den Nachweis der Absolvierung der vorangegangenen Kurse voraus. Die wichtigsten Unterrichtsfächer sind technisches Zeichnen, Mathematik (Algebra, Geometrie, Trigonometrie, Differenzial- und Integralrechnung) Festigkeitslehre, Physik, Chemie, Mechanik, Maschinenlehre, Elektrotechnik, Maschinenbau, außerdem in der elektrotechnischen Abteilung noch Fernmeldetechnik, Wechselstromtechnik, praktische Elektrochemie usw. Ein gut ausgestattetes elektrotechnisches Laboratorium gestattet die Durchführung einer großen Anzahl von Versuchen, namentlich von Schwach- und Starkstromversuchen. Die praktische Ausbildung derjenigen Schüler der Lehranstalt, die das erste Semester der Tagesschule bereits absolviert haben, wird noch im Oktober d. J. beginnen. Die in Frage kommenden 80 Lehrlinge werden ein halbes Jahr lang zwölf Stunden wöchentlich in einer Ausbildungswerkstätte der jüdischen Gemeinde praktisch tätig sein. Während der Zeit der praktischen Ausbildung wird der theoretische Unterricht um 6 Wochenstunden gekürzt. Vom April 1939 ab soll dann das Schwergewicht der Ausbildung Im noch stärkerem Maße auf die praktische Werkstatt- Tätigkeit gelegt werden. Die enge Verbindung von theoretischem Unterricht und praktischer Werkstattarbeit wird die künftigen Techniker in besonderem Maße befähigen, allen Anforderungen, die später in der Berufstätigkeit an sie gestellt werden, zu entsprechen. Sie werden insbesondere im Auslande, je nach dem Maße ihrer Begabung und ihrer Tüchtigkeit, ihren Platz ausfüllen und sich den Weg zum beruflichen Aufstieg bahnen können. Elektrotechnische Umschichtungskurse Im Hinblick auf die besonderen Erfordernisse der gegenwärtigen Zeit hat sich die einzige in Deutschland bestehende jüdische technische Schule auch In den Dienst der beruflichen Umschichtung gestellt. Der Zweck dieser Umschichtung besteht bekanntlich darin, ältere Angehörige von Berufen, die nicht als zur Auswanderung geeignet angesehen werden können, in kurzfristiger Ausbildung instandzusetzen, einen neuerlernten Beruf nach der Auswanderung im Auslande auszuüben und sich dadurch eine neue Existenzbasis zu schaffen. Die Umschichtung wird im Rahmen der Steklmacherschen Anstalt in einem Sonderlehrgang für Elektrolnstallation, Radiotechnik und Autoelektrik durchgeführt Auch in diesem Kursus ist natürlich die theoretische Ausbildung mit praktischen Uebungen verbunden. Die Absolvierung eines Smonatlichen Umschichtungskursus in der Elektrolnstallation befähigt die Teilnehmer zu einer beruflichen Tätigkeit im Auslande als Hilfsinstallateur oder Hilfsarbeiter in der Industrie. Der radiotechnische Kursus gibt eine ausreichende Ausbildung für den Radioverkäufer, den technischen Kaufmann im Radiohandel und im Elektrohandel. Der Kursus in der Autoelektrik bereitet zu einer Hilfstätigkeit in Tankstellen oder zu einer Betätigung im Autozubehörhandel vor. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß der Umgeschichtete stets nur im Ausland nach seiner Auswanderung eine Berufstätigkeit ausüben darf. Die Umschichtung erfolgt in insgesamt 200 Unterrichtsstunden, von denen 130 dem theoretischen Unterricht und 70 der praktischen Arbeitsanweisung gewidmet sind. Auch für diese Umschichtung ist selbstverständlich stets eine gewisse Berufseignung erforderlich. Ungeeignete werden nach kurzer Probezeit in ihrem eigenen Interesse ausgegliedert In diesen Tagen beginnen die praktischen Uebungen der Umschichtler In den Elektrofächern, für die, wie schon erwähnt, insgesamt 70 Uebungsstunden vorgesehen sind. .Sie werden unter der Leitung eines vom Zentralverbande jüdischer Handwerker vorgeschlagenen und im Besitz einer behördlichen Genehmigung befindlichen E1 e k - tromeisters durchgeführt Auch die Umschichtler haben nach Vollendung des 6-Monats-Kursus eine Prüfung zu bestehen. Sie erhalten auf Grund der bestandenen Prüfung eine Bescheinigung, in der genau angegeben wird, was sie' gelernt haben. Als Ziel der Umschichtung wird insbesondere eine Berufstätigkeit in Amerika ins Auge gefaßt, die eine ausreichende Existenz ermöglichen soll. Ihr Wert besteht in erster Linie darin, daß der Umschichtler drüben nicht als ungelernter Arbeiter gilt, sondern als angelernter Spezialarbeiter einwandern und sich einen entsprechend höheren Arbeitsverdienst erringen kann. Dt. H. N. Industrieprobleme in Südamerika Seiner wirtschaftlichen Struktur nach ist Südamerika ein Agrar- und Rohstoffland. Die südamerikanische Wirtschaft ist in erster Linie von dem Absatz der im Ueberfluß gewonnenen Nahrungsmittel und industriellen Rohstoffe abhängig. Sie muß, um diese Rohstoffe und Nahrungsmittel exportieren zu können, im Austausch industrielle Fertigwaren aus anderen Ländern einführen. Denn damit die Industrieländer aus Südamerika Rohstoffe und Nahrungsmittel beziehen können, müssen sie ihrerseits industrielle Fertigwaren abzusetzen in der Lage sein, um mit den Erlösen die Rohstoff- und Nahrungsmittelkäufe bezahlen zu können. Zwischen den einzelnen südamerikanischen Ländern besteht in bezug auf diese Abhängigkeit von dem Handelsaustausch zwischen Rohstoffen und Nahrungsmitteln einerseits und industriellen Fertigwaren andererseits grundsätzlich kein Unterschied- Mag das eine südamerikanische Land bereits in größerem Umfange eigene Verarbeitungsindustrien besitzen als das andere, alle Länder Südamerikas sind darauf angewiesen, die großen Naturreichtümer, auf denen ihre Wirtschaft und ihr Wohlstand beruhen, gegen industrielle Fertigwaren auszutauschen. Diese wirtschaftliche Struktur aller südamerikanischen Länder bildet aber ein starkes Hindernis für ihre Industrialisierung. Trotzdem ist In einer Reihe südamerikanischer Länder, ja sogar in den meisten von ihnen, die staatliche Wirtschaftspolitik gegenwärtig in erster Linie darauf gerichtet, neue Industrien aufzubauen und die vorhandenen zuerweitern. Die Motive dieser Wirtschaftspolitik liegen klar zutage: Jedes rohstofferzeugende Land strebt ganz naturgemäß danach, daß die in der eigenen Wirtschaft gewonnenen Rohstoffe zumindest teilweise im Lande selbst verarbeitet werden, wobei man sich das Ziel setzt, den Bedarf der eigenen Bevölkerung an industriellen Erzeugnissen zuerst teilweise und später möglichst ganz durch im Inlande hergestellte Waren zu befriedigen. Dieses Bestreben hat freilich eine Verminderung der Einfuhr von industriellen Fertigwaren zur Folge. Aber gerade das wird ja in erster Linie gewünscht und erstrebt Ueberau herrscht heute die handelspolitische Tendenz vor, den Export zu steigern und den Import einzuschränken, also die Außenhandelsbilanz in möglichst hohem Maße zu aktivieren. Aber diese Auswirkung der Industrialisierung schafft notwendig ein Problem, das heute In den meisten südamerikanischen Staaten bereits besteht, und das schwer zu lösen ist Es besteht in der Aufgabe, die Erfordernisse der Rohstoffausfuhr, auf der der Wohlstand der Länder beruht, mit dem Wunsche möglichst weitgehender Deckung des Eigenbedarfs an industriellen Waren in Uebereinstimmung zu bringen. Der gegenwärtige Stand der Industrialisierung Unter den südamerikanischen Ländern ist Brasilien das älteste Industrieland. Es besitzt fast alle notwendigen Bedingungen für einen erfolgreichen Industrieaufbau, vor allem Eisenerze und andere Metalle, die die wichtigste Voraussetzung für den Aufbau bedeutender Montan- und Metallindustrien bilden, ferner Baumwolle und W o 11 e als die wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie und außerdem noch zahlreiche andere Rohstoffe, deren Verarbeitung als Grundlage einer Industrialisierung dienen kann. Die Kohlenförderung Brasiliens ist freilich heute noch nicht ausreichend,' so daß Kohle eingeführt werden muß. Argentinien hat in bezug auf die Industrialisierung in den letzten Jahren zwar noch schnellere Fortschritte als Brasilien gemacht Aber der Mangel dieses Landes, an Kohle und Eisen wird der weiteren industriellen Entwicklung wahrscheinlich Schranken setzen. Das Fehlen der Kohle, unter dem Argentinien vor allem leidet kann freilich teilweise durch die Erdölgewinnung ersetzt werden, die heute in Argentinien schon so bedeutend ist, daß das Land seinen Inlandsbedarf an Erdöl fast ganz aus der eigenen Erzeugung zu O.OIW Mgl. 11-20 Sonn- und F*i«r1ogs H 16 Uhr Prwal mittagu. aDandtisch Tal. 34 87 51 w. 34 68 44 Die gepflegte Küche im Westen Ernst Herschihai WSO, M&rburvcrSiT.» aM. Aogibvrvvr Sir. mittHu. nbsndtlsch Tag«K«!lung«n Gedeck RM 0.80 j bis RM 1.50 I 2

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