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Der jüdische Handwerker · 1938-08-01 · 8 (8.1938) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
8 (8.1938)
Date
1938-08-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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fljityfiia!*^^ ffanMpgttat Dom3mtmtoatxm6 filfäafiantmata ftattföhlani* ttiOOpMBto PfrtKmwlrttunfl.MtK^ Vsfragta mir an btc ©«f<tiäfttft«a<: Q5«tlin 3B 50, OMetfrraft 8, (84 QaMria 1070 ■ SO. Jahrg. Nr. 8 VERLAG. ZENTRALVERBAND JOD. HANDWERKER August 1988 {DHInHm JUartus nim flbfdi.DD Von Louis Wölfl Es gibt im menschlichen Leben Augenblicke, in denen es schwer fällt, die Feder zu ergreifen. Da versagen die Gedanken, und es stockt das Wort. Das früher Unbegreifliche stellt unser Fassungsvermögen vor eine starke Belastungsprobe, und nur ein konzentrierter Wille vermag Ordnung in die durch die Gegenwart verwirrten Gedankengänge zu bringen. Wir sollen Abschied nehmen von Wilhelm Marcus; wir alle, und nicht zuletzt sein Freund und Mitstreiter während eines Menschenalters. Abschiednehmen ist jetzt unser Schicksal, und wir finden uns äußerlich' damit ab. Aber nach innen gekehrt bedeutet Abschiednehmen für uns wohl eine räumliche Trennung, niemals aber ein Auslöschen und Vergessen gemeinsamen Erlebens und Kämpf ens. Wo Mensch und Werk harmonisch zusammenfließen, da gibt es keinen Abschied, da steht der Mensch Aber seinem Werk immer lebensnah und sichtbar vor uns. So kann auch Abschied das Versöhnliche und — so paradox es klingt — das Bleibende sein. 25 Jahre im Brennpunkt jüdischen Lebens stehen, setzt niemals erlahmenden, kämpferischen Geist voraus. Und hier steht ein Mann, der mit den reinen Waffen des logischen Denkens den Kampf überwinden will. Er kennt keine grauen Theorien, die fast ausschließlich ins Negative wirken, sondern er wird der Anwalt der großen jüdischen Schicht, der er aus eigenem Erleben nahesteht, und die in den vergangenen Jahren im Schatten einer überheblichen jüdischen Kulturschicht lebte. Es war die abseits stehende Schicht des gesamten jüdischen Handwerker- und Mittelstandes, die herangeführt und eingebaut werden mußte in das' gesamtjüdische Schicksal. Ein harter Kampf setzte gegen eine, uns heute unglaublich erscheinende Gedankenwelt ein, in der Geist und Kapital alleinherrschend waren. Mit scharfer Dialektik und beißender Ironie legte er die Schwächen der jüdischen Gesellschaft bloß, überall im ganzen Reich, wo wir unsere Bewegung hintrugen, und wo die Rechte des jüdischen Mittelstandes gefordert wurden, horchte man auf. So stand Wilhelm Marcus gegen die Bequemlichkeit und Gedankenträgheit in schärfstem Kampf; er erkannte die Fehler der einseitigen Berufsschichtung und warb um das Verständnis für eine gesunde handwerkliche Mittelschicht. Marcus, der selbst einer alteingesessenen Handwerkerfamilie entstammt, sah sein Ziel in der Eingliederung des Handwerkerstandes in das Gemeindeleben, weil er mit Recht darin ein Mittel zur Ueberwindung der sozialen Gegensätze erblickte. So zog er im Jahre 1920 neben dem Schreiber dieser Zeilen als erster Vertreter des Handwerkerstandes in die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde ein. Das kaum Glaubliche wurde Ereignis; in die „abgekapselte", damals volksfremde Gemeindevertretung, beherrscht von dem Willen einer bestimmten Geistesrichtung, wurde Bresche geschlagen gegen die Uniformierung des jüdischen Lebens. Marcus ist im eigentlichen Sinne kein politischer Mensch. Gewiß hat er eine feite Weltanschauung, aber mit tiefem Verständnis bringt er auch den Anschauungen seiner jüdisch-politischen Freunde auf der anderen Seite Achtung entgegen. Kompromißlos ist er aber in den sozial-wirtschaftlichen Fragen, in denen er kein Entgegenkommen kennt. Als er im Jahre 1923 durch das Vertrauen der im Zentralverband zusammengeschlossenen Handwerker- Foto Sonn.nltld 1

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