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Der jüdische Handwerker · 1938-07-01 · 7 (7.1938) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
7 (7.1938)
Date
1938-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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. Raum der Vereinigten Staaten unterscheiden. Die 48 Bundesstaaten, die eine weit größere Selbständigkeit und ein viel kräftigeres Eigenleben besitzen als man in Europa meist annimmt, ordnen sich in diese drei wirtschaftsgeographischen Provinzen ein. Bei weitem am stärksten industrialisiert ist der Nordosten der Vereinigten Staaten. Djese wichtigste Wirtschaftsprovinz umfaßt 17 Bundesstaaten und 21 Prozent der Oesamtfläche des Landes. In ihr leben aber mehr alt 56 Prozent der Bevölkerung der USA. Von den amerikanischen Oroßstädten mit mehr als 100000 Einwohnern liegt der größere Teil in diesem Bezirk des Landes, Den Kern der nordöstlichen Wirtschaftsprovinz bilden die Neuenglandstaaten, die seit mehr als 100 Jahren das bevorzugte Ziel der europäischen Einwanderung sind. Mittelpunkt dieser großen Wirtschaftsprovinz ist New York trotz allem, was oben über den besonderen Charakter dieser Weltstadt gesagt wurde. Denn New York ist nun einmal die führende Handelsstadt Amerikas und, neben London, auch der ganzen Welt. Sie verdankt ihre ungeheure Entwicklung vor allem ihrer günstigen Verkehrslage, die sie zum Eingangstor nicht nur der europäischen Einwanderung, sondern auch des Handels mit Europa gemacht hat. New York ist mehr Handelsals Industriestadt. Aber auch die Bekleidungsindustrien haben hier ihren Hauptsitz. Der ungeheure Aufstieg New Yorks ist jedoch zweifellos auch der nahen Lage dieser Stadt zu den Zentren des Kohlenbergbaus und der Eisenindustrien zu verdanken. Der industriell am stärksten entwickelte Unionsstaat ist Massachusetts mit der Hauptstadt Boston. Die Schwerindustrie ist vor allem in Pittsburgh, einer der wichtigsten Industriestädte der Erde, zusammengeballt. Hier haben zahlreiche riesige Eisen- und Stahlwerke, Hochöfen, Maschinen- und Lokomotivfabriken ihren Sitz. Andere Kristallisationspunkte der Eisenindustrie sind Pennsylvanien sowie die Städte Cleveland und Chicago. Bemerkenswert ist, daß die Baumwollindustrien teilweise nach den Südstaaten abzuwandern begonnen haben, weil sie dort ihrer Rohstoffbasis näher sind. Agrarwirtschaft der SÜdstaateri. Die 15 Südstaaten nehmen 27 Prozent der Gesamtfläche des Landes ein und zählen 30 Prozent der Bevölkerung. Bei einer weitaus größeren Ausdehnung haben die Südstaaten nur halb so viel Bewohner wie die Nordoststaaten. Ihre Lage ist sowohl in klimatischer wie in wirtschaftsgeographischer Hinsicht weniger günstig. Einen erheblichen Teil der Bevölkerung bilden in den meisten dieser Staaten die Neger. Doch ermöglicht die subtropische Lage einen sehr umfangreichen Anbau der Baumwolle, und dieser übt wiederum, wie schon erwähnt, auf die Baumwollmanufakturen Anziehungskraft aus, wozu wohl auch die billigeren Arbeitskräfte des Südens beitragen. Im großen und ganzen haben die südlichen Staaten aber eine überwiegend agrarische Struktur. Sie sind im wesentlichen Kolonial gebiet geblieben. Die Bevölkerungsdichte ist weit geringer als im Sten und Norden, und nur verhältnismäßig wenige Großstädte liegen in diesem ausgedehnten Gebiet. Der Westen — das Land der Zukunft Mehr ab die Hälfte der Gesamtfläche der USA. entfällt auf die 16 Weststaaten. Dabei haben diese aber nur 14 Prozent der Oesamtbevölkerung des Landes, ihre industrielle, aber auch ihre landwirtschaftliche Entwicklung ist hinter der des Ostens noch erheblich zurückgablieben. Die Besiedlung ist meist dünn, nur an der Küste des Pazifischen Ozeans ist sie dichter. Sehr wichtig ist aber, daß der amerikanische Bergbau vorwiegend im Westen seinen Sitz hat. Die gesamte Silberausbeute und der weit überwiegende Teil der Goldgewinnung sowie der Kupfer- und B1 e i Produktion entfallen auf die Weststaaten. Nur in Bezug auf Kohle und Eisen ist der Osten von der Natur reicher ausgestattet. Vor allem jedoch ist der Westen der Sitz der Erdölgewinnung, deren Bedeutung für das wirtschaftliche Leben Amerikas und für die Weltwirtschaft überhaupt ständig im Wachsen ist. Kalifornien und Oklahoma liefern 86 Prozent der großen amerikanischen Erdölausbeute. Dagegen sind die Erdölraffinerien im Osten, am Atlantischen Ozean gelegen. Die Orenzen zwischen den Nordost- und den Weststaaten, haben sich insofern etwas verschoben, ab einige zum Westen gezählte Staaten, wie Iowa, Missouri und Minnesota, mehr und mehr östliches Gepräge angenommen und sich in wirtschaftlicher Hinsicht dem Nordosten angeglichen haben. Das Zurückbleiben der wirtschaftlichen Entwicklung des amerikanischen Westens beruht größtenteils auf natürlichen Gegebenheiten. Die hohen Gebirgsketten im Innern dieses Oebiets wirken ebenso Verkehrs- und w i r ts c h a f t6 h e m m e n d wie die dort noch vorhandenen großen Wüsten- und Halbwüstenräume. Außerdem gibt es an der Küste des Stillen.Ozeans nur wenig gute Häfen. Nur 9 Oroßstädte mit mehr als 100000 Einwohnern liegen In dieser Hälfte der USA. Doch macht die wirtschaftliche Entwicklung neuerdings gerade im Westen schnelle Fortschritte, und man spricht einem Teil dieser Gebiete eine besonders große Zukunft zu. Für den Einwanderer, der sich sein Leben und seine Zukunft aus eigener Kraft neu aufbauen will, sind sicherlich häufig in diesem Teile der Vereinigten Staaten besonders große Möglichkeiten vorhanden. Die wirtschaftsgeographischen Tragpfeiler. Der unermeßlich große Nationalreichtum der Vereinigten Staaten ruht auf drei starken Säulen: auf der Fruchtbarkeit des amerikanischen Bodens, auf den ungeheuren, fast unerschöpflichen Rohstofflägern des Landes sowie, auf der Arbeitskraft und der Intelligenz seiner mehr als 120 Millionen Menschen. Die gewaltige Ausdehnung der Vereinigten Staaten, die sich von der kalten bis weit m die subtropische Zone erstrecken, macht es möglich, daß fast jeder Bedarf der Wirtschaft aus den eigenen Erzeugnissen des Landes gedeckt werden kann. Ein Teil des Ueberflusses an Bodenschätzen, sowohl an agrarischen wie an mineralischen (und natürlich auch desjenigen an industriellen Fertigerzeugnissen), wird auf den Weltmarkt exportiert und verschafft diesem Lande, das als Gläubigerland eigentlich einen Einfuhrüberschuß haben müßte, eine aktive Handelsbilanz. Freilich steigert dieser Reichtum an Rohstoffen und Erzeugnissen aller Art auch die Gefahr der Absatzstockungen und Wirtschaftskrisen. Das Werkzeug für den Existenzaufbau. Was die Vereinigten Staaten dem Einwanderer bieten, ist vor allem Raum und VerwertungBmöglichk e 11 für jede Art von Fertigkeiten und Betätigungen. Der überaus scharfe Wettbewerb fordert aber andererseits Höchstleistungen von jedem, der sich in dem in Amerika besonders harten Daseinskampf behaupten und vorwärtskommen will. Nur wer in Bezug auf Können und Leistung Ueberdurchschnittliches zu bieten vermag, wird als Einwanderer mit Aussicht auf Erfolg in diesen wirtschaftlichen Wettkampf eintreten können. Jede Kenntnis und jedes Können, das der Einwanderer sich vor seiner Auswanderung zusätzlich erworben hat, wird seine Chancen, sich drüben zu behaupten und vorwärts zu kommen, verbessern. Dr. Hugo Nathansohn. Aussichten für Facharbeiter in Australien Der nachstehende Brief eines jüdischen Tischlers aus Sidney an den „Hilfsverein der luden, in Deutschland" wird für viele unserer Mitglieder besonders interessant sein. Sidney, 28. 3. 1933. ' Sehr geehrte Herren vom Hilfsverein! Meinem Versprechen gemäß gestatte ich mir, Ihnen heute unsere ersten Eindrücke zu schildern, die allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können. Ich werde mir gestatten, in einiger Zeit einen weiteren Bericht an Sto zu senden. Zunächst fuhren meine Frau und ich von Hamburg am 10. 10. 37 nach London. Da wir uns vorher angemeldet hatten, hatte man die Behörden in Harwich von unserer Durchreise in Kenntnis gesetzt, sodaß die Formalitäten schnell erledigt waren. Sofort nach Ankunft gingen wir zum Woburn— House und wurden dort sehr nett empfangen. Während der 10 Tage unseres Londoner Aufenthalts nahmen wir im Woburn House an einem Englischkursus teil. Ferner aßen wir vielfach in der dortigen Kantine, die sehr preiswert und 8ut ist. Am 23. 10. fuhren wir von London/Tilbury über ibrattar, Toulon, Neapel, Port Said, Aden, Colombo, Freemantie, Adelaide, Melbourne, Burnie auf Tasmanien nach Sidney, wo wir am 2. 12. ankamen. In Freemantie und Melbourne wurden wir in Empfang genommen, da unsere Durchfahrt von London aus gemeldet war. Man zeigte uns die Städte und lud uns zum Tee ein. Es wird dies bei jedem Schiff gemacht, und die Autofahrt ist sehr angenehm. In Sidney wurden wir von einem Herrn empfangen, der auch gleichzeitig die Zollformalitäten schnell erledigte. Dieser Herr hatte die Stellungsangelegenheit zu regeln. Wir wohnten zunächst in einem Boarding-House. Mir war eine Stellung als Tischler in einer Möbelfabrik versprochen worden, mit dem Bemerken, mir evtl. noch weitere Anleitungen zu geben, sofern meine Kenntnisse nicht ausreichten. Zunächst zögerte nian die Anstellung hinaus, und dann ließ man mich einige Stunden arbeiten und meinte, daß ich nicht genügend australische Erfahrung habe. Inzwischen erhielt ich eine Stellung in einer Spezialfabrik für Radiokästen als Tischler. Im Gegensatz zu Deutschland ist hier alles Massenproduktion. Durch ein besonders Abkommen biriv ich in der Lage, meine Kenntnisse zu vervollkommnen, da die Arbeitsmethoden hier grundsätzlich andere sind. Aeußerlich erschwerend ist die Tatsache, daß man zwangsweise in einer Gewerkschaft sein muß, die die Mindestlönne festsetzt, die hier allgemein sehr hoch sind. Andererseits hat es sich .gezeigt, daß voll ausgebildete Handwerker aus Europa zunächst hier Schwierigkeiten haben. Grundlegend ist zu bemerken, daß alles hier nach amerikanischem Muster arbeitet, d. h. vor

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