Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 30 (1938)
- Issue
- 5 (5.1938)
- Date
- 1938-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Denn außerhalb des jüdischen Sektors harten seit langem zahlreiche industrielle Betriebe Lehrwerkstätten errichtet, in denen sie einen ihren Bedürfnissen entsprechenden Stamm von Industriefacharbeitern heranbilden. In diesen Lehrwerkstätten, die gewöhnlich besondere Betriebsabteilungen innerhalb des industriellen Unternehmens bilden, werden die Lehrlinge durch besonders geeignetes Ausbildungspersonal in den Handfertigkeiten ihres Handwerks nach einem genau festgelegten Ausbildungsplan unterwiesen. Diesen Lehrwerkstätten der Industrie sind die jüdischen Lehrwerkstätten im großen und ganzen nachgebildet worden. Ein wichtiger Unterschied ist freilich insofern vorhanden, ab die in der Ausbildung befindlichen industriellen Facharbeiter Gelegenheit haben, zeitweise in den verschiedenen Werkstätten des Betriebes praktisch tätig zu .sein und dort produktives, nicht nur der Ausbildung dienendes Arbeiten kennenzulernen. In den jüdischen Lehrwerkstätten sind solche Möglichkeiten nicht vorhanden. Dieses Manko wird aber dadurch weitgehend ausgeglichen^ daß der Ausbildungsbetrieb selbst vollkommen werkstattmäßig gestaltet und dadurch dem in der praktischen' Wirtschaft üblichen Betriebe möglichst angepaßt ist. Gegenüber den Vorzügen, die eine Lehre beim Handwerksmeister zweifellos in mancher Hinsicht hat, bildet andererseits die größere Intensität und Planmäßigkeit der Ausbildung in den Lehrwerkstätten ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht. Zwei der größten Berliner jüdischen handwerklichen Lehrwerkstätten blicken bereits auf eine einjährige Ausbildungsarbeit zurück: Die Private judische Lehranstalt für handwerkliche und gewerbliche Ausbildung auswanderungswilliger Juden der,,Ort" in Berlin wurde am 10. Mai 193 7 errichtet. Von den 115 Jugendlichen, und Erwachsenen, die im Sommer vorigen Jahres in diese Lehranstalt zum Zwecke ihrer Ausbildung in den Orundberufen der Metallbearbeitung eintraten, sind in der Zwischenzeit nur 27 ausgeschieden, davon 9 infolge Auswanderung, 4 wegen Krankheit, 6 wegen Uebergangs in eine ändert Ausbildungsstätte und nur 4 wegen mangelnder Eignung zum Handwerksberuf Etwa 90 Lehrlinge haben also nunmehr das erste Jahr ihrer Berufsausbildung absolviert, das der Unterweisung in den Grundbedingungen der Schlosserei, Schmiederei usw. diente. Sie werden nun im zweiten und dritten Lehrjahr eine Spezialausbildung in den drei vorgesehenen Zweigen Elektrotechnik, Gas-, Wasser- und sanitäre Anlagen sowie Mechanik erhalten, um dann als vollständig ausgebildete Handwerksgesellen im Auslande sich eine Existenz schaffen zu können. Die Gesamtzahl der Schüler der „Orf'-Lehranstalt ist inzwischen auf 193 Jugendliche und 13 Erwachsene angestiegen. (Die Erwachsenen erhalten nur eine eineinhalbjährige Ausbildung). ..... Im Februar 1937 ist der Lehrgang der Berliner Jüdischen Gemeinde für die E rs t a u s b i 1 d u n g in der Bauschlosserei eröffnet worden. Die40Jugendlichen, die damals ihre Handwerkslehre in dieser Lehrwerkstatt aufnahmen, haben also ebenfalls bereits das erste Ausbildungsjahr vollendet. Nicht ein einziger von, ihnen brauchte wegen Ungeeignetheit entlassen zu werden. Die Zahl der Teilnehmer dieses Lehrgangs ist inzwischen durch 10 Neuaufnahmen auf 50 erhöht worden. Eine wie sorgfältige Unterweisung die Jungen auch in dieser Lehrwerkstatt erhalten, geht u. a. daraus hervor, daß auf je 15 bis 20 Lehrlinge eine praktische Lehrkraft (Meister oder Oeselle) entfällt. Der theoretische Fachunterricht wird durch einen Ingenieur erteilt. Er ersetzt den Besuch einer Berufsschule. Nachdem im ersten Ausbildungsjahr den Lehrlingen die erforderlichen allgemeinen Kenntnisse in dem Orundhandwerk vermittelt worden sind, wobei in erster Linie auf die Gewöhnung an präzise Arbeit und nicht so sehr auf den Zeit- DOS HPUS DER GUTEN HEPPEN UND UNQBEN-ULEIDUNä l</> rTCytTTI >' BERLIN SCHONEBERG HQUPTSTP.1 aufwand gesehen wurde, soll nun im zweiten und dritten Lehrjahre versucht werden, das Arbeitstempo zu steigern und den Bedürfnissen der Praxis anzupassen. Außerdem setzt unter Umständen auch hier nunmehr eine Spezialisierung ein, die je nach den besonderen Fähigkeiten und Neigungen des einzelnen Lehrlings gestaltet wird. In den Lehrwerkstätten der „Ort'.' sowohl als auch in denen der Jüdischen Oemeinde ist man bemüht, die Auebildung so weitgehend wie irgend möglich auf die Erfordernisse des praktischen Wirtschaftslebens einzustellen und sie der handwerklichen Einzellehre nach Möglichkeit anzupassen, d. h. sie vollkommen werkstattmlßig zu gestalten. Diesem Ziele dient vor allem die enge Zusammenarbeit der Leitungen und Lehrwerkstätten mit dem Zentralverbande jüdischer Handwerker. Erfahrene selbständige Meister, führende Mitglieder des Handwerker-Verbandes, haben sich zur technischen Beratung zur Verfügung gestellt und wirken insbesondere auch bei den Prüfungen der Lehrlinge mit.