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Der jüdische Handwerker · 1938-03-01 · 3 (3.1938) · p. Seite 1

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
3 (3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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Es darf daran erinnert werden, daB schon in den letzten Jahren von den jüdischen Handwerksverbänden immer wieder der Appell an ,ihre Mitglieder gerichtet worden ist, möglichst viele jüdische Lehrlinge einzustellen, um sie zu tüchtigen Handwerkern auszubilden und dadurch auswanderungsreif zu machen. Dieser Aufforderung sind die ausbildungsberechtigten jüdischen Handwerker mit Eifer und Verständnis für die Lage '.der jüdischen Jugend nach Kräften nachgekommen. Aber man muß berücksichtigen, daB die Zahl der ausbildungsberechtigten judischen Handwerker verhältnismäßig gering ist. Hier wirken sich die Versäumnisse früherer Jahrzennte aus, in denen trotz des unablässigen Drängens der jüdischen Hand Werksorganisationen nichts getan worden ist, um die Berufsschichtung - der in Deutschland lebenden Juden zu normalisieren und zu diesem Zweck vor allem den Handwerksstand zu stärken. .In denjenigen jüdischen Handwerksbetrieben, die ausbildungsberechtigt sind, ist wiederum die Zahl der Lehrlinge, die sie einstellen und ausbilden dürfen, genau festgelegt. Sie richtet sich nach dem Umfange des Betriebs, und dieser wiederum Ist von der Beschäftigungslage abhängig. Je mehr also die jüdische Allgemeinheit die jüdischen Handwerksbetriebe fördert und leistungsfähig macht, desto mehr Lehrlinge können sie einstellen und ausbilden. Die Lehrdauer beträgt aber bekanntlich im Handwerk 3 bis 4 Jahre, und nur eine vollwertige, unverkürzte Ausbildung der Lehrlinge zu Voller handwerklicher Leistungsfähigkeit sichert den Ausgebildeten eine wirtschaftIL-he Zukunft im Auslande. Nur sie allein kann daher in Betracht kommen. Da nun die ausbildungsberechtigten jüdischen Handwerksbetriebe schon in den letzten Janren alle Möglichkeiten der Einstellung von Lehrlingen erschöpft haben, und bis zur Vollendung der 3 bis 4 jahrigen Ausbildung der früher eingestellten Lehrlinge im allgemeinen keine Lehrstellen bei ihnen frei werden, so müssen die Möglichkeiten der Lehrlingseinstellung in jüdischen Handwerksbetrieben notwendigerweise heute gerin; sein. In jedem Falle stehen sie in keinem Verhältnis zu der Zahl der Anwärter für handwerkliche Berufe. Hieran wird zurzeit auch durch das Vorhandensein der von den Qemeinden und der Reichsvertretung errichteten handwerklichen Lehrwerkstätten nicht viel geändert. Denn auch in diesen Lehrwerkstätten wird nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Jugendlichen, die einen Handwerksberuf erlernen wollen, untergebracht werden können. In den Lehrwerkstätten für Metallberufe und besonders für holzverarbeitende Berufe steht zwar noch eine kleine Anzahl von Plätzen zur Verfügung. Auch in den Umschichtungskursen, die mehr und mehr auf Erstausbildung umgestellt werden, werden noch Plätze für Lehrlinge beschafft werden können. Bei der Berufswahl sollte nach Möglichkeit darauf Rücksicht genommen werden, daB z. B. für Tischler lehrlinge erheblich mehr Ausbildungsmöglichkeiten als etwa für Schlosserlehrlinge zur Verfügung stehen. Jugendliche, die für Berufe der Holzbearbeitung Eignung und Neigung haben, werden in den vorhandenen Lehrwerkstätten wahrscheinlich genügend freie Plätze finden. Bei alledem muB freilich beachtet werden, der Zulassung zu den Lehrwerkstätten die 15jährigen und älteren Jugendlichen in erster Linie berücksichtigt werden müssen, sodaß die 14jährigen Schulentlassenen auch in den Lehrwerkstätten in der Regel keine Aussicht auf Aufnahme haben werden. Möglichkelten der U e b e r b r 0 c k u n g . Die im April aus den Schulen kommenden Jugendlichen werden daher in der Regel auf eine Vor- oder Zwischenausbildung verwiesen werden müssen, bevor sie zur eigentlichen handwerklichen Ausbildung zugelassen werden können. Für sie kommen vor allem das neunte Schuljahr nnd die Vorlehrekurse in Betracht Wie wir hören, wird in den nächsten Monaten in den Vorlehrekursen noch eine beträchtliche Anzahl von Plätzen frei werden. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, daB durch Voranzeige Berlin f Am Sonnabend, den 9. April II Gesellschaftsabend mit Tanz und Vortragen ii im Brüderverein Direkte Einladungen ergehen noch die Vorlehre das Auffinden einer Lehrstelle wesentlich erleichtert wird, weil die Handwerksmeister bei der Einstellung von Lehrlingen diejenigen Anwärter bevorzugen, die durch die Teilnahme an den Vorlehrekursen schon gewisse allgemeine theoretische und praktische Kenntnisse erworben haben, die sie für die Handwerkslehre bester

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