Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1938-01-01 · 1 (1.1938) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
30 (1938)
Issue
1 (1.1938)
Date
1938-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492337-5771062-5922290--591-4883372
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

OfiHidlx^ Ücgan JcnfmliralianS^ jaBlfajiTflanörotArDrutJHjlanS^ H^fIdr^5Dcrfimt8e5 6ß7u8irrfrar7113fel|bmöt^ IxtbanfckilungVU]^ I •Jnfragen nur an bit ©«f*«f«M«: ^rli« ® 50, 91a«eb|iraS< 8, 35 4 Qtaari« 1030 rfJanSrootrr fecutfchlanS» tH5tt(l?din rr|tr1 ffidcfim bzlDttbmb.s^ 30. Jahrg. Nr. 1 VERLAG i ZENTRALVERBAND JOD. HANDWERKER Januar 19X8 Wirtfchaftsgeographie im Der Hilfsverein der Juden in Deutschland hat soeben in einer Bekanntmachung auf die schweren Schädigungen hingewiesen, die vielen Auswanderern dadurch erwachsen sind, daß sie es versäumt haben, sich rechtzeitig an sachkundiger Stelle zu informieren. Besonders zu unterstreichen ist die Mahnung, daß sich ganz besonders auch diejenigen in ihrem eigenen Interesse vor ihrer Ausreise beraten lassen sollen, die eine finanzielle Hilfe nicht benötigen. Die Beratungsstellen verfügen über eine Fülle von Erfahrungen, Berichten, Informationen usw., die jedem Auswanderer von großem Nutzen sein können. Selbstverständlich soll und kann die Beratung niemals die eigene Unterrichtung und das eigene Studium der Verhältnisse in dem in Aussicht genommenen Einwanderungslande ersetzen. Oerade auf diese muß daher mehr denn je der allergrößte Nachdruck gelegt werden. Die Zeit der planlosen Auswanderung, die häufig so schädliche Folgen für den einzelnen Auswanderer wie für ihre Gesamtheit gehabt hat, muß heute endgültig beendet sein. An ihre Stelle soll eine auf eingehender Erkundung der fremden Länder und ihrer Lebensverhältnisse beruhende planvolle Auswanderung treten. Die jüdischen Organisationen, die sich bemühen, die Auswanderer zu beraten, haben schon oft eindringlich gemahnt, vor der Auswanderung in ein fremdes Land die Sprache, die dort gesprochen wird, möglichst vollkommen zu erlernen. Diese Forderung muß heute noch wesentlich erweitert werden: Wer in ein Land auswandern will, dessen Natur, Bevölkerung, Kultur und Wirtschaft sich wesentlich von der des bisherigen Heimatlandes unterscheidet, muß nicht nur die fremde Sprache erlernen, sondern sich ebenso auch ein ausreichendes Wissen um die Grundbedingungen erwerben, unter denen er in dem fremden Lande künftig leben muß. Dazu ist vor allem erforderlich, daß sich der Auswanderer mit der Wirtschaftsgeographie des Landes, das seine Heimat werden soll, vorher möglichst gut vertraut macht. Die Wirtschaftsgeographie soll zur Einsicht in die wichtigsten Lebensfragen und Lebensbedingungen der Völker und Lander führen. Sie umfaßt, wenn sie auf ein bestimmtes Land abgestellt ist, u. a. die Kenntnis des Klimas, der Bodenbeschaffenheit, der Bevölkerung, vor allem aber der Wirtschafts- und Lebensverhältnisse in diesem Lande. Der Auswanderer, dem diese Dinge unbekannt sind, oder der, wie es leider sehr oft geschieht, mit ganz unzutreffenden Anschauungen und Begriffen in das Land kommt, läuft Oefahr, daß seine persönlichen, wirtschaftlichen und beruflichen Fähigkeiten nicht geeignet sind, um auf ihnen in djesetm Lande mit Erfolg eine neue Existenz aufzubauen, oder sogar um sich und seine Familie aus eigener Kraft dort erhalten zu können. Einige Tatsachen, die auf diesem Gebiete von entscheidender Bedeutung sind, können die Unentbehrlichkeit eingehender wirtschaftsgeographischer Kenntnisse für den Auswanderer illustrieren. Wenn die klimatischen Verhältnisse eines Landes wesentlich andere sind als die der bisherigen Heimat, so der Auswanderung muß der Auswanderer vorher sorgfältig feststellen, ob seine Gesundheit und die seiner Familienangehörigen fest genug ist, um in diesem Lande . nicht nur leben, sondern auch I n dem erwählten Berufe vollwertige Arbeit leisten zu können. In Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit stellt namentlich das Leben in tropischen Ländern besonders hohe Anforderungen. Der aus Europa stammende Mensch ist in einem Lande mit gemäßigtem Klima sehr viel leistungsfähiger ab in Ländern mit subtropischem oder gar mit tropischem Klima. Hierbei ist zu beachten, daß eine ganze Reihe überseeischer Länder, die für jüdische Auswanderer in Betracht kommen, Gebiete umfassen, die verschiedenen Klimazonen angehören. Der Auswanderer muß also die klimatischen Verhältnisse des in Aussicht genommenen Wohnortes zunächst einmal genau kennen, um prüfen zu können, ob seine Gesundheit stark genug ist, damit er dort eine ausreichende berufliche Leistungsfähigkeit erweisen kann. Ebenso wichtig wie das klimatische ist oft die Höhenlage des künftigen Auf enthaltortes; denn mittlere und große Höhenlagen stellen besondere Anforderungen an die Herztätigkeit und die Atmungsorgane, denen nicht jeder, insbesondere nicht jeder reifere Mensch gewachsen ist. Alle diese Fragen sind in einem Aufsatz über die Bedeutung des Klimas für den Auswanderer im letzten Heft des „Korrespondenzblatts" des Hilfsvereins in sehr instruktiver Weise behandelt worden, und wir brauchen hier nur auf diese Darlegungen zu verweisen. Ebenso wie die klimatischen müssen die wirtschaftlichen Verhältnisse unter dem Gesichtspunkt der Auswanderung geprüft werden. Hierbei wird der Auswanderer von seinen beruflichen Fertigkeiten und Leistungen auszugehen und demgemäß vor allem zu untersuchen haben, ob er diese Fähigkeiten in dem betreffenden Lande auch nutzbringend verwerten kann. Das ist in der Praxis vorher oft nicht leicht zu beurteilen, und es genügt keineswegs etwa die Mitteilung eines schon früher in das in Frage kommende Land Aua- Sewanderten, daß sich ein Angehöriger dieses oder jenes erufs dort ernähren könne, um hierauf einen Auswanderungsentschluß zu fundieren. Es ist nämlich sehr wohl möglich, daß der Eine unter ganz bestimmten Voraussetzungen dort wirtschaftlichen Erfolg hatte, wo für den Zweiten keine ausreichenden Existenzgrundlagen vorhanden sind. Wer daher in ein überseeisches Land auswandern will, muß vor allem die gesamte wirtschaftliche Struktur dieses Landes aufs genaueste kennenlernen, um feststellen zu können, ob in diesem Lande für die Leistung, die er bieten will und kann, auch ein ausreichender Bedarf vorhanden ist. Es kommt gar nicht so selten vor, daß z. B. ein Handwerker, der einen ganz bestimmten Spezialberuf ausübt, nach einem Lande auszuwandern vorhat, in dem er seine Fertigkeiten nicht in ausreichendem Maße zu verwerten vermag, well die wirtschaftliche, insbesondere die industrielle Entwicklung dieses Landes nicht genügend vorgeschritten ist Die Entscheidung ist hier oft deswegen so schwierig, weil!^B«MgHBSMKMaSSB^^Mr|Bw^lli3Kt^ *lM^M8«K»lHBMi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.