Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 12 (12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das bedeutet, dal) sich die überwiegende Mehrzahl dieser Jungen entschließen wird, manuelle, insbesondere handwerkliche Berufe zu erlernen. Hier setzt sich eine* Korrektur der früheren einseitigen jüdischen Berufsverteilung unter dem Drucke eiserner Notwendigkeiten in stürmischem Tempo durch. Sind aber die jüdischen Wirtschaftsbetriebe sowie die. jüdischen üemeinschaften, die in den letzten Jahren die Einrichtung von Berufsausbildungsstätten ergänzend in die Hand nehmen mußten, dem zu erwartenden Andränge zu den handwerklichen Lehrstellen und den Lehrwerkstätten gewachsen? Eine zahlenmäßige Ueberprüfung der Beschaffungsmöglichkeiten von Lehrplatzen einerseits und des zu erwartenden Neubedarfs andererseits zeigt ganz klar, daß hier die Nachfrage das Angebot weit übersteigen wird. Was die vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten in jüdischen Handwerksbetrieben anbetrifft, so muß man berücksichtigen, daß diese schon jetzt aufs Aeußerste in Anspruch genommen sind. Die ausbildungsberechtigten jüdischen Handwerker sind dem an sie gerichteten Appell, möglichst viele jüdische Lehrlinge einzustellen, bereits nach Kräften gefolgt. Aber die Ausbildungszeit des Handwerkslehrlings dauert drei bis vier Jahre. In jedem Jahre aber drängen neue jüdische Schulentlassene zu den handwerklichen Berufen, ohne daß neue Lehrstellen In genügender Anzahl frei werden. Gewiß sind mit Rücksicht auf den Mangel an handwerklichen Lehrstellen an vielen Orten von den Oemeinden und den zentralen Organisationen Lehrwerkstätten ins Leben gerufen worden. Wir nennen hier nur die an dieser Stelle eingehend geschilderte „Orf'-Fachschule in Berlin und die Schlosserlehrwerkstatt der Berliner Jüdischen Gemeinde, ferner aber auch die Jüdischen Lehrwerkstätten in Frankfurt, Köln, Hamburg, München und in mehreren anderen Großstädten. Auch die jüdischen Berufsumschichtungswerkstätten widmen sich mehr und mehr auch der Erstausbildung von jüdischen Handwerkern. Aber selbst wenn man alle vorhandenen und noch zu beschaffenden Lehrstellen zusammenzählt, wird man immer zu dem Ergebnis gelangen müssen, daß sie angesichts des zu erwartenden Neubedarfs bei weitem nicht ausreichen. Um diesen Neubedarf zahlenmäßig oberflächlich abzuschätzen, darf man vielleicht auf eine in Nr. 8/10 der „Informationsblätter" der Reichsvertretung wiedergegebene Statistik der Berufsverteilung der in der Ausbildung befindlichen und durch Zuschüsse aus öffentlichen jüdischen Mitteln geförderten Jugendlichen Bezug nehmen. Nach dieser Zählung werden von den in der Ausbildung befindlichen Jungen 4Q>/j Prozent in handwerklichen, 42" s Prozent in landwirtschaftlichen, der Rest in sonstigen Berufen ausgebildet. Nimmt man an, daß die am nächsten und übernächsten Ostertermin zur Schulentlassung kommenden jüdischen Jungen sich ungefähr in gleicher Weise ihren künftigen Beruf wählen, so ist ganz klar zu erkennen, daß die Oesamtzahl der verfügbaren handwerklichen Ausbildungsplätze bei weitem nicht zur Deckung des Bedarfs genügen wird. □ bergangsausblldung durch Glücklicherweise gibt es bereits einige jüdische Einrichtungen, in denen diejenigen schulentlassenen jüdische» Jugendlichen, die aus irgendwelchen Gründen nicht sofort in Lehrstellen untergebracht werden können, vorläufig auf ihren künftigen Beruf vorbereitet werden. Hier darf man insbesondere auf die von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eingerichteten Vorlehr ekurse hinweisen, die dazu bestimmt sind, Schulentlassene, soweit sie für die praktische Berufsausbildung noch nicht reif sind oder aus anderen Gründen noch nicht in diese eintreten können, „durch die Verbindung von planvoll geregelter, praktischer Werkarbeit mit theoretischen Unterweisungen in einem pädagogisch gestalteten Arbeitsmilieu zur Berufsreife zu verhelfen". Die Erfahrung zeigte, daß diejenigen Jugendlichen, die ein halbes jd DOS HQUS DEP BUTEN HEDREN UND »NPBEN ULEIDUN8 rrfoftr! r BERLIN SCHONEBERG, HRUPTSTR.1 Jahr lang die Vorlehre besucht haben, well zurzeit des Schulahschlusses eine Lehrstelle für sie noch nicht gefunden werden konnte, nach Ablauf dieser Zeit in handwerklichen Lehrstellen oder in Lehrwerkstätten untergebracht werden konnten. Es konnte dabei beobachtet werden, daß die Handwerksmeister diese bereits sachgemäß und systematisch vorbereiteten Jungen bei der Besetzung von Lehrstellen besonders gern berücksichtigten. Damit ist der praktische Wert der Vorlehre schon bewiesen. Dem gleichen Zwecke wie die Vorlehre dient auch das neunte Schuljahr, das in einer Reihe jüdischer Volksschulen bereits eingeführt worden ist. Allerdmgs sind hier 1