Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1937-07-01 · 7 (7.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
7 (7.1937)
Date
1937-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492337-5771060-5771265--494-4883288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Rocht dos alteren Angefteilten Wirtschaftliche Betätigung formt den Menschen, sie prägt seine seelische und geistige Haltung, sie ist bestimmend für die Fundamen tierung nicht nur seines eigenen Lebern, sondern auch für das Leben eines ganzen Familienkreises. Die Familie ist die Zelle, au* der jede Gemeinschaft ihre Kraft schöpft, und damit der wichtigste Bestandteil im Dasein eines Volkes oder einer Gemeinschaft. Das ist uralte jüdische Erkenntnis, von Oeneration zu Generation übernommen. Jede Zeit erfordert aber andere Hilfsmittel zur Erhaltung der Familie, und es wird ein Ruhmesblatt in der jüdischen Geschichte bleiben, daß das organisierte Judentum, sei es in der Gemeinde oder in den zentralen Körperschaften, durch letzten Einsatz aller materiellen und ideellen Mittel die Oesunderhaltung der Familie unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten gefördert hat. Die Zedakah hat ihren tiefsten und letzten Sinn erst dann erfüllt, wenn sie nicht nur den Menschen „unterstützt", sondern ihm einen seelischen Halt durch Einordnung in den Wirtschaftsprozeß gibt. Es braucht hier nicht aufgezeigt zu werden, in welchem Ausmaße die jüdischen Körperschaften und insbesondere die Berliner Oemeinde Einrichtungen zur Behebung jüdischer Wirtschaftsnot geschaffen haben. Aber auch ihrer Kraft sind Grenzen gesetzt. Es gehört daher zur vornehmsten sozialen Verpflichtung jedes einzelnen Qemeindemitgliedes, die Oemeinde in dem Bestreben, möglichst vielen eine wirtschaftliche Funktion zu vermitteln, nicht nur durch billiges Wohlwollen sondern durch die sichtbare Tat zu unterstützen. In dieser Richtung bewegte sich eine Anfrage des Mitglieds der liberalen Fraktion der Berliner Repräsentantenversammlung Dr. London in der Sitzung am 30. Juni 1937. Der Referent wie auch andere Mitglieder, insbesondere das Mitglied unserer Organisation Walter Call mann, schilderten in bewegten Worten das Los der älteren Angestellten. Sie appellierten an das Oewissen und an die AHgerneinverbindfichkert der jüdischen Betriebsinhaber. Sie forderten mit Recht bei Einstellung von Personal eine stärkere Berücksichtigung der älteren Angestellten. Die Anfrage wurde vom Vorsitzenden der Jüdischen Oemeinde Direktor Stahl beantwortet. Er wies nach, daß da* Los der älteren Angestellten die Oemeinde mit tiefer Sorge erfülle, und daß vom Dezernat der Wirtschaftshilfe alles unternommen wurde und weiter unternommen wird, um die Arbeitslosigkeit auf ein möglichst geringes Maß herabzuschrauben. Die Gemeindeverwaltung selbst sei bei der Einstellung von Personal, wobei ältere Menschen vorzugsweise berücksichtigt wurden, bis an die Grenze Ihrer Aufnahmefähigkeit und ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit gegangen. Es wurde zum Schluß eine viergliedrige Kommission, der unsere Mitglieder Louis W o I f f und Walter C a 11 m a n n angehören, gewählt, die vor eine der schwersten Aufgaben gestellt ist. Werden die jüdischen Betriebsinhaber endlich von der Notwendigkeit jüdischer Substanzerhaltung durchdrungen sein und in weit größerem Umfange auf die Einstellung itterer Angestellter zurückgreifen? Das ist die Frage, die nur positiv beantwortet werden darf. L.W. m»lfiDitf|aioftlid|M ßonjunhfurbDComßter Das erste Halbjahr 1037 hat einen kräftigen Aufschwung der Welterzeugung und des Welthandels gebracht. Zwar nehmen an der Belebung des Handels noch nicht alle Länder teil, und vor allem sind auch Orid und Tempo der Aufwirtsbewegung in den einzelnen Ländern verschieden. Zu den wenigen Ländern, in denen die wirtschaftliche Lage noch immer gedrückt ist, werden Frankreich und Pa litt in« gezählt. Ob und wann ea in Palistina gelingen wird, über die gegenwärtige Stockung des wirtschaftlichen Aufbau* hinwegzukommen, wird in erster Linie von der weltpolitischen Entwicklung abhingen. Du bemerkenswerteste Kennzeichen der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Konstellation ist der allmähliche Liebergang von der Biiuienmarktkonhinktur zu einem allgemeinen Aufschwung, an dem insbesondere auch der Welthandel teilnimmt Die außerordentlich lebhafte Nachfrage nach Rohstoffen hat an den Weltmärkten bereits eine ziemlich allgemeine Steigerung der Preise hervorgerufen. Allerdings sind bis jetzt die Rohstoffpreise und die Preise der Agrarerzeugnisse stärker als die der industriellen Fertigwaren gestie- (ten. Man darf wohl damit rechnen, daß hier in nicht allzu anger Zeit ein Ausgleich eintreten wird. Auf der anderen Seite kann man schon Jetzt beobachten, daß übertriebene Preissteigerungen, insbesondere solche spekulativen Ursprungs sehr schnell Heuung finden. Das ist ein Zeichen für die innere Qesundheit und solide Fundamentierung der Konjunktur. Mm Ist daher der Ansteht, daß die Oefanr eines wirklichen Rückschlags als gering, und die Fortdauer des Aufstiegs vorerst als gesichert angesehen werden kann. Auch der belgische Ministerpräsident van Zeeland, der bekanntlich mit wichtigen Aufgaben auf dem Oebiete der Förderung der zwischenstaatlichen Handelsbeziehungen und des Abbaues der Handelshemmnisse betraut ist, betonte kürzlich, daß die große Krise, die in den letzten Jahren die ganze Welt so tief erschüttert hat, anscheinend zu Ende sei. Zu den Folgen der Belebung des Welthandels darf man auch die Tatsache rechnen, daß die Devisenzwangswirtscnaft den Warenaustausch nicht mehr so stark behindert wie während der Krise. Zu einer Aufhebung der devisenzwangswitschaftlichen Maßnahmen ist es freilich noch nirgends gekommen. Zu den wichtigen Themen, die auf der Berliner Tagung der Internationalen Handelskammer behandelt wurden, gehörte jedoch auch die Wiederherstellung einer Währungsordnung, und in einer Entschließung wurde auf die Notwendigkeit einer Stabilisierung der Devisenkurse hingewiesen. Unter den Lindern, in denen die Steigerung der Intdustrieerzeugung ein besonders schnelles Tempo angenommen hat, wird außer Japan auch Chile genannt Ganz allgemein ist festzustellen, daß die Industrialisierung in den letzten Jahren in den überseeischen Lindern größere Fortschritte als in den europäischen gemacht hat. Das ist eine Tatsache, die auch für die Lenkung der jüdischen Auswanderung nicht ohne Bedeutung ist. T)as tägliche facht Einbehaltung des Arbeitsbuches. Grundsätzlich darf das Arbeitsbuch nicht einbehalten werden, jedoch ist in einer Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplans vorgesehen worden, daß in der Eisen- und Metallwirtschaft, dem Baugewerbe, der Ziegelindustrie und in der Landwirtschaft der Unternehmer im Falle einer unberechtigten vorzeitigen Losung des Arbeitsverhältnisses durch das Gefolgschaftsmitglied das Arbeitsbuch bis zu dem Zeitpunkt zurückbehalten kann, in dem die Beschäftigung im Falle einer ordnungsmäßigen Lösung des Arbeitsverhältnisses enden würde. Der Arbeitnehmer ist gegen unberechtigte Zurückhaltungen durch die Möglichkeit der Erlangung einer einstweiligen Verfügung auf Herausgabe beim Arbeitsgericht geschützt Anbletungspflicht von Gold. In oder außer Kurs befindliche Goldstücke gehören nach einer neueren Entscheidung des Reichsgerichts auch Im Falle einer Erbschaft zu denjenigen Werten, die 3 Tage nach dem Erwerb der örtlichen zuständigen Reichsbankanstalt anzubieten und auf Verlangen zu verkaufen oder zu übertragen sind — ohne Rücksicht darauf, ob diese Werte die Freigrenze erreienen oder nicht. Der Umfang der Preisstop-Verordnung ist ein weitgenender. Er umfaßt auch Leistungen aller Art, insbesondere Verträge über Güter- und Personenbeförderung, Mieten und Pachten, kulturelle Leistungen u.a.m. Selbst Versicherungsprämien, Vereinsbeitrige, Gebühren und Kurtaxen sind an die Preisstop-Verordnung gebunden. Regelung der Herstellung echter Silberwaren. Die Herstellung von echten Silberwaren mit einem höheren Feingehart als 835 000stel ist auch für das Inland zugelassen, sofern der Wert des in dem einzelnen Gegenstände enthaltenen Feinsilbers 25 Prozent des Verkaufserlöses naen Vornahme aller Abzüge nicht übersteigt. DI* Bezeichnung Fremdenhelm ist auf Grund einer Anordnung des Präsidenten des Fremdenverkehrsverbandes anstelle der Ausdrücke Pension und Privatpension einzuführen. Dr. jur. Manfred Meyer. Sonstige Entwicklung des Kreditvereins Die Bank de» jüdischen Mittelstande» Kreditverein f ilr H a nd e I und Ocw e r be e.G.m.b.H., Berlin, hielt am 5. Juli d. f. unter dem Vorsitz des Herrn Gustav Zamorv ihre 9. ordentliche Generalversammlung ab. Der Jahresabschluß für das Jahr 1936 wurde einstimmig genehmigt, dem Aufsichtsrat und Vorstand wurde Entlastung erteilt - Au* dem Geschäftsbericht, der von Herrn Direktor J a u 1 u s erstattet wurde, geht hervor, daß sich die Bank weiter sehr günstig entwickelt hat und daß der Umsatz im Jahre 1936 um rund 63 Prozent von 32 Millionen Reichsmark im Jahre 1935 Ällf 53 Millionen Reichsmark im Jahre 1936 gestiegen ist. — Die Mitgliederzahl betrug 316 mit 385 Anteilen am 31. 12. 1936 gegenüber 246 mit 306 Anteilen am 31. 12. 1935 Inagesamt betrug die Kontenzahl etwa 800. Die durch den Verband brandenburgischer gewerblicher Genossenschaften e. V., Berlin, vorgenommene gesetzliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.