Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1937-06-01 · 6 (6.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
6 (6.1937)
Date
1937-06-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492337-5771060-5771263--479-4883275
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Beuthen O/S Herr Arthur Rosenthal, Mitinhaber der Firma Louis Rosenthal m Beuthen, konnte am 1. April d. J. die fünfzigste Wiederkehr des Tages festlich begehen, an dem er in Frankfurt a. O. als Steinmetz in die Lehne trat Er hat diesen Beruf nicht allein aus Tradition, sondern auch aus besonderer Liebe zu ihm gewählt. Das Stammhaus der Firma ist vor zweihundert Jahren in Brieg gegründet und im Jahre 1873 nach Beuthen verlegt worden. Seit langen Jahren besteht auch in Kattowitz eine Zweigniederlassung. In beiden Städten zusammen werden mehrere hundert Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Neben seiner vielseitigen geschäftlichen Tätigkeit fand Herr Arthur Rosenthal noch Zeit, die umfangreiche Arbeit als Vorstandsmitglied bzw. als Vorsitzender des „ V e r - eins'zur Förderung des Handwerks unter den Juden" zu feisten. Oleich seinem Vater hat er es stets als eine seiner Aufgaben angesehen, jüdischen Menseben im Handwerk durch produktive Mittel zu helfen. Wir wünschen dem Jubilar, daß er noch recht lange Jahre seine wirtschaftliche wie seine ehrenamtliche Tätigkeit fortsetzen möge. Breslau Im Mai 1937 konnte Kollege Ofenbaumeister Eduard lsaac, Breslau, sein 25jähriges Geschäfts Jubiläum feiern. Die Ortsgruppe Breslau und wir wünschen ihm aus diesem Anlaß viel Glück. Jahresbericht. Die Arbeit unserer Ortsgruppe war wie bisher in der Hauptsache der Arbeitsbeschaffung und Werbung für das jüdische Handwerk, der Förderung der handwerklich tätigen jüdischen Jugend sowie der sozialen und wirtschaftlichen Beratung unserer Kollegen gewidmet. Während vor 1936 durch die Gemeinde dem Handwerk mehrfach bedeutsame Aufträge zuflössen, blieb die Auftragserteilung im Jahre 1936 nur im üblichen Rahmen. Wir erkennen aber gern an, daß die zuständigen Stellen der Gemeinde nach Möglichkeit die Arbeitsbeschaffung gefördert haben und dankeninsbesondere unserem Vorsitzenden, Herrn Hugo Spanier, dem Vorstandsmitglied der Gemeinde und zuständigen Dezernenten, für seine aufopfernde und mühevolle Tätigkeit im Interesse der Oesamtgemeinde und unseres Standes. Wir hoffen, daß die Qcmelndctnstanzcir auch- ■ in diesem Jahre eine umfangreiche und systematische Arbeitsbeschaffung vornehmen werden, und daß auch diejenigen Mitglieder des Oememdevorstandes, die noch nicht völlig zu der Ueberzeugung gelangt sind, wie notwendig in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht derartige öffentliche Auftragserteilungen sind, ebenfalls das ihrige dazu beitragen werden, neue Aufgaben und Aufträge zu diesem Zwecke zu ermöglichen. Arbeitsbeschaffung für das Handwerk bedeutet ja nicht allein Auftragserteilung an den einzelnen Handwerker, sondern bedeutet zugleich auch Lehrstellenbeschaffung und damit Berufs- und Auswanderungsförderung für die jüdische Jugend. Ebenso wie von den Oemeindegremien sollte auch von den einzelnen Gemeindemitgliedern, soweit sie ah Hausbesitzer, Hausverwalter, Betriebsunternehmer und Inhaber von Wohnungm dazu Gelegenheit haben, das Handwerk im Rahmen des Möglichen ausreichend beschäftigt werden. Oerade auf diesem Oebiete kann noch viel geleistet werden und kann das Gemeinschaftsgefühl sich wirksam und nachhaltig betätigen. In einer großen Reihe von Fällen wurden Vorstandsmitglieder und andere Mitglieder unseres Vereins sowie die Geschäftsführung von der Oemeinde zur Mitarbeit oder zu sachverständiger Beratung herangezogen. Diese Tätigkeit bewegte sich namentlich auf den Gebieten der Wirtschaftsberatung, der Berufsausbildung und der sozialen Fürsorge. In unserer Jugendgruppe ist erfreulicherweise ein Stamm von jugendlichen Mitgliedern vorhanden, die unsere wöchentlichen Veranstaltungen regelmäßig besuchen und hier nützliche Arbeit leisten. Unsere Jugendgruppe kann aber erst dann eine ideale Einrichtung werden, wenn unsere Mitglieder und Kollegen alle ihre jugendlichen Oehilfen und Lehrlinge dazu anregen, Mitglieder der Jugendgruppe zu werden und mindestens an einem Pflichtabend in jedem Monat teilzunehmen. Zur Jugendarbeit gehört auch die Teilnahme an den theoretischen Kursen, die von der Beratungsstelle der Oemeinde zur Ergänzung der Lehre und zur Förderung der Auswanderung veranstaltet werden. Wir bitten unsere Mitglieder, ihre Lehrlinge auch zur Teilnahme an diesen Kursen anzuhalten. Wir haben uns angelegen sein lassen, unsere Mitglieder auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet nach Kräften zu beraten. In vielen Fällen konnte auch wirksame Hilfe geleistet werden. Ergänzend bemerken wir noch, daß wir je eine Führung durch das Jüdische Museum unter Leitung des Herrn Studienrats i. R. Willi Cohn und durch die Holzbearbeitungsfabrik des Kollegen Kaliski veranstaltet haben. Mit unserer Zentrale in B er 1 in waren wir in ständiger fruchtbarer Verbindung und haben durch sie 'jederzeit größte Förderung erfahren. Ganz besonders wichtig ist die Ausgestaltung unseres Verbandesorgans, das anerkanntermaßen als Handwerker- und Mittelstandsblatt wichtige und aktuelle Anregungen bringt und sich allgemeiner Anerkennung und Beliebtheit erfreut. Wir veranstalteten im letzten Jahre Mitglieder-Versammlungen, Vorstandssitzungen, Ausschuß- und Propagandaausschuß-Sitzungen. Die Jugendgruppe hat eine Reihe von Vortragsabenden veranstaltet. Durch den Tod verloren wir folgende Mitglieder: Dekorateur Adolf Müller, Installationsmeister Bruno Cohn, Rabbiner Dr. Simonsohn, Klempnermeister Max Appel und Malermeister Felix Simenauer. Durch Auswanderung schieden 5 Mitglieder aus. Das Jahr 1936 war wiederum ein Jahr der Arbeit und der Bemühungen um die Existenzsicherung unserer Kollegen. Zum Schluß wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß auch innerhalb des Kollegenkreises eine noch regere gegenseitige Unterstützung notwendig ist. Auf diesem Oebiete kann, insbesondere bei der Austindigmachung und Vergebung von Aufträgen, viel mehr Kollegialitätsgefühl gezeigt werden. Danzlg Der in Danzig ansässige Klempner- und Installationsmeister Sally Danelius beging am 5. April seinen 70. Geburtstag. Er entstammt einer alten jüdischen Handwerkerfamilie, die früher in Pommern lebte. Sein Großvater war Gerbermeister, sein Vater Goldarbeiter. Er selbst erlernte in Stolp in Pommern das Klempnerhandwerk, ging dann, im Jahre 1884 auf Wanderschaft nach Mitteldeutschland, um sich in seinem Fache zu vervollkommnen. Im lahre 1893 machte er sich in Stolp selbständig, bestand drei Jahre später die Klempnermeister-Prüfung sowie die Prüfung als Installationsmeister. Da er als besonders tüchtiger Handwerker galt, übertrug ihm die Innung später das Amt eins Lehrlingsprüfungsmeisters, und der Regierungspräsident in köslin ernannte ihn zum Prüfungsmeister für die in dem Regierungsbezirk abzulegenden Meisterprüfungen. Danelius hat dieses Amt viele Jahre lang gewissenhaft ausgeübt. Im Jahre 1913 wurde ein von ihm erfundener Meßapparat patentiert. Während des Krieges siedelte er nach Danzig über und führte dort u. a. größere Arbeiten auf der früheren kaiserlichen Werft und dem Flughafen Langfuhr aus. Auf der Schichauwerft baute er als Privatmeister mit einer Gefolgschaft von 30 Mann auf dem Dampfer „Columbus" selbstangefertigte Luftzufuhrkanäle in die einzelnen Kabinen ein. Anläßlich seines 70. Geburtstages sprach ihm eine Abordnung im Namen der Vereinigung selbständiger judischer Danzlger Gewerbetreibender und Handwerker herzlichste Olückwünsche aus, denen auch wir uns anschließen. Düssoldorf Unser langjähriges Mitglied, Herr Arthur Jonas. Düsseldorf, Luisenstraße 122 feierte am 20. Mai 1937 sein ^jähriges Oeschäftsjubiläum. In dieser Zeit hat der Kollege Jonas sich das Vertrauen weitester Kreise auch außerhalb Düsseldorfs erworben und durch Fleiß und vorbildliches kaufmännisches Verhalten sein Unternehmen ständig vergrößert. Wir wünschen unserem Kollegen auch an dieser Stelle, daß er mit seinem Sohn noch recht lange Jahre tätig sein möge und auch seine wertvolle Arbeit am Gedeihen des Vereins uns erhalten bleibt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.