Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 4 (4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ms im Hotulwetket-VedaHd Der am 23. März 1937, im Brüdervereinshaus stattgefundene O es e lisch afts abend erfreute sich eines guten Besuchs durch unsere Mitglieder und deren Angehörige, sowie aus dem Kreise der Freunde unserer Handwerks- und MHtetetands-Organisationen. Nach längerer Pause bot dieser Abend wieder einmal die Möglichkeit, im Kollegenkreise einige nette und unterhaltsame Stunden zu verleben. Erst lange nach Mitternacht trennte man sich voneinander, ein Zeichen dafür, daß dieser langerwartete Abend den Teilnehmern gefallen hat. Die Buchhandlung Martin Salomon zeigte in ekler kleinen Ausstellung einen Teilausschnitt aus ihrem umfangreichen Sortiment auf dem Gebiete der Fachliteratur, Lexika, Sprachkunde, Informationsliteratur für Auswanderer, Judaica, Gebetbücher u. a. Unser Mitglied, der Direktor des Kreditvereins für Handel und Gewerbe, Herr Alfred Jaulus, hat sich mit Frau Lotte Steinverlobt Als langjähriger Förderer des Handwerker-Verbandes und Vorstandsmitglied des Mittelstan)ds-Verbandes hat* sich Alfred Jaulus jederzeit für die Interessen unserer Mitglieder tatkräftig eingesetzt. Nicht nur als Repräsentant der Jüdischen Gemeinde, sondern auch an allen anderen Stellen des jüdischen Lebens wirkt er führend mit. Wir sprechen unserem bewährten Freunde auch an dieser Stelle unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Hannover Generalversammlung In der Generalversammlung am 20. Februar 1937 erstattete der Vorsitzende unserer Ortsgruppe, Koll. Paul G o 1 d - mann, einen Jahresbericht, aus dem wir die nachfolgenden Ausführungen über die Berufsausbildungsfrage nachtragen wollen: Im Brennpunkt der schwierigen Berufsausbildungsfrage steht, soweit das deutsche Judentum in Frage kommt, beute das Handwerk. Das ist darauf zurückzuführen, daß die Jugend der in Deutschland wohnenden Juden in immer größerem Umfange sich dem Handwerk widmet. Hierbei sollte aber nicht an die rehler vergessen werden, die in früheren Jahren begangen worden sind. Der Hauptfehler war der, einen Berufsstand oder eine bestimmte Gruppe von Berufen über das normale Maß hinaus zu belasten. Eine solche bevorzugte Belastung des Handwerks ist nicht tragbar und müßte zu neuen Mißerfolgen führen. Notwendig ist es in erster Linie, die jungen Menschen so sorgsam wie möglich auszubilden. Kommen doch heute schon Klagen, daß die in Kurzlehren ausgebildeten Berufstätigen eine untragbare Belastung; ja sogar eine Gefahr für das Ansehen unseres Standes bilden. Man will verschiedentlich in überseeischen Ländern keine jüdischen Handwerker mehr einstellen, wenn sie nicht eine berufliche Betätigungszeit von 5—6 Jahren nachzuweisen vermögen. Darum sollten die Eltern der Jugendlichen und auch die Umschichtler daran denken, daß ihre Zukunft keineswegs sicher ist, wenn sie nicht durch eine gründliche, mindestens dreijährige Lehrzeit die nötigen beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse erworben haben. Gewiß ist die Unterbringung von Lehrlingen heute außerordentlich schwierig. Um dieser Schwierigkeit Herr zu werden, haben verschiedene Oroßgemeinden eigene Lehrwerkstätten eingerichtet. Auch hier in Hannover wird man wahrscheinlich etwas Aehnüches schaffen. Das vorliegende Projekt wird zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit unterbreitet werden. Natürlich ist damit den Eltern und Jugendlichen, die heute vor schweren Entscheidungen stehen, nicht gedient. Es ist für uns unendlich niederdrückend, wenn wir gefragt werden: Was sollen wir denn mit unserem Kinde anfangen? Hier wirkt sich häufig die Tragik des Judeseins aus. Man möchte so gern helfen, aber allerwegen sind die Tore verschlossen. Darum richten wir an alle Handwerkskollegen den Appell, sich der Verpflichtung und Verantwortung für den jüdischen Nachwuchs bewußt zu sein. Jeder unter uns, der die Qualifikation und Berechtigung hat, Lehrlinge auszubilden, hat auch die Pflicht, alle Lehrstellen, die in seinem Betriebe entfallen, nestlos zu besetzen. Wer sich dieser Forderung entzieht, der hat auch kein Anrecht, von unsern Glaubensbrüdern zu verlangen, daß sie ihn mit Arbeit unterstützen. Sicherlich hat ein Jeder unter uns heute schwer um seine Existenz zu ringen. Aber je schwerer die Zeit auf uns lastet, desto größere Opfer müssen wir auf uns nehmen. Mitzuhelfen in einer Zejt, in io der es uns gut geht, ist kein Opfer. Opfer sollen fühlbar sein. Die Kollegen dürfen sich heute der Not ihrer Brüder nicht verschließen, sondern müssen die Tore ihrer Werkstätten weit aufmachen. Es darf keinen jüdischen Handwerksmeister geben, der nicht alle auf seinen Betrieb entfallenden Lehrstellen besetzt hat. Hier darf es keiner*« Ausrede geben. Jeder hat durch die Tat zu beweisen, daß er die Zeit und ihre Nöte versteht und demgemäß handielt. Für manchen mag das unbequem sein, aber Jude sein ißi nie bequem gewesen. Es verlangt den ganzen Menschen. Aber es gibt uns auch unendlich vier, wenn wir seinen Ruf verstehen. Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker in Köln hatte zum 23. März 1937 seine Mitglieder zur Generalversammlung nach dem Gemeindehaus berufen. Koll. Isi Levi begrüßte die Anwesenden und besonders zwei neue Mitglieder, die Herren Gans und Arnold. Nach Verlesung des Protokolls, der vorigen Versammlung berichtete der Versammlungsleiter über das verflossene Geschäftsjahr. Er gab u. a. bekannt, daß leider nicht allmonatlich eine Versammlung stattfinden konnte, daß vielmehr im ganzen Jahre nur vier Mitgliederversammlungen veranstaltet wurden. Wenn auch infolge dieser geringen Zahl der Zusammenkünfte die Fühlungnahme zwischen Mitgliedern und Vorstand nicht so eng war, wie wir sie wünschen, so hat der Vorstand trotzdem gerade im letzten Jahre eine sehr umfangreiche Arbeit geleistet. Er hat in zahlreichen Besprechungen Vereinsgeschäfte erledigt und die Mitglieder in einer Reihe von Rundschreiben auf dem Laufenden gehalten. Die Werbung zwecks Arbeitsbeschaffung für unsere Mitglieder nahm einen großen Raum in unserer Vereinsarbeil ein. Ferner gaben wir auch in diesem Jahre wieder den bekannten Kalender heraus, der überall großen Anklang gefunden hat. Im Gemeindeblatt sowie im Kulturbund-Heft erscheint fortlaufend eine Anzeige: „Gebt unserem Handwerk Arbeit!" Der größte Erfolg des Jahres war wohl die vierseitige Beilage „Stimme des Handwerks" im Gemeindeblart. Wir glauben, auch an dieser Stelle sagen zn dürfen, daß unser Verein in Bezug auf Werbung und Eintreten für seine Mitglieder an erster Stelle steht Die Gründung einer Lehrlingsgruppe ist bisher noch nicht mit dem wünschenswerten Erfolge durchgeführt worden. Auch in diesem Jahre veranstalteten wir eine Chanukkah-Bescherung der Lehrlinge. 65 Lehrlinge erhielten Berufskleidung, Süßigkeiten und freie Bewirtung. An den Sozialarbeiten der Gemeinde beteiligten wir uns wiederum, ferner an der Winterhilfe durch Abgabe von Gutscheinen und Barzuweisungen.. Die Mitglieder unserer Frauengruppe fertigten Wäsche usw. an, die zu Chanukkah an Bedürftige verschenkt wurde. Unsere Unterstützungskasse konnte durch Ausgabe von kleinen Darlehen und sonstigen Zuwendungen an unsere Mitglieder segensreich wirken. Besonders erwähnt sei noch, daß wir nunmehr wieder durch unseren Kollegen Leo Wolff in der Repräsentanz der Gemeinde vertreten sind. Nach der Verlesung des Jahresberichts dankte Koll. Hugo Hermann im Namen des Vereins den Kollegen Isi Levi und Nethe für ihre aufopfernde Tätigkeit. Koll. Isi Levi dankte auch den übrigen Vorstandsmitgliedern für die Arbeit, die sie im Laufe des Geschäftsjahres im Interesse des Vereins §eleistet haben. Es folgte' dann die Neuwahl der ausscheienden Vorstandsmitglieder. Die Kollegen Erich Steiner. Leo Wolff und Leopold Franken wurden einstimmig wiedergewählt, der Erstgenannte zum Schriftführer, die beiden anderen zu Beisitzern. Zu Kassenrevisoren wurden die Kollegen Karl Katz und Alfred Ooldberg gewählt. Zum Schluß folgte noch eine recht angeregte Aussprache. Danzig " Am 9. März fand die diesjährige Hauptversammlung der Vereinigung selbständiger jüdischer Gewerbetreibender im Restaurant „Mignon" statt. Der Vorsitzende, Herr Jonas, erstattete einen ausführlichen Tätigkeitsbericht. Aus ihm ging hervor, daß Im letzten Jahre erfreulicherweise weniger ein gaben an die Behörden eingereicht zu werden brauchte als im vorangegangenen. Das eingesetzte Schiedsgericht wurJ öfter jn Anspruch genommen und hat die Erwartungen die in seine Tätigkeit gesetzt worden waren, durchaus e füllt. Ueber die gegenwärtige wirtschaftliche und rechtlic Lage der Juden m Danzig berichteten sodann die Herr Thal mann und Dr. Ruhm. Den Kassenbericht erstatte Herr M i r a u e r.