Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 2 (2.1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin Im 81. Lebensjahre verstarb am 30. Januar unser lieber Kollege Vergoldermeister Adolph Rehfeldt Nümbergerstr. 27. Seit Jahrzehnten gehörte er unserer Organisation an und hat noch bis in die letzte Zerf große* Interesse an unsem Bestrebungen gezeigt Zu seinem 80. Geburtstag konnten wir ihm anläßlich eines geselligen Zusammenseins, an dem er teilnahm, unsere Glückwünsche persönlich zum Ausdruck bringen. Kollege Rehfeldt war das Urbild des alten ehrwürdigen Handwerksmeisters, der diese Tradition auf seinen Sohn, den Glasermeister Leo Rehfeldt übertragen hat. Unerwartet erreichte uns die Mitteilung vom Ableben der Kollegin Schneidermeisterin Eugenie Goldschmidt Motzstr. 43, die uns noch kurze Zeit vor ihrem Ableben in unserer Geschäftsstelle aufsuchte. In den wenigen Jahren ihrer Zugehörigkeit hat sie an unsern Veranstaltungen mit Interesse teilgenommen und dank ihres liebenswürdigen Wesens Freunde in diesem Kreis gefunden. Wir werden den Dahingeschiedenen ein ehrendes Andenken in unserer Mitte bewahren. *■ Am 3. Februar konnten Kollege Mützenmacher Elias Mandelbrod und Gattin da» Fest ihrer Silberhochzeit feierlich begehen. Auch an dieser Stelle möchten wir dem Silberpaare herzlichst gratulieren und ihm für die Zukunft alles Oute wünschen; Beuthen O/S 25 Jahre Ortsgruppe Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens veranstaltete die Ortsgruppe Beuthen am Sonntag, den 31. Januar 1937, in der großen Synagoge eine Feier. Die Festansprachen wurden von den Herren Prof. Dr. Oolinski und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, Herrn Louis Wolf f- Berlin gehalten. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Ausgabe unseres Blattes. Breslau Das Jahr 1937 begann für unsere Ortsgruppe mit einer Anzahl von Betriebsjubiläen. Des hundertjährigen Bestehens der Firma David Bley, deren Inhaber G I as e r m e i s t e r Hugo Spanier ist, wurde bereits in der vorigen Nummer dieser Zeitschrift gedacht Ferner feierte der Schlossereibetrieb Armer sein fünfzigjähriges Jubiläum. Er wurde vom Vater des jetzigen Inhabers, des Schlossermeister Georg Armer, im Jahre 1887 gegründet. Koll. Armer war auch Mitbegründer unseres Breslauer Handwerker-Vebandes und gehört zu denjenigen unserer Mitglieder, die durch rege Anteilnahme unsere Verbandsarbeit fördern. Eine Reine von Lehrlingen ist aus diesem Betriebe, der sich in unserer Stadt des besten Rufes erfreut, hervorgegangen. Am 1. Februar beging unser Ehrenmitglied und früherer Vorsitzender, Koll. Moritz Wolff, das fünfzigjährige Meisterjubiläum. Auch er hat sich um die Breslauer Ortsgruppe große Verdienste erworben und betätigt sich heute noch sehr lebhaft in unserer Arbeit. Eine Reihe von Jahren1 war Koll. Wolff auch Repräsentant der Synagogengemeinde. Zu den jungen Jubilaren zählt unser Kollege Josef Herold, dessen Malergeschäft vor einiger Zeit das 25jährige Bestehen feiern konnte. Auch diese Tatsache ist in unserem Blatte schon erwähnt worden. Koll. Herold zählt zu den namhaftesten Unternehmern in diesem Handwerk und ist ebenfalls reger Mitarbeiter in unserem Vorstand. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch erwähnen, daß unser Ehren- und Gründungsmitglied KolL M. B. B e h r am 10. Januar gemeinsam mit seiner Oattin das seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern konnte. Trotz hohen Altera erfreut sich das Jubelpaar bester Gesundheit und voller feisllger Frische. — Koll. Bäckermeister Ludwig Hirschik und Frau feierten vor kurzem ihre Silberhochzeit. Alle diese Jubiläen wurden in unserer Mitglieder-Versammlung vom 2. Februar 1937 in gebührender Weise gewürdigt Koll. Spanier eröffnete die Sitzung, wies auf die erwähnten Jubiläen hin und widmete den Jubilaren herzliche Worte. Anschließend gedachte Koll. Optikermeister io Oarai des bedeutsamen Jubiläums des KolL Spanier, unseres bewährten Vorsitzenden. Er machte auf die Seltenheit eines hundertjährigen Jubiläums im jüdischen Handwerk aufmerksam und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß gerade unser Kolf Spanier es sei, der die Tradition eines so alten Unternehmens würdig fortsetzen könne. In dieser Versammlung hatten wir die Freude, unseren Koll. Louis Wolff aus Berlin begrüßen zu können. In einem Referat über das Thema „Querschnitt durch die Berufsstruktur des Judentums" schilderte Koll. Wolff mit bekannter Anschaulichkeit und Lebendigkeit die Entwicklung auf dem Oebiete der Berufszusammensetzung. Er begann mit der Feststellung, daß man in früheren Jahren m Ortsgruppen-Versammlungen des Zentralverbandes selten Mitglieder des Vorstands der Synagogengemeinde habe begrüßen können. Heute dagegen könne er Herrn Ludwig Markowicz. der als Dezernent des Wohlfahrtsamtes der Oemeinde und gleichzeitiges Mitglied der Ortsgruppe Breslau erschienen sei, begrüßen. Auch das sei ein äußeres Zeichen dafür, daß sich die Stellung zum jüdischen Handwerk unter den Juden in Deutschland wesentlich gewandelt habe. Alles dränge nun aber auf einmal zum Handwerk, obwohl vor nicht zu langer Zeit eine ganz andere Anschauung bestanden habe. Besondere Bedeutung habe infolgedessen die Frage der Berufsausbildung der Jugend gewonnen. Unsere Handwerksbetriebe haben sich, soweit es in ihren Kräften stand, bemüht, der jüdischen Jugend die Tore zu öffnen. Doch müsse man jetzt dazu übergehen, die Berufsauslese und -Ausbildung auf eine neue Weise zu organisieren. Hierbei werde es sich nicht vermeiden lassen, mangels einer ausreichenden Zahl von .Betriebs-Lehrstellen künftig die Schaffung von Lehrwerkstätten mit aller Kraft zu fördern, da diese angesichts des großen Bedarfs an Lehrstellen und des verhältnismäßig geringen Angebots unentbehrlich seien, um die Vorbildung für die Auawanderung vorwärtszutreiben. Er schilderte alsdann das Wesen und die Aufgaben der Lehrwerkstätten, wobei er freilich auch betonte, daß sie alle die Betriebslehre nicht voll ersetzen könnten. Im zweiten Teil seiner Ausführungen schilderte der Vortragende die Entwicklung des Berufslebens im Judentum unter geschichtlichen Gesichtspunkten im einzelnen und zeigte an Beispielen die Notwendigkeit einer Umstellung der Berufszusammensetzung, da nur hierdurch endlich eine gesunde jüdische Berufsstruktur erreicht werden könne. Er schilderte weiter, wie im Auslande durch jüdische Organisationen versucht wird, Unterbringung*- und Ausbildungsmöglichkeiten für Juden zu schaffen, und von welchen Gesichtspunkten man hierbei ausgehen müsse. An den mit großem Interesse und Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine eingehende Aussprache an, in der neben einer Reihe von Kollegen Herr Markowicz beachtenswerte Vorschläge und Anregungen gab. Er schlug vor, daß Ihm au» Handwerkerkreisen Material für die Arbeitsmöglichkeiten in den einzelnen Berufen anhand gegeben werden möge, damit dieses Material dann für die Oememdearbelt auf dem Oebiete der Arbeitsbeschaffung nutzbar gemacht werden könne. Eingangs erläuterte der Geschäftsführer, Herr Dr. H1 r s c h f e i d , die wichtigsten wirtschaftlichen Bestimmungen und Anordnungen auf dem Oebiete des Arbeitseinsatzes, der Preisregelung, der Kalkulation, der Vorschriften für den Vierjahresplan, sowie der Tarifänderungen. Köln Zu einem zwanglosen Beisammensein trafen sich die Damen und Herren der Ortsgruppe am 9. Dezember 1936, um der Chanukkahbescherung ihrer Lehrlinge beizuwohnen. Es wurden ca. 65 Lehrlinge der Mitglieder beschert. Nach der Begrüßungsansprache des Koll. Isi Levi, der auf die Bedeutung des jüdischen Handwerks gerade in heutiger Zeit hinwies, wurden die Lichter angezündet Nach der Entzündung sorgten die Lehrlinge für den unterhaltenden Teil. Es war erfreulich mit anzuhören, wie die Jugend die Zeit verstanden hat, und mit welchem Stolz Immer wieder der Beruf betont wurde. Em schönes Bild ist es für uns Meister gewesen, noch einmal die Jugend an uns vorbeiziehen zu sehen. Danach fand die Bescherung der Lehrlinge statt Alle Lehrlinge, Jungen und Mädel, erhielten Berufskleidung und, je nach Bedarf, noch Wäsche, Schuh« oder sonstige Kleinigkeiten, — nicht zu vergessen die Chanukkahtüte. Zum Schluß wurden alle bewirtet, und man sah der Jugend an, wie stolz sie war, mit Meister und Meisterin m gemütlichem Kreise beisammensitzen zu können. ^^EKMSBB^^KMB&EB^KK^KHtBBKfä&Sz*