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Der jüdische Handwerker · 1937-02-01 · 2 (2.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
2 (2.1937)
Date
1937-02-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Im Wesen des jüdischen Oemeindegedankens war diese Beschränkung freilich niemals begründet. Das Judentum kennt keine Trennung zwischen dem Kultus und den anderen Lebenegebieten. Es will den ganzen Menschen erfassen, um sein Leben nach bestimmten religiössittlichen Grundsätzen zu formen und zu regeln. Da« arte Wort, in welchem gesagt wird, daß zuerst die Lebensgrundlagen des Menschen gesichert sein müssen, bevor er ,,philosophleren" d. h. sich mit ideellen Dingen befassen kann, hat auch für die Tätigkeit der jüdischen Oemeinden unbedingte Geltung. Schon di« hervorragende Stellung, die innerhalb der jüdischen Gemeinden seit jeher die „gemiluth chassodtm", die Unterstützung der Hilfsbedürftigen einnimmt, mußte notwendig zu einer umfassenden gemeindlichen Sozial- und Wirtschaftshilfe hinführen. Denn soll die Unterstützung der Bedürftigen nicht In der^ Gewährung von individuellen Gaben wirkungslos verpuffen, soll, vielmehr eine wirksame und.dauernde Hilfe sichergestellt werden, so muß die gemeindliche Wohltätigkeit produktlvlert werden. So gelangte man von der Wohlfahrtsunterstützung zur geschenk. oder darlehensweisen Hergabe von. Oeldern mit dem Ziele der Existenze r h a 11 u n g, Damit war aber auch die Notwendlgkeft einer Wirtschaftshilfe und Wirtschaftsberatung der Oemeinden gegeben. Denn die Gewährung der Darlehen und Zuschüsse maßte von einer Vorprüfung abhängig gemacht werden, durch - die im Einzelfalle festgestellt werden soll, ob und in welchem Maße dadurch da« Ztel einer dauernden Existenzsicherung wirklich erreicht werden kann- Für. die Jugend gibt es aber nur eine wirkliche Existent- Sicherung: eine möglichst gute Berufsausbildung Von der Wirtschaftshilfe zur Organisierung der Berufsausbildung führte also wiederum ein gerader Weg, der allerdings sehr schnell gegangen werden mußte, weil die polltische und wirtschaftliche Entwicklung es erforderte. Et ist das große Verdienst der Vertreter des jüdischen Handwerks und des jüdischen Mittelstandes in den Gemeindeverwaltungen, daß sie - diesen Weg von vornherein zielbewußt gewiesen und die notwendige Entwicklung zu *in«r~«y8t«ui'«-titeh-«« von der Oemeinde organisierten Berufsausbildung mit allen Kräften vorwärtsgetrieben haben. Die Umschichtung. Eine erste und bedeutungsvolle Etappe auf diesem Wege war die Schaffung von Umschichtungswerkstätten durch die Oemeinden in enger Zusammenarbeit mit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Als man nach dem Umschwung erkannte, daß ein großer Teil der heranwachsenden Jugend, aber auch der mittleren Jahrgänge der in Deutschland wohnenden Juden auswandern und sich in anderen Ländern neue Existenzgrundlagen suchen muß, war es vor allem erforderlich, diese Menschen zunächst einmal auswanderungsreif ku machen. i ~ Dazu war neben der sprachlichen Ausbildung in sehr vielen Fällen eine berufliche Umstellung notwendig. Existenzmöglichkeiten im Auslande waren und sind meist noch am leichtesten für die Angehörigen handwerklicher Berufe zu beschaffen. So mußten viele jüdische Menschen auf handwerkliche Berufe umgeschichtet werden. Wenn die Oemeinden ihnen helfen wollten, so konnten sie das oft nur durch die Errichtung von Umschichtungswerkstätten. In den Umschichtungskursen, die von den Oemeinden eingerichtet wurden, sollen vorzugsweise Menschen im Alter von 20 bis 35 Jahren, die Ihren bisherigen Beruf aufgeben mußten, in einer Zeit von!>/« bis 2 Jahren zu Handwerkern oder qualifizierten Arbeitern ausgebildet werden, in Frage kommen entsprechend dem Bedarf in den Einwanderungsländern vor allem die Berufe der Holz- und Metallbearbeitung, sowie des Baugewerbes (Maurer, Fliesenleger usw.). Gerade von .Seiten des jüdischen Handwerkerveroandes. ist stets hervorgehoben worden, daß in diesen Kursen nur eine notdürftige Ausbildung gegeben werden kann, die niemals als gleichwertig einer ordnungsmäßigen HandwerksausbUdung angesehen werden darf. Aber der Erfolg hat doch gezeigt, daß durch die Umschichtungskurse eine große Anzahl von Auswanderern instandgesetzt wurde, sich im Auslande eine neue Existenz zu begründen. Hierin liegt die Bedeutung der Umschichtungskurse, aber auch ihre Begrenzung. Der Werkunterricht: Die Erkenntnis,'' daß die Benifszusammensetzuhg der in Deutschland lebenden luden 'anormal ist, und in der Richtuhf einer weit stärkeren Zuwendung zu handwerklichen und technischen Berufen geändert werden muß, führte dann dazu, daß die Gemeinden sich entschlossen, auch die berufliche Ausbildung der heranwachsenden Jugend in den Kreis ihrer Aufgaben einzuberlehen. Das geschah Wiederum in erster Linie im Hinbfte* slM-.*e-m<we*digk«itj .inen .große« -T4U - - -dieser

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