Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 29 (1937)
- Issue
- 1 (1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin Auto-Hochhaus. Da» einzig in Deutschland bestehende Garagen-Hochhaus, das bisher Ober 6 Stockwerke verfügte, ist um zwei weitere Geschosse erhöht worden. In den beiden neuen Stockwerken, in die man bequem hinauffahren kann, sollen hauptsächlich Kleinwagen Unterkunft finden. Der Bau ist so eingerichtet, daß man auf mehreren Fahrbahnen jederzeit hinauf- und hinunterfahren kann, ohne daß eine Stockung zu befürchten ist. Es handelt sich hier um die bedeutendste Garage, die wir in Deutschland überhaupt haben. 500 Autos haben darin Platz. Die Einteilung dieses im Jahre 1930 begonnenen Baues ist äußerst umsichtig und zweckentsprechend durchgeführt. Ein kleines zweistöckiges Haus, das direkt neben der Garage steht und in dem zur Zeit eine Boxschule untergebracht ist, wird nun auch bald der Spitzhacke zum Opfer fallen. 'An seiner Stelle wird ein Hotel errichtet werden, das direkte Verbindung zu der neuen Großgarage haben wird. Für kommenden Sonnabend ist das Richtfest für den Erweiterungsbau angesetzt worden. , Zum Richtfest für den Erweiterungsbau gratulieren wir unserem Mitglied, Herrn Louis Serlin, herzlichst und wünschen seinem Unternehmen weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen. Beuthen O/S Am 23. November 1936 fand eine gut besuchte Mitgliederversammlung unserer Ortsgruppe im Gemeindesitzungssaal unter dem Vorsitz des Kolf Hermann B a d r i a n statt, zu der sich auch eine Anzahl Gäste eingefunden hatten. Herr Justizrat S k a 11 e r hielt ein Referat über juristischwirtschaftliche Fragen, die den Handwerkerstand berühren. Sodann wurde über die Ausgestaltung der Chanukkahfeier beraten. Es wurden wieder wie im vorigen Jahre ca. 40 Lehrlinge mit Kleidung, Wäsche und Schuhwerk beschenkt. Der nächste Punkt betraf das ins Frühjahr 1937 fallende 25jährige Stiftungsfest, das in würdiger Weise begangen werden soll. Endlich wurden einige aktuelle Anfragen, welche handwerkliche Angelegenheiten betrafen, zur Erledigung gebracht. » Wie stets, so rief auch diesmal am 9. Dezember unser Vorstand seine Mitglieder, Freunde und Lehrlinge zu seiner schon traditionell gewordenen Chanukkahfeier zusammen. Welche Bedeutung dem Handwerk in allen Schichten der Gemeinde beigemessen wird, konnte man daraus ersehen, daß sich hierzu u. a. Rabbiner Prof. Dr. Golinski, Rabbiner Dr. Keller für die Gemeinde, Herr Felix Pioczover für den CV., Herr Friedrich Freund für den RiF., Herr Hirsch für die Gemeinde, Herr Dr. Cohn für die Zionistische Vereinigung, Herr Ernst Behrendt für dijb Zentralwohlfahrtsstelle und Herr Berg vom Oberschlesischen Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege eingefunden hatten. Nach einer Begrüßungsansprache des Collegen Hermann B a d r i a n , der auf die Bedeutung des t'üdischen Handwerks gerade in heutiger Zeit hinwies und letonte, daß die Meister ihr Hauptaugenmerk auf die Heranbildung eines qualifizierten Nachwuchses legen, wurden die Lichter gezündet. Hieran schloß sich die Beschenkung der Lehringe. In seiner Festansprache erläuterte dann Herr Dr. Keller die Bedeutung dea Chanukkahfestes. Die Tat der Makkabäer, die zu einer zeitweiligen Befreiung des Volkes geführt habe, sei nur möglich gewesen, weil .die Träger dieses Geschehens zutiefst in der Religion des Volkes verwurzelt gewesen seien. Diese Voraussetzung sei auch für die Gegenwart notwendig, wenn die jüdische Gemeinschaft sich zurückfinden soll. Nach der Rezitation eines Oedichtes von Zuckermann durch Frl. Oraetzer dankten Herr Goldschmidt im Namen aller Lehrlinge und Herr Bruralik im Namen dea Beth Makkabi für die reichen Gaben. Anschließend fand eine Ehrung desh Handwerks und des jüdischen Handwerkervereins statt, die von einigen Lehrlingen in launigen Versen (von Herrn Werner verfaßt) zum Auadruck gebracht wurde. Um das leibliche Wohl der Versammelten bemühte sich, wie stets, die Frauengruppe. Hamburg I Am 8. Dezember 1936 fand eine Mitglieder-Versammlung statt, in der der Vorsitzende, Kollege Bern- 10 hard Heinemann, nach Begrüßung der Anwesenden in seinem Bericht folgendes ausführte: Die Zeit hat gelehrt, daß unsere Handwerker-Bewegung mit ihren Zwecken: Förderung des Handwerks unter den Juden, sowie Heranbildung eine« fachlich und geistig hochstehenden jüdischen handwerklichen Nachwuchses, eine der wesentlichsten Aufgaben der jüdischen Gegenwart erfüllt. Dank der Tätigkeit des Vereins ist es vielen jüdischen jungen Menschen gelungen,' teils In Palästina, teils im übrigen Ausland Brot und Arbeit zu finden. Es ist kein Zufall, daß der aus Deutschland kommende junge Handwerker, soweit er regelrecht ausgebildet war, sich gut bewährt und, besonders in Palästina, hervorragenden Anteil am Aufbau des Landes genommen hat. Das sind die Früchte der Arbeit der Handwerker-Bewegung. Nach wie vor hat die Organisation die Pflicht, diese Ziele weiter zu verfolgen, wenn auch die Schwierigkeiten nicht verkannt werden sollen, die sich bei der Zufuhrung jüdischer junger Menschen zum Handwerk im Hinblick auf die geringe Anzahl der Ausbildungsstetlen ergeben. Schärfste Auslese unter dem Gesichtspunkt der Eignung und Berufung zum Handwerk ist daher geboten, um einen wirklich geistig und fachlich hochstehenden Nachwuchs heranzubilden. Einen segenreichen Anteil an der handwerklichen Ausbildung der schulentlassenen Jugend haben die vorbildlich geleiteten Lehrkurse (Tischler- und Schlosserlehrwerkstätten), die damit einen guten Ersatz für eine ordentliche Lehre bieten. Der Eintritt in einen solchen Lehrkursus setzt aber die Eignung für den Beruf voraus und ist daher vom Erfolg der abzulegenden Eignungsprüfung abhängig. Anläßlich eines Besuchs besichtigte Kollege Louis wolff aus Berlin die Lehrwerkstätten und sprach seine Anerkennung über diese vorbildlichen Ausbildungsstätten aus. Bei aller Zweckmäßigkeit und noch so guter Leitung dieser Kurse ist es dennoch Aufabe des Vereins, der schulentlassenen Jugend nach Mögichkeit einen geregelten Lehrgang zu verschaffen. Nach Aufnahme und Einführung neuer Mitglieder und Bericht über, der Tätigkeit der Geschäftsstelle gab Kollege Heinemahn von der gemeinsam mit dem Kulturbund veranstalteten Chanukkah-Ausstellung, die gut beschickt war, Kenntnis. Wenn auch diesmal infolge der zu kurzen Zeit für die Vorbereitung neue Ausstellungsstücke nicht herzustellen waren, so wird bei einer evtl. Wiederholung Im nächsten Jahre das Handwerk besser vorbereitet sein und die Beschickung sich reichhaltiger gestalten. Herr Berensohn wies bei der Eröffnung im Namen des Vereinsvorstandes auf die Tatsache hin, daß diese Ausstellung Brücke und Mittler sei zwischen dem jüdischen Handwerker, Kunsthandwerker und Künstler und dem jüdischen Publikum. Ueber das Stiftungsfest anläßlich des 30 jährigen Bestehens des Vereins berichtete Herr Oraetz. Zusammenfassend sei zu sagen, daß der Besuch außerordentlich gut und die Mitglieder mit dem Verlauf vollauf zufrieden gewesen seien. Er sprach dem Kollegen Louis Wolff, Berlin, im Namen des Vereins den herzlichsten Dank für seine Begrüßungsansprache aus. Von den vom Verband übergebenen Nadeln erhielten der verdienstvolle Vorsitzende Kollege Bernhard Heinemann die goldene Verbandsnadel, während weiteren sieben noch lebenden Oründern des Vereins bezw. den Mitgliedern mit mehr als 25 jähriger Zugehörigkeit die silberne Nadel überreicht wurde. Es sind dies die Gründer Malermeister Iwan Levy Und Tapezierer Henry Herz, ferner die langjährigen Mitglieder Maler Emanucl, Maler Brand, Klempnermeister Lübeck, Uhrmachermeister Pollack und Friseufmeistery Wolff. Im Anschluß daran fand eine gemütliche Chanukkahfeier statt. Jugendgruppe ' Der Arbeitsplan der Jugendgruppe ist in den letzten Monaten seit der Uebernahme durch den neuen Leiter Alfred Elias weiter ausgestaltet worden und bietet den Mitgliedern Vorträge und Arbeitsgemeinschaften aus allen für das tägliche Leben wichtigen Gebieten. Senta Meyer sprach über den „Sinn des Judentums". Sie gab in anschaulicher, sehr klar verständlicher Weise einen Abriß über die Grundfragen unserer Religion. — Dr. Ferdinand O o w a, der Leiter des Jüdischen Kulturbundes Hamburg, gab an einem wtiteren Abend einen umfassenden Ueberblick über „Aufgaben und Tätigkeit des Kulturbundes". Er sprach in sehr anregender Webe über Pflichten und Kulturaufgaben sowie über die Programmgestaltung in den folgenden Monaten. Dieser Vortrag fand umso mehr Interesse, als zwischen der Leitung der Jugendgruppe und der des Kulturbundes ein A b k q m ro e n getroffen werden konnte, demzufolge die Mit- Slieder der Handwerker-Jugendgruppe Jahresauswels und Emittskarten zu MfcümalpreTsen erhalten