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Der jüdische Handwerker · 1937-01-01 · 1 (1.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
29 (1937)
Issue
1 (1.1937)
Date
1937-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Zwei wichtige Grundbedingungen muß der Auswanderer erfüllen, um als geeignet zur Auswanderung angesehen <zu werden. Die erste ist, daß er berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten erworben hat, durch deren Verwertung er möglichst eine Lücke in der Wirtschaft des fremden Landes auszufüllen vermag. Die jungen Volkswirtschaften in den überseeischen Ländern bauen sich fast nur auf der Erzeugung von Gütern für den Bedarf des eigenen Landes auf. Der Warenaustausch von Land zu Land, also die zwischenstaatliche Arbeitsteilung zeigt bis jetzt ' noch nirgends größere Ansätze zu einer Wiederbelebung. Weit mehr als früher muß daher der Auswanderer einen im volkswirtschaftlichen Sinne produktiven, d. h. Güter erzeugenden Beruf ausüben, wenn er sich in die Wirtschaft des fremden Landes mit Erfolg eingliedern will. Er muß, wenn irgend möglich, in der Lage sein, ein Bedürfnis der ■ Bevölkerung dieses Landes zu befriedigen, das bisher nur ungenügend oder nur im Wege des Austausches mit anderen Ländern gedeckt werden Konnte. Kurz gesagt: er muß durch «eine Leistung der Wirtschaft, in die er sich einordnen will, einen Nutzen bringen, sie fordern und bereichern. Das kann er aber nur, wenn er sich vorher die erforderliche berufliche Leistungsfähigkeit durch eine sorgfältige Ausbildung angeeignet hat. Die zweite Bedingung von der oben gesprochen wurde ist der Wille und die Fähigkeit zur Eingliederung und Umstellung. Der Einwanderer, der in dem fremden Lande eine neue Heimat finden will, muß die Menschen und das Land kennen zu lernen bestrebt sein, muß die Sprache der Bevölkerung gut sprechen können nach Möglichkeit auch die Mentalität seiner neuen Umgebung zu erfassen versuchen und sich in deren Denkart einzufühlen •vermögen. Aber wie viele, die heute auswandern, 'erfüllen nicht einmal die allerselbstverständlichste dieser Bedingungen, die Erlernung der Sprache! Immer wieder wird darüber geklagt, daß die jüdischen Einwanderer aus Deutschland mit Unkenntnis oder mit ganz ungenügenden Kenntnissen der Sprache ihrer neuen Heimat ankommen und trotzdem schneit eine neue Lebensgrundlage finden zu können glauben. Es ist nicht verwunderlich, daß viele bei einem solchen Versuch scheitern oder unbefriedigende Erfolge erzielen. Selbst wenn es ihnen aber gelingt, sich wirtschaftlich einigermaßen über Wasser zu halten, so bleiben sie eben Fremde und rufen oft verhängnisvolle Widerstände gegen die Einwanderung hervor. Die Frage der jüdischen Wanderung muß aber heute nicht allein unter dem Gesichtspunkt des Fortkommens des Einzelnen, sondern auch unter dem der jüdischen Gruppe, des jüdischen Gesamtwohls betrachtet werden. Einzelne Einwanderer, die in dem Gastlande der Wirtschaft nicht nützen und sich in diese nicht in richtiger Weise einzuordnen vermögen, können die Lage für alle künftigen jüdischen Einwanderer außerordentlich erschweren. Von diesem wichtigen Problem der sprachlichen und kulturell en Einfühlung der Auswanderer in die Besonderheiten der neuen Heimat soll ein anderes Mal ausführlicher gesprochen werden. Heute steht die erste der beiden Grundbedingungen der Auswanderung, die richtige berufliche Ausbildung zur Erörterung. Wenn man von der oben festgestellten Tatsache ausgeht, daß der Auswanderer bestrebt sein muß, «ine Lücke in der Wirtschaft des Einwanderungslandes auszufüllen und durch seine beruflichen Leistungen zur Verbesserung dieser Wirtschaft beizutragen, so ist damit eigentlich schon gesagt, daß man vor der Auswanderung die Wirtschaft des neuen Heimatlandes kennen oder studieren soll. Denn zwischen den Volkswirtschaften der in Frage kommenden Einwanderungsländer bestehen sehr wesentliche Unterschiede. Schon aus diesem Grunde läßt sich die Frage, wer zur Auswanderung geeignet ist, nicht allgemein und nicht einheitlich für alle Lander beantworten. Im allgemeinen kommen für die Auswanderung der bisher in Deutschland ansässigen Juden in erster Reihe überseeische Linder in Betracht, die in der Entwicklung vom reinen Agrarland zum Industrieland stehen. Nur diese Länder sind heute in der Regel für eine umfangreiche jüdische Einwanderung aufnahmefähig. Landwirtschaftliche Siedler können natürlich auch in reinen Agrarländern festen Fuß fassen. Aber die Zahl der zu landwirtschaftlicher Tätigkeit Geeigneten und Vorgebildeten ist unter den in Deutschland lebenden Juden nicht allzu groß. Die Umschichtung zu landwirtschaftlicher Tätigkeit aber erfordert lange Zeit, kommt außerdem nur für einen Teil der heranwachsenden Jugend und auch für diesen nur in einem durch mancherlei Umstände (z. B. durch die Investitionskosten von Massensiedlungen) beschränkten Umfange in Betracht. Was ferner die Auswanderung in europäische Länder anbetrifft, so wird es sich hier immer nur um individuelle Wanderungen handeln können. Gewiß wird esi Einzelnen glücken, auch in hochindustriellen Ländern Europas Möglichkeiten für eine erfolgreiche berufliche Betätigung zu finden. Es wird immer handwerkliche wie kaufmännische Berufe geben, die hochqualifizierten Kräften und namentlich Menschen mit Sbnderfertigkeiten die Möglichkeit geben, auch in europäischen Ländern befriedigende Lebensmöglichkeiten zu finden. Aber immer wird es sich bei der Auswanderung nach Europa nur um die Begründung von Einzelexistenzen auf Grund sorg- 1

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