Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 12 (12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitstagung der jüd Am 24/November fand in Berlin die erste Arbeitstagung der jüdischen Darlehnskassen in Deutschland unter dem Vorsitz von Otto E s k e 1 e s statt. An der Tagung, die von der Zentralstelle fUr judische Darlehnskassen E. V. in Berlin' für die ihr angeschlossenen Darlehnskassen durchgeführt wurde, haben etwa 50 Vertreter der jüdischen Darlehnskassen im Reich, namentlich der Bezirksdarlehnskassen teilgenommen. Die Tagung galt der grundsätzlichen Behandlung aller Fragen der jüdischen Kredithilfe und dem Austausch von Erfahrungen aus der Darlehnskassenpraxis. Nach einleitenden Bemerkungen über die Bedeutung der Kredithilfe von Ministerialrat i. R. Dr. Hirsch für die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, von Justizrat Dr. Blau für die American Joint Reconstruction Foundation' und von Dr. Alfred Klee für den PreuBischen Landesverband und den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin erstattete der Geschäftsführer der Zentralstelle, Dr. Paul Eppstein einen Arbeitsbericht, in dem die Gegenwartsaufgaben der jüdischen Kredithilfe in grundsätzlichem Zusammenhang behandelt und der Stand des jüdischen Darlehnskassenwesens in Deutschland (mit 33 Orts- und 24 Bezirksdarlehnskassen und einem bilanzierten Gesamtkapital von 1 121 000 RM) dargestellt wurde. Der Aufbau und die tatkräftige Förderung der jüdischen Darlehnskassen in Deutschland ist der American Joint Reconstruction Foundation und dem American Joint Distribution Commitfee zu verdanken. S. Adler- Rudel wies auf das Verdienst und die Erfahrungen der American Joint Reconstruction Foundation beim Aufbau der jüdischen Darlehnskassen in Ost- und Südost-Europa hin und stellte die Arbeit der Darlehnskassen in den Zusammenhang der gesamten jüdischen Sozialarbeit hinein. In vier Sachreferaten wurden die allgemeinen Arbeitsgebiete der jüdischen Darlehnskassen und die Fragen ihrer Praxis behandelt. Der Gründer der jüdischen Darlehnskasse Berlin, Wilhelm Marcus, unterstrich die sozialen Auff;aben der jüdischen Kredithilfe. Dr. Weiftenberg (Bresau) behandelte den notwendigen Zusammenhang zwischen sehen Darlehnskassen Kredithilfe und Wirtschaftsberatung an Hand der in Breslau gesammelten Erfahrungen. Oberregierungsrat i. R. Dr. Weidmann (Karlsruhe) entwickelte Aufgaben und Probleme der Ortsdarlehnskassen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Struktur der jüdischen Bevölkerung und die sich daraus ergebenden Folgerungen für den wirtschaftlichen Verwendungszweck der Kredite, deren Laufzeit, Sicherung und deren Rückzahlungen. Ludwig Rosenthal (Schneidemühl) gab ein instruktives Bild von den besonderen Aufgaben der Bezirksdarlehnskassen, die innerhalb eines größeren Gebietes besonders die Mitglieder von Kleingemeinden wirtschaftlich zu beraten und im Wege der Kredithilfe zu unterstützen haben. In der Aussprache, an der nahezu alle Vertreter der Darlehnskassen teilnahmen, wurde besonders auf die Notwendigkeit grundsätzlicher Richtlinien trotz aller regionalen Verschiedenheiten hingewiesen. Diese Richtlinien für die Darlehnsgewähruhg bildeten den Gegenstand eingehender Erörterung und eines regen Austausches von Erfahrungen. Der Revisor der Zentralstelle, Dr. Ludwig B a t z n e r, behandelte in seinem Schlußreferat die Ergebnisse und Erfahrungen bei den Instruktionen und Revisionen der Kassen. Daraus ergaben sich wichtige Anregungen für die Kapitalsbeschaffung und die Konzentration der jüdischen Darlehenskassen in den einzelnen Bezirken, sowie für die künftigen sozialen Aufgaben der Darlehnskassen. Um die .Zusammenarbeit der Zentralstelle mit den einzelnen Kassen noch enger zu gestalten, wurde ein Beirat der Zentralstelle gebildet, dem folgende Persönlichkeiten angehören: Dr. Augapfel (Insterburg), Elkan (Düsseldorf), V riehmann (Chemnitz), Dr. G u m b e 1 (Stuttgart), G u 11mann (Beuthen), Haymann (München), Jakob (Schneidemühl), Dr. Katzenstein (Bielefeld), Katzenstein (Leipzig), Lachs (Breslau), Offenburg (Hamburg), Dr. Rosenberg (Ludwigshafen a. Rh.), Schaefer (Magdeburg), Dr. We i fl m a n n (Karlsruhe). Zahl der jüdischen Erwerbstätigen Die Statistische Abteilfing der Reichsvertretung der Juden in Deutschland weist auf folgende im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich 1955 mitgeteilten Ergebnisse der letzten Berufszählung hin: Am 16. Juni 1933 betrug die Gesamtzahl der jüdischen Erwerbspersonen (d. h. der haupt- und nebenberuflich Erwerbstätigen sowie der Erwerbslosen) rund 240 500. Diese Personengruppe umfaßte also nicht viel weniger als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. 1925 waren dagegen nur 46V» der deutschen Juden hauptberuflich erwerbstätig. 14V* der bei der Berufszählung 1933 ermittelten jüdischen Erwerbspersonen waren erwerbslos. Absolut und prozentual am stärksten vertreten waren die Juden in der Wirtschaftsabteilung Handel und Verkehr: mehr als 147 000 oder 61,3V« der jüdischen Erwerbspersonen gehörten zu dieser Abteilung. Ihre Untergruppe Handelsgewerbe ernährte allein 137 000 Erwerbspersonen, von denen fast 115 000 im Wirtschaftszweig Warenhandel tätig waren. Dagegen wurden von der Gesamtbevölkerung nur 8,4V« im Warenhandel, 10V« im Handelsgewerbe und insgesamt 18,4'/« in der ganzen Wirtschaftsabteilung Handel und Verkehr gezählt. Ferner waren im Immobilienhandel, Vermittlung usw. von 100 Erwerbspersonen der jüdischen Bevölkerung 7,1 (17 000) tätig, von der Gesamtbevölkerung nur 0,6, im Sank- und Börsenwesen von der jüdischen Bevölkerung 1,7 (4063), von der Gesamtbevölkerung 0,6°/«. Bei der Beruflichen Gliederung der Gesamtbevölkerung lag das Schwergewicht in Industrie und Handwerk, das über 40V« der Erwerbspersonen erfüllte, aber nur 23'/t der jüdischen Erwerbspersonen, nämlich 55 655. Innerhalb der Wirtschaftsabteilung Industrie und Handwerk war der jüdische Sektor nur in der Wirtschaftsgruppe Bekleidungsgewerbe erheblich größer, hier insbesondere in dem Wirtschaftszweig Schneiderei (14 823 oder 6,2V»). Fernerwar damals die jüdische Bevölkerung noch an dem Wirtschaftszweig Fleischerei und Fischindustrie etwas stärker beteiligt (5966 oder 2,5V.). An zweiter Stelle stand in der beruflichen Gliederung der Gesamtbevölkerung die Land- und Forstwirtschaft mit fast 30Vt, während nicht einmal 2V« der jüdischen Erwerbspersonen — 4167 — zu dieser Wirtschaftsabteilung gehörten. Die für die Wirtschaftsabteilung O e f I <• n (liehe Dienste und private Dienstleistungen 1933 ermittelten- Zahlen sind durch die Folgen der gesetzlichen Regelung dieses Gebiets (Rechts- und Gesundheitswesen) völlig Uberholt. Die Gliederung der jüdischen Erwerbspersonen nach Wirtschaftsabteilungen 1933. entspricht in großen Zügen der 1925 ermittelten der hauptberuflich erwerbstätigen Juden in Deutschland. Die seither eingetretenen Veränderungen der Berufsstruktur konnten am 16. Juni 1933 noch keinen zahlenmäßigen Niederschlag finden. Das Statistische Jahrbuch unterrichtet ferner Uber die soziale Gliederung der jüdischen Erwerbspersonen im Deutschen Reich am 16. Juni 1933. Damals betrug der Anteil der Arbeiter an den Erwerbspersonen der Gesamtbevölkerung 46°/«. Den gleichen Satz erreichte der Anteil der Selbständigen bei den jüdischen Erwerbspersonen. Dagegen war bei der früheren Volkszählung von 1925 noch mehr als die Hälfte der hauptberuflich erwerbstätigen Juden selbständig. Bei der Angestelltenschaft lag gleichfalls der jüdische Quotient um ein Vielfaches Uber dem der Allgemeinheit. Die andern sozialen Gruppen waren im judischen Erwerbsleben weniger stark vertreten. Jhs ftitbtttft (tu den TtsHoftH! Louis Wolff „Handwerk im Judentum jj Preis RM 1.— zuzügl. RM 0,15 Porto, 96 Seifen. Zu beliehen durch die Geschäftsstelle, W50, Nachodstr. 8, im Reich durch die Geschäftsstellen unserer Ortsgruppen. Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands z