Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Handwerker · 1935-01-01 · 10 (10.1935) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
27 (1935)
Issue
10 (10.1935)
Article
Beilage: Der Jüdische Mittelstand Nr. 19
Date
1935-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492337-5771056-5771180-5771182--149-4883135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der JüÖUche MtttelftanÖ Nr. 19 Beilage zum „Jüöifctien Hanöroerher" Oktober 1935 Finanzierung des Einzelhandeis Das Schwergewicht der betriebswirtschaftlichen Tatsachenforschung im Einzelhandel lag bisher vor allem auf zwei Gebieten: der Umsatzentwicklung und der Kostengestaltung. Das Statistische Reichsamt geht in «einer neuen, bereits angekündigten Veröffentlichung Uber die Struktur des deutschen Mittelstandes insofern einen Schritt weiter, all es tum erstenmal Zahlen Uber das Bilanzbild von kleineren und mittleren Gewerbebetrieben veröffentlicht. Zunächst ist es erfreulich, feststellen zu können, daß die Einstellung zahlreicher Gewerbetreibender, die Bilanz enthalte Geschäftsgeheimnisse erster Ordnung, die man niemand, auch nicht dem Statistiker, preisgeben dürfe, offenbar hinter der Erkenntnis zurückzutreten beginnt, daß betriebswirtschaftliche Tatsachenforschung gerade für die klein- und mittelbetriebliche Wirtschaft von notwendiger Bedeutung ist, und daß sie nur betrieben werden kann, wenn der einzelne Betriebsführer die erforderlichen Unterlagen liefert. Die arbeitenden Mittel betragen bei. einer Auswahl von Betrieben mit Umsätzen zwischen 27 000 und 39 000 Reichsmark: . . . . - bei Betrieben bei Betriebes kB Hernla— rWI arit ^neSkfc '° laMMa"" RH ST* Milch ...................... 10645 4531 Textilwaren ........ ....... 3*988 23538 Eisenwaren ................ 40494 22139 Uhren, Goldu. Silberwaren 76293 45 013 Wein ...................... 103885 74485 Diese Unterschiede sind kapitalwirtschaftlich von außerordentlicher Bedeutung. Sie besagen, daß Betriebe ans verschiedenen Zweigen des Einzelbandeis ein ganz verschieden hohes Kapital benötigen, um Umsätze in etwa gleicher Höhe zu erzielen. So kommt es, daß die Kapitalkosten, zu denen außer den Zinsen, Bankspesen usw. auch gewisse Steuern zu rechnen sind, im Rahmen der Gesamtkosten in den einzelnen Handelszweigen eine sehr unterschiedliche Rolle spielen. Setzt man die arbeitenden Mittel zu der Zahl der im Betrieb tätigen Personen (Betriebsführer, mithelfende Familienangehörige und Gefolgschaft) in Beziehung, so ergibt sich folgendes Bild: Gesamtkapital Je Kopf der im Betrieb tätigen Personen ■ iii n«j ■«■»!■ 1MUIN*C DVJUMVC BueauacMsttt ■» ilaai i» pmictHe* Craadrttkx Riumrn RH RM Milch ........................ 26*1 1133 Textilwaren ...... ......... 10 568 6 725 Eisenwaren ......,........... 9 719 5 313 Uhren. Gold- und Silberwaren 16062 9 476 Wein ........................ 21493 15 411 Sehr bedeutsam sind die Feststellungen Uber die Höhe der Forderungen. Hier wirkt sich teils die Art der Absatzfinanzierung (Ratenzahlung!), teils aber auch die schlechte Zahlungsmoral der Verbraucher aus. Eine beträchtliche Höhe erreichen die Forderungen im Einzelhandel mit Leder und Schuhbedarfsartikeln, Eisenwaren,- Beleuchtungsgegenständen und elektrischen Geräten, Teppichen, Möbeln. Kohren, Kraftfahrzeugen, Fahrrädern, Büro-, Näh- und Landmaschinen, Funkgeräten und Sprechmaschinen. Es sind dies vorwiegend Handelszweige, in denen die Gewährung von Kundenkrediten Üblich ist. In anderen Zweigen, so z. B. im Lebensmittelhandel, sind im allgemeinen nur geringe Forderungen anzutreffen. Die Finanzierung der Betriebe erfolgt nach der Erhebung des Statistischen Reichsamts im mittelständischen Einzelhandel Uberwiegend aus eigenen Mitteln, und zwar liegt der Anteil des Eigenkapitals häufig zwischen 50 und 70*/» des Gesamtkapitals. Dann offenbart sich der mittelständische Charakter dieser Betriebe und die Bedeutung des Klein- und Mittelgewerbes für die Kapitalbildung. Der Kleingewerbetreibende rieht es In der Regel vor. die von ihm erarbeiteten Gewinne im eigenen Betriebe anzulegen, während er sich im allgemeinen nur ungern durch Aufnahme von Schulden von einem Kreditgeber abhängig macht. Bei den Großbetriebs formen des Einzel - ktndrli (Waren- und Kaufhäusern, Einheitspreisgeschäften und Filialunternehmungen) ist der Anteil des Eigenkapitals vielfach (wenn auch nicht immer) wesentlich geringer. Bei den größeren Einheitspreisgeschäften mit eigenem Grundstück beträgt das Eigenkapital z. B. nur 19,9V« des Gesamtkapitals. Derartige Zahlen weisen eindringlich auf die Abhängigkeit dieser Betriebsformen vom Großkapital und auf die damit zusammenhängenden wirtschaftspolitischen Probleme hin. Der Grad der Kapitalausnutzung, der sich in dem Verhältnis von Umsatz und arbeitenden Mitteln (den sogenannten Kapitalumschlagsziffern) widerspiegelt, ist ebenfalls außerordentlich verschieden. Der Umsatz beträgt in "/• des Gesamtkapitals bei Betriebes bei Betrieben im Eiozelbandel mit mit eifcoem in femieteteo Gran&tlick Räumen RM RM Milch ........................ 347,4 816,2 Textilwaren ................ 97,6 153,2 Eisenwaren'^k,^............... 87,7 160,4 Die gerade für den Einzelhandel in mancher Hinsicht wichtigeren Lagerum«chIagziffern (Umsatz in •/• des Lagerwertes) bewegen sich in den meisten Fällen zwischen 200 und 400V«. Wesentlich höher liegen sie bei den Großbetriebsformen und besonders im Lebensmitteleinzelhandel. Bei den Waren- und Kaufhäusern kommen Lagerumschlagsziffern bis zu 700*/« vor. Bei den Einheitspreisgeschäften liegen sie Uber 1000*/«, während sie bei Lebensmittelfilialbetrieben fast 1300V« erreichen. Im Obst- und Gemüsehandel steigen sie bis 1900*/«, im Butter-, Eier- und Käsehandel bis 3500*/« und im Milchhandel bis 5200V» an. ' - •' - .- ■■ - - Aufgaben des Einzelhandels In einer öffentlichen Kundgebung des Nahrungs- und Genufimitteleinzelhandels in der Festhalle des Münchener Ausstellungsgeländes sprach u. a. der Leiter der Reichsgruppe „Handel", Präsident Professor Dr. Liier. Uber „Wirtschaftspflicht mit besonderer Berücksichtigung des Einzelhandels". Nach dem Bericht der „Frankfurter Zeitung** führte er dabei u. a. aus, der Nationalsozialismus habe Sie „Rentabilitätspsychose" der letzten Jahre endgültig Uberwunden, indem er Unterordnung unter höhere Gesichtspunkte der Volksgemeinschaft gefordert habe. Eine nUchterne Rentabilitätsberechnung vermittle uns unermeßliche Erkenntnisse. Dem Rentabilitätsprinzip könne aber nur eine dienende, niemals beherrschende Rolle zuerkannt werden. Es könne nur gewürdigt werden unter dem höheren Gesichtspunkte der Wirtschaftspflicht. Zur Wirtschaftspflicht gehöre auch Vertrauen zur Führung und der Wille, höchste Leistung zu vollbringen und sich restlos unter die oberste, realpolitische Zielsetzung unterzuordnen. Nur der, der etwa« leiste, habe einen Anspruch auf Bestand und Aufstieg. Wer leiste, solle aber auch verdienen, sei es als Unternehmer, sei es als Gefolgsmann. Wir brauchten weniger Wirtschaftsbeamte als vielmehr echte Kaufleute. Der Handel wolle mit in der vordersten Front der Wirtschaft stehen. Er werde und müsse bereit sein, Opfer zu bringen, die die Wirtschaftspfliöht von ihm ' verlange. Wenn der Handel aber Opfer bringe, dann müsse er auch verlangen, daß man ihn in der Oeffentlichkeit nicht mehr mit ungerechten Vorwürfen Uberhäufe und ihn der Preistreiberei und des Wuchers für schuldig erkläre. Eine Ulirentabilität des Lebensmitteleinzelhandels müsse auf die Dauer verhindert werden. Der Einzelhandel sei kein Preistreiber und kein Wucherer und werde auch weiterhin alles tun, was das Prinzip des Gemeinnutzes »on ihm verlange." „Lehrheft" für Lehrlinge Für die Lehrlinge im Einzelhandel wird voraussichtlich ab I. April 1936 im ganzen Reichsgebiet eine reichseinheitliche Ausbildung gewährleistet sein. Die maßgebenden Stellen der Deutschen Arbeitsfront haben in Gemeinschaft mit den Fachgruppen des Einzelhandels Ausbildungsrichtlinien aufgestellt, die dem Lehrvertragsschema den praktischen Innalt geben werden. Gleichzeitig mit den Richtlinien wurde unter der Bezeichnung „Lehrheft" ein Berufs leietungsbuch geschaffen, das lediglich dazu bestimmt ist, daß der Lehrherr halbjährlich genaue Eintragungen Uber den lt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.