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Der jüdische Handwerker · 1935-03-01 · 3 (3.1935) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Handwerker
Volume
27 (1935)
Issue
3 (3.1935)
Date
1935-03-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Kerner gab der 1. Vorsitzende die neuen Bestimmungen des Handwerkergesetzes bekannt, an die sich eine rege Aussprache anschloß. Auch erfolgte die Anregung zur Beteiligung an der Vorbereitung für Meisterkurse und -Prüfung sowie an diesbezüglichen Vorträgen von Juristen. Kollege Ritter gibt einen ausführlichen Bericht über die Darlehnskassr und ermahnt die Kollegen, welche ein Darlehn erhielten, solches vereinbarungsgemäß zurückzuzahlen, damit auch andern Kollegen geholfen werden könnte. Die Vorsitzende der Frauengruppe gab Aufschiufrüber die segensreiche Tätigkeit ihrer Gruppe bei den ihr zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln. Es wurden Wöchnerinnen unterstutzt, an der Chanukkahfeier Lehr- Jinge und Kindq*^bcschenkt, sowie zur Silberhochzeit von Kollegen Präsente verehrt. In das^Gemeindeparlament konnten 2 Vertreter der Ortsgruppe einziehen; bei den nächsten Wahlen sollen auch aus unserer Frauengruppe Kolleginnen gewählt werden. Nachdem die Kassenprüfer die Angaben des Kassenberichtes einer eingehenden Prüfung unterzogen hatten und für richtig befanden, wurde sowohl dem Kassierer als auch dem Vorstand Entlastung erteilt. Der 1. Vorsitzende dankte dann dem Gesamtvorstand und legte seine Acmter nieder. Der Alterspräsident und Ehrenvorsitzende Lustig übernahm den Vorsitz: auf seinen Vorschlag wurde dann der alte Vorstand einstimmig wieder gewählt. Bei Punkt Verschiedenes kum die Anregung über eine zu veranstaltende Handwerker-Ausstellung in den 3 Städten Gleiwitz, Beuthen und Hindenburg zur Sprache. An der Aussprache beteiligten sich die Kollegen Lustig. Wo-lfsohn,Horwitz, Kamm und W i 11 n e r. Sie ergab, dafi diese Ausstellung veranstaltet und muligebende Kreise zu diesem Projekt gewonnen werden sollen. Eine weitere Anregung wurde gegeben, daß Gesellen und Lehrlinge an den Versammlungen öfter teilnehmen sollen, um den inneren Zusammenhang mit den selbständigen Handwerkern zu festigen und zu stärken. Um 11 Uhr schließt der 1. Vorsitzende die Sitzung. Hamburg Unser Mitglied Ernst August Steinbeig, Altona,. Cr. Bergstr. 115-117, konnte am 1. März 1935 auf das fünfzigjährige Bestehen seines Unternehmens, des bekannten Konfektionsgeschäftes, zurückblicken. Fachverbänden, dem Messeausschufj und anderen Organisationen hat Kollage Steinberg seinen wertvollen Rat oft und gern zur Verfügung gestellt. Auch an dieser Stelle gratulieren wir dem Jubilar herzlichst und wünschen seinem Unternehmen auch in der Zukunft weiteres Blühen und Gedeihen. (Fortsetzung ins voriger Nummer) Durch unsere Repräsentanten sind wir in allen wichtigen Ausschüssen der Gern ein de vertreten, wie beispielsweise: Haushaltsausschufl, Krankenhausfürsorge, Jugendamt. Kommission für das Wohlfahrtswesen, Mittelstandshilfe, in der Verwaltung vom Nordheim- Stift, Ausschuß für die Bewilligung von Freiwohnungen, Grundstücks-Kommission, Darlennskasse, Beratungsstelle für jüdische Wirtschaftshilfe u. a. m. Im Parlament der ■Gemeinde bilden wir durch unsere vier Vertreter einen wesentlichen Faktor. Die vor den Sitzungen des Repräsentanten-Kollegiums mit wichtigen , Tagesordnungen jeweils von mir einberufenen interfraktionellen Besprechungen sind stets von allen Purteien mit Interesse wahrgenommen worden und haben immer wesentliche praktische Vorarbeit geleistet und somit zur Folge gehabt, daß etwaige Meinungsverschiedenheiten im Vorwege aus der Welt geschafft wurden und die eigentlichen .Sitzungen reibungslos und ohne hemmende Debatten verliefen. Wir sind in Fühlung mit ullen jüdischen Organisationen und nehmen teil un deren Beratungen. Seit April hüben wir im Hause der Gemeinde, Beneckestr. 2, unsere eigene Geschäftsstelle mit täglich vier Sprechstunden eingerichtet. Die Inanspruchnahme der Geschäftsstelle beweist, wie notwendig dieses eigene Büro ist. Wenn ich um Anfang meines Berichtes auch hervorhob, daß die ideellen Aufguhen unseres Vereins an vorderster Stelle stehen, so bin ich trotzdem der Ansicht, daß bei dem großen Anwachsen unseres Vereins die Mitglieder mit vollem Recht erwarten dürfen, daß sie mindestens die Unterstützung der Mitglieder finden werden. Darum ermahne ich die Kollegen hiermit nochmals eindringlichst: Vergebet eure Aufträge bei euren Vereinskollegen und deckt euren Bedarf bei euren Vercinskollcgen, denn: wollen wir die jüdische Gemeinschaft zum Solidaritätsgedanken erziehen, dann ist es unsere selbstverständliche Pflicht, erst einmal an uns selbst Erziehungsarbeit zu leisten. In Erkenntnis dieser Notwendigkeit sind wir in diesem Jahr dazu ühergcgagneii. Stammtischabende einzurichten, welche alle U Tage Sonnabends stattfinden, um die Mitglieder einander näherzubringen und die Kollegialität mit dem Ziele der gegenseitigen Unterstützung zu fördern. Wollen wir dieses jedoch erreichen, dann ist es erforderlich, daß der Besuch der Stammtischubende ein bedeutend regerer werden muß. uls er zur Zeit noch ist. Bevor ich zum Schluß komme, will ich es nicht unterlassen, allen Mitgliedern, welche in der Vereinsleitung, Arbeitsausschuß, in den verschiedenen Kommissionen und in den Fachgruppen für unseren Verein Wertvolle Arbeit geleistet haben, meinen-herzlichsten Dank auszusprechen. Mit 'wachsender Größe des Vereins steigern sich auch die Aufguben. Verpflichtungen, die Verantwortung und dtimit verbunden die Arbeit der Vereinsleitung. Wenn ich ujuch in Erkenntnis der größeren Arbeitslust vorgeschlagen habe, die Vereinsleitung um zwei Mitglieder zu erweitern, bin ich mir trotzdem bewußt, daß wirklich praktische Arbeit im Verein nur geleistet werden kann, wenn ein jeder Mithilft u n d in i t u r b e i t e t. Es kommt nicht darauf un. daß dem einzelnen Mitglied ein bestimmtes Amt auferlegt wird, sondern jedes Mitglied kunn und muß für uns arbeiten, sei es. daß es für den Verein wirbt, oder die Ziele des Vereins von Mund zu Mund verkündet, oder was dus Wichtigste ist, in seinem eigenen Tun und Denken vorbildlich handelt. Truge jeder dnzu bei, den handwerklichen Gr e d u n k e n unter uns Juden zu fördern und zu stützen. Sei jeder eingedenk, dafi heute mehr denn je der handwerkliche Beruf unter uns Juden das Fundament bildet für den Fortbestund der jüdischen Gemeinschaft in Deiitschlund. In dieser Beziehung haben unsere Giuubcnsbrüdcr viel gut zu machen. Arbeiten wir alle darauf hin, daß dies geschehe, doß der jüdische Handwerker und Gewerbetreibende von seinen Glaubensgenossen die volle Achtung und Anerkennung findet,' die ihm gebührt, dafi insbesondere der jüdische Handwerker dann die Mission erfüllen kann, die ihm obliegt zum Wohle unseres Standes, /um Wohle unserer Gemeinde und zum Wohle der gesinnten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. In der am 20. Februar IW stattgefundenen ordentlichen Mitglieder-Versammlung ehren die zahlreich Erschienenen dus Andenken der im Berichtsmonat verstorbenen Mitglieder Moritz J ü 11 n e r und Hermunn E I k e 1 e s durch Erheben von den Plätzen. Der stellvertretende Vorsitzende, Kollege Mux Levinson, gab den Mitgliedern bekannt, daß Frau Elise H c i n e m a n n um 15. Februar ihren sechzigsten Geburtstug beging. Kollege Heinemunn dankte allen Kollegen für die Ablösungsspende des Vereins sowie für die vielen.Aufmerksamkeiten und Ehrungen, die Frau Heinemann zuteil wurden. — Der Vorsitzende begrüßte die erstmalig erschienenen neuen Mitglieder und forderte diese zur eifrigen Mitarbeit uuf. Weitere neue Mitglieder wurden der Werbekommission zur Aufnuhmc vorgesehlugen. Die Kundgebung anläßlich des 25jährigen Bestehens des Verbandes, die in Hamburg, der Stätte der Gründung des Verbundes, geplunt ist, wurde besprochen. Die von den drei Bildlingsausschüssen geplante Ausstellung soll weniger handwerklichen uls ausgesprochenen kunstwerklichen Charakter tragen. In einer Sitzung des Ausschusses sind wir durch die Kollegen als Obmann der Propaganda-Kommission Bcrendsohn und Uhrmacher Block vertreten gewesen. Der Rahmen, in dem diese Ausstellung gedacht ist, bietet den Mitgliedern nur zum geringen Teil Gelegenheit, diese Ausstellung für sich propugundistisch auszunutzen. Aus unserer Mitgliedschuft sind einige Anmeldungen eingegangen: Es ist die Frage besprochen worden, ob nicht demnächst unter Zusammenarbeit mit den Logen eine allgemeine Ausstellung jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender stattfinden könne. Die unwesenden Vertreter der Bildungsausschüssc haben uns ihre Unterstützung für das Zustandekommen einer solchen Ausstellung zugesagt. Nunmehr erteilte der Vorsitzende Herrn Dr. Urias das Wort für dus Referut „Jüdische Arbeit in dieser Zeit". Begeisterter Beifall bezeugte, wie sehr der Vortrag des Herrn Dr. Urias, worauf wir noch näher eingehen werden, gefiel, der in hervorragender Weise gehalten wurde und mit großem Interesse von Anfang bis zu Ende verfolgt wurde. Auch im letzten Monut wurde eine Anzahl von Lehrlingen mit Berufskleidung und Handwerkszeug ausgerüstet. Außer Strafienkleidung wurden Schlosser-, Maler- und Elektrotechniker-Ausrüstungen bewilligt. In der Bertifsberutungsstelle herrscht jetzt Hochbetrieb. Die Unterbringung der scliulentlasscnen Jugend in Lehrstellen, insbesondere in handwerklichen Lehrstellen, bereitet Schwierigkeiten. -t Es muß der Ehrgeiz jedes jüdischen Handwerkers sein, die Meisterprüfung zu mächen. Nicht nur aus Gründen des Ansehens des .jüdischen Handwerkers, nicht nur, weil die gesetzlichen Bestimmungen dieses verlangen, sondern damit er auch imstande ist, jüdische Lehrlinge auszubilden. . 11

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