Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 3 (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Schneiderin — Damenkleider Frankenstein, Herta, Charlottenburg, Niebuhrstr. 57. J 1 Bismarck 2738. Kohn, Olga, W 50, Bamberger Str. 61. B 6 Cornelius 5076. Link, Bella, W50, Marburger Str. 13. . . . B4 Bavaria 1353. Nathanson, Rosa, W 30, Eisenacber Str. 21. B 5 Barbarossa 5242. Neth. Margot, SW 19, Prinzenstr. 56. F7 Jannowitz 3172. Hoienschneider Kiwi, Adolf, NO 55. Aliensteiner Str. 22. Auch Berufskleidung. E 3 Königstadt 4198. Schuhmacher Berlin, Martha, W 50, Prager Platz 1. Rotstein, Jacob, Wilmersdorf, Landhausstr. 45. Moschkowitz, G„ W 30. Martin-Lutherstr. 86. Wisla, Adolf, W 62. Kleiststr. 15. B 5 Barbarossa 3950. Grunewald, Auguste-Viktoriastr. 70. Tapezierer — Dekorateur Perls, Leo, Charlbg. 2, Grolmanstr. 42/43. Tltchkr Laufbaum, Josef, N 54, Weinbergsweg 9. Uhrmacher Lndomer, Georg, Neukölln, Niemetzstr. 11. Waicherei — Waicheverleih, Heihmangel Feilchenfeld, Käte, N31, Anklamer Str. 19. D4 Humboldt 3384. Breslau Am 24. Februar 1935 fund jm Repräsentantensaal der Synagogen-Gemeinde unter Leitung der Vorsitzenden, Herrn Glasermeister Hugo Spanier, die diesjährige, zahlreich besuchte Generalversammlung statt. Nach Verlesen der Jahresberichte des Schriftführers und des Kassierers erfolgte die Untlastung des Vorstandes, worauf der 1, Vorsitzende des Gesamtverbandes, Herr Wilhelm Marcus, Berlin, das Wort zu einem allgemeinen Situationsbericht ergriff. Den Vorstand stellen im kommenden Jahr Herr Hugo Spanier als erster- Vorsitzender, sowie neun alte und fünf neue Mitglieder; er setzt sich jetzt aus Handwerkern der verschiedensten Branchen und Vertretern des mit dem Handwerkerberuf in Verbindung stehenden Mittelstandes zusammen. In der am 7. Februar 1935 abgehaltenen Mitgliederversammlung wurde Uber eine neue Propaganda-Aktion des Vorstandes berichtet. AuBerdem wurden Anfragen und Anregungen aus Mitgliederkreisen besprochen, bzw. beantwortet. Der Abend brachte auch einen Vortrag des Herrn Malermeister Felix Simenauer über das Thema „Heimat o Heimat, eine geschichtliche Studie Oberschlesiens". Der Redner, ein geborener Oberschlesier, führte uns nach den Ortschaften Myslowitz, Kattowitz, Beuthen, Gleiwitz, Ratibor und Oppeln und schilderte in interessanter Weise die Entwicklung der Städte von ihrer Gründung an. JAHRESBERICHT Falls einmal die Geschichte der jüdischen Handwerker Deutschlands geschrieben werden sollte, wird der Chronist längere Zeit bei unserer Generation verweilen müssen und, wenn er dabei gründlich' vorgehen will, wird er sich nicht mit den Geschennissen in der Reichshauptstadt allein begnügen können. Seine Forschungsarbeit wird er vielmehr uotgedrungeti auch in die Provinz verlegen müssen. Er wird wohl hier vielfach ein Spiegelbild der Berliner Vorgänge vorfinden, aber vieles andere wird ihm unwirklich erseneinen, so viel Kleinigkeit wird ihn erschrecken, so viel Widerstand gegen natürliche Entwicklungsvorgänge wird ihn in Erstaunen versetzen, so viel Kleinarbeit unter zähestem Einsatz der Kraft Einzelner und immer wieder Einzelner1 wird er festeilen müssen. Wir haben wieder ein Jahr voller Arbeit und voller Kämpfe hinter uns; es waren nicht nur Kämpfe, wie^sie heute jedem Juden im Weltgeschehen aufgezwungen sind, es war nicht Arbeit nur für uns, unsere Standesinteressen und unser Fortkommen, sondern ein Streben und Wirken für die Zukunft des Judentums Uberhaupt innerhalb des kleinen uns zugewiesenen Lebensraumes. Nach .Millen hin machte sich diese Arbeit in der Herausgabe eines Mitgliederverzeichnisses in Form eines Handbuches und der damit zusammenhängenden Propaganda bemerkbar, nach innen müssen wir die Bearbeitung der. uns von der Beratungsstelle der "Synagogen-Gemeinde zugewiesenen Fälle erwähnen, die sich auf die Bewilligung von Darlehen für produktive Zwecke, auf die Betreuung von Kandidaten für Meisterprüfungen im Handwerk, auf Beratung von Eltern die Schule verlassender Kinder und von Personen, die sich umschichten wollen, erstrecken. Wir haben von uns aus einen Kursus im Zeichnen und in techn. Fächern ins Leben gerufen, an welchem junge Leute kostenlos teilnehmen können. Besonders wertvoll erachten wir die Mitarbeit unserer Kollegen in der Gemeindeverwaltung, wo unser Vorsitzender, Koll. Glasermeister Hugo Spanier, dem Baudezernat vorsteht und wo die von uns dorthin entsandten beiden Gemeindevertreter Arch. Moritz H a d d a und Dr. Siegbert Ü n i k o w e r das Beste tun, um unser Ansehen zu stärken und unsern EinfluB zur Geltung zu bringen. Alle drei Herren haben in steter Fühlungnahme mit unserem Vorstande gearbeitet. Gegen Ende des Berichtsjahres ist von uns eine neue Propaganda in die Wege geleitet worden, die besonders unseren Mitgliedern aus dem augewerbe, aber damit auch indirekt allen jüdischen Handwerkern zu Gute kommen soll, und welche die Heranziehung der vielen jüdischen Hauswirte und Hausverwalter nun Zweck hat. die uns noch gleichgültig, wenn nicht ablehnend gegenüberstehen. Eine im Herbst veranstaltete Rundfrage zeigte, duii von unseren ca. 100 gewerbetreibenden Mitgliedern Uber 100 weitere Menschen beschäftigt werden. Wir haben Mitglieder, die bis zu 9 aVidern jüdischen Personen Lebensunterhalt und Ausbildung gewähren, denen viele andere gegenüberstehen, die Ohne Hilfskräfte auskommen. Der handwerkliche Anteil beträgt dabei ca. 70*/t, also ca. 70 Personen, die sich wieder zu 80*/t aus Lehrlingen zusammensetzen. Wir haben ferner eine Zahl von ca. 120 Handwerkerlehrlingen und Gehilfen mit handwerklicher Ausbildung in Breslau feststellen können. Es sind auch eine Reihe von Lehrlingen und Handwerksgehilfen bei arischen Meistern tätig, ein ziemlich . h o h e r Prozentsaz ist arbeitslos. Unsere Mitglieder wären in der Lage, alle arbeitslosen Gehilfen, soweit sie leistungsfähig sind, zu beschäftigen und noch viele neue Leute einzustellen, wenn sie selbst genügend Beschäftigung hätten. Es fehlt aber an Aufträgen und eine im letzten Jahr festzustellende Besserung in der Geschäftslage ist wiederum einem Arbeitsmangel gewichen. Aus dem Vorstand schieden im Berichtsjahr uus die Koll. Dipl.-Ing. Rudolf Hahn, der besonderer Gründe halber glaubte, sich von der Arbeit zurückziehen zu müssen, und Koll, Max Siedner, der nach Palästina auswunderte. Wir zogen dafür Koll. Stadtrat a.D. Georg Frey zur Mitarbeit heran. Wir haben vor ■kurzem unsere Jugendgruppe wieder zu neuem Leben erweckt. Die fast zweijährige Pause ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß in unseren Reihen sich niemand gefunden hat, der sich dieser so wichtigen Aufgabe widmen konnte. Wir hoffen, im nächsten Bericht Erfreulicheres über diesen Punkt mitteilen zu können, zumal uns vom Zentralvorstand eine Mitarbeit, z. B. in Form von Veranstaltung von Berufswettkämpfen, zugesagt worden ist. Die Zusammenarbeit mit unserem Zentralvorstand wur nach wie vor eine gute. In regem Schriftwechsel erhielten wir Anregungen, Auskünfte aller. Art und in großer Zahl. Eine in Berlin im Sommer abgehaltene Hauptvorstandssitzung wurde durch zwei Delegierte aus Breslau beschickt. Wir müssen bei dieser Gelegenheit unserer Berliner Zentrale gegenüber unser höchstes Lob für ihre vorbildliche Arbeit aussprechen und schließen unseren Bericht mit einem Ausblick, der nicht pessimistisch ausklingt, aber auch nicht große Hoffnungen erwecken soll. Gleiwitz In Anwesenheit von 38 Mitgliedern eröffnet um 8.20 Uhr der 1. Vorsitzende Fleischer die Sitzung der Generalversammlung, begrüßte die anwesenden Kollegen und Mitglieder der Frauengrupuc, ferner den Vertreter der Beuthner Ortsgruppe, Kollegen W o 1 f s o h n. Mach längeren Ausführungen gibt Kollege Fleischer einen erschöpfenden Bericht über die Tätigkeit des Vereins in den letzten zwei Jahren und welche Aufgaben der Verein geleistet hat. Es fanden 40 Vorstands- und 10 Vereinssitzungen statt. Einen besonderen Erfolg konnte die Ortsgruppe Gleiwitz buchen, denn auf ihre Anregung erging nach regem Schriftwechsel mit der Regierung in Oppeln ein besonderer Erlaß des Herrn Innen- und Arbeitsminister an die zuständigen Behörden, daß jüdische Handwerker bei Vergebung von Instandsetzungen bei Wohnungen ebenfalls solche ausführen dürfen, wo Reichszuschüsse in Frage kommen. Diese Entscheidung war nicht nur für Oberschlesien,, sondern für das ganze Reich von Bedeutung. Aus den Reihen der Ortsgruppe hatten wir einen Abang von 3 Kollegen nach Erez zu verzeichnen/während urch den Tod Kollege G1 e i t m a n n uns entrissen wurde, sein Andenken wurde durch Erheben von den Plätzen geehrt. Die GrUndung des oberschl. Verbandes wirkte sich auch segensreich aus. Desgleichen wurde eine Werbeabteilung gegründet, die sich die Aufgabe gestellt hat, eine größere Propaganda unter den Gemeindemitgliedern ins Leben zu rufen. Einen ebenso großen Raum nahmen die Lehrlingsfragen ein. , io