Der jüdische Handwerker
- Journal
- Der jüdische Handwerker
- Volume
- 27 (1935)
- Issue
- 2 (2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, Gehilfenverein Josef- Rosenthal kann am 7. März d. J. auf eiue 23jährige Tätigkeit am Friedhof der Jüdischen Gemeinde zu Weißensee zurückblicken. »Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Pionier der Arbeit und eine Zierde des jüdischen Handwerks. In vorbildlicher Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit erfüllt er nicht nur die ihm obliegenden Berufspflichten, sondern widmet sich auch mit Liebe dem jüdischen Yereinswesen, im besonderen als Vorsitzender des jüdischen Handwerks- und Handlungsgehilfen-Vereins. Auch in der Wohlfahrtspflege und in der Betreuung der verwaisten jüdischen Jugend ist er stets liebevoll auf dem Platze. Wir wünschen ihm von Herzen Glück zu seinem Jubel- - tage, verknüpft mit der Hoffnung, ,daß i r noch viele Jahre in bester Gesundheit seines Amtes walten möge. B. St. Beuthen Unsere Ortsgruppe hielt am 27. Januar 193) im Gemeinde-Sitzungssaal die Generalversammlung ab, an der auch Kollegen aus GleiwiU und Hindenburg teilnahmen. Der. Vorsitzende Kollege Badrian, eröffnete um i"'< Uhr mit dem HandwerkergruB die Sitzung und gab einen eingehenden Tätigkeitsbericht über die Lage im verflossenen Jähre unter besonderer Berücksichtigung der geleisteten Arbeit für Arbeitsbeschaffung und Berufsumschichtung. Einen breiten Raum nahmen die Verhandlungen Uber die in Aussicht genommene Ausstellung von handwerklichen Erzeugnissen, auch für die Städte Gleiwitz und Hindenburg unter Mitbeteiligung der dortigen Kollegen, ein. Die Gründung einer Frauengruppe wurde zurückgestellt. Nachdem auch de; Kassierer und der Schriftführer ihre Berichte gegeben hatten, wurde auf Antrag der Revisoren dem Vorstand Entlastung erteilt. Der Vorstantf wurde mit kleinen' Aenderungen einstimmig wiedergewählt und demselben das besondere Vertrauen für die Mühewaltung ausgesprochen. * ■ L '■»-■■* Nunmehr nahm der Vorsitzende des O.S. Verbandes, Kollege Fleischer, Gleiwitz, zu längeren Ausführungen das Wort, mahnte eindringlich zu fester Zusammenarbeit und dankte .besonders Kollegen Badrian für die auch im O.S. Verbände geleistete Mitarbeit. Die aus AnlaB des 23jahrigcn Jubiläums des Kollegen Louis Wolff als Vorsitzender des Berliner Vereins herausgegebene F'estschrift „Handwerk im Judentum" fand guten Absatz. Nach reger Aussprache über handwerkliche Fragen, an der sich auch Kollege Salo Wolfsohn beteiligte, wurde die gut verlaufene Sitzung unter Dankesworten an die Erschienenen um 19,30 Uhr geschlossen. Hamburg In der Geschichte unseres Vereins bedeutet das Jahr 1934 zweifellos eine bisher hoch nicht dagewesene Entwicklung. Seit 1932 haben wir einen Mitgliederzuwachs von über IOC/» zu verzeichnen. Es ist nur zu erklärlich, daB die Entwicklung der Ereignisse von der Zeit des Umbruches ab unserem Verein einen starken Zuwachs brachte. Zahlreiche Existenzen, welche bedroht sind, suchen jetzt einen Zusammenschluß, um in der Verbundenheit ihren Glaubensbrüdern überzeugender klarzumachen, wie unendlich wichtig es für den Weiterbestand der jüdischen Gemeinschaft ist, daB sich die Glaubensgenossen ihrer Pflicht bcwnflt werden, den bitter um seine Existenz kämpfenden jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden durch Zuwendung von Arbeiten und Aufträgen lebensfähig zu erhalten. Seit unserem Bestehen fordern wir dieses Prinzip und nicht aus materiellen Gründen kämpfen wir für unseren Stand, sondern in erster Linie waren es ideelle Beweggründe, die unseren Verein seiner Zeit veranlaflten, bannbrechend und wegweisend unbeirrbar vorwärts zu streben. In erdrückender Schwere hat die Zeit nach dem Umbruch uns gezeigt, wie recht wir hatten, wie wichtig es war, Vorsorge zu treffen, dafl die handwerklichen Berufe unter uns Juden fgefördert werden und die Unterbringung der Jugend in landwerkliche' Berufe eine Notwendigkeit ist,-die allseitig leider erst jetzt erkannt wurde. Man hat immer noch nicht eingesehen oder will es nicht verstehen, daB mit Stärkung des jüdischen Handwerkers und Gewerbetreibenden diese erst in ihrer Leistungsfähigkeit gefördert und in den Stand versetzt werden, jüdische Arbeitskräfte einzustellen und Lehrlinge auszubilden. Wenn nun durch die Entwicklung der Dinge neue Mitglieder zu uns'kommen, so will ich diesen neuen Freunden hiermit sagen, daB dem Verein immer noch in erster Linie unsere ideelle Arbeit Hauptzweck ist. Selbstverständlich haben wir auch jederzeit volles Interesse für die persönlichen Nöte und Sorgen eines jeden unserer Mitglieder. Jeder, der uns mit irgendeinem Anliegen auf suoht, „wird bestens beraten und ihm nach Möglichkeit geholfen. Unser Kampf um die Solidarität des Juden mit dem jüdischen Unternehmer wird fortdauern müssen, bis dieses Prinzip Allgemeingut eines jeden Juden Beworden ist. Kleinlich und kurzsichtig ist es, wenn sich Mitglieder von uns lossagen, weil sie der Ansicht sind, daB ihre Zugehörigkeit zu uns ihnen keinen sonderlichen materiellen Vorteil bedeutet. Das sind arme Menschen, die es nicht verstehen, (lall wir erst , mitten in unserer Erziehungsarbeit stecken und dall es einer unendlichen Zeit bedarf, bis wir dort sind, wohin wir zu kommen streben. Die Ereignisse sind uns zu Hilfe gekommen, und .sicher ist, daB auch eine ganze Anzahl unserer Mitglieder durch die Arbeit unseres Vereins wirtschaftliche Vorteile erzielt hat. Aber ich wiederhole: Nicht aus materiellen Gründen sollen sich die Mitglieder zu uns bekennen, sondern aus dem Willen und der Ueberzeugung heraus, uns in unseren ideellen Bestrebungen zu unterstützen. . Auchin diesem Jahr lichtete der unerbittliche Tod unsere Reihen. Allen Verblichenen wollen wir ein ehrendes Andenken halten und ihnen für die uns bis in den Tod bewiesene Treue danken. Unsere Bilanz ist aktiv, wie aus dem Kassenbericht des Schatzmeisters ersichtlich. Besonders groB sind die Anforderungen, die an den Verein für Lehrlingsbetreuung gestellt . werden. Unsere Berufsberatu ng s s t e 11 e, die in der bewährten Leitung von Frau Dr. Za d i k unter Mithilfe unseres stellvertretenden Vorsitzenden Koll. L e v i n s o n liegt, erfreut sich einer ganz besonders starken Inanspruchnahme. Jct/t. wo die Notwendigkeit der Unterbringung der jüdischen Jugend in handwerklichen Berufen allgemein erkannt ist, fällt es schwer, handwerkliche Lehrstellen ausreichend zu beschaffen. Frau Dr. Zadik spreche ich an dieser Stelle für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit meinen herzlichsten Dank aus. Desgleichen Koll. L e v i n s O n für seine auf diesem Gebiet geleistete Arbeit und das bewiesene Interesse. Eine ganze Anzahl von Mitgliedern, die wohl Handwerker sind, aber nicht den Meistertitel haben, dürfen keine Lehrlinge ausbilden. Schon aus diesem Grunde» ist es'unerläßliche Pflicht, daB ein Jeder seine Meisterprüfung jetzt noch ablegt; aber auch aus GrUnden des Ansehens des judischen Handwerkers halte ich es für erforderlich, daß diese Prüfung noch nachträglich abgelegt wird. Die Jugendgruppe unseres Vereins hält ihre Heimabende jeden Mittwoch im Gemeindehaus, Johnsalice 34, ub. Die Meister, welche jüdische Lehrlinge beschäftigen, wollen doch dafür sorgen, daß diese die Heimabende regelmäßig besuchen: Die Vereinsleitung hui der Jugendgruppe im Berichtsjahr Beträge für die Beschaffung von Spiel- und Sportgeräten zur Verfügung gestellt. Im Sommer machen diese jungen Leute regelmäßig Ausflüge in die Umgebung Hamburgs. Die unter meiner Mitarbeit eingerichteten Vor leb. rk u r s e haben sich als eine bestens bewährte Einrichtung bewiesen. Junge Menschen, welche dem Alter nach wohl schulentwachsen, ihrer körperlichen Verfassung nach jedoch noch nicht geeignet sind, ins Berufsleben zu treten, oder denen es nicht gelang, eine geeignete Stellung als Lehrling zu finden, werden in diesen Kursen unter fachmännischer \ ('Illing mit den Anfangsgründen des Handwerks in der Bearbeitung von Holz oder Eisen ausgerüstet, um entweder mit handwerklichen Grundkenntnissen versehen ein Handwerk zu erlernen, für welches diese jungen Leute in den Vorkursen ihre Eignung gezeigt haben. Die Darlehnskasse, der ich als Vorstandsmitglied angehöre, hat auch im vergangenen Jahre vielen unserer Mitglieder Kredite gewährt, welche es ihnen ermöglichten, übertragend Arbeiten auszuführen. In einigen Fällen wurden auch Gelder zur Etablierung bewilligt. Es ist mir gelungen, in diesem Institut das Prinzip durchzusetzen, daß für die Hergabe von Krediten in erster Linie 'die Ehrbarkeit und Kreditwürdigkeit des Darlchnssuchers entscheidend ist. Wenn auch die Darlehnskasse, da sie keine Verluste erleiden darf, grundsätzlich Kredite ohne Sicherheiten nicht hergeben kann, so ist es heute doch nicht mehr nötig, daß, wie früher, bankmäßige Sicherheiten geboten werden müssen. Bei kleineren Darlehen ist es mir in einigen \ allen sogar gelungen, die Herabc von Beträgen ganz ohne Sicherheit durchzuolen, eben weil es sich um ehrbare, kreditwürdige Darlehnssucher handelte. » Die Frauengruppe unseres Vereins, welche sich ebenfalls wesentlich vergrößert hat, beschenkte eine große Anzahl von notleidenden Familien zu Pessach, SukVaus, Ii io