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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1936-02-18 · 2 (18.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
8 (1936)
Issue
2 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1,1 U II1IIHWWMW WJ1. l "vw — Verlagsort: Mannheim 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE RDEMFN .AMTL ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG linhl'lkll Daa Jüdisch« Gamalndablatt galangt an dl* Mltglladar dar laraalltlachan Oamalnda Braman und an dla Oamalndavarwaltungan dar Rabblnatakailrka Oatfrlaaland, oidanburg und Stada zur Liatafung Bazugaprala vlartaljahrilch SO Pfg. zuzOgl. PoatzuatallgabUhr Nachdruck nur mit Quallanangaba und mit Oanahmlgung da« Varfaaaara gaatattat. Nr. 2 Bremen, 18. Februar 193« 8. Jahrgang Aus der Berufsgeschichte der Juden Von Prof. Dr. Heinrich Loewc. Tel-Awlw (Schluß) Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Amsterdam besonders viele jüdische Musikanten, Possenreißer, Taschen- und Puppenspieler, außerdem vor allem Trödler, Hausierer und Lastträger. Besonders fielen die Schuhputzer, die auf allen Plätzen und Brucken ihren Stand hatten, in die Augen. Viele Jüdische Garkoche richteten in Buden ihre Fisch- und Fleischspeisen, nebst Giern, Qemüsen usw. für die ärmeren Bevölkerungsklassen zu, nicht bloll für die jüdischen. Hierzu kam der Handel mit gebratenen Hühner- und Taubeneiern, mit Heringen, Bücklingen und ähnlich billigen Fischen, die sie durch die ganze Stadt kirrten, und endlich der Kleinhandel •mit «auren Uurken (vgl, Äftgeweiner unterhaltender Curiosltätenf-Almanach. Hrsg. v. Christian Aug. FlSCfter.« Jahrg. 1, Main« 18»). ■ Kleinhändler sind die Juden oft gewesen. Namentlich wurden sieuii 18. Jahrhundert ip Deutschland auf Em- und Verkauf von alten Kleidern gedrängt. Damals waren die Mehrzahl der Juden In den fränkischen Ländern sogenannte Trödel- und: Betteljuden. Am Wucher waren sie zu dieser Zeit kaum beteiligt. Das war anders im ausgehenden Mittelalter gewesen. Damals war ein großer Teil von deutschen Juden gezwungen gewesen, sich durch das Geldgeschäft die Mittel zu verschaffen, die ihnen von den staatlichen Gewalten abgepreßt wurden. Aber auch damals blieb er nicht Ihr alleiniges Eigentum. Gerade die christliche Konkurrenz hatte den Haß gegen die Juden geschürt Man nannte dieses christliche Qeldwuchern „mit dem Judenspieß rennen". Mit dem Maße, wie der christliche Wucher überhand nahm, wurde diese Redensart sprichwörtlich und trug dann dazu bei, den Judenhaß immer frisch zu erhalten, auch als längst keine Juden mehr im Lande waren (ygl. Burdacti, Vorspiel, Halle 1925, Bd. I, Seite 174 ff. u. 276 ff.). Besonders gern wird die Behauptung aufgestellt, die Juden seien die Hehler der Diebs- und Räuberbanden gewesen, ohne daß für diese aus der Luft gegriffene Verdächtigung der Schatten eines Beweises vorhanden, wäre. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es~in Schwaben eine Art organisierten Staates von Spitzbuben, Dieben und Räubern mit einer eigenen Verfassung und ihren besonderen gesellschaftlichen Verhältnissen. Diese „Jauner" hatten Ihre besonderen Eigentümlichkeiten. Sitten und Bräuche, mit einer eigenen Sprache. Sie nannten sich selbst Tschor, Kochumer und Cannover, ihre Sprache die Jenische.. Ja sie hatten auch Ihre besonderen Gesellschaftsklassen unter sich, die sich zumeist nach der Art, das Diebshandwerk auszuüben, unterschieden. Sie waren auch Herumziehende Quacksalber, Wunderdoktoren, Zahnärzte, Viehärzte, Scharfrichter, Schatzgräber, Geisterbanncr. Falschmünzer,. GIQcksbudehbesJfzef u."4."nl. Ihren Gaunerberuf übten sie in Gesellschaft aus. Ihr Ursprung waren die abgedankten Soldaten des Dreißigjährigen Krieges. Und Jeder neue Krieghat sie neu rekrutiert. Zudem sorgten der österreichische und der'bäuerische Staat in Ihrer Welse für die regelmäßige Auffüllung Ihrer Mannschaft (vgl. Hoche in „Deutsche Monatshefte, Leipzig 1896, S. 281—303). Törichterweise wird der Name „Jauner" oder „Gauner" aus dem Hebräischen abgeleitet. Er hat dort so wenig seine Wurzel, wie die Behauptung wahr wäre, daß sie mit den Juden als den Abnehmern ihrer Beute in Verbindung gestanden hätten. Die einzige Begründung, die hierfür gegeben wird, „daß es sich hieraus wohl erklären ließe, warum die Juden oft die kostbarsten Waren so äußerst wohlfeil verkaufen können", zeigt den Ursprung dieser Verleumdung bei der weniger tüchtigen Konkurrenz. . Als der jüdische Finanzmann des Königs von Preußen, Friedrichs II., Veitel Heine Ephraim, im Interesse des preußischen Staates um 1770 eine Brabanter Kantenmanufaktur errichtete, beschäftigte er im Netzedistrikt vle'.e jüdlsoke Witwen und Waisen, die er Kantenklöppeln erlernen Heß. Solche Spitzenklöppelei wurde namentlich in Flotow, aber noch in fast einem Dutzend von Orten des Distrikts von zahlreichen Juden betrieben «vgl. Zeltschr. f. d. Gesch. d. Juden I. Deutschland I; 1929; S. 152 ff.). Die Juden waren in den letzten Jahrhunderten auch vielfach Zollpächter und Chausseegeldelnnehmer. In Polen waren sie vielfach Qutsverwalter und Faktoren der Großgrundbesitzer. In Böhmen hatten sie den Handel der herrschaftlichen Flußhütten gepachtet. Da die Arbeltsbevölkerung so arm war, daß sie den Aschenzins nicht zu zahlen vermochten, so wurde der Jude als herrschaftlicher Aschenpächter natürlich besonders gehaßt. Dieser Handel mit „Fluß" ging In der zweitsn Hälfte des 18. Jahrhunderts in Böhmen völlig in jüdische Hände Uber, so daß um das Jahr 1770 eine. „Baad-Aschen- Companie" von Juden gegründet wurde (vgl. Blau, Böhmerwalder Hausindustrie, Teil Ii Wald und Holzarbelt, 1917; S. 109, 114, 116). Um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts liegt der damals bedeutsame Pferdehandel als geschäftlicher Beruf in Deutschland in den Händen von Juden. Sie haben Konkurrenz eigentlich nur in den Kreisen der -adligen und hochadligen Großgrundbesitzer, denen es Ehrensache ist, beim Pferdehandel Ihre Gerissenheit zu zeigen. Es ist aber doch ähnlich wie beim Viehhandel, dessen Hauptzweig der Rinderhandel ist. Auf der einen Seite sind.es gerade die gesündesten und Jenny idtitUr Damen 'Wäsche, einfache bis eleganteste Ausführung. ' Für stark» Damen: Extraweit» Wäsche nach Maß. Herren'Schlaf aruüxe auch aus Flanell. Mauajjf. Hiktfu im WHstli* GHett- und?ls<n-Wastftc. Anfertigung audt aus zugtgtbtntn Stoffen. Bremen, &$ownmtr. 3 gel. £9%%f

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