Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 11 (14.11.1934)
- Date
- 1934-11-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nummer 11 Gemeindeblatt Bremen Seite 7 Innerhalb der hebräisch-apuliscben Literatur nahm die Dichtung eine bedeutsame Stellung ein. hoch kannte man bisher außer dem Namen eines einzigen Dichters nichts vom literarischen Schaffen der Juden Otrantos. Jetzt ist es gelungen, die Dichtung kennenzulernen. Diese Dichtung ist auch der eigentliche Gegenstand der Studie Schirmanns.__ Einen interessanten Einblick in das dichterische Schaffen der Juden von Otranto gewährt das hebräische Manuskript der Sammlung Schocken.-Es ist eine ungemein reiche Sammlung von liturgischen Kompositionen und Hymnen für sämtliche Peste des Jahres nach Ritus Korfu. ■ Im Machsor Korfu ist die liebräische Poesie von Otranto durch vier Dichter vertreten, deren, Wohnort angegeben ist. Es sind das 1. Meaachem ben Mordechai Haparnas, Verfasser einer vierteiligen Jozer-Komposition. Seine Sprache ist dunkel und schwierig, mit paitanischen Neubildungen stark durchsetzt, ferner ist für ihn eine überaus starke Anlehnung an Talmud und Mjdrasch charakteristisch. 2. Anatoll von Otranto Dichter einer umfangreichen Tochecha (Ermahnung), aus 172 paarweise reimenden Versen. Er läßt ein. ergreifendes Bild vom Tod und Begräbnis des Menschen» sowie vom Streite der Seele und des Leibes vor Qott erstehen. 3. Mejuhas von Otranto, Verfasser eines metrischen Uedichts spanischen Einflusses. Schirmann schreibt ihm zwei Hochzeitsgedichte zu: a) ein schlichtes für den Bräutigam, b) eine durch die Hochzeitsfeier veranlagte Bitte um messianisches Heil. 4. Schabbetal von Otranto, Verfasser einer vierstrophigen Dichtung, in welcher „der Jungfrau Israel" die Wiederkehr einer neuen Jugend versprochen wird. (Die Nachkommen der aus Otranto vertriebenen Juden, haben eine eigene Gemeinde in Saloniki begründet, die bis auf den heutigen Tag besteht.) Die Juklen Siziliens nahmen am geistigen Leben ihrer Hei- ' inat tätigen Anteil und pflegten auch die hebräische Literatur. Die meisten ihrer Werke sind jedoch verloren gegangen. Im 13. Jahrhundert wirkte in Palermo der Arzt und Dichter Ahltub ben Jizchak, dessen Gedichte Immanuel aus Rom (um 1300) seinen eigenen gleichstellt. Ahitub darf als erster Vertreter einer autochtonen hebräischen Dichtung in Sizilien gelten. Seine liebräische Uebersetzung der Logik Maimunis Ubertrifft jene von Mosche ibn Tibbon. M. GUdemann hat in seiner „Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der. Juden in Italien" (Wien 188:), eine kurze Inhaltsangabe und Charakteristik der nunmehr erschienenen „Maqame vom Korbe" (Machberet hattene) gegeben. Sie zeichnet sich durch einen flüssigen Stil vorteilhaft aus und zeugt von der Belesenheit des Autors im biblischen, talmudischen und philosophischen Schrifttum. Ihr poetischer Wert ist jedoch sehr gering. Es war ihm nur darum zu tun,. Maimunis hogmenlehre in einen Zusammenhang mit der Handlung zu bringen und sie durch die dichterische Einkleidung dem Leser einigermaßen schmackhaft zu machen. Literarhistorisch ist sie als Beispiel für die Entwicklung einer bestimmten Art von Dichtungen von Interesse. Sie bildet auch die Vorstufe für die Maqa'men Immanuels aus Rom, dem Verfasser des „Hatofet wehaeden" (Hölle und Paradies). Zuletzt behandelt Menahem Zulay eine Hanukka-Oeroba von PlnhasÄWicn. neben Jose ben Jose, Jannai und Qalir einer der Väter der synagogalen Poesie. Sein Name ist sonst in der älteren Piut-Llteratur n cht nachzuweisen. An Hand des hier veröffentlichten Piut für das Lichterfest, fülirt Zulay den Beweis, daß der von Saadja (10. Jahrhundert) in seinem „Agron" genannte Pinchas, mit diesem zu Identifizieren Ist. Entsprechend den achtzehn Tcfilla-Benediktionen, besteht diese Qeroba aus achtzehn vierzeiligen mit Bibelvers schließenden Strophen. Sie Ist in mancher Hinsicht überaus beachtenswert. Vielleicht, werden noch andere aufgefundene ' Kompositionen desselben. VecfasSeTS -rftelir'ATtfsÄBJtber Ihn geben. A>M. Kohn-Asulay. Denkt an die Pfundspende des Israel. Frauenvereins äSGT Zur genauen Befolgung bei Todesfällen % Sterbefälle sind unter Mitnahme einer Geburts¬ oder EheschließungvUrlqiade und der vom Arzt ausgefertigten Todesbescheinigung Ii n v e r z ü g 1 i c h beim Bremischen Standesamt, An der Tiefer (geöffnet: Werktags von 8.30 bis 13.00 Uhr) durch jemanden anzumelden, der sichvon dem Eintritt des Todesfalles persönlich überzeugt hat. Der standesamtliche Anmeldeschein ist'alsdann im Büro der Friedhofs-Inspektion vorzulegen, um eine Beerdigungseriaubnis für den Erie'dhof der Israelit. Gemeinde zu erwirken. 2. Der Bee rd ig u n g s - E r la u b n i ssch e i tf ist im Jüdischen Gemeindebüro (Gartenstraße.7) abzugeben, wo der Todesfall anzumelden und, falls noch keine reservierte Grabstelle vorhanden, der Erwerb des Nutzungsrechts an einer Grabstelle zu beantragen ist. 3. Nach Entrichtung der Gebühr für das Nutzungsrecht und Hinterlegung eines Kostenvorschusses für die Beerdigung wird ein Leichen-Beigleitschein ausgefertigt, ohne den weder die Ueberführung zum Gemeindefriedhofe erfolgen, noch die Zeit der Beerdigung festgesetzt werden kann. 4. Die Todesanzeige in den Tageszeitungen darf unter keinen Umständen eine andere,-als die im Leichenbegleitschein angegebene, vereinbarte Beerdigungszeit enthalten. Andernfalls ist der Anzeige hinzuzufügen: Die Zeit der Beerdigung wird noch bekanntgegeben. 5. War der Verstorbehe Mitglied einer Sterbekasse, so ist der Vorstand des Kranketp-WorHtätigkeits-Vereins hiervon sofort zu verständigen, der die Abrechnung! mit der betreffenden Kasse ohne Dazwischentreten der Angehörigen vorzunehmen hat. Der von der Sterbekasse vergütete Betrag wird auf der Gebühren-Rechnung des KWV. abgesetzt Für Sterbekassen-Mitglieder ist die Hinterlegung1 eines-Kostenvorschusses in beschränkter Höhe erforderlich. 6. Vereinbarungen betreffs Gottesdienst im Trauer h a u s e sind mit dem Vorsitzenden der Chewra Kadischa, betreffs Benutzung der Gedäclt,tnislicht-Einrichtung derSynagogemit dem Vorsitzenden der Synago Ken-Kommission zu treffen. Zwecks Vermeidung späterer Weiterungen empfiehlt es sich, den hebräischen Namen des Verstorbenen Bleich vermerken zu lassen. Wichtig lür jüdische Mitglieder der Barmer Ersatzkasse (Krankenkasse der deutschen Angestellten) Laut Mitteilung des Reichsaufsichtsamtes für Privatversicherung bekommen künftighin die jüdischen Mitglieder der Gruppe C (freiwillig Versicherte) auch die Rechnungen der kassenausgeschalteten nichtarischen Acrzte vergütet; d. h. die jüdischen Mitglieder der Gruppe C liönnen~*icli von jedem jüdischen Arzt, jüdischen Zahnarzt und Dentist behandeln lassen. Palästinabilder gesucht Die Jüdische Buch-Vereinigung, Berlin, Pariser Straße 7, bittet uns, allen Besitzern von unveröffentlichten Aufnahmen aus Palästina Folgendes mitzuteilen: Dr. Georg Landauer gibtjm Rahmen der Publikationen der Jüdischen Buch-Vereiniguifgeihen Palästina-Bilderband heraus, derAnfang 1935 erseneinen wird. Dieser Band soll neben Aufnahmen, der bekanntesten Berufsphotographen auch eine ganze Reihe von Amateuraufnahmen enthalten. Die Herausgeber sind der Ansicht, daß gerade unter den' Aufnahmen der Amateure Material enthalten ist, das durch Aufnahme in diesem Band der Oeffentlichkeit zugängig gemacht werden soll. Alle Besucher Palästinas, die Aufnahmen von dort mitbrachten, Angehörige von Palästinensern, die Palästinabilder besitzen, vor allem aber auch Amateurphotographen in Palästin:i selbst, werden gebeten, unverzüglich die Bilder, die sie für geeignet halten, einzusenden an Jüdische Huoh-Vereinlgung. Berlin W 15, Pariser Straße 7 (für Palästinabilderhand). Jedes Bild muß auf der Rückseite die genaue Adresse des ^Einsenders tragen. Angenommene Bildet werden honoriert, nicht angenommene Aufnahmen werden schnellstens zurückgesandt falls Rückporto beigefügt ist. ,