Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 11 (14.11.1934)
- Date
- 1934-11-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Gemeindeblatt Bremen Nummer 11 Betriebsordnungen tttr alle Berulszwelge in Htllchtnlorm, zur Aushändigung an die Gefolgschaft lielert prompt und preiswert Der Verlag des Iar. Gemeindeblattes Abteilung Druckerei Fernsprecher : S-Nr. 62318. Lndwigshafen am Rhein, Schulstraflc 14 Variangan Sia heute noch'unaar Angebot Reichsvertretüng der deutschen Juden Die Pressestelle der Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Gestützt auf das dem PräsidialausschuB in der Beirätsskzung vom 14. d. M. erneut von allen Seiten bekundete Vertrauen wird die Reichsvertretung die Arbeit für d e Gesamtinteressen der deutschen Juden im bisherigen Geiste fortsetzen. Plane für den weiteren organischen Ausbau der Reichsvertretung wird die Leitung der Reichsvertretung in einem besonderen in der Beiratssitzung gebildeten Organisationsausschuß zur Beratung bringen. Einen Schritt auf diesem Wege stellt die von dem PräsidialausschuB angeregte Bildung eines Haushaltsausschusses dar, in dem die Landesverbände der Gemeinden den maßgebenden Einfluß Huben: er hat den Haushaltsplan der- Reichsvertretung zu verabschieden, seine Einhaltung zu überwachen und die Recltnung der Re;chsvertretung zu prüfen. Der Beirat ist bei der Bildung des Haushaltsausschusses von der Erwartung ausgegangen, daB die zur Fortsetzung der Arbeit der Reichsvertretung sowie zur Dekkung der für Hilfe und Aufbau notwendigen Mittel gemäB den Beschlüssen des Haushaltsausschusses von den Qemeinden bzw. Landesverbänden aufgebracht werden. Unter Betonung der dem Beirat vorgetragenen und von ihm einmütig begrüßten sozial-politischen Bedeutung des ZenfraJausschtisses für Hilfe und Aufbau richtet die Reichsvertrc- 'tung. an afle.Glieder des deutschen Judentums nochmals den dringenden Appell, die begonnene Sammlungsaktion für das Hilfswerk mit allen Kräften zu unterstützen und zu fördern. Der schwere Winter mit seinen alten und neuen Problemen muß das deutsche Judentum in Einigkeit gerüstet finden. Bestellschein An das Postamt (Zeitungsstelle) Hier Hebräische Dichtung des Mittelalters Es ist gewiß kein Zufall. daB ein so namhafter Dichter und Lehrer wie Bialik, auf die Gedichte eines Mosche ibn Ezra. Salomo ibn Qabirol, oder eines Samuel Hanagtd besonderen Wert legt und eine Sammlung der Werke ältester Dichter für die junge Generation neu herausgibt. Sind es doch Werke, die aus tiefstem jüdischen Empfinden und reinster jüdischer Gesinnung geboren wurden. Dieses wichtigen Zieles wegen und aus gleicher Absicht heraus ist vor einigen Jahren dank der Initiative von Salman Schocken, das „Forschungsinstitut für hebräische Dichtung" begründet worden, das unter der Leitung des früheren Oberrabbiners von Prag, Dr. Heinrich Hrody, eines der besten Kenner der mittelalterlichen hebräischen Literatur, steht. Das Institut, dessen Ziel die Erforschung der hebräischen (mittelalterlichen) Dichtung ist, wurde jetzt von Berlin nach Jerusalem verlegt. Es stellt eine zentrale Stelle dar. in der auch das in der Geniza gefundene Material gesammelt und gesichtet' wird. Es gewährt uns Einblicke in eine entschwundene Zeit und läßt die ganze Geschichte der nachbiblischen hebräischen Dichtung in neuem Licht erscheinen. In den .,Mitteilungen des Forschungsinstitutes für hebräische Dichtung" Band I (XVI plus 186 S„ Oktavformat, Schokken-Verlag. Berlin, 1933), einer für Fachleute bestimmten Veröffentlichung, finden wir zunächst eine kurze Ueberslcht über die dort geleisteten wichtigen Arbeiten. Dann werden darin 1. Gedichte des Todros Abu-l'Afija. 2. Dichter von Otranto und Palermo und 3. eine Hanukka-Qeroba des Pinchas ■ Makula-n behandelt. . Todros Abu-l'Afija (1247—1306). ein in Toledo lebender Beamter Alfonsos X. und Sänchos IV., ist als Verfasser von Versgedichten bekannt. Hier werden 48 aufgefundene Gürtelgedichte des gewandten Dichters zum ersten Male veröffentlicht. Todros ahmt die Formen, seiner arabischen Vorbilder nach, mit ihrer Rhetorik scheint er jedoch sich wenig beschäftigt zu haben. Er kennt ihre Gesetze nicht genau, in seinen Gedichten zeigter sich aber als Meister des Reimes. Die Bearbeitung dieser Gedichte< war recht schwierig. Da aber diese Veröffentlichung, wie erwähnt, für Fachkenner berechnet ist, hat Hrody. Verfasser dieser Abhandlung, von einer eingehenden Erklärung absehen können. Eine Ausnahme machen nur einige schwierige Stellen, die mit einer Uebersetzung oder einer kurzen Erklärung versehen wurden. Sonst vertreten Hinweise, besonders auf biblische und talmudische Quellen, die Stelle eines Kommentars. Die Geschichte der hebräischen Poesie in Apulicn und Sizilien, insbesondere die Dichter von Otranto und den Dichter Ahitub aus Palermo, behandelt Jefim Schlrmann, ein Mitarbeiter Brodys. SUditalien darf wohl als das erste jüdische Kulturzentrum im Abendlande gelten. Die ältesten erhaltenen Werke der luden Spaniens sind erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts entstanden, während verschiedene aufgefundene historische Texte zu dem Ergebnis führten, daß die apulischen Juden spätestens schon seit dem Anfang des 9. Jahrhaunderts n. Chr. literarisch tätig waren. Den Anfang der jüdisch-spanischen Literatur wird man dagegen wohl erst mit Hisdal ibn Schaprul (um 950) in Zusammenhang bringen. Auch die Angaben der Geschichtsquellen (Mosche ibn Ezra, Harizi) stimmen hiermit überein. Süditalien gilt als Heimat vieler Verfasser profaner und liturgischer Poesien. Süditalienischen Ursprungs sind auch Sammlungen von Sagen und Legenden oder novellistisch ausgeschmückte. historische Berichte,;..wje.?■i.ft. das_w^ml«s»me, „Jos!ppon"-Buch. Auch einige Midraschim, insbesondere uV „Tanna de-be Elijahu" ist in Süditalien entstanden. Ein Ausspruch des nordfranzösischen Gelehrten Jaakpb hen Meir Tarn (st. 1171) lautet in Anlehnung an Jesaja 2, 3: „Denn von Bar! geht das Oesetz aus und des Herrn Wort von Otranto . . ." (Ki mibarl tez6 Tora udbar haschem meotranto.)'