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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen · 1934-04-27 · 4 (27.4.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen
Volume
6 (1934)
Issue
4 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTL. ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Om Jüdische Gemelndeblatt gelangt an all* Mitglieder dar Israelitischen Gemeinde Bremen und an all* 6emelndeverwaltungen dar Rabbinatabazlrka Ostfriesland, Oldanburg und Stada unentgeltlich zur Lieferung Naohdruck nur mit Quellenangabe und mit OJenehmlgung des Verfassern g«stattat Verlagsort Mannhalm, Varant. für den red. Teil: Dr.Max GrUnawald, Mannhelm; für den lok. Teil: M. Markreich, Breman; für die Anaalgen i Curt Bramel, Ludwigshafen a. Wh. — D.-A. I. VJ. 600 Exemplare. Druck u. Verlag: Oebr. Neubauer, Ludwlgahafan a. Rh. Nr. 4 Bremen, 17. Hpril 1934 6. Jahrgang Die Reichsvertretung der deutschen Judens Aus dem Februar-Heft der Zeitschrift „Der Morgen". Nach Ablauf e nes Jahres, seitdem mit der Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die nationalsozialistische Bewegung die Führung Deutschlands übernommen hat, darf auch die Vertretung der deutschen Juden von ihren Wünschen, ihren Hoffnungen, ihren Zielen sprechen. Sie we ß, wie groß und vielgestaltig die außen- und innenpolitischen Aufgaben der Regierung sind und daß die Judenfrage nur einen kleinen Ausschnitt aus d esem Kreise bildet. Allein — ob mit Recht oder Unrecht —: Äußerhalb Deutschlands mißt man ohne Zutun der deutschen Juden ihrer Behandlung eine erhebliche Bedeutung bei. und, auch im Innern kann eine Lösung, die die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Judentums mit den Erfordernissen des neuen Reichs zu vere nbaren weiß, nur förderlich wirken. So glaubt die Reichsvertretung, indem sie, unter Verzicht auf alle ideologischen Erörterungen, diese Lebensnotwendigkeiten aufzeigt, nicht nur der engeren Gemeinschaft der deutschen Juden, sondern Deutschland selbst einen Dienst zu erweisen. Die Reichsvertretung anerkennt, daß (von dem Verbot der rituellen Schlachtungen abgesehen) jeder Eingriff In das _ religiöse Leben peinlich vermieden worden, ist. Sie muß aber darauf h nweisen, daß die Träger dieses religiösen Lebens, die Gemeinden, infolge der ungeheuren Abnahme der Wirtschafts¬ und Steuerkraft ihrer Mitglieder zu erliegen drohen, wahrend gleichzeitig Ihr Pflichtenkreis auf religiösem, sozialem und kulturellem Gebiet nach Art und Umfang aufs stärkste gewachsen ist und sich noch immer weiter ausdehnt. Die Aufgabe, der sich d e Regierung mit tiefem Ernst und sichtbarem Erfolg widmet, den deutschen Individualisten zum Dienst an der Gemeinschaft zu führen, gilt erst recht für die deutschen Juden, die sich In der Emanzipation nicht nur drückender Fesseln, sondern auch wertvoller Bindunsen entledigt hatten. Der eigentliche Ort praktischer Gemeinschaftsarbeit aber ist für den Juden die Gemeinde. Ihre Erhaltung, ja ihr Ausbau ist deshalb nicht nur vom religiösen, sondern auch vom staatlichen Standpunkt aus von der größten Bedeutung. Dazu ist aber Vorbedingung, daß nicht Uber die Gesetzgebung des letzten Jahres hinaus und entgegen vielfachen Willensäußerungen maßgebender Stellen den Juden immer wieder die wirtschaftliche Bettnang ajs Arbeitnehmer und Arbeltgeber erschwert. In manchen RelchsteUeB Bad Wirtschaftszweigen geradezu unmöglich 1 Die bisherige, durch die gesch chtliche Entwicklung mitbedingte ßerufsschichtung der deutschen Juden, ihr Ueberwiegen in den geistigen Berufen und in den Großstädten war ungesund. Die deutsche Judenheit ist mit allem Nachdruck bemüht und ihre Jugend ist bereit zur Aenderung dieses Zustandes. zum Uebergang auf körperliche Arbeit. Soll sie Erfolg haben, soll ihrer Jugend überhaupt noch eine Zukunftshoffnung, die Hoffnung auf Arbelt b'eiben, so muß ihr in angemessener Weise Ausbildung und Eingliederung in Arbeiterschaft, Handwerk. Land- und Forstwirtschaft ermöglicht werden. Gleichwohl wird eine Anzahl deutscher Juden ke'nen Lebensraum mehr in Deutschland finden und auswandern müssen. Daß diese Auswanderung planmäßig vorbereitet und geregelt werde, ist ein Erfordernis ebenso des deutschen wie des jüdischen" Ansehens, und die Unterstützung der Arbeit der hierzu berufenen Organisationen für die Auswanderung nach Palästina und anderen Ländern durch die Reichsregierung Ist in höchstem Maße erwünscht. Stärker als wirtschaftliche Not bedrückt die deutschen Juden e ne andere Last: Der leider so oft wiederholte Vorwurf der Minderwertigkeit ihrer Gemeinschaft, ihrer Herkunft, ihres Glaubens. Der Aufbau des neuen deutschen Staates auf rassisch-völkischer Grundlage mag die Betonung der Andersar ticke it der Juden gegenüber ihrer Umwelt zur notwendigen Folge haben, ihre Minderbewertung, ja ihre Entwertung kann keine Gemeinschaft von Ehre und Selbstachtung ohne Widerspruch hinnehmen. Die deutschen Juden vertrauen darauf, daß der neue deutsche Staat, der selbst so viel Sinn für Ehre und Würde hat, auch ihrer kleinen Gemeinschaft dieses elementare Gefühl zuerkennt und ihre Diffamierung nicht länger duldet. Wir selbst aber werden unsere Ehre und Würde dann am besten wahren, wenn wir nach dem geschichtlichen Sinn dieser Zeit fragen und wenn wir Ihn darin finden, daß sie uns nötigt, uns auf uns selbst, auf die Werte unseres Judentums zu besinnen, und wenn wir in uns die Kraft entwickeln, von Innen heraus unserer Not Herr zu werden. ' " In diesen Wünschen und ihrer Begründung weiß sich die Reichsvertretung eins mit allen deutschen Juden, welcher Richtung oder Gruppe sie im einzelnen angehören mögen, wie ja auch ihre Verlautbarung nach ihrer Gründung, Ihr Aufruf zur Unterstützung der Außenpolitik der Reichsregierung bei der Abstimmung vom 12. November und die von ihr herausgegebenen Richtlinien für jüdische Schulen allgemeine Zustimmung gefunden haben. Alle diese Akte zeigen besser als theoretische Darlegungen, wie die Reichsvertretung Ihre Aufgabe auffaßt. Indem sie

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