Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 6 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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11. FEBRUAR 1938/10. AP AR I. 5698 =14. JAHRGANG / NUMMER 6 An die Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. In einer Stunde schicksalschwerer Auseinandersetzungen um die Zukunft Palästinas führt der Keren Hajessod, das zentrale Finanzinstrument des Palästina-Aufbaus», seine diesjährige Aktion in Leipzig durch. Kein Jude in Deutschland darf in diesem Augenblick dem großen Werk jüdischer Erneuerung im Lande der Väter seine Mitwirkung versagen. Denn gerade jetzt ist dem Keren Hajessod die Pflicht auferlegt, dafür Sorge zu tragen, daß das jüdische Leben in Palästina sich weiter entwickelt, daß Bestehendes gehalten und gesichert, Neuem der Weg gewiesen werden kann, und daß, wie immer die politische Konstellation im Lande sich gestalten mag, das Werk wächst und stärker wird. Am Tage der Entscheidung wird Palästina so weit unser sein, wie es durch unsere Leistungen zu einem wahrhaft jüdischen Lande geworden ist. An uns, den Juden in Deutschland, ist es vor allem, dem Land und den Menschen die Treue zu bewahren, die uns in diesen Jahren bewiesen worden ist. Wir sind gewiß, daß die Juden Leipzigs dem Ruf des Keren Hajessod opferbereit folgen werden. Leipzig, den 11. Februar 1938. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig. Das Ortskomitee der Jewish Agency for Palestine. Carl Goldschmidt. Dr. Ludwig Lehrfreund. Streuung und stärkerem Eingehen in die Umwelt ergab sich eine Übernahme fremder Vorbilder für den Baustil der Synagoge in Ost und West; doch bewahrte die schmückende Behandlung des Innenrautns, des Kultgeräts sowie der Schriftwerke manch ältere Tradition. Der neuesten Zeit vorbehalten blieben vielseitige Kunstbestrebuiigen, besonders in Erez Israel. Da wir im vergangenen Herbst längere Zeit daselbst verweilen durften, wird einiges darüber aus eigenen Eindrücken willkommen sein. Der Baukunst gebührt der Vortritt. Wir mögen bei dem Losungsworte „Aufbau Palästinas" mehr an das flache Land mit seinen Kihhuzim denken, so empfangen wir doch von den wenigen Städten die stärkeren Eindrücke. Da ist Haifa, der Hafenplatz par exccllence. An seiner neuen, baulichen Entwicklung sind Engländer und andere Europäer, Araber und Juden beteiligt; letztere stark am sog. neuen „Mcrkas" und dem bis in die Nacht hinein weithin strahlenden Ruten bergschen Elektrizitätswerk. Die Mitte des Karmelberges, der Hadar, und der Höhenkamm weist fast ausschließlich jüdische Straßen. Baugruppen, Schmuckanlagen auf. Eng umbaut ist das Technion mit seinen orientalischen Anklängen (Architekt Baer s. A.); heute herrscht in den Wohn- und Geschäftsvierteln klare Sachlichkeit, in den Gartenvorstädten freier Villenstil, Die Serpentinen des Höhenweges sind zu beiden Seiten mit Siedlungen besetzt, die sich nach dem Meere öffnen; Eenster, Balkone, Terrassen suchen die wiederentdeckte Schönheit der Meeresbucht und der Fernsicht einzulangen. Der Bergeskamm, einst nur dem Karmeliter - kloster vorbehalten, ist neuer Bautätigkeit erschlossen. Luft und Sonne durchfluten die Anlagen des Erholungsheimes der Histadrilt; in der Siedlung „Achura" umkränzen zerstreutliegende Landhäuser eine gärtnerische Anlage mit altem Baumbestand. Kirjat Bialik und Naharija (letzteres nördl. von Akko) atmen Weite und Schönheit. Dies letztere gilt aber auch von den neueren Stadtteilen Tel-Awiws. So jung diese Gründung ist, so sehr unterscheiden sich seine Bauperioden. Was sich dem Reisenden zuerst darbietet, die Autostraße mag ihn vom Norden oder vom Osten und Südosten hineinfuhren, ist unfertig und unerfreulich; wenig erinnert daran, dab wir uns auf neugewonnenem Boden Südpalästinas befinden; manches gemahnt eher an jüdische Siedlungen in Osteuropa. Völlig ändert sich das Bild, sobald wir in die neueren StraßetKUge gelangen, die sich, dem Meere folgend, zum Messegelände, zum neuen Hafen und dem Jarkonflussc hinziehen. Hier ist neuer Stilcharakter angestrebt und in hohem Mähe erreicht. Wir befinden uns in einer Stadt unter südlichem Himmel, die eine große Mannigfaltigkeit organisch zu Dr. s. Samuel-. Künstlerische Bestrebungen in Erez Israel. Man kann die liebevolle Beschreibung der Schriftabschnitte von Einrichtung und Aufstellung des Stiftszeltes in der Wüste nicht lesen, ohne der Ereude des Berichterstatters an der Harmonie der Maße, Stoffe und Farben gewahr zu werden, die überall hervorleuchtet. Künstlerischer Bildungstrieb und geniale Erfindung stammen allein aus Gott; sie zeugen von ihm, dein Spender aller Gaben; sie erfreuen und adeln die Menschen, verdienen daher Lob und Förderung. Nach dem Propheten Haggai sollte die Herrlichkeit des 2. Tempels noch einmal gröber werden, als die des ersten; ein Zeugnis für die Schönheit beider, das die Geschichte bestätigt. l\(lit wachsender Zerv"^t!l tywpet: tPtmHkiytlyrateH- .— £ihkrpfgerickr- ^WiHkrhitfaspwde Oer nächste Eintopf-Sonntag der JÜDISCHEN WINTERHILFE ist am 13. Februar 1938