Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 5 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492399-5968792-5990691--196-4882837- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 JODISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 4. Februar 1938 / Nr. 5 dem freien Leben im freien Lande, das nicht dem äußeren Leben allein dient, sondern Freiheit will, um „durch Erfüllen der Berufung zu bestehen". Mit solchen Mahnrufen ist Buber unserer Zeit auch zum Tröster geworden. Die Jugend blickt dankbar auf ihn, weil er ihr ihre zukünftige Aufgabe klärt, und das in einem steten persönlichen Conncx. Die Älteren — weil er ihnen ihre Gegenwart deutet: er weist einmal auf einen Ausspruch des R. Levi jizehak aus Berditschew hin, der da betete: „Nicht darum bitte ich dich, daß du mir die Geheimnisse deines Weges enthüllest, — ich könnte sie nicht ertragen. Aber das eröffne du mir, tiefer, klarer, was dies hier, das jetzt eben geschieht, mir meint, was es von mir fordert, was du, Herr der Welt, mir damit ansagst. Ach, nicht warum ich leide, will ich wissen, nur ob ich dir zu Willen leide" (Die Stunde und die Erkenntnis, S.34). Dankbar grüßen wir Martin Buber, den Wecker und Erzieher, den Lehrer und Anreger, den Mahner und den Tröster: es sei ihm vergönnt, in der „Heimkehr" der Juden seinen Dienst an Juden und Judentum erfolgreich erfüllt zu sehen. Gustav Cohn. Gedanken aus Martin Bubers Schriften. „Nirgends in den letzten Jahrhunderten hat sich die Seelenkraft des Judentums so kundgegeben wie im Chassidismus. Die alte Kraft lebt in ihm, die einst, wie Jakob den Engel, mit starken Armen das Unsterbliche auf der Erde festhielt, auf daß es sich im sterblichen Leben erfülle. Zugleich aber gibt sich darin eine neue Freiheit kund. Ohne daß am Gesetz, am Ritus, an der überlieferten Lebensnorm ein Jota geändert würde, ersteht das Altgewohnte in einem jungen Licht und Sinn. Dem äußern Anschein nach noch mittelalterlich gebunden, ist das chassidische Judentum in seiner inneren Wahrheit schon der Regeneration erschlossen, und die Entartung dieser großen religiösen Bewegung konnte den geistesgeschichtlichen Prozeß, der mit ihr begonnen hat, nur aufhalten, nicht abbrechen." (Mein Weg zum Chassidismus.) „Alles nur Soziale, alles nur Nationale, alles nur Religionhafte, also des Feueratems der Lehre Ermangelnde ist mit in die abgründige Problematik der Stunde eingebannt und langt daher nicht zu, um dem Zerfall zu steuern; die Lehre allein, in verjüngter Echtheit erstellend, vermag uns von den Bedingtheiten zu befreien, und uns an das Unbedingte zu binden, so daß wir, begeistet und begeistert, miteinander alle uns wieder im Ringe des ewigen Bundes stehend erfahren und. von dem Walten in der Geschichtstiefe ermächtigt, den Machten der Geschiclitsfläche standhalten." (Die Stunde und die Erkenntnis, S. 71.) Der Peel-Bericht und Erez Israel. Am D'enstag, dem 8. Februar, 20.15 Uhr, findet der ursprünglich als Einleitungsvortrag zu der Lehrhausreihe „Der Peel-Bericht und Erez Israel" beabsichtigte Vortrag des Herrn Dr. Rob. Weltsch über „Der Peel-Bericht" im Kulturbundsaal (Battenberg) siatt. Die angekündigten Vorträge dieser Reihe sind bisher planmäßig gehalten und mit sichtlichem Interesse und reger Beteiligung aufgenommen worden. Rabbiner ü. Cohn eröffnete am 18. Januar in Vertretung für den behinderten Dezernenten mit Begrüßungsworten das jüdische und allgemein-geistige Arbeitsprogramm des Lehrh aus es und hielt dann den ersten Vortrag der Reihe: „Erez Israel in entscheidenden Momenten der Geschichte". Wie heute die Palästinafragen eine weltpolitische Bedeutung haben, so ist das kleine Land im völkerpolitischen Geschehen immer umstritten gewesen, soweit die Kunde der Vorzeit darüber unterrichtet. Die Lage Palästinas als Eingangstor in die Euphrat- und Tigris-Länder hat es zum Schauplatz zahlreicher Kriege werden lassen, die sich zwischen Ägypten einerseits und den vorderasiatischen Staaten andererseits um seinen Besitz abgespielt haben. Dies schon bevor Israel das Land in Besitz genommen hatte und dann immer wieder bis in das Mittelalter hinein. Aus dieser politischen Situation heraus ist die Entstehung des Prophetismus zu verstehen: In der Zeit, da Israel und Juda In den Kampf um ihre staatliche Selbständigkeit hineingezogen waren, haben die Propheten den Blick von der Gegenwartspolitik auf die ewige Aufgabe gelenkt, die dem Volke zubestimmt war. In gleicher Weise zeigt der Kampf, zu dem die Makkabäer das unter der Syrerherrschaft stehende Volk aufgerufen haben, wenigstens in seinen Anfängen, eine Betonung der religiösen Eigenart des jüdischen Volkes, aus der sich dann später die Verdichtung zum Pharisäertum entwickelt hat. Der Besonderheit der Lage Ere/ Israels ist dadurch nicht nun wenigsten zuzuschreiben, daß das jüdische Volk ein Gottesvolk geworden ist. „Die geistige Umwelt Palästinas" behandelte dann der zweite Vortrag, den Dr. Jacob Brande hielt. Er ging davon aus, daß zum Verständnis der gegenwärtig in Palästina schwebenden Fragen eine Betrachtung der geistigen Umwälzungen der letzten Jahre als Ergebnis der geschichtlichen Wandlungen der letzten Jahrzehnte geboten sei. Sie gehen auf den Zerfall des türkischen Kalifats zurück, das mit der religiösen Zusammenfassung der mohammedanischen Staaten auch zugleich ihre kulturelle Einheit gewahrt hatte. Zwar sind wiederholt Versuche unternommen worden, um dieses Kalifat, wenn auch durch eine andere Persönlichkeit, wieder aufzurichten. Sie sind jedoch bisher erfolglos geblieben. Dadurch konnten nationale Bewegungen der syrischen Araber, der Muslims in Persien, im Irak und der arabischen Halbinsel jede für sich nach eigenen Zielen streben. W enn überhaupt eine Neuerrichtung des Kalifats verwirklicht werden könne, so werde, wie es scheint, nur eine Persönlichkeit die Kraft dazu besitzen: Ihn Saud, dessen Stärke in seiner religiösen Erneuerung ruhe. Sie hat ihm dazu verholten, die auseinandergefallenen Gruppen der Araber der Halbinsel wieder ZU einer religiösen Einheit zu verschmelzen; allein von hier aus könnte eine Wiedergeburt der Einheit aller Muslims erwartet werden. Im Rahmen dieser religiösen und nationalen Bewegungen muB auch die Araberbewegimg in Palästina gesehen werden. Der dritte Vortrag, den Herr Stud.-Ass. Dr. Joel über „Die Geographie Palästinas" hielt, beleuchtete die Fragen vom erdkundlichen Standpunkt aus. Ausgehend von dem Satze, daß die Lage eines Landes nicht unwesentlich das Schicksal des in ihm lebenden Volkes bestimme, führte er die Gedankengänge des ersten Vortrags vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein weiter und zeigte, wie mehrere Jahrhunderte hindurch in Erez Israel politisch Ruhe war, da das Schwergewicht der Vorgänge auf Westeuropa bzw. den westlichen Teil des Mittelmeers verlegt war. Gleichwohl haben auch die westlichen Staatsmänner im 19. und 20. Jahrhundert nicht verkannt, welche wichtige Rolle dem östlichen Becken des Mittelmeers mit der Küste Palästinas zufällt. Dr. Joel gab nun in fesselnder Darstellung au Hand der Karte ein Bild über die geologische und klimatische Beschaffenheit des Landes und machte daran die im Boden gegebenen wirtschaftlichen Möglichkeiten und Begrenzungen deutlich. Ein Vortrag über „Erziehung und religiöses Leben in Palästina" soll noch folgen, nachdem Gemeinderabbiner Dr. Ochs von seiner Reise nach Palästina zurückgekehrt sein wird. Verlängerung der Sprach- und Kurzschrift-Kurse des Jüdischen Lehrhauses. Die Sprachlehrgänge für Englisch, Französisch und S p a n i s c h sowie die Kurzschriftlehrgänge werden auf vielfachen Wunsch der Kursteilnehmer ohne Unterbrechung bis zu den Sommerferien 1938 fortgeführt. Die Hörer, die von dieser Verlängerung Gebrauch machen wollen, müssen eine Verla ngerungs-Hörerkarte lösen. Diese Karte kostet pro Kurs RM. 6,— und gilt bis zum Juli 1938. Angehörige von Jugendbünden zahlen gegen Vorlegung des Bundesausweises die halbe Gebühr, Erwerbslose gegen Vorlegung der Stempelkarte RM. 1,—. — Die Verlängerungsgebfihr ist bis spätestens 18. Februar 1938 an die Gemeindekasse werktäglich von l/t\0 bis 13 Uhr oder auf das Postscheckkonto Leipzig Nr. 50533 unter Bezeichnung des Kurses, des Namens und der Adresse des Hörers einzuzahlen. Die Verlängern ngs karte wird alsbald nach der Bezahlung des Hörergeldes den Hörern durch die Post zugestellt. Vom 21. Februar 1938 an ist die Teilnahme an diesen verlängerten Kursen nur gegen Vorzeigung der Ve r 1 ä n ge r un gs - H ö r e r k a rt e zulässig. Von Ende Februar 1938 an werden auch für sämtliche Sprachkurse und für Kurzschrift neue Anfängerlehrgänge eingerichtet. Der Lehr plan für diese Sprach- und Kurzschriftkurse, der am 21. Februar 1938 in Kraft tritt, ist im folgenden abgedruckt. I)er Lauf der h e b r ä i s c h e n S p r a c h k U r s e und der Buchf ührungskurse wird durch diese Regelung nicht berührt. Alle Kurse finden in der Schule, Gustav-Adolf-Straße 7, statt. Lehrplan: I. Dr. Neu m an n Englisch. a) Für Anfänger ohne Vorkenntnisse, Montags 1 ,9 -10 Uhr; Beginn: 21. 2. 38. b) Für Anfänger mit einigen Vorkenntnissen (z. B. Hörer des Anfängerlehrganges la des Winterhalbjahres), Dienstags ' ,9 bis V+ll Uhr; Beginn: 22. 2. 38. c) Für etwas Fortgeschrittene (z. B. Hörer des Anfängerlehrganges lb lies Winterhalbjahres), Mittwochs '/tSfl Uhr; Beginn: 23. 2. 38. d) Für Fortgeschrittene (z. B. Hörer des Lehrganges Ic des Winterhalbjahres), Dienstags l/j8—3/49 Uhr; Beginn: 22. 2. 38. e) Für einfachere Lektüre und Konversation treibende Fortgeschrittene (/. B. Hörer der Lehrgänge Id und Ie des Winterhalbjahres), Mittwochs s/4g—i/4ll Uhr; Beginn: 23. II. 38. f) Für Lektüre und Konversation treibende Fortgeschrittene, Donnerstags 1 ,9 -10 Uhr; Beginn: 24. II. 38. Lehrmittel der englischen Sprachkurse: Kurs a) und b): Learning English, Ausgabe C 1, B.G.Teubner (Verlagsnummer 3177), RM. 2,—. Kurs b) setzt Beherrschung dieses Lehrbuches bis Lektion (> voraus. Kurs c) und d): Learning English, Ausgabe C 2, B.G.Teubner (Verrlagsnummer 3178), RM. 3,20. Kurs c) beginnt mit diesem Lehrbuche; Kurs d) setzt dessen Beherrschung bis Lektion 25 voraus. Kurs e): Krön, Stoffe ZU englischen Sprechübungen. Ii Bielefelds Verlag. RM. 1,65. '