Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 4 (28.1.1938)
- Date
- 1938-01-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492399-5968792-5990690--189-4882831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seile 2_JÜDISCHES GEMF. INDEBLATT LEIPZIG__28. Januar I93H / Nr? I Jüdische Zeitschau 322 Jugend-Alijah-Zcrtifikate. In den ersten Januartagen sind 102 Jungen und Mädchen aus Deutschland mit der Jugcnd-Alijah nach Palastina abgereist, und zwar je eine Gruppe nach Klar Jchoschua, Ben Schemen und Mischmar Haemek. Eine religiöse Gruppe von 25 Jugendlichen, die nach Mikweh Israel gehen wird, wird in einigen Wochen Deutschland verlassen. Darüber hinaus hat die englische Regierung — wie die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalijah erfährt — weitere 130 Zertifikate für Jugendalijah bewilligt. Dadurch werden spätestens im Laufe des Mär/ Tel Chat, Gescher und Ginegar /um /weitenmal Jugendalijahgrtippen zur zweijährigen Hachscharah aufnehmen können. Außerdem wurden 54 Schülerzertifikate für Ben Scheinen und 11 für das religiöse Mädchenheim in Jerusalem von der Jewish Ageucy nach Polen abgegeben. Die Jugendalijah hat so im Verlauf weniger Monate von der Mandatsregierung 322 Zertifikate erhalten, von denen über 250 der Jugendauswanderung aus Deutschland zugute kommen. Die günstige Zcrtifikatssituation der Jugendalijah eröffnet;'lso insbesondere den Jugendlichen, die zu Ostern die Schule verlassen werden, besondere Auswariderungsmöglichkeiten, die den Jungen und Mädchen gleichzeitig berufliche Vorbildung und Einordnung im Lande sichern. Rabbinische Lehranstalt zu Frankfurt a M. Das Sommersemester an der Rabbmischen Lehranstalt (Hoffmann'scheu Jewischa) beginnt am Montag, den 2. Mai. Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sich auf Pentateuch mit Kommentaren, biblisches Schrifttum, Mischna, Talmud mit Kommentaren, Decisoren, Hehr. Grammatik, Neuhebräisch (Lektüre und Konversation), jüdische Geschichte und Palästinakunde. I iir den Lehrgang in der Vorbereitungsklasse werden schulentlassene Knaben und Jünglinge aufgenommen, die auch nur geringe Vorkenntnisse in den judischen Lächern besitzen. Anmeldungen mit genauen Altersdaten und Angabe der jüdischen Vorbildung sind möglichst bald, jedoch bis spätestens 14. A p r i 1 an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jewischa *, Frankfurt a/M., Theobald-Christ-Straße 6, zu richten, welches zu jeder näheren Auskunft gerne bereit ist. Aus sächsischen Gemeinden Uberkantor Raphael Hofstein, Dresden, 80 Jahre. Der weit über die Grenzen Dresdens hinaus bekannte und geschätzte Oberkantor Raphael Hof stein konnte in diesen Tagen in voller Rüstigkeit seinen SO. Geburtstag begehen. Seit 1801 hat er in Dresden gewirkt und ist seitdem für die Dresdener unlösbar mit dem Bilde ihres Gottesdienstes verbunden, wenn er sich auch seit einigen Jahren des Ruhestandes erfreut. Sein zu Herzen gehender, edler Bariton hat sich bis ins hohe Alter hinein kultiviert erhalten. Sein grolies und seltenes Talent des freien Improvisierens, verbunden mit einer ungewöhnlichen musikalischen Begabung und gründlichen Ausbildung lieli ihn sich im Verlaufe der Jahre die gesamte Liturgie aus eigenen Kompositionen für Solo, Chor und Orchester aufbauen. Seine Aufzeichnungen finden sich in einem grollen Sammelbande „Schiri tefilloh", in welchem er in unermüdlicher Arbeit die Früchte seines Wirkens an der Dresdener Synagoge zusammengetragen hat. Unsere Gemeinde Sich freuen und helfen. Vom Vorstande des Jüdischen Kulturbundes Leipzig e.V. und der Leitung der Judischen Winterhilfe Leipzig gehen uns folgende Zeilen zu: „Es ist uns ein Bedürfnis, all den Damen und Herren, die durch ihre tätige Mithilfe, durch Spenden und Werbung, so sehr zum guten Gelingen unseres Festes beigetragen haben, unseren herzlichsten Dank auszusprechen.'' Nähstube des Jüdischen Frauenbundes. Fs hat sich als notwendig erwiesen, daß auller am Montag nachmittag auch noch an einem Abend in der Woche in der Nähstube, in der Ausstattungsgegenstände für Auswandernde hergestellt werden, gearbeitet wird. Frauen, die nähkundig sind und sich zur ehrenamtlichen Mitarbeit bereit erklären, werden gebeten, sich bei Frau Recha Carlebach, Lortzingstraße 15, Tel. 10530, zu melden. Zuschncidekursus des Jüdischen Frauenbundes. Der Ztischueidekursus beginnt mit dem 1. Februar. Ls sind bisher so zahlreiche Anmeldungen ergangen, daß drei Kurse veranstaltet werden müssen. Der eine Kursus dreimal in der Woche abends, der zweite Küisus zweimal abends und einmal nachmittags, der dritte Kursus an drei Nachmittagen. Jeder Kursus umfaßt 20 Stunden. Der Preis beträgt 15 Mk. Einige weitere Anmeldungen, mit Angabe des gewünschten Kurses nimmt noch entgegen: Frau Recha Carlebach, Lort/ingstr. 15, Tel. 10530. Was wird aus meinem Kinde? Unter diesem Motto fand am 12. ds. Mts. im Jugendheim ein aus allen interessierten Kreisen der Gemeinde stark besuchter Elternabend statt, der die Berufsausbildung der Schulentlassenen und die Berufsutnschichtuug dei reiferen Jugend zum Gegenstände hatte. Zu Beginn der Veranstaltung, die gemeinsam von Schule und Sozialamt der Gemeinde einberufen war, legte Dir. Di . We i k e rs h e! m e r in seiner Begrüßungsansprache Stellung und Aufgabe der jüdischen Schule zum Berufsproblem der jüdischen jugend dar. Hiernach hielt Frau Levy-Zubel, Berlin» die frühere Leiterin der Berufsberatung der jüdischen Gemeinde Berlin, einen umfassenden, von ausgezeichneter Sachkunde getragenen Vortrag, in dem sie auf die früher ungesunde BerufsschichtiiMg der jüdischen Bevölkerung und ihre schädlichen Folgeerscheinungen hinwies, die Notwendigkeit des Obergangs zur Handarbeit (besonders Landwirtschaft, Gärtnerei, Handwerk) betoute und die Möglichkeiten dieser Ausbildung im In- und Ausland darlegte. Die Ausführungen, die lebhaften Beifall fanden, wurden wirkungsvoll ergänzt durch die Fürsorgeria des Sozialamtes, Fräulein Friedland, die diel verschiedenen vom Sozialamt in Leipzig geschaffenen Aiisbildungs-J Stätten und die Bedingungen der Aufnahme behandelte. Die daran anschließende Aussprache gab Frau Lcvy-Zobel Gelegenheit, noch eine Reihe von Tragen aus dem Kreise der Zuhörer zu beantworten Zum Schluß fällte Landgerichtsdir. i. R. Alterthum das Ergebnis des Abends zusammen und wies eindringlich auf ilie Notwendigkeit hin, die Konsequenzen aus dem Gehörten zu ziehen, ehe es zu"spät sei. — Alles in allein: eine sehr nützliche und gelungene Veranstaltung! 15. Schwat-Feier der Wizo. Am Montag, den 17. Januar, veranstaltete der Verband jüd. Frauen für Palästina-Arbeit (Wizo) in den Räumen des Österreichischen Vaterlandsheiines eine überaus stark besuchte Feier anläßlich des Chamischa assar b schwat. Nach einleitenden Worten von Frau Safran-Lehrfreund, in der sie kurz die Bedeutung des Tages darlegte, spielten Frau Dora Lepski und Frau : Ilalina Schulsiuger eine Schubert-Sonatine. Alsdann brachte Frau Ella Chamizer Rezitationen über Leben und Wirken Jehuda Halevis im Poesie und Prosa. Während einer kurzen Pause wurden, dem Sinn! des Tages entsprechend, den Gästen die Früchte Erez-israels ge-ä reicht. Hiernach boten nochmals Frau Lepski und Frau Schulsinger1 Proben ihrer Kunst dar. Das beseelte Spiel der Damen Lepski und Schulsinger und der meisterhafte Vortrag von Frau Ella Chamizer hinterließen einen besonders starken Eindruck und rissen die Er-j schienenen zu stürmischem Beifall hin. Der Schlull der Feier ver-! einigte die Anwesenden noch lange bei einem geselligen Beisammensein. Jüdisches Lehrhaus Am 1. l-ebruar, 20.15 Uhr, spricht Stud.-Ass. Dr. Joel über „Die Geographie Palästinas" (im Sozialamt, Humboldtstr. 13). Amtliche Bekanntmachungen Wir haben Veranlassung, darauf aufmerksam zu machen, daß Sammler, die in unserem Auftrage Spenden entgegennehmen, mit Ausweisen versehen sind. Insbesondere bitten wir darum, Geldbeträge nur gegen unterschriebene Quittungen und gegen Vorlegung des Ausweises auszuhändigen. Leipzig, den 2b. Januar 1938. Wohlfahrtsamt der israelitischen Rejigionsgemeinde zu Leipzig. Schließungszeiten für den neuen Friedhof. Unser Friedhof an der Delitzscher Landstraße wird im Monat Februar 1938 für den öffentlichen Verkehr an allen Tagen uni.i Iß Uhr geschlossen. Wir bitten um genaue Einhaltung dieser Zeit..' Leipzig, den 25. Januar 1938. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Kleiderstelle! Wir benötigen wieder dringend getragene Kleidungsstücke in gebrauchsfähigem Zustand für unsere „Alt-Kleiderstelle''. Wir haben in den letzten Wochen sehr viel ausgegeben, so dal! wir unsere Be-j stände wieder auffüllen müssen. Wir sind für jedes Kleidungsstück dankbar, das wir verwerten können. Auf telephonischen Anruf unter Nummer 21382 lassen wir die Sachen abholen. Leipzig, den 26. Januar 1938. Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Gottesdienste Gemeindesynagoge. Freitag, 4. 2., Abendgebet 17.15 Uhr. Sonnabend, 5. 2., Morgengebet 9 Liir, Jugendgottesdienst 15.15 Uhr mit Predigt, Nachmittagsgebet 17.20 Uhr, anschließend Lehrvortrag, Abendgebet 17.52 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaiin-Syuagoge. Synagoge Ez Chaim, Otto-Schill-Straße. Freitag, 4.2., Abendgebet gebet 17.05 Uhr. Sonnabend, 5. 2., Morgengebet 8.30 Uhr, Minchoh 17 Uhr, Ausgang 17.52 Uhr. Wochentag: Morgens 7, abends 17.15Uhr. Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 4. Freitag, 4. 2., abends 17 Uhr, anschließend Bibelerkläruug von Herrn Dr. Lipschütz. Sonnabend früh 8.30 Uhr, Mincha 10.30 Uhr, anschließend Mischnajit. Ausgang 17.52 Uhr. Wochentags früh 7.15 Uhr, anschließend Mischnajit, abends 17 Uhr, anschließend ChajeOdom. Synagoge „Obel Jakob", Pfaffendorfer Str. 4. Freitag, 4. 2., Ahendg. 17 Uhr. Sabbat, 5. 2., Morgeng. 8.30 Uhr, Minchag. 10 Uhr, Abendg. 17.53 Uhr. — Wochentags: Morgeng. /, abends 17Uhr. Personenstandsnachrichten Geburten: 3. Januar 1938 Schaje Hersch Hammer und Frau Lina Charlotte geb. Glücksmanti, Brühl 11, II, eine Tochter „Berta Dorothea" 11. Januar 1938 Isaak Moses Marienberg und Frau Alice Elli geh Freund, Thoniasiusstrallc 9a, einen Sohn. Todesfälle: ' . 19. Januar 1938 Paula Lewinsohn, Hmnboldtstraße 3 23. Januar 1938 Walter Baer, Eisenbahnstraße ,41. 24. Januar 1938 Elsa Jeret, Humboldtstraße 24. 24. Januar 1938 Frieda Gembicki, Görlitz.