Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 3 (21.1.1938)
- Date
- 1938-01-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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>:6:< UND NACHR1CHTENBIATT DER 6EMEIN DEVERWAL^ 1UNG DER ISRAELITISCH EN REUG10NS6EM E1NDE ZU LEI PZIG «GEMELDET BElM SONDERBEAUFTRAGTEN DES REICHSMINISTERS W K 21.JANUAR1938/19.SCH'WAT 5698 14. JAHRGANG / NUMMER 3 I geleser Jl Eh Ä 2 L'. itWint /y^/zs Lamm: Der Führer der portugiesischen Marannen-Kehilloth Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat von dem portugiesischen Marannen-Komitee in London eine Einladung zur Einweihung der neuerrichteten Synagoge in Oporto erhalten. Her Vizepräsident des Landesverbandes, Dr. Klee, wird zu der fraglichen Zeit in Oporto anwesend sein und der Feier zugleich im Namen des Preußischen Landesverbandes beiwohnen, sowie die Glückwünsche des Verbandes und der ihm angeschlossenen Synagogengemeinden überbringen. In dem Dank- und Glückwunschschreiben an das Marannen- Komitee heißt es u. a., daß der Preußische Landesverband seit Jahren mit größtem Interesse und wärmster Anteilnahme die einzigartige jüdische Erneuerungsbewegung der Marraiinen verfolgt, die für uns Juden als ein religiöses Erlebnis ersten Ranges zu werten ist. Lrin heute leider vergriffenes und damit der sehr unverdienten Vergessenheit anheimgefallenes Buch des Stockholmer Oberrabbiners Professor Dr. Marcus Ehrenpreis „Das Land zwischen Orient und Okzident" (Welt-Verlag, Berlin 1<)2S) ließ den erstaunten West- Juden einen Blick in die ungekannte Welt Spaniens und der dort oder in Portugal gelebt habenden oder lebenden Marannen werfen. Dieses spannende und künstlerische Reisewerk sollte heute wieder gelesen werden. Ehrenpreis erzählt in jenem Bericht ausführlich den a benteuer- Lebensweg des Kapitän Barros Basto. Da naturgemäß seitdem wenig neue Kunde von dem Führer der jüdischen Erneuerungsbewegung Portugals an uns gelangte, stützen wir uns im folgenden dankbar vor allem auf Ehrenpreis' Biographic. Barros Basto, der heute in Oporto lebt und dieser Tage 50 Jahre alt werden wird, ist in einem kleinen Städtchen jenes Departements geworden. Das Lichtbild zeigt einen unerschrocken blikkenden Soldaten — dessen besonders auffallende dunkle Augen gleichermaßen Erbstück seiner jüdischen als auch seiner iberischen Ahnen sein können in einem mit zahlreichen Ordensschnallen geschmückten Waffenrock. Im Weltkrieg hat in Frankreich und Belgien sich der Infanteriehauptmann Barros Basto als Kompagnieführer wiederholt ausgezeichnet. In Portugal organisierte er dann die Pfadfinderbewegung und wurde Direktor des Militärgefängnisses von Oporto. Basto wurde von seiner katholischen Mutter katholisch erzogen, vermochte jedoch bekannte er — zur Kirche nie innere Iüe/iehung zu erlangen. List nach dem Tod des über alles geliebten |Vaters, der sich zumeist an Freitag-Abenden geheimnisvoll zu Gebetfibungen zurückzuziehen gepflogen hatte, erkannte Barros Basto, dali dieser ein Maraune gewesen war. Nun begann er au den Gottesdiensten der jüdischen Gemeinde von Lissabon teilzunehmen, fühlte sieh von ihren Gebeten und Bräuchen tiefiunei lieh bewegt und bat endlich Professor Amzalak, den Vorsitzenden der Kehilla, um Ordentliche Aufnahme ins Judentum. Er ging unbeirrt auf dem als ■ chtig erkannten Weg weiter, eignete sich jüdisches Wissen an und rlernte die hebräische Sprache und heiratete (nach dem Tod der Mutter) auch ein jüdisches Mädchen, von dem er verlangte, daß sie bräisch lerne. In Oporto gründete Basto dem es nicht genug |War, selbst den Weg zurückgefunden zu haben und der es verstand, iic geheimen Glaubensgenossen seines Vaters zu sammeln und zum feneu jüdischen Bekenntnis zu erwecken die erste Marauncnemeinde. Man muß bei Ehrenpreis lesen, wie sich im Verborgenen e Marannen in Portugal bis heute erhalten hatten, noch immer die ihrhundertalte Angst vor der Inquisition in sich — und dann wird lau zugeben, daß Barros Bastos Werk eine jüdische und eine uenschlieh befreiende Tat gewesen ist. Er hat die Wiederrweckung der Juden in den über unwegsame Bergketten Nordortugals verstreuten Ortschaften seitdem sich zur Lebensaufgabe [esetzt und ist als Erwecker und Lehrer, als Organisator und l'beretz*r, als Vorbeter und Prediger so gut wie als Forscher und Re- , - luteur seitdem für diese seine Brüder tätig. Die vor einem Jahr- Iii ehnt tiegründete Zeitschrift „Ha-lapid" („Die Fackel") redigiert er LUC vet 1,1 OD y »e iau bii n« iet( L—- eru d. Aufstellung einer Kartei der in Leipzig wohnhaften Jaden. Die ausgefüllten Formulare für die Aufstellung einer Kartei der in Leipzig wohnhaften Juden sind in der Zeit von Montag, den 24. Januar 1938 bis mit Donnerstag, den 27. Januar 1938 in der Zeit von 14 bis 17 Uhr nachmittags nach folgenden Buciistaben abzugeben: Montag, den 24. Januar Buchstaben A — F Dienstag, „ 25. „ „ G — K Mittwoch, „ 26. „ „ LR Donnerstag, „ 27. „ „ S — Z. Wir bitten, strengstens darauf zu achten, daß au den angegebenen Tagen nur die Formulare abgegeben werden, die unter diese Buciistaben fallen, damit die Arbeit nicht erschwert wird. Leipzig, ',8. Jan. 1938- Der Vorstand der isr. Religionsgemeinde zu Leipzig. seitdem selbst. In fortlaufenden Unterrichtsstücken führt er da die alt-neuen Juden in Geschichte und Glaube der Väter ein. Da finden wir Festkalender, elementare religiöse und literarische Stücke, Ritual- und Gebetsvorschriften u. v. a. m. Dazu übersetzte der in seinem Mut bewundernswerte Kapitän Lehr-, Religions- und Gebetsbüchcr, veröffentlichte Sabbatvorschriften, Agenden für Gottesdienste und Beerdigungen, die Pirke Awot, die Aggada-schel-Pessach IL ä. Er richtete zäh und methodisch Gemeinden mit Arbeitsvermittlungen und Armenfürsorgen ein, eröffnete Schulen und Bethäuser und Friedhöfe. \m I. Juli 1427 hat er in Oporto die erste Marannensynagoge eingeweiht, gerade in diesen Tagen wurde die zweite größere dort in Benutzung genommen. In dein dazwischenliegenden Jahrzehnt hat er in zahlreichen; uns nicht einmal dein Namen nach bekannten Gebirgsstädtchen Gebetsstätten einweihen können und so den Lohn für seine oft allzu widerstandsreiche Tätigkeit in ihrem Erfolg selbst gefunden. Die 1928 in Branganza errichtete Synagoge trägt den charakteristischen Namen „Schaare Pidjon" („Tore der Erlösung"). W enn mau erwägt, daß es bei den Hunderten, ja Tausenden von „Krypto-Juden", die Kasto dem Judentum neu zuführen konnte, sich um häufig sozial und kulturell verarmte Menschen handelte, die oft in nur frommer, aber verständnisloser Treue an uralten Riten hingen, sonst aber wahrlich erst frisch in den Väterglauben eindringen mußten, wenn man weiter bedenkt, daß Basto fast ohne Meiler und Mittel (die des Londoner 1926 geschaffenen Pro-Marannen-Komitees waren naturgemäß für die große Aufgabenfülle zu schwach) zu wirken hatte und wenn man schließlich erfährt, daß er son Mißlichkeiten und Widrigkeiten verfolgt war — dann wird man mit ehrlicher Bewunderung dieses seltsamen und starken Charakters gedenken, „Oeduld und Ausdauer" fordert er immer wieder von seinen Brüdern und für seine Brüder. Oeduld und Ausdauer haben ihn zu seinen in jeder Hinsicht beachtlichen Erfolgen geführt, ihm ist es zu danken, wenn Meiischenmassen, die in Dumpfheit und Scheu lebten, heute wieder zu ungebrochener menschlicher Haltung und zur alten Brüdergemeinschaft gelangen konnten, ihm danken wir aber auch andererseits beispielsweise, daß die Universität in Oporto einen Lehrstuhl für hebräische Sprache und Literatur errichtete. Wir sehen also, daß Bastos Persönlichkeit sich nicht m organisatorischer Umsicht und Stärke lies Glaubens erschöpfte, sondern, daß er vielmehr darüber nie vergaß, um das Wacherhalten der geistigen Geineinsehaft besorgt und tätig zu sein. Der Vorsteher und Begründer der Maraunen-Kehilla von Oporto, der ausgezeichnete Kapitän und Qefängnisdirektor, der Schriftleiter und Lehrer Arthur de Barros Basto ist eine in dieser sorgen- und realitätenvollen Zeit fast märchenhafte Erscheinung, an der das schönste ist, das sie so ganz Realität ist. Ihr gilt Gruß, Dank und Glückwunsch über Grenzen und fernen hinweg. Heult» — W i ii t e r Ii i I f h f e 8 t : Sich freue n ■ n d helfen!