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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-01-07 · 1 (7.1.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
1 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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}f}t UND NACHMCHTEtlRlATT DERGEMEINDEVERWAL^ 1UNG DER ISRAEUT1SCHEN RELIG10NS6EMEINHEZU LEI PZI6 ABGEMELDET BEIM SONDERBEAUFTRAGTEN DES RFiCHSMlNISTERS PURY01KSAUFKIÄRUN6 UND PROPAGANDA BETR.ÜBERWACHUNG DER GEISTIG UND KUITURELLIÄTIGEN JUDEN IM DBJTSCHEN REICHSGEBIET 7. JANUAR 1938 / S.SCH'WAT 5698 14. JAHRGANG / NUMMER 1 Dr. Fritz Gräbel, Verwaltungsdirektor der israel. Religionsgemeinde Die Arbeit der Gemeinde. Zwei Beschlüsse, die unsere Genieindesitzung im vergangenen Jahi gefaßt hat, symbolisieren die enge Verbundenheit, die uns Juden nicht nur als Zeitgenossen, sondern auch mit den Juden vergangener« Zeiten und künftiger Zeiten verknüpft. Beide Beschlüsse sind einmütig gefaßt worden, ohne daß sich Scheidungen nach den einzelnen jüdischen Anschauungen überhaupt nur angedeutet hätten. Und zwar beschloß die Oemeindesitzung, die erheblichen Gelder zur Verfügung zu stellen, die notwendig waren, um die Toten des nunmehr aufgehobenen Friedhofs im Johannistal unter voller Wahrung jüdischer Tradition und jüdischen Gesetzes zur ewigen Ruhe umzubetten, obgleich kaum eines unserer heutigen Gemeindemitglieder noch irgendeine persönliche Beziehung zu diesen vor mehr als 75 Jahren Dahingeschiedenen hat. Mit gleicher Selbstverständlichkeit wurde beschlossen, für den Aufbau und die Aus- Sestaltung von Erez Israel ein materielles Opfer zu bringen, einen eitrag zu leisten für das Aufbauwerk im Lande der Väter und der Söhne, dessen Bedeutung und Symbolkraft für die Zukunft der Juden nicht klarer und eindringlicher umschrieben werden konnte, als es der sachliche und nüchterne „Bericht über Raiästina" tut, den die Königliche Kommission der Britischen Regierung in diesem Jahre erstattet hat. Jüdischer Vergangenheit und jüdischer Zukunft haben die verantwortlichen Männer unserer Gemeinde in diesem tahre die Hand gereicht und damit die nüchterne und alltägliche [leinarbeit der jüdischen Gemeinde in die große, aus Urzeiten herkommende und in eine unbekannte Zukunft sich fortsetzende Kette jüdischen Geschehens eingefügt. Vor einem Jahre ist an dieser Stelle die Frage nach dem Stande der Gemeinde beantwortet worden. Die Antwort lautete damals: „Die jüdische Gemeinde Leipzig ist arm. Die jüdische Gemeinde Leipzig hat ungeheure Aufgaben in sozialer, in geistiger und in seelischer Hinsicht zu leisten. Die jüdische Gemeinde Leipzig steht und fällt mit dem Verantwortungsgefühl ihrer Mitglieder." Diese Worte gelten auch in diesem Jahre fort. Die Tatsachen, die dieser Antwort zugrundeliegen, sind Rahmen und Antrieb der jüdischen Qemeindearbeit in Leipzig. Die Mitglieder haben ein Recht, einen Überblick über die Tätigkeit der Gemeinde zu erhalten, um sich selbst zu überf......fim......mif || im r j p^Hr^V' I DENK! AN DIE EINTOPFSPENDE SONNTAG,1).JAN. '-^ivoit m^J V o'iw^.S zeugen, ob die Gemeinde, die von ihnen höchste Pflichterfüllung verlangen muß, auch selbst ihren Pflichten nachkommt. Bei diesem Bericht seien im wesentlichen die Leistungen auf den Gebieten geschildert, die gerade die heutige Zeit als neuen Pf lichten kr eil für jüdische Gemeinden in Deutschland aufgestellt hat. Die Bildungsarbeit der Gemeinde stand auch in diesem Jahre vollkommen unter dem Zeichen Unseres großen jüdischen Schul werk es, das von rund 1200 jüdischen Schülern Leipzigs 1050 Kinder erfaßt und ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Schul- und Jugendjahre an einer in jüdischem Geist geführten, von jüdischen Menschen betreuten Schule zu verbringen und ihnen durch dieses Leben in jüdischer Gemeinschaft die Unbeschwertheit der Jugend soweit nur irgend möglich zu erhalten. Wenn auch Träger des Schulwcrkes der Israelitische Schulverein ist, so hängt doch das ganze Werk, das nunmehr eine Volksschule und je eine höhere Schute für Knaben und Mädchen umfaßt, von den erheblichen Geldleistungen der Gemeinde und der Reichsvertretung ab, und ebenso ist sich die Gemeinde darüber klar, daß sie für den Geist des Schulwerkes in gleicher Weise die Verantwortung trägt, als wenn die Schule in unmittelbarer Gemeindeverwaltung stünde. Am Schluß des laufenden Schuljahres wird nach vielen Jahren wiederum zum ersten Male die oberste Klasse der Schule zur Reifeprüfung geführt werden und damit erlangt die höhere Schule den von ihrem Gründer, Rabbiner Dr. Carlebach s. A., immer angestrebten Status einer Vollanstalt. Weniger erfreulich als die Entwicklung des Schulwerkes ist in diesem Jahre der Widerhall gewesen, den die Lehrhausarbeit, d. i. also die Arbeit au der Bildung der Erwachsenen in unserer Gemeinde gefunden hat. Gegenüber dem Jahre 1936/37 ist die Hörerzahl der Lehrhauskurse in ganz erschreckender Weise zurückgegangen. Wenn auch in anderen jüdischen Gemeinden Deutschlands von einer „L e h r h aus m üd igk e i t" gesprochen wird, so sind doch die Verhältnisse in Leipzig ganz besonders kraß. Eine Untersuchung, welche Gründe hierfür maßgebend waren, erscheint müßig; jedenfalls versucht die Gemeinde durch eine neuartige Gestaltung des Aufbaues der Lehrhausvorträge das Ihre zu tun, um wieder Fühlung mit einer größeren Anzahl interessierter Gemeindemitglieder zu finden, üb diesem Versuch Erfolg beschiederi sein wird, müssen die nächsten Wochen zeigen. Daß die Sprachkurse des Sprachschule ausreichend besucht ringen Teil auf Bildungshunger doch durch die Erfahrungen unserer Auswanderer gelernt, daß das allerwichtigste Kapital der Menschen, die in Erez Israel oder in fremden Ländern eine neue Heimat suchen, eine möglichst gründliche Kenntnis der Landessprache ist. Die Gemeinde hat es sich auch in dieser Notzeit zur Ehrenpflicht gemacht, jungen jüdischen Menschen ihr Studium zu ermöglichen, wenn Aussicht besteht, daß nach Abschluß der Studien auch wirklich ein dir Gemeinschaft nützlicher und den jungen Menschen ernährender Beruf gefunden wird. 19 junge Leute, die teils kurz vor ihrer akademischen Abschlußexamina stehen, teils Jeschiwoth besuchen, wurden durch verhältnismäßig erhebliche Zuschüsse in den Stand gesetzt, ihren Bildungsgang fortzusetzen und zu beenden. Neben dieser Arbeit der Gemeinde auf dem Gebiet des Bildungswesens steht das große Gebäude jüdischer Sozialarbeit, das in Leipzig nicht umfassend genug sein kann. Das Wohlfahrtsamt der Gemeinde hatte im vergangenen Jahr nmd ()(M) Familien zu betreuen. Die schwierige soziale Schichtung unserer jüdischen Bevölkerung, deren sehr großer Teil hilfsbedürftig ist, stellt die Wohlfahrtsarbeit vor kaum zu bewältigende Aufgaben. Die Gemeinde ist sich dabei bewußt, daß bei den ihr zur Verfügung stehenden beschränkten Mitteiii nur das Notdürftigste getan werden kann und daß die Linderung dringendster Notstände auf Kosten ebenfalls größter Bedürftigkeit, die nur vergleichsweise weniger dringend erscheint, bevorzugt werden muß. Die Wo h I f a h rts a r bei t unserer Gemeinde will nicht Philanthropie im üblich-üblen Sinne sein, sondern will, soweit dies angängig ist, produktiv wirken. Und deshalb ist eine der Hauptaufgaben die Lehrhauses und der hebräischen sind, dürfte wohl nur zum gezurückzuführen sein, haben wir

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