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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-12-19 · 51/52 (19.12.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
51/52 (19.12.1935)
Date
1935-12-19
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 19. Dezember 1935 Jüdische bildende Künstler in Leipzig. Jüdische Künstler gibt es in Leipzig nur in kleiner Zahl: Eduard Einschlag, Ernst Kaufmann Leoi<u!ü jackei sinu uie Maier Rudolf ,i a u u e k und Dr. K. C h a m i z e r , der sich neben seinem ärztlicheil Beruf künstlerischem Schaffen widmet, sind die Bildhauer. — Eine Gesamtausstellung von Werken dieser Leipziger bildenden Künstler im Rahmen einer Kulturbund-Veranstaltung ist zwar seit langem geplant, jedoch bis jetzt durch die Ungunst der Zeitverhältnisse noch nicht zur Ausführung gekommen. Es sei aber heute auf f, . einen bisher noch wenig hervorgetretenen Künstler hingewiesen, Leopold Ja ekel, Uferstraße 11, dessen stille, einprägsame Art der Malerei so ganz in die Qefühlswelt des jüdischen Menschen zu passen scheint, trotzdem äußerlich des Malers Motive: Landschaften, Porträts, luteri- Kinderbilder nichts spezifisch Jüdisches zu reizend in seiner schlichten Manier ist bei- Pastellbildnis, das kleine Töchterlein des Künstlers darstellend, das in seltener Lieblichkeit mit großen Augen in die Welt blickt. Nur schade, dal! die beigegebene Reproduktion beim Beschauer keinen Eindruck von dem frischen roten Kindergesicht, dem leuchtenden tizianblonden Haar, das der Maler in väterlichem Stolz so liebevoll und lebenswahr wiedergegeben hat, vermitteln kann. Lin weiteres Werk, eine olstudie, stellt einen herbstlichen Wirtshausgarten dar, in mittägliche Sonne getaucht. Der wärmende Glanz« der über dem ganzen zu liegen scheint, das fallende Laub ist naturnahe und echt wiedergegeben. — Jäckel, Absolvent der Leipziger Akademie, ist erst während des Weltkrieges, da er als v<>rwiin<i.»ter Irr. Lü^ü.iü log, zum Bewuötseln seiner künstlerischen Ut; üfuitg' gekommen, zu einer Zeit also, da neben künstlerischem Erfolge auch der materielle als gesichert angesehen werden konnte. Dies hat sich leider in den letzten Jahren grundlegend geändert. Was sich aber nicht geändert hat, ist Jäckels Wille zu eure, Kinderszenen und zeigen pflegen. Oanz r spielsweise das zarte künstlerischer Leistung, wenn auch gerade hier, durch zeitbedingte Lebensumstände, Hemmungen mancherlei Art die Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit des Künstlers ungünstig beeinflußte. Stilistisch läßt sich das Schaffen dieses Künstlers nicht ohne weiteres rubrizieren, am nächsten steht er vielleicht dem Impressionismus. Doch das ist letzten Endes unwesentlich. Wesentlich ist und lapidar zusammengefaßt: Jüdische Künstler in Not! Ihnen zu helfen soll und darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. A. K. Jüdische Zeitschau. Zur Chanukka-Aktion 56% des Keren Hatorah. Das Landesdirektorium des Keren Hatorah erläßt nachstehenden Aufruf, dein wir gern Raum geben: Ist uns zu allen Zeiten Chanukka ein Test der Freude und der Erhebung, das den Strahl der Lichter in das Dunkel des Winters bringt, so ist in schweren Zeiten, in Zeiten, da das Leid in mannigfacher Form an unsere Fenster pocht, das gegen das Fenster gestellte Licht für uns von doppelter Bedeutung. Und so ist uns in den letzten Jahren das ChauukUalicht mehr und mehr zu einer leuchtenden Botschaft geworden; es gibt uns Helligkeit und Heiligkeit. „Diese Lichter sind heilig". Durch diesen Heiligkeitscharakter wird auch die Vorschrift bestimmt: „Es ist verboten, Geld zu zählen beim Schein des Chanukkalichtes." Ist denn das Licht als solches heilig? wird gefragt! Nein, das nicht, aber die Mizwo könnte auf diese Weise profaniert werden! Wenn es uns über den Alltag hinausheben und uns hineinstellen will in das Heilige und Wunderbare, wenn das Geld selber das Mittel zum höchsten Zweck, „zum heiligen Gegenstand" wird? Gewiß kann dann von „einer Herabwürdigung eines Gottesgebotes" nicht die Rede sein! lind in diesem Sinne ergeht nun angesichts des chanukkalichtes der weithinhallende Ruf: Chanukka zu einem freudig erlebten Anlaß zu nehmen, Geld bereit zu halten für jene heiligen und vom Lwigkeitswuuder erfüllten Zwecke, die der Begriff Limud Hatauroh umschließt: „Die Tauroh vergessen zu machen" das wollte der Feind, den Sieg der i auroh und ihrer Träger das kündet das Licht. Die Stätten der l auroh und ihre Menschen das wollen wir, das will der Keren Hatorah mit seiner Chanukka-Aktion! Und darum bittet der deutsche Keren Hatorah innigst und inständigst jeden, der die Berocho über das Chanukkalictn spricht, der von der Brocho dieses Lichtes gesegnet sein will: „Haltet Geld für die Tauroh bereit im Schein des Chanukkalichtes". Dann leuchtet es dir und anderen zum Segen! Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland. Anschrift: Hamburg 13, Heinrich Barthstr. 21. — Postscheckkonto: Hamburg 24753. Unsere Gemeinde. Silberhochzeit im Hause Gemeinderabbiner Cohn. Am 26. Dez. feiern unser hochverehrter Herr Geineinderabbiner Cohn und seine liebenswerte Gattin das silberne Fhejubiläumsfest. Ernste Ereignisse lassen es nicht au der Zeit erscheinen, wie es sonst selbstverständlich gewesen wäre, jubilierende Fanfaren anzustimmen. Aber wir wollen die seltene Gelegenheit nicht ohne herzliche I reundschaftsworte für das in allen Kreisen der (iemeinde so überaus verehrte, ja geliebte Silberpaar vorübergehen lassen. Die gemessene Achtung vor dem Amte, die für einen Rabbiner meist selbstverständlich ist, ist bei unserem unentwegt und väterlich sorgenden und schaffenden Herrn Genieinderabbiner Cohn und seiner in öffentlicher Tätigkeit nimmermüden Gattin schon längst zu herzlichster Zugetan heil geworden. In Leid und Freude geht eine ganze Gemeinde aufrichtig mit ihrem Rabbinerhause — und diesmal ist es G. s. D. in Freude. Möge der Allmächtige dem verehrungswürdigen Silberpaare für alle Zukunft eine dauerhafte Gesundheit, frohen Sinn, Freude am Gedeihen der lieben Kinder, Freude am Erfolg der gemeinnützigen Arbeit schenken, wie wir es alle von ganzem Herzen wünschen; Omen. J. Trudi Kaufmann - Gedächtnis - Stiftung. Das Dürrenberg-Komitee des Alphons Jacobson-Kinderheims beabsichtigt dem Wunsche vieler Freunde entsprechend eine Trudi Kaufmann-üedächtnis-Stiftung zu errichten, die das Andenken seiner geliebten und verehrten Vorsitzenden im Heim, für das sie mit ihrer ganzen Hingabe gewirkt hat, lebendig erhalten soll. Die Stiftung, für die eine Anzahl Zeichnungen der Angehörigen und nächsten Freunde bereits vorliegen, wird dazu dienen. Freistellen für die bedürftigsten Kinder zu schaffen und damit einen Lieblingsgedanken der Verstorbenen zur Ausführung bringen. Spenden werden erbeten an den Israelitischen Wohltätigkcitsverein mit dem Vermerk: „Trudi Kaufinann-Gedächtnis-Stiftung", Postscheckkonto Nr. "TOI Leipzig. Nachricht des Sozialamtes. C h a n u k k a w et t b e w e r b. Die Teilnehmer am Berufswettkampf der jüdischen Lehrlinge und Volontäre werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die auszustellenden Arbeiten spätestens am Freitag, dem 20. Dezember, um 12 Uhr im Sozialamt abgeliefert sein müssen. — Die Arbeiten werden vom 23.—28. Dezember im Sozialamt ausgestellt und können täglich in der Zeit von 10—17 Uhr besichtigt werden. Am 25. und 26. Dez. ist die Ausstellung jedoch nur von 10 12 Uhr geöffnet. — Die Preisverteilung findet Sonnabend, den 28. Dezember, 18,30 Uhr, im Sozialamt. Humboldstr. 13. statt. Alle jüdischen Lehrlinge und Volontäre, ihre Freunde und Eltern sind hierzu herzlich eingeladen. Nachricht des Sozialamtes. Für Auswanderer benötigen wir dringend Koffer. Freundliche Spenden werden an das Sozialamt erbeten. Nachricht des Sozialamtes. Dem Sozialamt ist eine Nachricht zugegangen, daß eine Nachfrage für weibliche Arbeitskräfte für Pelz* maschinell, Zurichtung, Füttern usw. für Lngland, sowie eine solche für einen Kürschner, der gleichzeitig Reizfärber ist, für Neuseeland bestellt. Meldungen an das Sozialamt. Jüdische Schalen Schulgeld und Heizungsbeitrag für Monatjanuar 1936 sind ausnahmsweise bis spätestens 8. Januar 1936 an die Schulkasse zu entrichten. Der Heizungsbeitrag muß auch von den Freischülern bezahlt werden. Gegen säumige Schulgeldzahler wird unverzüglich gerichtlich vorgegangen. Außerdem bleiben weitere Maßnahmen vorbehalten. Leipzig, den 18. Dezember 1935. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins Leipzig e. V.

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