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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-12-06 · 49 (6.12.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
49 (6.12.1935)
Date
1935-12-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Ein sanftes Entschlafen endete heute die lange, in aller Qual aufs tapferste ertragene Leidenszeit meiner ge- II lioMr Frn. Trudi Kaufmann geb. Kaufmann unseres lieben guten Muttileins, unseres sonnigen Kindes, unserer treuen Schwester.!rs heiterer Kraft und gütiger Hingabe hat sie ihr Leben erfüllt. Walter Kaufmann Leipzig, am 4. Dezember 1935. Prendelstraße 13. Im Namen der Angehöngen Wir bitten von Beileidsbesuchen abzusehen und im Sinne der Verstorbenen Blumen durch wohltätige Spendor. abzulösen. Zu der s. O.w. am Schabbath, den 14. Dez. 1935, in der Ez-Chaim- Synag.,* Otto-Schill-Str., stattfind. Barmizwah-Feier unseres Sohnes loadiim laden wir hierdurch alle Freunde u. Bekannte herzl. ein. Oskar Lambek und Frau, Leipzig Cl, Funkenburgstraße 25. Für die uns anläßt, unserer Vermählung übermittelten Qlückwünsche und Aufmerksamkeiten sagen wir hierdurch unseren herzl. Dank. Leipzig — Berlin. David Ginsberg und Frau Mall geb. Holtmann. Für die uns beim Heimgang uns. geliebten Frau, Mutter u. Schwester Rosa Jacoby geb. Wittner erwiesene Teilnahme sagen wir hierdurch unseren herzlichsten Dank. Die Hinterbliebenen. Berichtigung. In der Verlobungsanzeige Franziska Seiinger muß _die Leipziger Adresse richtig heißen: Körnersfr. 28. Nachricht des Sozialamtes. Zur A u s I e g u n g d e r N ü r n - berger Gesetze: Die Reichsvertietung der Juden in Deutschland teilt uns mit: „Unsere Auffassung, daß Anstalten nicht als Haushalte anzusehen sind und daher den Bestimmungen des Gesetzes nicht unterliegen, wird von der zuständigen Stelle geteilt, so dall diese Linrichtungcn bei der Beschäftigung von arischen Hausangestellten Einschränkungen nicht unterliegen; dasselbe gilt für Hotels Utld l)is auf weiteres auch für Pensionen. Dagegen wird der Begriff „alltägliche Hausarbeiten" oder „alltäglich mit dem Haushalt in Verbindung stehende Arbeiten" enger ausgelegt, als wir dies bisher getan haben. Waschfrauen, Reinemachefrauen, Hausnäherinnen, Plätterinnen, Säuglingsschwestern, Kindergärtnerinnen verrichten alltägliche Hausarbeiten; lediglich die nur mit Krankenpflege beschäftigte Krankenschwester und /.. B. die Frisöse fallen nicht unter das Gesetz." Nachricht des Sozialamtes: Das Beth Chaluz, Leipzig, Dübener Landstr. 1, benötigt dringend einen gebrauchten Petroleumofen. Freundliche Spenden bitten wir dem Sozialamt zu melden. Das Lehrhaus ist eröffnet! In feierlichem Rahmen eröffnete die Leipziger Gemeinde ihr Lehrhaus. Da-. Bewußtsein, an bedeutendem Wendepunkt und vor verantwortungsvoller Aufgabe zu stehen, erfüllt in gleicher Weise die Träger des Hauses, seine Dozenten und alle, die hören und lernen wollen. Sc; fanden die gewaltigen Worte von jüdischer Geschichte und jüdischem Sein, von Ewigkeit und Gottvertrauen, die in der Synagoge erklangen, in aller Herzen ihren Widerhall. Im Auftrage des Gemeindevorstandes sprach Herr Landgerichtsdirektor a. I). Dr. Alterthum einleitende Worte. Als Rabbi Jochanan ben Sakkaj - so führte er aus — im Jahre 70 von den Kömern die Erlaubnis zur Errichtung des Lehrhauscs von Jahne erbat, da ahnte niemand, da6 diese kleine Bitte die Erhaltung der jüdischen Kultur bedeuten sollte. Aber diese Kultur hatte mit ihrer Erdgebundenheit auch das Schöpferische verloren. — Das Judentum trat mit der Aufklärung in die Kulturen der Welt ein; trotz, der Großen auf allen Gebieten hat es sich aber niemals darin wirklich heimisch gefühlt. Nun, da wir zurückgewiesen werden, sind wir | Fremde in den Kulturen der Welt; haben von unserm eigenen vieles jind auch unseren eigenen Werten Fremde ge- .ehrhaus soll den W eg des Zurückfindens erleichtern, und Segen wirken, Licht uns bringen und Bildung. Dr. L e m 1 e-Frankfurt a. M. richtete zu Beginn verloren, und (vorden. Das L I g -oll Gluck Herr Rabbiner Durch das allzu frühe Hinscheiden von 1 ■ ■ ,■»*»■■ Uui Kaufmann ist auch der Israelitische Kindergarten sehr schwer betroffen. Das soziale Verständnis der Heimgegangenen und ihr anspruchsloses ausgeglichenes Wesen machte sie uns zur wertvollen und beliebten Helferin und Beraterin. Wir beklagen ihren Verlust aufs schmerzlichste und werden ihr ein treues Gedenken bewahren. Leipzig, den 4.12. 1935. Der Vorstand des Israelitischen Kindergartens. Durch den Tod von Frau Trudi Kaufmann haben unsere Anstalten, insbesondere das Alphons-Jacobson- Kinderheim Dürrenberg, einen schweren Verlust erlitten. Eine warmherzige, pflichtbewußte, tatkräftige Frau, die ihr ganzes Können für das Wohl der von uns Betreuten einsetztet ist dahingegangen. Ihr Andenken wird uns unvergeßlich sein. Leipzig, den 4. Dezember 1935. Israelitischer Wohltfltigkeitsvereln. seiner bedeutungsvollen Ausführungen an die Heimkehrenden die Frage: Flieht ihr ohne Ende? Ist der Weg der Rückkehr nur irgendein Weg? Gder endlich ein Weg zur Ruhe? Die Umkehr muß H e i m kehr sein. Die Lehrhäuser enthalten den Kompaß, der nach Hause weist. Sie wollen Licht entzünden für <|as Herz eines jeden. Es gibt keinen, der zu jung wäre oder zu alt, keinen, der zu viel oder ZU wenig gebildet ist. Denn jeder kehrt heim, jeder in seiner Not. Jeder hat Hindungen verloren, auf die er vertraute. Das Suchen nach neuen Bindungen muß zu der ein/igen, wahren Bindung führen, die nicht trügt: zur Religion. Aber Religiosität entsteht nicht aus Furcht, sondern aus Ehrfurcht. Unsere alten B ii eher müssen wir wieder aufschlagen und in ihnen wie unsere Väter die ewige Bindung eines jeden erfahren, die Bindung an das Du, an (.las Göttliche. Wir müssen uns wieder hineingestellt sehen in den Kreis der jüdischen Geschichte. Unser Neubeginn darf kein Start in neue Fremde sein. Zuerst müssen wir wissen, wie es in unserem eigenen Hause seit je ausgesehen hat. Wir müssen den Mut haben, uns zu unserer Herkunft zu bekennen. Der Weg muß ganz zurückgehen, bis zu uns selbst. Es wird für viele zuerst eine fremde Welt sein, eine andere Kultur. Aber wir müssen uns freiwillig auf die neue Bahn begeben. Nur dann können wir Herren unseres Schicksals werden und nicht wieder seine Sklaven. Unsere Geschichte , das ist nicht das Tote, und wir das Lebende. Dort sind die Sprechenden und w ir die Angesprochenen. Was wir lesen, können wir leben. Was war, i s t und wird sein. An uns ist es zu hören und zu antworten. Alle in unserer Geschichte standen einmal vor neuem Anfang. Alle haben sie gezweifelt wie wir. Sie sahen das große Ideal, wußten, wie groß es ist, Jude zu sein und kamen sich so klein vor. Wir dürfen nicht sagen: Weh' uns, dali wir nur Enkel sind! Nein, s'chus owaus aumedes lonu, das Verdienst unserer Väter sieht uns bei! Am Start waren wir Volk. Es ist uns gesagt, daß wir am Ziel — Menschen sein werden. Aber den Weg dahin müssen wir als V o I k gehen. Wer seinem Volke dient, baut an der Menschheit. Volk um der Menschheit willen, aber auch um der Menschheit willen — Volk! Um der Welt willen wollen wir gute Juden sein, das mögen sich diejenigen sagen, denen der Weg aus den Weiten der Menschheitsideale noch schwer wird. Noch fragen wir; das Lern e n kann uns Antwort geben. Eine Antwort, die Vcrantw Ortung bedeutet. Es kann uns den Ort weisen, wo wir stehen; dem Kreis, in dem wir leben können. Feierliches Orgelspiel, von Herrn Kapellmeister Simon ausgeführt, umrahmte den Vortrag, e. Der Elternabend der Jüdischen Schule stand im Zeichen der Frage: Welche Ausbildungsinöglichkeiten haben unsere Kinder in Palästina? Herr Lehrer Steinberg hat bei seinem kurzen Aufenthalt ein auflergewöhnlich reichhaltiges Material gesammelt und konnte dank seiner persönlichen Fühlungnahme mit eleu wichtigsten KONZERT des Colleglum muslcum Psalterion Chor — Leitung: Barnet Licht Sonntag, den IS. Dez. 1Q?5, abends S.35 Uhr in der Synagoge Gottsdiedstr. 3 tinttittskarten zu RM. 1.50, 1.— und —.50 bei Buchhandlung Kaufmann, Handelsbank Iwria und Zigarrengeschäft Rosen. — Mitglieder des Leipz. Kulturbundes haben freien Eintritt. — Abgabe der Eintrittskarten nur gegen „R-Ausweis", welcher im Büro des Kulturbundes gegen Zahlung v. RM. 1.— (Oültigkeitsd. 1. 10.35-30.9.36) tägl. zw. 10 u. 12 Uhr (auß. Sbd.) unter Vorlage eines kl. Lichtb. ausgehändigt wird.

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